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Botokuden

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Botocudo)
Krenak-Frau mit Lippenteller (circa 1900)
Krenak-Mädchen (1928)
Krenak auf der Jagd (die Beute ist ein Hausrind, 1928)

Aimoré oder Botokuden (portugiesisch: botocudos, abgeleitet von botoque = Holzpflock, Faßspund) ist die veraltete Bezeichnung für Indigene, die in den Wäldern des südöstlichen Brasilien, hauptsächlich auf dem Gebiet des Bundesstaates Minas Gerais, lebten. Die gegenwärtigen Bezeichnungen lauten Krenak (von Portugiesisch: Crenaques) oder Borun (eine selbstgewählte Bezeichnung). Ihre Sprache ist Borun. Die Zahl der Mitglieder betrug 2020 knapp 500[1]. Der im deutschen Sprachraum wohl bekannteste Borun war im 19. Jahrhundert Joachim (Joaquim) Quäck (eigentlich Nuguäck).

Der Name Botokuden war eine abschätzige Bezeichnung der Kolonisten aus Portugal für jene Menschen, die Holzpflöcke in Ohren oder Lippen trugen, und bezog sich auf den unter einigen Stämmen verbreiteten Brauch des Tragens von Lippentellern. Später wurde der Begriff von den Kolonisatoren jedoch für alle Indigenen Brasiliens verwendet, die sich der Zentralregierung bzw. den europäischen Kolonisatoren widersetzten.

Ursprünglich lebten die Krenak als Jäger und Sammler in Gruppen von 50 bis 200 Mitgliedern. Bereits im 16. Jahrhundert wehrten sie sich gegen ihre Versklavung durch die Kolonisatoren. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam es zu schweren kriegerischen Auseinandersetzungen mit vordringenden europäischen Siedlern und später dann zu Verfolgung und Diskriminierung, die praktisch zur Ausrottung der Krenak führten. Erst im späten 20. Jahrhundert konnten sich die verbliebenen Borun in einem 4.000 Hektar großen Reservat niederlassen.

2007 lebten laut Microsoft Encarta noch etwa 2000 Nachfahren der Borun, meist als Bauern, unter der Landbevölkerung.[2] Laut Jimmie Durham betrug die Mitgliederzahl im Jahr 2012 nur 600 Personen.[3]

Ihre Sprache und Kultur sind fast völlig ausgestorben.[4] Die jüngeren Mitglieder sprechen vor allem Portugiesisch, die älteren sind bilingual Borun-Portugiesisch; aktuell gibt es Initiativen der Wiederbelebung der indigenen Sprache Borun.

Umgangssprachlich wurde das Wort "Botokuden" im Deutschen auch als abwertendes Synonym für eine ungebildete Person mit schlechtem Benehmen verwendet[5], ein Indiz für eine stark kolonistische Weltsicht, die sich in der Umgangssprache zeigte.

  • Joachim Quäck: Die Lebensgeschichte des "Botokuden" Quäck, den Maximilian zu Wied-Neuwied 1818 aus Brasilien nach Neuwied brachte.
  • Maximilian zu Wied-Neuwied: Reise nach Brasilien in den Jahren 1815 bis 1817. 2 Bände, Verlag Heinrich Ludwig Brönner, Frankfurt 1820–1821. Band 2. Maximilian zu Wied-Neuwied besuchte 1817 die Krenak drei Monate lang. Anschließend nahm er Joachim Quäck (eigentlich Nuguäck) als seinen persönlichen Kammerdiener in sein Schloss Neuwied auf. Er beschreibt die "Botokuden" im 2. Band. Joachim Quäck wird im 2. Band auf den folgenden Seiten erwähnt: 42, 51, 55, 64, 66, 130, 131, 304.
  • J. C. H. King: Family of Botocudos Exhibited on Bond Street 1822. In Christian F. Feest: Indians and Europe: An Interdisciplinary Collection of Essays. University of Nebraska Press, 1999, ISBN 0-8032-6897-1, S. 243–251 (eingeschränkte Online-Version in der Google-Buchsuche)
  • Paul Ehrenreich (Berlin): Über die Botocudos der brasilianischen Provinzen Espiritu santo und Minas Geraes. (Mit Tafel I–II) 1, 49. In: Zeitschrift für Ethnologie. Organ der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. Neunzehnter Band 1887. Mit 5 lithographirten Tafeln. Verlag von A. Asher & Co., Berlin 1887.
  • Bruno Rudolph: Wörterbuch der Botokudensprache. Fr. W. Thaden, Hamburg 1909. (Im Jahr 2010 wurde das Wörterbuch der Botokudensprache Krenak in die Portugiesische Sprache übersetzt)
  • Meyers großes Taschenlexikon in 24 Bänden. BI-Taschenbuchverlag 1992, Band 3, S. 318.
  • Susanne Koppel: Brasilien-Bibliothek der Robert-Bosch-GmbH: Katalog Band II: Nachlass des Prinzen Maximilian zu Wied-Neuwied. Teil 1: Illustrationen zur Reise 1815 bis 1817 in Brasilien. Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart 1988, ISBN 3-421-02938-5, S. 34–39 und passim.
  • Jimmie Durham: Quacks Rückkehr. Essay über das indigene Volk der Krenak. In: Die Tageszeitung vom 24. April 2011
  • Schmutzer, Kurt: Verschleppt. Die Geschichte von Francisca und João oder Wie zwei Indigene aus Brasilien nach Wien kamen. edition SCIENCE, Verlag Bibliothek der Provinz, Weitra, 2025, ISBN 978-3-99126-219-0 (Rezension)
Commons: Botokuden – Sammlung von Bildern
Wiktionary: Botokude – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  1. ↑ Maria Hilda Baqueiro Paraiso, Universidade Federal da Bahia: Krenak. In: Povos Indígenas no Brasil. Instituto Socioambiental, https://www.socioambiental.org/en/, März 2018, abgerufen am 20. September 2026 (englisch).
  2. ↑ Botokuden. In: Microsoft Encarta Online-Enzyklopädie 2009.
  3. ↑ Jimmie Durham: Essay über das indigene Volk der Krenak. Quacks Rückkehr. In: taz.de, 22. April 2011, abgerufen am 25. November 2013.
  4. ↑ Christopher Moseley: Encyclopedia of the World’s Endangered Languages. Routledge 2007, ISBN 978-0-7007-1197-0, S. 142 (eingeschränkte Online-Version (Google Books))
  5. ↑ Botokude im Duden