Bernt Muus

Bernt Julius Ingebretsen Muus (* 15. März 1832 in Snåsa, Namdalen, Königreich Norwegen; † 25. Mai 1900 in Norwegen) war ein norwegisch-amerikanischer lutherischer Geistlicher, Kirchen- und Hochschulfunktionär. Er leitete den Minnesota-Distrikt der Norwegischen Synode, war 1874 maßgeblicher Gründer des St. Olaf College und einer der Protagonisten der Anti-Missourischen Bruderschaft im Prädestinationsstreit.
Biographie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Muus besuchte ab 1846 die Domschule Trondheim und schrieb sich 1849 an der Universität Christiania ein. Dort legte er das examen artium, das examen philosophicum und 1854 das theologische Embetseksamen ab. Anschließend arbeitete er zwei Jahre lang als Lehrer an der Bürgerschule von Christiania, bevor er 1856 als Redakteur zur norwegischen Kirchenzeitung wechselte.[1] 1859 wanderte er in die Vereinigten Staaten aus, nachdem er zuvor noch in Norwegen ordiniert worden war. Er schloss sich auf deren Versammlung in La Crosse im selben Jahr der Norwegischen Synode als deren zwölfter oder dreizehnter Pfarrer überhaupt an und bekam die Pfarrstelle der Holden Lutheran Church übertragen.[2] Diese Stelle hatte er 40 Jahre lang inne, betreute dabei bis zu 28 Gemeinden auf einem Gebiet der Größe Dänemarks, das neben dem südlichen Minnesota auch Gebiete in Iowa und Wisconsin umfasste. Viele der lutherischen Gemeinden auf diesem Gebiet, das 1928 gut 150 Gemeinden beinhaltete, lassen sich auf Muus umfassendes missionarisches Wirken zurückführen.[1]

Muus gründete 1869 in seinem Pfarrhaus eine Akademie, deren erster Schulleiter er wurde. 1874 entstand unter Muus Leitung aus dieser Akademie das St. Olaf College in Northfield, für das er bis 1883 als Kassierer und bis 1889 als Trustee tätig war.[1]
Auch in der Norwegischen Synode übernahm Muus eine Reihe von Ämtern. So war er 1871 kurzzeitig Sekretär der Synode und gehörte von 1861 bis 1863 und erneut von 1873 bis 1884 ihrem Kirchenrat an. Zwischen 1876 und 1883 leitete er als Präsident den Minnesota-Distrikt der Synode. Auf der Distriktssynode in Zumbrota wurde er 1883 nicht wiedergewählt, sein Nachfolger wurde Bjug Harstad.[1] In den 1880er Jahren war Muus einer der einflussreichen norwegischen Theologen, die sich der Annahme der Prädestinationslehre C. F. W. Walthers durch die Norweger widersetzten. Dieser Konflikt, der auch die deutschamerikanischen Gemeinden im Mittleren Westen erschütterte, führte letztlich zur Gründung der Anti-Missourischen Bruderschaft, die sich 1887 von der Norwegischen Synode löste. Obwohl Muus deren Gründung maßgeblich vorangetrieben hatte und sowohl das St. Olaf College als auch seine Heimatgemeinde sich der neuen Kirche anschlossen, verblieb er letztlich bei der Norwegischen Synode. Muus pflegte trotz teils großer theologischer Gegensätze ein freundschaftliches Verhältnis mit vielen norwegischen Vertretern, darunter etwa Ulrik Vilhelm Koren, einem überzeugten Verfechter der missourischen Lehre, und dem einflussreichen Haugianer Østen Hanson, der in seiner Nachbarschaft lebte.[3]
In den 1890er-Jahren erlitt Muus einen Schlaganfall, von dem er sich nie ganz erholte. Nach längeren vorhergegangenen Streitigkeiten wurde Muus 1898 auf Betreiben des Distriktspräsidenten Knut Bjørgo aus der Norwegischen Synode ausgeschlossen. Er kehrte kurze Zeit später nach Norwegen zurück, wo er am 25. Mai 1900 verstarb und im Nidarosdom beigesetzt wurde.[3] Seine Gemeinde in Holden setzte ihm ein Denkmal auf ihrem Friedhof.
