Chargenprozess
Der Chargenprozess oder Batchproduktion oder Satzbetrieb ist ein diskontinuierliches Produktionsverfahren bzw. Prozess zum Beispiel zur Synthese von Chemikalien.[1][2]
Der Batchprozess (englisch batch ‚Stapel‘) ist ein in der chemischen Reaktionstechnik etablierter Begriff. Man bezeichnet damit Prozesse, die als „Stapel“, das heißt streng nacheinander, abgearbeitet werden. Die Batchproduktion ist ein Spezialfall der diskontinuierlichen Produktion. Dabei wird eine durch das Fassungsvermögen eines Produktionsgefäßes (z. B. Reaktor, Mischer) begrenzte Materialmenge als Ganzes dem Arbeitssystem zugeführt und ihm als Ganzes nach Abschluss des Produktionsprozesses entnommen.
In der chemischen Industrie bedeutet Batchproduktion, dass das Produkt durch einen oder mehrere Reaktoren läuft und dort so lange verbleibt, bis die Reaktion abgelaufen ist und der nächste Produktionsschritt vollzogen werden kann.
Das Gegenstück zur chargenweisen Handhabung ist ein kontinuierlicher Prozess.
Definition
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach ISA, IEC und ANSI/ISA-88 Abs. 3.7 ist der „Chargenprozess ein Prozess, der zur Herstellung von abgegrenzten Stoffmengen führt, indem Mengen von Einsatzstoffen unter Nutzung einer oder mehrerer Einrichtungen innerhalb eines abgegrenzten Zeitraums einer geordneten Folge von Prozessaktivitäten unterzogen werden.“
Der Prozess für die Leittechnik ist definiert durch die DIN IEC 60050-351 als „Gesamtheit von aufeinander einwirkenden Vorgängen in einem System, durch die Materie, Energie oder Information umgeformt, transportiert oder gespeichert wird“.
Zeitlicher Ablauf
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Ein typischer Batchprozess hat folgenden zeitlichen Ablauf:
- Vollständige Befüllung des Reaktionsgefäßes mit den Ausgangsstoffen (Edukte)
- Reaktion der Edukte, deren Konzentration kontinuierlich fällt, zu Produkten, deren Konzentration kontinuierlich ansteigt (siehe auch Stöchiometrie).
- Entleerung des Reaktionsgefäßes und Weiterleitung der Produkte zum Downstream-Prozess
- Vorbereitung des Reaktionsgefäßes auf die nächste Befüllung (Reinigung, Wartung)
Vergleich von Chargenprozessen und kontinuierliche Verfahren
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In manchen Anwendungen wird der Chargenprozess zur Herstellung kleinerer Produktmengen verwendet (zum Beispiel in Miniplants). Für Großanlagen entwickelt man wenn möglich ein kontinuierliches Verfahren, da dieses eine höhere Produktivität durch geringere Stillstandszeiten aufweist, die sich beispielsweise durch die nötige Reinigung vor dem nächsten Chargenprozess ergeben würden.
| Richtwerte | Chargenprozesse | kontinuierliches Verfahren |
|---|---|---|
| Kapazität | niedrig | mittel bis hoch |
| Phasenzustand | flüssig (Spezialfälle fest oder gasförmig) | flüssig und/oder gasförmig |
| Temperatur | niedrig | hoch |
| Druck | niedrig | hoch |
| Produkt | Spezialprodukte | Großprodukte |
| Flexibilität | groß | klein |
Allerdings kann in Großtechnischen Betrieben durch mehrere Reaktoren, welche im Chargenprozess den gleichen Stoff herstellen, eine annähernd Kontinuierliche Produktion stattfinden. Dabei ist die Erfahrung des Anlagenfahrers ausschlaggebend um den Produktionsprozess dauerhaft und kontinuierlich am Laufen zu halten. Somit können auch Großprodukte im Chargenprozess kontinuierlich hergestellt werden. Wichtig ist hierbei, dass ein späterer, weiterer Aufarbeitungsschritt kontinuierlich betrieben werden kann (z. B. die Zufuhr von Rohstoff (englisch feed) eines Strippers oder eine Rektifikationskolonne).
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- P. N. Sharratt (Hrsg.): Handbook of Batch Process Design. Springer Netherlands, Dordrecht 1997, ISBN 978-94-010-7150-5, doi:10.1007/978-94-009-1455-1 (englisch).
- Hans-Otto Günther, Horst Tempelmeier: Produktion und Logistik (= Springer-Lehrbuch). 9. Auflage. Springer, Berlin 2012, ISBN 978-3-642-25164-1.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ P. N. Sharratt: Chemicals manufacture by batch processes. In: Handbook of Batch Process Design. Springer Netherlands, Dordrecht 1997, ISBN 978-94-009-1455-1, S. 1–23, doi:10.1007/978-94-009-1455-1_1 (englisch).
- ↑ Thokozani Majozi: Introduction to Batch Chemical Processes. In: Batch Chemical Process Integration: Analysis, Synthesis and Optimization. Springer Netherlands, Dordrecht 2010, ISBN 978-90-481-2588-3, S. 1–11, doi:10.1007/978-90-481-2588-3_1 (englisch).