„Romanorum
quae hic spectas Monumenta
eruit posterisque servavit
Carolus Egon
princeps de Fuerstenberg
MDCCCXXI“
–
Inschrift des Schutzbaus der Therme (1821)[12]
Der am frühesten freigelegte, am gründlichsten erforschte und schließlich unter einem Schutzbau konservierte Bestandteil der römischen Hinterlassenschaften in Hüfingen ist sicherlich die Therme, das Balineum, welches bei jedem römischen Kastell anzutreffen ist. Die Thermen wurden außerhalb des rein militärischen Kastellbereichs errichtet und standen auch der Zivilbevölkerung zur Verfügung. Letztere musste, im Gegensatz zu den Soldaten, ein geringes Entgelt für die Benutzung der Bäder entrichten.[13]
Die Hüfinger Therme befindet sich westlich des Kastells in einem Taleinschnitt unterhalb des „Galgenbergs“. Es handelt sich bei ihr um ein Balineum des Blocktyps, bei dem alle Räume möglichst kompakt zusammengefasst wurden. Es nimmt – ohne Anbauten – eine Fläche von rund 570 m² ein, wovon alleine knapp 280 m² auf das großzügig angelegt Apodyterium (Umkleide- und Ruheraum, in der Abbildung mit F gekennzeichnet) mit einem Abkühlungsbecken (G in der Abbildung) entfallen. An das Apodyterium schließen sich südlich zwei Raumfluchten an, von denen die westliche mit einer Hypokaustanlage versehen ist, mit der das Caldarium (Heißbaderaum B) und das Tepidarium (Laubaderaum C) beheizt wurden. In der östlichen Raumflucht befand sich neben dem unbeheizten Frigidarium (Kaltbaderaum D) mit seinem separaten Kaltwasserbecken (E) das Praefurnium (Befeuerungsraum A), von dem aus der östliche Teil des Gebäudes beheizt wurde. Ein an der nordwestlichen Ecke des Gebäudes befindliches, kreisrundes Sudatorium (Schwitzbad I) wurde wohl separat beheizt. Ob über ein eigenes Praefurnium, wofür der Fund eines einzelnen Tubulus (Heizkachel) spräche, oder über ein einfaches, im Raum aufgestelltes Kohlebecken, ließ sich nicht mehr ermitteln, da der Bereich zum Zeitpunkt der Ausgrabungen bereits stark zerstört war. Der an der nordöstlichen Ecke des Gebäudeblocks angesetzte Raum (H) dürfte wohl dem Personal der Therme als Aufenthalts- und Arbeitsraum gedient haben.
In Abweichung zum Kastell wurde das Balineum ausweislich des datierbaren Fundmaterials vermutlich erst in frühvespasianischer Zeit um das Jahr 70 n. Chr. erbaut. Ein Vorgängerbau ist jedoch nicht bekannt. Nach dem Abzug der Garnison wurde das Bad von den Vicusbewohnern weiterbenutzt.
Der Vicus von Brigobannis, die zivile Siedlung, in der sich zunächst Angehörige von Soldaten, Händler, Gastwirte, Handwerker, später auch Soldaten nach der Beendigung ihrer Dienstzeit niederließen, befindet sich nördlich des Kastells und der Breg im Gewann „Mühlöschle“. Hier erstreckt er sich längs der nach Norden führenden römischen Straße auf einer Länge von rund 500 Metern. Seine Breite bewegt sich zwischen 100 und 200 Metern. Vom gesamten Vicusareal ist bislang ein gutes Drittel archäologisch untersucht worden.
Die Siedlung bestand aus Fachwerkbauten, die sich in der vicustypischen, lang gestreckten Form der so genannten Streifenhäuser mit ihren Schmalseiten, an denen sich die Portiken befanden, zur Straße hin ausrichteten. Insgesamt konnten drei Bauphasen differenziert, aber nicht eindeutig datiert werden. Auf eine reine Holzbauphase folgten zwei Bauphasen, in denen zumindest steinerne Fundamente Verwendung fanden. Feuergefährliche Betriebe, wie Töpfereien und Schmiedewerkstätten, waren an der windabgewandten Ostseite des Vicus angesiedelt.