Ehe und Scheidung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Muus heiratete 1859 kurz vor seiner Abreise aus Norwegen Oline Pind, die aus der norwegischen Oberschicht stammte. Der gut gebildeten Frau setzte das raue Landleben in Minnesota zu und auch Muus selbst vernachlässigte sie und ihre Familie zusehends im Zuge seiner umfassenden Reisetätigkeit. Als sich Oline 1877 hochschwanger ein Bein brach, kümmerte dies Bernt kaum und als ihr 12-jähriger Sohn an Typhus starb, weilte Muus in Northfield. Schließlich verklagte Oline im Winter 1879 ihren Gatten um einen Teil ihres Erbes, das von Bernt verwaltet wurde. Die Tatsache, dass eine Pfarrfrau ihren Mann, einen angesehenen Kleriker, verklagte, sorgte im konservativen, stark religiös geprägten Minnesota für großes Aufsehen. Obwohl Oline vor Gericht einen Teilerfolg erringen konnte, wurde sie durch die Mitglieder der Kirchengemeinde zunehmend vom öffentlichen Leben ausgeschlossen. Sie zog daraufhin nach Minneapolis, wo sie 1883 die Scheidung von Muus erwirkte, und anschließend nach Fruithurst in Alabama, wo sie bis zu ihrem Tod 1922 erfolgreich ein Hotel führte. Das aufsehenerregende Verfahren Muus v. Muus schwächte auch den Einfluss von Bernt in der norwegischen Gemeinschaft erheblich.[4]
Schriften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Muus veröffentlichte einige theologische Bücher und betätigte sich auch als Übersetzer und Herausgeber.
- mit August Weenaas: Falskt vidnesbyrd. Den Norske Synodes bogtrykkeri, Decorah 1879 (norwegisch).
- Søger hjem! Afskedsord til mine fordums menigheder. Den Norske Synodes bogtrykkeri, Decorah 1881 (norwegisch).
- Volrath Vogt: Volrath Vogts Bibelhistorie med nogle forandringer, samt en liden kirkehistorie. Hrsg.: Bernt Muus. Den Norske Synodes forlag, Decorah 1888 (norwegisch).
- Til mine confirmander. Northfield Publishing Co., Northfield (Minn.) 1890 (norwegisch).
- Omvendelse. Studier i kirkens ældre lærere. Den Forenede Kirkes trykkeri, Minneapolis 1895 (norwegisch).
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Joseph M. Shaw: Bernt Julius Muus. Founder of St. Olaf College. In: Biographical Series. Band IV. Norwegian-American Historical Association, Northfield (Minn.) 1999 (englisch, archive.org).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Bernt Muus in der Datenbank Find a Grave
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 Rasmus Malmin / Olaf Morgan Norlie / O. A. Tingelstad: Who’s Who among pastors in all the Norwegian Lutheran synods of America, 1843-1927. Augsburg Publishing House, Minneapolis 1928, S. 394 (englisch, archive.org).
- ↑ J. C. Jensson: American Lutheran Biographies. A. Houtkamp & Son, Milwaukee (Wis.) 1890, S. 545 f. (englisch, archive.org).
- 1 2 Joseph M. Shaw: Bernt Julius Muus. Founder of St. Olaf College. In: Biographical Series. Band IV. Norwegian-American Historical Association, Northfield (Minn.) 1999 (englisch, archive.org).
- ↑ Frederick L. Johnson: Muus v. Muus. In: MNopedia. Minnesota Historical Society, 13. Januar 2014, abgerufen am 9. Mai 2026 (englisch).
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
|---|---|---|
| — | Präsident des Minnesota-Distrikts 1876–1883 | Bjug Harstad |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Muus, Bernt |
| ALTERNATIVNAMEN | Muus, Bernt Julius Ingebretsen; Muus, B.J. |
| KURZBESCHREIBUNG | norwegisch-amerikanischer lutherischer Geistlicher |
| GEBURTSDATUM | 15. März 1832 |
| GEBURTSORT | Snåsa, Namdalen, Königreich Norwegen |
| STERBEDATUM | 25. Mai 1900 |
| STERBEORT | Norwegen |