Bechar liegt 60 Kilometer von der marokkanischen Grenze entfernt und am Fuße des westlichen Großen Ergs an Sandhügeln wie dem Mizeb el Atchane und dem Gadet Sedra in einer Höhe von 789 Metern.
Region Bechar-Tindouf, mit Bechar rechts oben, Tindouf links unten
Die Stadt war der „Ksar der 90.000 Palmen“[1] und wurde lange von Marokko geprägt. Sie war Sitz der religiösen Organisation der Ziania,[1] der bedeutende Marabout angehörten. 1679 wurden die Bewohner auf Anweisung von Sultan Mulai Ismail von der Steuerpflicht befreit, eine Bestimmung, die sein Nachfolger Mulai Hassan beibehielt.[1]
Frankreich bestimmte den algerisch-marokkanischen Grenzverlauf. Der französische Marokko- und Tunesien-Minister Pierre July[1] der Regierung Faure im Jahr 1955 beispielsweise unterstützte 1963 marokkanische Ansprüche auf Bechar,[2] doch verblieb die Stadt nach den Unabhängigkeiten beider Länder bei Algerien.
Von 1952 bis 1967 befand sich bei Bechar der französische Raketenstartplatz Centre interarmées d’essais d’engins spéciaux. Von hier wurde am 20.Mai 1952 die erste französische Flüssigkeitsrakete Véronique gestartet. Die größte Höhe wurde am 20.November 1965 mit einer zweistufigen Dragon erreicht, die auf 404km kam.[3] Gemäß den Verträgen von Évian räumte Frankreich die Startplätze und Testeinrichtungen zum 1.Juli 1967.
Bechar war ein Bahnknotenpunkt der Meterspurbahn von Mohammadia mit der ehemaligen normalspurigen Mittelmeer-Niger-Bahn, welche beide bis Kanadsa weiter führten. Erstere führte bis zum Jahre 1985 im Personenverkehr und bis 1991 unregelmäßig Güterzüge. Nachdem wegen schlechten Streckenunterhalts im Juli 1991 ein Güterzug bei Bou Ktoub entgleist war, wurde der Güterverkehr ebenfalls eingestellt. Leere Güterwagen wurden aber noch bis ins Jahr 1996 nach Mohammadia abgefahren. Die Zweigstrecken rund um Colomb Béchar wurden zwischen 1965 und 1967 stillgelegt.
Die Bahnstrecke Mohammadia – Colomb Béchar ist noch immer komplett vorhanden. Zwar wurden 2007 drei Bahnübergänge mit Asphalt zugedeckt, andererseits wurden zwischen Tizi und Mohammadia einige Andreaskreuze neu angestrichen.
2026 wurde eine 950 Kilometer lange Bahnverbindung von der riesigen Eisenerzmine in Gara Djebilet in der Sahara nahe Tindūf im Südwesten Algeriens nach Bechar eröffnet. Sie soll anfangs 4 Millionen jato Eisenerz in ein Stahlwerk von Feraal bei Oran am Mittelmeer transportieren, später ein Vielfaches.[4]
Die Stadt stellt mit dem, in der ersten algerischen Fußballliga vertretenen, Verein JS Saoura, den am südlichsten gelegenen Profi-Sportverein des Landes.
Aus Bechar kommt das ausschließlich von Frauen gebildete Musikensemble Lemma, das mit seinen traditionellen Gesängen unter der Leitung von Souad Asla internationale Bekanntheit erlangt hat.[5]
Ariane Audouin-Dubreuil: Expedition Afrika: die legendäre „Expédition Citroën Centre Afrique“ von Algerien nach Madagaskar, 1924/1925. Aus dem Französischen von Ilse Rothfuß. Frederking und Thaler, München 2004, ISBN 3-89405-485-9.