Bleibusch
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Bleibusch (Amorpha canescens) | ||||||||||||
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Der Bleibusch (Amorpha canescens), auch Weißgrauer Bleibusch oder Bleipflanze genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Amorpha innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae) aus der Unterfamilie der Schmetterlingsblütler. Er ist in Nordamerika beheimatet und wird als Zierpflanze verwendet. Der Trivialname Bleibusch bezieht sich entweder darauf, dass der Standort der Pflanze auf Blei oder Bleiglanz im Boden hinweisen soll,[1][2] oder auf das bleifarbene Aussehen der behaarten Pflanze.[3]
Beschreibung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Vegetative Merkmale
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Bleibusch ist ein aufsteigender bis aufrechter, laubabwerfender Halbstrauch, der Wuchshöhen von 50 bis 80 (selten bis über 100) Zentimetern erreicht. Die verzweigte Pfahlwurzel kann 2 bis 5 Meter tief in den Boden reichen.[4] Die oberirdischen, jungen, schlanken Triebe sind dicht, weich, weißgrau und nicht drüsig behaart. Ältere Zweige sind hellgrau bis bräunlich gefärbt und fast kahl. Die zahlreichen, wechselständigen, kurz gestielten und ausgebreiteten Laubblätter sind 27- bis 41-zählig, oft wechselnd, unpaarig gefiedert und erreichen eine Länge von 6 bis 12 (selten bis zu 15) Zentimetern. Die gefurchte Rhachis ist meist behaart.[5]
Die kurz gestielten, ganzrandigen Fiederblättchen sind bei einer Länge von 10 bis 18 Millimetern und einer Breite von 4 bis 7 Millimetern eiförmig bis elliptisch oder länglich, gewöhnlich zwei- bis dreimal so lang wie breit. Sie stehen sehr dicht und überlappen sich oft. Das endständige Blättchen ist fast kreisförmig bis verkehrt-eiförmig, mit stumpfer bis breit gerundeter Basis bis breit abgerundetem oberen Ende. Die stumpfen bis abgerundeten, selten spitzen oder eingebuchteten, öfters stachel-, borstenspitzigen Blättchen sind auf beiden Seiten meist dicht graufilzig behaart. Auf ihrer Unterseite sind kleine, punktförmige, olivgrüne oder braune Drüsen vorhanden, die jedoch meist von den Haaren verdeckt sind.[5]
Die 2 bis 3 Millimeter langen, unauffälligen und nicht drüsigen Nebenblätter sind linealisch bis borstenförmig. Sie sind auf der Außenseite dicht graufilzig behaart und auf der Innenseite kahl sowie rötlich oder gelblich gefärbt. Sie liegen zunächst an, später sind sie oft zurückgebogen und fallen ab. Es sind Nebenblättchen vorhanden.[5]
Generative Merkmale
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Blütezeit erstreckt sich über die Sommermonate. Die kleinen, zwittrigen, kurz gestielten Blüten mit doppelter Blütenhülle stehen in 7 bis 15 (selten bis 25) Zentimeter langen und 1 bis 1,5 Zentimeter breiten, aufrechten, fein behaarten, sehr dichten Trauben. Meist bilden 5 bis 20 (oder mehr) end- und achselständige Trauben einen dichten Gesamtblütenstand. Es sind meist abfallende, schmale, 3 bis 4 Millimeter lange Tragblätter vorhanden. Der kleine, verkehrt-kegelförmige bis becherförmige, dicht grau behaarte, gezähnte, fünfteilige Kelch ist drüsig.[5]
Die 4,5 bis 6 Millimeter lange und 2,5 bis 4 Millimeter breite, violett gefärbte Fahne ist breit verkehrt-herzförmig, stark eingerollt und umfasst die Staubblätter sowie den Griffel. Ihr äußeres Ende ist meist ausgerandet, manchmal auch bespitzt, ihr Rand ist ganzrandig bis unregelmäßig genagt. Die seitlichen Flügel und das Schiffchen fehlen. Die zehn abgestuft ungleich langen, leicht vorstehenden, kahlen, an der Basis verwachsenen Staubfäden sind goldbraun bis rötlich gefärbt und von gelben bis goldbraunen Staubbeuteln gekrönt. Der 5 bis 7 Millimeter lange behaarte Stempel besitzt einen Griffel mit kleiner Narbe. Im Kelch sind Nektarien vorhanden.[5]
Die 3,5 bis 4,5 Millimeter lange und rund 2 Millimeter breite, am Rücken mehr oder weniger gerade, am Bauch stark gebogene, einsamige, braune, geschnäbelte, einsamige Hülsenfrucht ist meist dicht bis mäßig und weich behaart; ihre obere Hälfte ist zudem drüsig. Sie überragt den beständigen Kelch um 2 bis 3,5 Millimeter und endet in einer etwa ein Millimeter langen Griffelbasis. Die nicht aufspringenden Früchte bleiben noch längere Zeit an der Pflanze.[5]

