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Broyhan

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Broyhanbier nach rekonstruiertem Rezept

Broyhan oder auch Broihan (regional traten auch die Schreibweisen Breihan und Bruhan auf) ist eine historische Biersorte, die auf den hannöverschen Braumeister Cord Broyhan zurückgeht. Es ist ein ungehopftes oder nur schwach gehopftes Weißbier, das mit hellen Malzen eingebraut wurde. Oftmals wurde auch Weizenmalz verwendet, jedoch nicht immer.

Als gesichert kann gelten, dass der Broyhan, im Gegensatz zu den meisten anderen Bieren seiner Zeit, ausschließlich mit „Luftmalz“ gebraut wurde, das auf der Tenne getrocknet wurde anstatt auf der Darre. Es hatte daher keinen Rauchgeschmack, wodurch der Charakter des Bieres unmittelbar hervortrat.

Der Broyhan war ein süß-säuerliches, leicht weinig schmeckendes Bier und wird zur Gruppe der obergärigen, milchsauren Weißbiere gerechnet; er gilt damit als verwandt mit Berliner Weissbier, Gose und Lichtenhainer. Die charakteristische säuerlich-weinige Note entstand durch eine Milchsäuregärung. Der Broyhan war zudem das Vorbild für die Berliner Weisse.[1]

Nach den überlieferten Rezepturen war der Broyhan ein vergleichsweise starkes Bier mit hoher Malzschüttung. Johann Carl Leuchs gibt in seiner Vollständigen Braukunde von 1831 für den Broihan mehrere Vorschriften an, darunter eine mit 10 Scheffel Weizen- und 5 Scheffel Gerstenluftmalz auf 12 berlinische Tonnen Bier.[2] Da die überlieferten Maischverfahren mit einer hohen Rasttemperatur arbeiteten, verblieb viel unvergärbarer Restextrakt im Bier; der Broyhan behielt dadurch auch nach der Gärung eine deutliche Restsüße, die im Zusammenspiel mit der Milchsäure den süß-sauren Charakter ergab. Zeitgenössische Beschreibungen vergleichen den Broyhan wiederholt mit Wein; der hannoversche Dichter Busman verglich ihn 1544 in einem Lobgedicht ausdrücklich mit dem Wein und schrieb, er erfreue das Herz und stärke die Traurigen.[3]

Über seine rund 350-jährige Geschichte wurde der Broyhan in zahlreichen regionalen Varianten gebraut; ein einheitliches Rezept existierte nicht. Gemeinsames Merkmal war die Verwendung hellen Luftmalzes sowie ein geringer oder fehlender Hopfenanteil. Rezepturen aus dem 16. Jahrhundert sind nicht bekannt. Spätere Quellen geben unterschiedliche Angaben: Der hannoversche Senator und Apotheker Johann Christoph Jordan (1799) beschreibt den Broyhan als ohne Zusätze und ungehopft, während andere Rezeptsammlungen den Zusatz von Hopfen sowie von Kräutern und Gewürzen nennen und geschmackliche Beschreibungen darauf hindeuten.[4]

1526 wandelte Broyhan das dunkelbraune Bier Hamburger Art ab und erfand am 31. Mai 1526 ein neues, hellbraunes Bier („Broyhan)“: Neben Wasser, Hopfen und Hefe nahm er dafür nur ein Drittel Weizen-, aber zwei Drittel Gerstenmalz. Dieses hellbraune, obergärige Bier wurde zu einem Exportschlager der Stadt Hannover, das ihr eine wirtschaftliche Blüte bescherte und sie zu einer Bierstadt ersten Ranges emporhob.

Am 29. März 1644 stellte Lucas Dunken in Bremen den Antrag, ihm ein Privileg zum Brauen von Broyhan-Bier zu erteilen.[5]

In der zwischen 1773 und 1858 edierten Oekonomischen Encyklopädie von Johann Georg Krünitz heißt es:[4]

„Der Breihan hat seinen Nahmen von Conrad Breihan, einem Mann, welcher aus Gronau, einem Städtlein des Stifts Hildesheim, gebürtig gewesen, sich einige Jahre in Hamburg als Brauerknecht gebrauchen laßen, wo er das Weißbier brauen gelernt, und sich nachher nach dem Dorfe Stöcken, bei Hannover, begeben, woselbst er im J. 1526, d. 31 Mai, zuerst das Weißbier gebrauet, von da er sich in Hannover niedergelaßen, und sich daselbst durch sein Bier, welches man hernach Breihan genennet, einen großen Ruhm erworben hat. Es haben ihm Andere diese Kunst abgesehen, und auch in andern Ländern Breihan gebrauet. 1) Der Hannoverische ist der älteste.2) Der Halberstädtische wird vor allen andern vorgezogen. Nach diesen folget 3) der Quedlinburgische, 4) der Wolfenbüttelische und Hildesheimische. 5) In der Grafschaft Hohenstein, ist der Neustädter, Klettenbergische und Wolflebische bekannt. 6) In Thüringen hat man ebenfalls, vor ungefähr 70 Jahren, in der kaiserl. freien Reichsstadt Mühlhausen Breihan zu brauen angefangen, und an einem Arm des Flusses Unstrut, in der Vorstadt St. Georgii vor dem Burg=Thor ein eigenes Breihan=Brauhaus erbauet. 7) In dem churf. sächsischen Dorfe Grüningen, unweit der fürstl. schwarzburgischen Stadt, Greusen, wird stark Breihan gebrauet. 8) Im Fürstentum Sachsengotha, wird dergleichen zu Friedrichroda, Ichterhausen und Molsdorf gemacht. 9) Auf dem fürstl. schwarzburgischen Cammergut zu Dornheim, bei Arnstadt im Amt Gräfenburg, ist vor vielen Jahren ein guter Breihan gebrauet worden, den die Bürger aus Arnstadt fleißig kosten. 10) In dem fürstl. Schwarzburg=Rudolstädtischen Dorf Elxleben, im Amt Stadt=Ilm, wird ebenfalls Breihan gebrauet, und an andere Oerter verführet.“

  • Erich Borkenhagen: Broyhanbier und Brauergilde Hannover: 1526–1976; 450 Jahre in Wort, Bild und Dokumenten; eine Jubiläumsgabe der Brauergilde Hannover AG; Hannover 1976
  • Ein Lehrbuch von 1750 über Broyhan. books.google.de
  • Johann Christoph Adelung: Broihan, der. In: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart. 2. Auflage. Band 1: A–E. Breitkopf, Leipzig 1793, S. 1203 (Digitalisat. zeno.org).

Einzelnachweise

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  1. Brauerei F. A. Ulrich, Leipzig. Ecksteins Biographischer Verlag, Berlin 1910, S. 4, urn:nbn:de:zbw-retromon-42700 (econbiz.de).
  2. Johann Carl Leuchs: Vollständige Braukunde, oder wissenschaftlich-praktische Darstellung der Bierbrauerei. C. Leuchs u. Comp., Nürnberg 1831, S. 331.
  3. Rudolph Ludwig Hoppe: Geschichte der Stadt Hannover. Helwingsche Hofbuchhandlung, Hannover 1845, S. 91–93.
  4. 1 2 Halberstädter Broihan. In: Oeconomische Encyclopädie. uni-trier.de
  5. Lydia Niehoff: Bierproduktion und Bierkonsum in der Stadt Bremen vom 17. bis zum 19. Jahrhundert. Bremen 1996, Anhang 15, S. 93