Die ökonomische Basis der Siedlung bestand zunächst aus Dienstleistungen, die für die Garnison erbracht wurden, später kamen solche hinzu, die mit dem Durchgangsverkehr auf den römischen Fernstraßen in Zusammenhang standen: Umspann- und Raststationen, Schmiedewerkstätten und Wagnereien.[14] Somit konnte das ursprüngliche Lagerdorf auch nach dem Abzug der Truppen und der Auflassung des Kastells auf einer soliden wirtschaftlichen Grundlage weiter existieren. Gravierende Einschnitte in das wirtschaftliche Leben des Ortes dürfte aber die Entstehung kürzerer Ost-West-Verbindungen, wie der von Tuttlingen über die Kinzigtalstraße nach Argentorate (Straßburg), mit sich gebracht haben. Dennoch existierte der – vermutlich stark verkleinerte – Vicus von Hüfingen noch bis ins 3. Jahrhundert, möglicherweise bis zum Ende der römischen Herrschaft über Südwestdeutschland in Zeit der innen- und außenpolitischen sowie wirtschaftlichen Krise des Imperiums um die Mitte des 3. Jahrhunderts.[15]
An der in römischer Zeit nach Süden zum Legionslager Vindonissa führenden Straße, im Gewann „Krumme Äcker“, konnten 1978/79 im Zusammenhang mit der Neutrassierung der Bundesstraße 31 ein Gräberfeld lokalisiert und etwa 40 Gräber archäologisch gesichert werden. Es handelt sich dabei ausschließlich um Brandgräber. Die Belegung des Gräberfeldes nahm ausweislich des Fundmaterials im ersten nachchristlichen Jahrhundert ihren Anfang, währte über das Ende der militärischen Präsenz hinaus, wurde aber noch vor dem Ende des Vicus eingestellt. Weitere vereinzelte Gräber sind aus dem Bereich nördlich des Kastelldorfes bekannt.
Rund zwei Kilometer südsüdwestlich des Kastells befinden sich im „Deggenreuschen Wald“ die Überreste einer Villa rustica, die 1903 entdeckt und 1913 ergraben wurde. Es konnte dabei nur das Herrenhaus, ein häufig vorkommender Typus mit turmartigen Eckrisaliten, festgestellt werden. Der Südrisalit war mit einer halbkreisförmigen Apsis versehen und mit Wandmalereien repräsentativ ausgestattet. Das Landgut war teilunterkellert und in einzelnen Bereichen mit einer Hypokaustanlage versehen. Vor dem Hintergrund des relativ geringen Fundaufkommens und bedingt durch den Umstand, dass die Villa nur zu einem kleinen Teil ergraben worden ist, kann nur mit einer gewissen Vorsicht die Existenz des Anwesens für die Zeit von den 70er Jahren des 1. Jahrhunderts bis zum Ende der römischen Präsenz im südwestdeutschen Raum um 269/270 angenommen werden.
Südlich des Alenkastell und der Bundesstraße 31, im Gewann „Krumme Äcker“, wurden 1977 bei Straßenbauarbeiten Spuren eines weiteren römischen Militärlagers entdeckt. Es handelt sich hierbei um ein wohl nur kurzzeitig bestehendes Holz-Erde-Kastell, das mit den Seitenlängen von rund 100 m mal 60 m eine Fläche von 0,6 ha bedeckte und von zwei parallel verlaufenden Spitzgräben umgeben war. In seinem Inneren befand sich ein großer, sehr sorgfältig ausgeführter Holzbau. Das Areal wurde bislang nur wenig ergraben, konnte aber geomagnetisch prospektiert und damit vollständig erfasst werden. Die Zeitstellung und Funktion dieses Lagers werden seitdem in der provinzialrömischen Archäologie diskutiert. Es könnte sich um das Baulager einer Truppe handeln, die das Alenkastell errichtete. Die Befunde und das bisher nicht sehr umfangreiche Fundmaterial sprechen aber eher für ein mögliches augusteisches Lager aus der Zeit der frühesten römischen Okkupationsbemühungen. Gestützt wird diese Theorie dadurch, dass bei Strabon ein Aufenthalt des Tiberius an den Donauquellen im Jahre 15 v. Chr. erwähnt wird.
