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Briefmarkensprache

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Eine nach links gekippte Marke aus der Germania-Serie, abgestempelt 1907

Unter Briefmarkensprache versteht man die Übermittlung verschlüsselter Botschaften durch die Anordnung und Ausrichtung von Briefmarken auf einem Brief oder einer Postkarte. Die postalische Funktion oder der Wert der verwendeten Marken spielte dabei keine Rolle; entscheidend war ausschließlich deren Stellung auf der Sendung.

Die Briefmarkensprache war insbesondere vom späten 19. Jahrhundert bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts in mehreren europäischen Ländern verbreitet und diente vor allem dem Austausch persönlicher oder romantischer Mitteilungen. Sie gilt als Form symbolischer beziehungsweise nonverbaler Kommunikation und steht in einer Reihe mit anderen kulturellen Zeichensystemen wie der Blumensprache.

Geschichte

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Etwa ab 1870[1] war die Anordnung der Briefmarken auf einem Brief zum Zweck der verdeckten Information verbreitete Praxis. Dazu erschienen Anleitungen zur Deutung der Botschaften auf Postkarten, in Zeitschriften und sogar in mehreren Büchern.

Bis in die 1960er Jahre erfreute sich die Briefmarkensprache nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern wie Österreich, Belgien, Frankreich, Großbritannien oder der Schweiz besonders unter Liebespaaren einer gewissen Beliebtheit.

Durch die Abnahme der Briefpost und die Zunahme der elektronischen Informationsübermittlung geriet die Briefmarkensprache immer mehr in Vergessenheit.

Ausdrucksweise und Bedeutungen

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Durch die Art und Weise, wie eine oder mehrere Briefmarken auf einen Brief oder eine Postkarte geklebt werden, kann ein Bedeutungsinhalt übermittelt werden. Abweichend von der üblichen Anordnung, bei der die Marken gerade in die obere rechte Ecke geklebt werden, existieren zahlreiche Varianten der Stellung und Ausrichtung. Bereits für ein bis zwei Marken sind mehrere Dutzend unterschiedliche Anordnungen möglich.

Die Bedeutungen der jeweiligen Positionen waren nicht einheitlich festgelegt und unterschieden sich je nach Land, Quelle oder Veröffentlichung. Absender und Empfänger mussten sich daher über die verwendeten Bedeutungen einig sein, um Missverständnisse zu vermeiden.

Beispiele der Briefmarkensprache in tschechischer Sprache

Die nebenstehende Abbildung zeigt Beispiele aus einer tschechischen Darstellung der Briefmarkensprache. Dort bedeuten verschiedene Markenstellungen unter anderem:

  • „Miluji Tě!“ – „Ich liebe dich!“
  • „Navždy Tvůj!“ – „Für immer dein!“
  • „Přijdu brzy!“ – „Ich komme bald!“
  • „Napiš mi brzy!“ – „Schreib mir bald!“
  • „Sraz jako obvykle!“ – „Treffen wie gewöhnlich!“
  • „Kdy přijdeš?“ – „Wann kommst du?“

Literatur

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  • Die Briefmarkensprache. Herausgegeben von einem Fachmann. Allen Liebenden, Glücklichen und Unglücklichen gewidmet, Verlag Ad. Spaarmann, 1888
  • Liebes-Briefsteller. Mit Anhang: Die Briefmarkensprache. Frey, Berlin-Südende o. J. <1913>
  • Bernhard von Alvensleben: Illustrierte Briefmarken-Sprache für Liebende und Verlobte in originellen Reimen. Ernst, Leipzig 1917
  • Anna Wietfeldt: Die Blumen- und Briefmarkensprache. Die Geheimsprache f. Liebende u. Freunde. Buntes Allerlei; Nr. 2. G. Danner, Mühlhausen i. Thür. 1918
  • Neue Briefmarkensprache. Enßlin u. Laiblin, Reutlingen 1920
  • Neueste Briefmarkensprache für Liebende ein Verständigungsmittel f. jedermann. Mit alph. Verz. v. Deutung v. Markenstellungen. O. O., 1920
  • Julius Schmehl: Geheime Liebespost. Neuester, origineller Sport f. Liebende u. wichtig f. jeden Briefschreiber u. Kartensammler; 150 Mitteilungen ...; Interessanter u. praktischer als d. Briefmarkensprache. Mit Anhang: Humoristische Hochzeitstafellieder etc. R. Bardtenschlager, Reutlingen o. J. <1929>
  • H. Baar: Die Blumen- und Briefmarkensprache. Die Geheimsprache für Liebende und Freunde, Band 2 von Buntes Allerlei, 1918
  • Wilfried Spanke: Briefmarken-Sprache einst und (noch) heute. In: Archiv für deutsche Postgeschichte Ausgabe 2/1992, S. 68–84
  • Wolfgang Baldus: Der Briefmarken-Code und andere Heimlichkeiten (I). In: philatelie, Nr. 472, 2016, Seite 41–44.
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Commons: Language of stamps – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Briefmarkensprache – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  1. Baldus 2016, Seite 41: „etwa ab 1870 überall in Europa“