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Capsur

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Capsur (oder Capsus) war ein maurischer Stammesführer der Spätantike (5. Jahrhundert) in Nordafrika.

Capsur wird nur von Bischof Victor von Vita erwähnt, der ihn als rex (in diesem Zusammenhang etwa Kleinkönig) bezeichnet. Danach arbeitete er mit Geiserich zusammen, dem König des nordafrikanischen Vandalenreiches. In einer Passage beschreibt Victor, dass Capsur, der in der Wüste in einem Gebiet namens Capra picti (oder Capra picta[1]) herrschte, auf Geheiß Geiserichs von diesem verbannte „rechtgläubige“ (katholische) Christen in seinem Gebiet aufnahm. Hierbei handelte es sich aus Victors Perspektive um Anhänger der römischen Reichskirche, die dem Nicäno-Konstantinopolitanum und nicht wie die Vandalen einer Variante des Arianismus anhingen.

Victor beschreibt in seinem Buch Historia persecutionis Africanae provinciae („Die Geschichte der Verfolgungen in den afrikanischen Provinzen“) hagiographisch die Schicksale der von den Vandalen verfolgten Katholiken; auch die folgende Passage ist hagiographisch stilisierend.[2] Hiernach hätten die Christen, eine Gruppe um den Sklaven Martinianus,[3] in der Verbannung im Gebiet Capsurs nun angefangen, die „heidnischen“ „Barbaren“, die offenbar lokalen Opferbräuchen anhingen, katholisch zu missionieren. Da dies einigen Erfolg hatte, sandten sie schließlich sogar eine Gesandtschaft in das nächstgelegene Bistum, um einen Priester zu holen. Eine Kirche wurde errichtet und viele „Barbaren“ christlich getauft. Als Capsur Geiserich jedoch darüber berichtete, wurden Martinianus und seine Brüder auf Geiserichs Befehl grausam hingerichtet und erlitten den Märtyrertod.[4]

Karte der christianisierten romano-berberischen Königreiche im 5./6. Jahrhundert nach Christian Courtois,[5] Nr. 6 ist das Gebiet Capsurs

Das genannte Gebiet Capra picti wurde von Christian Courtois mit einiger Plausibilität zwischen Capsa (heute Gafsa) und Casae Nigrae (heute Negrine) im heutigen Tunesien, damals im äußersten Südwesten der Provinz Byzacena, lokalisiert, in einer an die Sahara angrenzenden Region.[6] Die Geschehnisse um die christlichen Märtyrer könnten sich (da sie bei Victor unmittelbar an den Tod des Bischofs Deogratias von Karthago 457 anschließen) um 460 zugetragen haben.[7] Yves Modéran erschließt aus der Passage, dass Capsur offenbar, trotz der unzugänglichen Lage seines Gebiets und der Bezeichnung rex (König), die Victor verwendet, in unmittelbarer politischer Abhängigkeit von Geiserich in Karthago stand, weil er dessen Befehle einfach ausführte. Diese abhängige Rolle könnte darauf hinweisen, dass der Stamm Capsurs vielleicht schon in der römischen bzw. weströmischen Zeit mit für die Verteidigung des Limes Tripolitanus zuständig war.[8]

  • Victor von Vita, Historia persecutionis Africanae provinciae 1,35–38, ediert in Karl Halm (Hrsg.): Auctores antiquissimi 3,1: Victoris Vitensis Historia persecutionis Africanae provinciae sub Geiserico et Hunirico regibus Wandalorum. Berlin 1879, S. 9–10 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat)
  1. Hermann Dessau: Capra picta. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band III,2, Stuttgart 1899, Sp. 1545 f.
  2. Andrew H. Merrills, Richard Miles: The Vandals. Oxford 2010, S. 177.
  3. Hans-Joachim Diesner: Martinianus 9. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Supplementband XI, Stuttgart 1968, Sp. 932.
  4. Victor von Vita, Historia persecutionis Africanae provinciae 1,35–38, ediert in Karl Halm (Hrsg.): Auctores antiquissimi 3,1: Victoris Vitensis Historia persecutionis Africanae provinciae sub Geiserico et Hunirico regibus Wandalorum. Berlin 1879, S. 9–10 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat)
  5. Vgl. Christian Courtois: Les Vandales et l’Afrique. Paris 1955, S. 334 (online)
  6. Christian Courtois: Victor de Vita et son œuvre. Algier 1954, S. 37–38. Für plausibel gehalten von Yves Modéran: Les Maures et l’Afrique romaine (IVe–VIIe siècle) (= Bibliothèque des Écoles françaises d’Athènes et de Rome. Band 314). Rom 2003, Kapitel 11: La mutation des Maures de l’intérieur à l’époque vandale, S. 541–561 (online), hier Absatz 10.
  7. Yves Modéran: Les Maures et l’Afrique romaine (IVe–VIIe siècle) (= Bibliothèque des Écoles françaises d’Athènes et de Rome. Band 314). Rom 2003, Kapitel 11: La mutation des Maures de l’intérieur à l’époque vandale, S. 541–561 (online), hier Absatz 9.
  8. Yves Modéran: Les Maures et l’Afrique romaine (IVe–VIIe siècle) (= Bibliothèque des Écoles françaises d’Athènes et de Rome. Band 314). Rom 2003, Kapitel 10: Les Maures de l’intérieur au ive siècle, S. 445–540 (online), hier Absatz 29; ebd. Kapitel 11: La mutation des Maures de l’intérieur à l’époque vandale, S. 541–561 (online), hier Absatz 9 f. (S. 545 f.). Zur Position der maurischen Königtümer generell Alan Rushworth: From Periphery to Core in Late Antique Mauretania. In: G. Fincham, G. Harrison, R. Rodgers Holland, L. Revell (Hrsg.): TRAC 99: Proceedings of the Ninth Annual Theoretical Roman Archaeology Conference, Durham 1999. Oxbow Books, Oxford 2000, S. 90–103 (online; mit kurzer Erwähnung des „Königreichs des Capsus“ auf der von Courtois übernommenen Karte).