Schweröl
| Schweröl | ||||||||||||
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| Andere Namen |
Bunkeröl, HFO, RFO, IFO, Bunker C, Bunker B, Heizöl S (schwer), Heizöl ES (extra schwer) | |||||||||||
| Handelsnamen |
Marine (Residual) Fuel Oil (MFO) | |||||||||||
| Kurzbeschreibung | Dieselkraftstoff für Schiffsmotoren | |||||||||||
| Herkunft |
fossil | |||||||||||
| Eigenschaften | ||||||||||||
| Aggregatzustand | sehr hochviskose Flüssigkeit (20 °C) | |||||||||||
| Viskosität | ||||||||||||
| Dichte | ||||||||||||
| Flammpunkt |
min. 60 °C[1] | |||||||||||
| Sicherheitshinweise | ||||||||||||
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| Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen. | ||||||||||||
| Parameter | Einheit | Limit | RMA 25 | RMB 30 | RMD 80 | RME 180 | RMF 180 | RMG 380 | RMH 380 | RMK 380 | RMH 700 | RMK 700 |
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| (Int. Bezeichner) | IFO 180 | IFO 180 | IFO 380 | IFO 380 | ||||||||
| Dichte (15 °C) | kg/L | Max | 0,960 | 0,975 | 0,980 | 0,991 | 0,991 | 0,991 | 0,991 | 1,010 | 0,991 | 1,010 |
| Viskosität bei 50 °C | mm²/s | Max | 30,0 | 30,0 | 80,0 | 180,0 | 180,0 | 380,0 | 380,0 | 380,0 | 700,0 | 700,0 |
| Wasser | % (V/V) | Max | 0,5 | 0,5 | 0,5 | 0,5 | 0,5 | 0,5 | 0,5 | 0,5 | 0,5 | 0,5 |
| Schwefel | % (m/m) | Max | 3,5 | 3,5 | 4,0 | 4,5 | 4,5 | 4,5 | 4,5 | 4,5 | 4,5 | 4,5 |
| MCR | % (m/m) | Max | 10 | 10 | 14 | 15 | 20 | 18 | 22 | 22 | 22 | 22 |
| Aluminium + Silizium | mg/kg | Max | 25 | 40 | 40 | 50 | 60 | 60 | 60 | 60 | 60 | 60 |
| Flammpunkt | °C | Min | 60 | 60 | 60 | 60 | 60 | 60 | 60 | 60 | 60 | 60 |
| Pourpoint, Sommer | °C | Max | 6 | 24 | 30 | 30 | 30 | 30 | 30 | 30 | 30 | 30 |
| Pourpoint, Winter | °C | Max | 0 | 24 | 30 | 30 | 30 | 30 | 30 | 30 | 30 | 30 |
| Total Sediment Potential (TSP) | %wt | Max | 0,1 | 0,1 | 0,1 | 0,1 | 0,1 | 0,1 | 0,1 | 0,1 | 0,1 | 0,1 |
Qualitätskontrolle
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Entsprechend den MARPOL-Regularien (MARPOL 73/78 ANNEX VI) muss zumindest eine Probe (MARPOL-Probe) von jeder Brennstofflieferung am Bunkermanifold des zu bebunkernden Schiffes gezogen werden. Zulässige Verfahren der Probennahme sind gemäß MARPOL:
- von Hand mittels Ventil einstellbare Probenehmer mit kontinuierlichem Tropfen,
- zeitproportionale Automatikprobenehmer,
- strömungsproportionale Automatikprobenehmer.