Das Kastell befindet sich unter den Äckern des „Galgenbergs“ und ist weitgehend von Bebauungen verschont geblieben. Der Vicusbereich wurde in weiten Teilen mit einem Gewerbegebiet überbaut. Weitere Gräber lassen sich unter den Äckern südlich der Bundesstraße 31 mit einiger Wahrscheinlichkeit vermuten. Oberirdisch ist von diesen römischen Relikten nichts mehr zu sehen.
Die Kastelltherme wurde bereits 1821 unter ein Schutzhaus gestellt, das als eines der ersten musealen Schutzhäuser überhaupt seinerseits bereits wieder ein schützenswertes Kulturdenkmal darstellt.[16] Die römische Badruine Hüfingen ist mit Informationstafeln und Vitrinen mit Originalfunden ausgestattet und für Besichtigungen geöffnet. Unter einer scheunenähnlichen Konstruktion werden die Besucher auf einer Steganlage über die freigelegten und konservierten archäologischen Befunde geführt. Die Badruine zählt zu den landeseigenen Monumenten und wird von der Einrichtung Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg betreut.
- Klaus Eckerle: Hüfingen. Kastell, Bad und Gutshof. In: Dieter Planck (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg. Theiss, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1555-3, S. 127 ff.
- Klaus Eckerle: Hüfingen. Der römische Gutshof. In: Filtzinger, Planck, Cämmerer (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg. 3. Auflage. Theiss, Stuttgart 1986, ISBN 3-8062-0287-7, S. 344
- Gerhard Fingerlin: Hüfingen. Frührömisches Lager. In: Dieter Planck (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg. Theiss, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1555-3, S. 131 f.
- Gerhard Fingerlin: Hüfingen. Brandgräberfeld. In: Dieter Planck (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg. Theiss, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1555-3, S. 132 f.
- Gerhard Fingerlin: Hüfingen. Frührömisches Lager. In: Filtzinger, Planck, Cämmerer (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg. 3. Auflage. Theiss, Stuttgart 1986, ISBN 3-8062-0287-7, S. 337
- Gerhard Fingerlin: Hüfingen. Kastell und Bad/Die zivile Siedlung/Brandgräberfeld. In: Filtzinger, Planck, Cämmerer (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg. 3. Auflage. Theiss, Stuttgart 1986, ISBN 3-8062-0287-7, S. 338 ff.
- Landesdenkmalamt Baden-Württemberg (Hrsg.): Führer zu römischen Militäranlagen in Süddeutschland. LDA BW, Stuttgart 1983
- Petra Mayer-Reppert: Brigobannis. Das römische Hüfingen. Theiss, Stuttgart 1995, ISBN 3-8062-1204-X, (Führer zu archäologischen Denkmälern in Baden-Württemberg, 19)
- Sabine Rieckhoff: Münzen und Fibeln aus dem Vicus des Kastells Hüfingen (Schwarzwald-Baar-Kreis). Saalburg-Jahrbuch 32, 1975, S. 5–104
Grabungsbericht der Reichs-Limeskommission:
- ↑ Kirchzarten in Vergangenheit und Gegenwart. In: kirchzarten.de. Gemeinde Kirchzarten, abgerufen am 14. Oktober 2024.
- ↑ „Aedium Romanorum, paucis abhinc annis prope Hüfingen in monte Abnoba detectarum, succicta descriptio.“ Schreiber machte diese Schrift im folgenden Schuljahr neben den üblichen lateinischen Klassikern zum Bestandteil des Schulprogramms am Freiburger Gymnasium.
- ↑ Monika Balzert: Joseph Fricks lateinische Beschreibung der römischen Ruinen von Hüfingen von 1824. In Petra Mayer-Reppert: Brigobannis. Das römische Hüfingen. Theiss, Stuttgart 1995, ISBN 3-8062-1204-X, S. 77–108.
- ↑ August Eckerle: Vorbemerkungen. In: Friedrich Dannheimer: Die Rinderknochen der römischen Zivilsiedlung in Hüfingen (Ldkrs. Donaueschingen) (= Badische Fundberichte. Sonderheft 6). Staatliches Amt für Ur- und Frühgeschichte, Freiburg im Breisgau 1964, S. 9 f. (mit knappem Überblick über die wichtigsten Ergebnisse der Grabungen).
