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Iulius Burdo

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Iulius Burdo war ein römischer Ritter und Flottenkommandant der späten neronischen und frühen flavischen Zeit. Er befehligte als praefectus classis Germanicae die am Niederrhein stationierte Flotte, jene Flottille, die ursprünglich von Drusus zur Sicherung der Rheingrenze aufgebaut und später von Germanicus erheblich erweitert worden war.

Im Herbst 68 n. Chr. wurde der Statthalter der Provinz Germania inferior, Fonteius Capito, von zwei Legionslegaten (Fabius Valens und Cornelius Aquinus) ermordet. Tacitus macht deutlich, dass die Soldaten der niedergermanischen Armee Burdo als geistigen Urheber oder zumindest als Mitwisser und Anstifter dieser Tat ansahen. Ob Burdo tatsächlich die treibende Kraft war oder nur zum Sündenbock gemacht wurde, bleibt unklar – Capito war bei den Truppen verhasst, weil er korrupt und disziplinlos gewesen war und sich angeblich mit gallischen Aufständischen eingelassen hatte.

Als am 3. Januar 69 n. Chr. die niedergermanische Armee Vitellius zum Kaiser ausrief, entlud sich der lange aufgestaute Hass der Soldaten gegen alle, die mit Capitos Tod in Verbindung gebracht wurden. Die Soldaten forderten lautstark Burdos Hinrichtung. Vitellius, der gerade erst seine Autorität festigen musste, wollte weder die Disziplin der Truppen noch seinen Ruf als gnädiger Princeps gefährden. Vitellius wählte daher einen Mittelweg: Er ließ Burdo verhaften und in Gewahrsam halten, signalisierte damit zunächst Nachgiebigkeit gegenüber der Soldateska, bewahrte den Flottenpräfekt aber vor der sofortigen Lynchjustiz. Nachdem Vitellius’ Sieg über Otho und die allmähliche Beruhigung der germanischen Truppen gesichert waren, ließ er Burdo wieder frei. Die Soldaten hatten inzwischen andere Sündenböcke gefunden; als „Blutopfer“ wurde stattdessen der Centurio Crispinus hingerichtet, der tatsächlich Blut an den Händen hatte.[1] Sein weiteres Schicksal ist unbekannt.

Einzelnachweise

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  1. Tacitus, Historien 1,58.