Diese Probenehmer müssen so arbeiten, dass eine über den gesamten Bunkervorgang repräsentative Probe entsteht. In der Regel wird mittels Probenehmer eine größere Probe in ein Spezialgefäß gezogen und diese (nachdem der Bunkervorgang abgeschlossen ist) in vier spezielle Probeflaschen umgefüllt, etikettiert und von beiden Parteien versiegelt. Eine der Proben wird an ein Prüflabor geschickt. Idealerweise sollte mit dem Verbrauch des neuen Brennstoffes erst begonnen werden, wenn das Labor bestätigt, dass der Brennstoff den Angaben auf dem Lieferschein (Bunker Delivery Note) und damit der Norm entspricht. Eine Probeflasche erhält der Lieferant des Brennstoffes. Die MARPOL-Probe und die 4. Probe, kommerzielle Probe genannt, verbleiben an Bord. Die MARPOL-Probe muss so lange an Bord behalten werden, bis der Brennstoff überwiegend verbraucht ist, mindestens jedoch 12 Monate. Sie dient der Kontrolle durch die Behörden der Hafenstaaten, zum Beispiel, um den Schwefelgehalt zu prüfen. Die Etiketten der Probenflaschen müssen immer vom leitenden Ingenieur an Bord und vom Lieferanten unterschrieben sein. Meist übergibt der Lieferant des Brennstoffes eine in der Bunkereinrichtung (Bunkerbarge oder Landeinrichtung) gezogene Probe. Auch diese wird an Bord aufbewahrt.
Aufbereitung und Umweltaspekte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Schweröl ist bei Zimmertemperatur (20 °C) hochviskos (von etwa 1.500 bis 10.000 mm²/s, je nach Sorte) mit einer Dichte bis 1,010 kg/L (bei 15 °C; somit etwas schwerer als Wasser von 4 °C[4]). Um Schweröl pumpfähig zu machen bzw. zu halten, muss es auf 40 bis etwa 50 °C Lager- bzw. Verpumpungstemperatur erwärmt werden. Zur Einspritzung in den Motorverbrennungsraum wird MFO auf 130 bis 140 °C aufgeheizt (entspricht 8 bis 15 mm²/s). Für den Hilfskesselbetrieb und den Kesselbetrieb auf Dampfschiffen oder Dampflokomotiven gelten ähnliche Werte.
Schweröl enthält bis zu 2,5 % unbrennbare Bestandteile. Normalerweise werden vor der Verbrennung zuerst das Wasser und dann die festen Bestandteile (fines, Sedimente aus Asphaltenen) entfernt (Absetzbehälter, Separatoren, Filter) und als Abfall, sogenannter Schlamm (engl. Sludge), in Tanks gesammelt. Zu hohe Sludge-Mengen belasten die Reinigungsanlagen. Die Kapazität der Reinigungsanlagen kann in extremen Fällen zum Engpassfaktor bei hoher Motorlast werden; dies könnte die Sicherheit des Schiffes auf See beeinträchtigen.
Sludge (der Inhalt der Sludge-Tanks) kann gebührenpflichtig in Häfen entsorgt werden. Noch vorhandener Ölgehalt enthält eine gewisse Energie. Um Kosten zu sparen, wurde Sludge früher auch auf See verklappt. An Strände gespülte bzw. getriebene Sludge-Klumpen verschmutzen auch heute noch manche Strandabschnitte.
Im Jahr 1973 setzte die International Maritime Organization (IMO) die International Convention for the Prevention of Marine Pollution from Ships (MARPOL) in Kraft. Die Konvention wurde im Jahre 1978 grundlegend erweitert; sie wird allgemein als MARPOL 73/78 bezeichnet. Die MARPOL 73/78 hat sechs Anhänge ANNEX I bis ANNEX VI, die den Umgang mit Schadstoffen auf Schiffen reglementieren.
MARPOL 73/78 Annex I reglementiert den Umgang mit ölartigen Stoffen an Bord von Schiffen, insbesondere die Führung eines Öltagebuchs, das den Verbleib aller Öle dokumentiert. Die Einhaltung dieser Regularien wird von den Flaggenstaaten und den Hafenstaaten in kurzen Abständen unregelmäßig kontrolliert.