Chromosomensatz
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 10; es liegt Diploidie vor mit der Chromosomenzahl 2n = 20.[6]
Ökologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Wurzeln des Bleibuschs besitzen Wurzelknöllchen mit stickstofffixierenden Bakterien (Rhizobien).[4] Von den vielen Insektenarten, die die Blüten des Bleibusches besuchen, sind solitär lebende Bienen und Käfer die effizientesten Bestäuber. Auch Honigbienen bestäuben die Blüten.[4][7]
In Nordamerika leben viele Schmetterlingsarten, Käfer, gallbildende Insekten und sozialparasitäre Wespen, die vom Bleibusch abhängig sind. Die Dichte und Vielfalt der Insekten sind in großen Pflanzenpopulationen höher und nehmen mit dem Grad der Lebensraumfragmentierung ab. Dabei können kleine Bleibuschpopulationen an Straßenrändern einem höheren Druck durch einige wenige Insektenarten ausgesetzt sein als Populationen in Schutzgebieten.[8]
Grasende Wild- und Weidetiere fressen den Bleibusch gerne. In der Folge zeigt er ein starkes kompensatorisches Wachstum. Allerdings kommt es durch die Beweidung zu einem Rückgang der blühenden Stängel und Früchte, sodass der Bleibusch auf überweideten Wiesen seltener ist.[9] Er gilt als Indikator für eine ausgewogene Bewirtschaftung von Weideland und Mischgrasprärien. Seine Fähigkeit, aus den Wurzeln wieder auszutreiben, ermöglicht es ihm, Feuer, Dürre, Frost und Verbiss zu überleben.[4]
Vorkommen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das natürliche Verbreitungsgebiet des Bleibuschs erstreckt sich über die kontinentalen Regionen Nordamerikas. In Kanada kommt er in den Provinzen Manitoba und Ontario vor,[10] in den USA vom Bundesstaat Montana nach Westen bis Michigan und nach Süden bis Arizona, New Mexico, Nordtexas, Arkansas und Mississippi. In Deutschland und Korea gibt es neophytische Vorkommen,[11] die in Deutschland jedoch unbeständig sind.[12]
Der Bleibusch besiedelt trockene, sandige Ebenen und Binnendünen, wächst aber auch an frischen bis mäßig feuchten Standorten wie Flussufern, Straßenrändern, Feldern, Wiesen, Prärien und offenen, lichten Waldgebieten. Dank seiner tiefen Wurzeln toleriert er sehr trockene Böden.[5][4]
Systematik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Erstbeschreibung von Amorpha canescens erfolgte im Jahr 1813 durch Frederick Traugott Pursh in Flora Americae Septentrionalis, Band 2, Seite 467. Das Artepitheton canescens bedeutet „grau werdend“ oder „grau“ und bezieht sich hier auf die weißgrau behaarten Stängel und Laubblätter dieser Art.[13]
Der Bleibusch ist eng mit dem Bastardindigo verwandt.[6] Die beiden Arten bilden im Südwesten Missouris natürliche Hybriden, die im Jahr 1953 als Amorpha × notha E.J.Palmer beschrieben wurden.[5][14] Die Hybride unterscheidet sich vom Bleibusch durch ihren höheren Wuchs, ihre deutlich kürzeren Kelchlappen und den stark gebogenen Rücken ihrer Früchte. Vom Bastardindigo unterscheidet sie sich durch ihren dicht behaarten Kelch sowie durch die fein behaarten Laubblätter und jungen Stängel.[5]
Verwendung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Bleibusch wird selten als Zierpflanze verwendet. Er gilt als unscheinbarer Halbstrauch, der eher unordentlich wirkt und nur zur Blütezeit angenehm auffällt. Er eignet sich gut für Steppenheide- und Prärieanlagen sowie für Wildblumenwiesen.[15] Meist braucht er einige Jahre, um sich zu etablieren und zu blühen, ist dann aber leicht zu kultivieren.[16]
Bevorzugt werden mäßig trockene bis frische, mehr oder weniger neutrale, gut durchlässige, karge, sandige und steinige Böden in voller Sonne. Der Bleibusch ist winterhart bis −45 °C (Zone 2),[15][17] friert bei starkem Frost jedoch bis zum Boden zurück und treibt dann im Frühjahr wie eine Staude aus der Basis wieder aus.[18]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Robert L. Wilbur: A revision of the North American genus Amorpha (Leguminosae-Psoraleae). In: Rhodora. Band 77, Nr. 811, 1975, S. 337–409, Amorpha canescens auf Seite 367–373, JSTOR:23311397 (Digitalisat).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Datenblatt und Fotos bei Flora of the Southeastern United States, North Carolina Botanical Garden.