- ↑ Nach Gerhard Fingerlin: Hüfingen. Kastell und Bad/Die zivile Siedlung/Brandgräberfeld. In: Filtzinger, Planck, Cämmerer (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg. 3. Auflage. Theiss, Stuttgart 1986, ISBN 3-8062-0287-7, S. 340 bzw. 129.
- ↑ Nach Petra Mayer-Reppert: Brigobannis. Das römische Hüfingen. Theiss, Stuttgart 1995, ISBN 3-8062-1204-X, S. 35.
- ↑ Gerhard Fingerlin: Hüfingen. Kastell und Bad/Die zivile Siedlung/Brandgräberfeld. In: Filtzinger, Planck, Cämmerer (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg. 3. Auflage. Theiss, Stuttgart 1986, ISBN 3-8062-0287-7, S. 340 bzw. 128, spricht von einem „Dauerkastell“ und mehreren „Behelfskastellen“. Er orientiert sich dabei an Revellio, der 1937 „behelfsmäßige Kastellanlagen“ (ORL B V.II 62a, 1937, S. 5 ff.) und „Dauerkastelle“ (ORL B V.II 62a S. 14 ff.) dokumentiert hatte.
- ↑ Revellio (ORL B V.II 62a, 1937, S. 5 f.) ging aufgrund der zum Teil provisorischen Strukturen der Gräben noch davon aus, dass es sich bei den Behelfskastellen um feldmäßige Stellungen gehandelt habe, die unter Kampfbedingungen immer wieder verstärkt und verändert worden seien.
- ↑ Nach Paul Revellio in der Reihe Der obergermanisch-raetische Limes des Roemerreiches (Hrsg. Ernst Fabricius, Felix Hettner, Oscar von Sarwey): Abteilung B, Band 5, Kastell Nr. 62a (1937), S. 21, sind es 24.700 m².
- ↑ Bei Petra Mayer-Reppert: Brigobannis. Das römische Hüfingen. Theiss, Stuttgart 1995, ISBN 3-8062-1204-X, S. 35, sind es 3,4 Hektar, bei Revellio (ORL B V.II 62a, 1937, S. 21) ist noch von knapp 3,6 ha, genauer gesagt 35.880 m² die Rede.
- ↑ Bei der anzunehmenden Größe der Ala gehen die Meinungen schon wieder auseinander. Während Gerhard Fingerlin: Hüfingen. Kastell und Bad/Die zivile Siedlung/Brandgräberfeld. In: Filtzinger, Planck, Cämmerer (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg. 3. Auflage. Theiss, Stuttgart 1986, ISBN 3-8062-0287-7, S. 340 bzw. 129, wie Revellio (ORL B V.II 62a, 1937, S. 21) von einer Ala quingenaria ausgehen, schreibt Petra Mayer-Reppert: Brigobannis. Das römische Hüfingen. Theiss, Stuttgart 1995, ISBN 3-8062-1204-X, S. 35, das Lager einer Ala milliaria zu.
- ↑ „Das Bauwerk der Römer, das du hier siehst, hat Karl Egon, Fürst zu Fürstenberg, erforscht und für die Nachwelt gerettet. 1821.“
- ↑ Nach Petra Mayer-Reppert: Brigobannis. Das römische Hüfingen. Theiss, Stuttgart 1995, ISBN 3-8062-1204-X, S. 52.
- ↑ Nach Petra Mayer-Reppert: Brigobannis. Das römische Hüfingen. Theiss, Stuttgart 1995, ISBN 3-8062-1204-X, S. 37.
- ↑ Mayer-Reppert geht, allerdings auf der Grundlage spärlicher und vereinzelter Funde, von einer geringen römischen Präsenz noch in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts aus. Petra Mayer-Reppert: Brigobannis. Das römische Hüfingen. Theiss, Stuttgart 1995, ISBN 3-8062-1204-X, S. 37.
- ↑ Jutta Heim-Wenzler: Römerbad – Schutzbau und Steganlage. In Petra Mayer-Reppert: Brigobannis. Das römische Hüfingen. Theiss, Stuttgart 1995, ISBN 3-8062-1204-X, S. 109–119.