Die Nutzung von Schweröl als Betriebsstoff von Schiffsmotoren wird von Umweltverbänden wie dem NABU angeprangert.[5] Die Kritik richtet sich gegen die Verklappung von Sludge und auch gegen den hohen Schadstoffausstoß im Normalbetrieb. Kritisiert werden der hohe Rußausstoß und der Schwefelanteil des Schweröls (vgl. Tabelle weiter oben). Zum Vergleich: Heizöl (Standard) hat einen Schwefelanteil von maximal 1 ‰, Heizöl schwefelarm einen solchen von maximal 0,05 ‰.[6]
Preise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Preise für MFO orientieren sich in Europa am Rotterdamer Markt, international auch an den Marktpreisen von Houston, Fudschaira und Singapur. Es werden diverse Sorten notiert, zum Beispiel BUNKER 380 CST (entspricht RMG 380). Die Sorten werden in US-Dollar je 1000 kg (US-$/t) gehandelt. Verschiedene Publikationsorgane berichten (zum Teil täglich) über aktuelle Handelspreise und Volumina, zum Beispiel Platts und ICIS. Der Preis versteht sich, zumindest in Rotterdam, als: „delivered in ship“. Eine genaue Definition der diversen Notierungen findet man bei Platts.[7] Seeschiffe nutzen MFO als Kraftstoff für den Hauptantrieb, der Preis stieg ab Frühjahr 2005 von ca. 200 auf über 700 US-$/t im Juli 2008. In Rotterdam kostete am 19. Juni 2013 1 t IFO380 595 $, IFO 180 618 $, MGO 894 $. Die hohen Kraftstoffpreise und die schwache Nachfrage nach Gütern durch die Weltwirtschaftskrise führten dazu, dass Schiffe häufig mit verminderter Geschwindigkeit unterwegs sind, um Treibstoff zu sparen (Slow steaming). Eine Minderung der Reisegeschwindigkeit von 25 auf 20 Knoten beispielsweise kann den Verbrauch um rund 50 % senken (abhängig von Bauform des Schiffsrumpfs, Menge des Bewuchses (Fouling) am Unterschiff, Trimmung des Schiffes u. a.).
Angebot und Nachfrage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Obwohl beispielsweise in Deutschland die Ölindustrie durch moderne Raffinerie-Techniken (zum Beispiel Delayed Coker, Rauchgasentschwefelung oder der POx) den Anteil des Schweröls am Produktportfolio deutlich verringert hat, erfreut sich MFO – wegen der stark gestiegenen internationalen Handelsströme und des damit verbundenen Schiffsverkehrs – einer verstärkten Nachfrage. Auch wegen des stark ansteigenden Bedarfs der Volksrepublik China ist nicht mit einem Rückgang der Schweröl-Verbrennung zu rechnen, sondern eher mit einem Anstieg. Steuern lässt sich das Angebot eigentlich nur über die Rohölauswahl (Verarbeitung „schwererer“ Rohöle).
Illegale Beimengungen werden beobachtet. Es können zum Beispiel Reste aus der Kunststoffherstellung oder Altöle beigemengt werden. Damit sparen die Täter Entsorgungskosten und verdienen zusätzlich am Verkauf. Die Beimengungen führen oft zu Problemen bei der bordseitigen Kraftstoffreinigung.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über Schweröl im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- bunkerworld.com – Preise (englisch)
- Fuel Standard, 2017
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 ExxonMobil Residual Marine Fuel Oil (RMFO), Product Description, abgerufen am 7. März 2019.
- 1 2 BP: MSDS Fuel Oil, residual
- ↑ epa.gov: In-Use Marine Diesel Fuel (EPA420-R-99-027, August 1999) (PDF; 66 kB).
- ↑ Anm.: Organische Flüssigkeiten dehnen sich deutlich stärker ausdehnen als Wasser. Öl mit Dichte 1,010 kg/L bei 15 °C kann bei Erwärmen leichter werden, als Wasser derselben Temperatur. Überdies kann Wasser durch gelösten Salzgehalt seine Dichte erhöhen.
- ↑ „Dino des Jahres 2011“ für AIDA und TUI Cruises – Aus Profitgier fahren Kreuzfahrtschiffe mit giftigem Schweröl, Pressemitteilung des Naturschutzbundes vom 28. Dezember 2011, abgerufen am 2. Januar 2012.
- ↑ NABU: Mir stinkts! – NABU Kampagne für eine saubere Kreuzschifffahrt, Hintergrundpapier vom 15. August 2012 (PDF; 337 kB).
- ↑ Price assessment methodologies. In: platts.com. Abgerufen am 6. Januar 2018 (englisch).