- Datenblatt Lead Plant - Amorpha canescens bei Montana Natural Heritage Program.
- Leadplant (Amorpha canescens) plant fact sheet (PDF) bei USDA Plants Database.
- Amorpha canescens Pursh leadplant (PDF) bei Michigan Natural Features Inventory.
- Datenblatt und Fotos bei SEINet, Arizona - New Mexico.
- Amorpha canescens bei Missouri Plants.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Theodor Olshausen: Die Vereinigten Staaten von Amerika. Band II, 2, Hälfte, Akademische Buchhandlung, 1855, S. 37. f.
- ↑ Amanda Neill: A Dictionary of Common Wildflowers of Texas & the Southern Great Plains. TCU Press, 2005, ISBN 0-87565-309-X, S. 9 f.
- ↑ Joseph Dalton Hooker: Curtis’s Botanical Magazine. Vol. XXXVIII, Third Series, Reeve, 1882, Tab. 6618, online auf biodiversitylibrary.org.
- 1 2 3 4 5 Janet L. Fryer: Amorpha canescens, leadplant. In: U.S. Department of Agriculture, Forest Service, Rocky Mountain Research Station, Fire Sciences Laboratory (Hrsg.): Fire Effects Information System. 2011 (Online).
- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Robert L. Wilbur: A revision of the North American genus Amorpha (Leguminosae-Psoraleae). In: Rhodora. Band 77, Nr. 811, 1975, S. 337–409, Amorpha canescens auf Seite 367–373, JSTOR:23311397 (Digitalisat).
- 1 2 Shannon C.K. Straub, Jeff J. Doyle: Molecular phylogenetics of Amorpha (Fabaceae): an evaluation of monophyly, species relationships, and polyploid origins. In: Molecular phylogenetics and evolution. Band 76, 2014, S. 49–66, doi:10.1016/j.ympev.2014.02.025.
- ↑ Malinda W. Slagle, Stephen D. Hendrix: Reproduction of Amorpha canescens (Fabaceae) and diversity of its bee community in a fragmented landscape. In: Oecologia. Band 161, Nr. 4, 2009, S. 813–823, doi:10.1007/s00442-009-1429-3.
- ↑ Cassandra Kasun Lewis: The effects of habitat fragmentation on Amorpha canescens, a prairie forb, and its associated herbivores. Hrsg.: University of Iowa. 1999, doi:10.17077/etd.hqqpsj7e (Online).
- ↑ Karen R. Hickman, David C. Hartnett: Effects of grazing intensity on growth, reproduction, and abundance of three palatable forbs in Kansas tallgrass prairie. In: Plant Ecology. Band 159, Nr. 1, 2002, doi:10.1023/A:1015534721939.
- ↑ Amorpha canescens bei Canadensys, Université de Montréal Biodiversity Centre.
- ↑ Datenblatt Amorpha canescens bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science.
- ↑ Stefan Nehring, Wolfgang Rabitsch, Tina Heger, Jonathan Jeschke, Wolf-Christian Saul: Naturschutzfachliche Invasivitätsbewertungen und Gesamtartenliste der in Deutschland wild lebenden gebietsfremden Gefäßpflanzen (= Bundesamt für Naturschutz [Hrsg.]: BfN-Schriften. Nr. 731). 2025, Amorpha canescens Pursh und Amorpha fruticosa L. auf Seite 31, doi:10.19217/skr731 (Online [PDF]).
- ↑ Frederick Traugott Pursh: Flora Americae Septentrionalis. Band 2. London 1813, S. 467 (Digitalisat).
- ↑ Datenblatt Amorpha × notha bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science.
- 1 2 Datenblatt Amorpha canescens bei Missouri Botanical Garden.
- ↑ Beschreibung mit Fotos bei John Hilty: Illinois Wildflowers
- ↑ Datenblatt Amorpha canescens bei North Carolina Extension Gardener Plant Toolbox.
- ↑ Datenblatt Amorpha canescens bei Useful Temperate Plants.