Bahnhof Artern
| Artern | |
|---|---|
Blick nach Süden | |
| Daten | |
| Lage im Netz | Anschlussbahnhof |
| Bauform | Durchgangsbahnhof |
| Bahnsteiggleise | 3 |
| Abkürzung | UAT |
| IBNR | 8012440 |
| Eröffnung | 1. Oktober 1879 |
| Profil auf bahnhof.de | Artern |
| Lage | |
| Stadt/Gemeinde | Artern |
| Land | Thüringen |
| Staat | Deutschland |
| Koordinaten | 51° 21′ 47″ N, 11° 18′ 38″ O |
| Eisenbahnstrecken | |
| |
| Bahnhöfe in Thüringen | |
Der Bahnhof Artern ist der Bahnhof der Stadt Artern im Kyffhäuserkreis in Thüringen. Er liegt an der Bahnstrecke Sangerhausen–Erfurt und ist Endpunkt der Bahnstrecke Naumburg–Artern (Unstrutbahn) von Naumburg. Bis 1966 endete in Artern die Bahnstrecke Berga-Kelbra–Artern. Teilweise wurden auch die Züge der heute ebenfalls stillgelegten Bahnstrecke Bretleben–Sondershausen bis Artern durchgebunden.
Zusätzlich zu seiner Funktion als Eisenbahnknoten besaß der Bahnhof auch Lokbehandlungsanlagen, die zeitweise als Bahnbetriebswerk Artern eine eigenständige Dienststelle bildeten. Für den Güterverkehr waren neben der Güteranlagen im Bahnhof mehrere Anschlussgleise zu verschiedenen Industriebetrieben vorhanden, im Personenverkehr war Artern ebenfalls Fernverkehrshalt. Heute wird nur noch Personennahverkehr durchgeführt.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Magdeburg-Halberstädter Eisenbahn erhielt 1872 die Konzession für die Bahnstrecke Sangerhausen–Erfurt als Teilstück einer direkten Verbindung von Magdeburg nach Erfurt, denn Preußen wollte schon seit den 1860er Jahren diese beiden wichtigen Festungen Magdeburg und Petersberg miteinander verbinden. Noch im selben Jahr begannen die Bauarbeiten, mit denen auch die Kleinstadt Artern einen Bahnanschluss erhalten sollte.[1.1] Diese sollte am östlichen Stadtrand liegen.[1.2] Da der preußische Staat aber kurz nach dem Bahnbau die Bahngesellschaft verstaatlichen wollte, wurden die Bauarbeiten von der Gesellschaft zunächst verzögert und schließlich 1875 abgebrochen.[1.3]
Im Sommer 1879 wurde die Magdeburg-Halberstädter Eisenbahn schließlich verstaatlicht und die Bauarbeiten unverzüglich wieder aufgenommen. Am 1. Oktober 1879 wurde der Abschnitt Sangerhausen–Artern für den Güterverkehr eröffnet, Personenverkehr wurde ab dem 15. Juli 1880 durchgeführt. Der Bahnhof Artern war somit für kurze Zeit Endbahnhof, bis das zweite Teilstück von Artern bis Erfurt am 24. Oktober 1881 eröffnet wurde.[1.3]
1889 wurde der Bahnhof mit Eröffnung der Bahnstrecke Naumburg–Artern zum Knotenbahnhof, allerdings nutzten beide Bahnstrecke bis zum südlich gelegenen Bahnhof Reinsdorf (b Artern) zunächst noch ein gemeinsames Gleis. Ab 1916 begann im Bahnhof Artern Ost, westlich des Staatsbahnhofes, die Strecke der Kyffhäuser Kleinbahn von Berga-Kelbra nach Artern.[2]
Obwohl die Strecke Erfurt–Sangerhausen sich schnell zu einer wichtigen Nord-Süd-Verbindung entwickelte, blieb sie lange Zeit eingleisig. Der Abschnitt über Reinsdorf bis Bretleben, in dem die Bahnstrecken von Naumburg und Sondershausen einmündeten, wurde 1942 zweigleisig ausgebaut.[1.4] Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde im April 1945 die Brücke über die Unstrut an der südlichen Bahnhofsausfahrt durch die Wehrmacht gesprengt, diese war ab dem Sommer 1945 wieder provisorisch instandgesetzt.[1.5] Nach 1945 wurde das zweite Gleis der Strecke Sangerhausen–Erfurt südlich von Artern demontiert. Am 5. Juni 1966 wurde die Strecke von Berga-Kelbra nach Artern stillgelegt,[2] ein kurzes – noch im Güterverkehr genutztes – Reststück im Stadtgebiet von Artern zu wurde jedoch in ein Bahnhofsgleis umgewandelt.[3.1] Ebenfalls wurde in den 1960er Jahren der Bahnhof mit Lichtsignalen ausgestattet.[1.6]
Der Bahnhof besaß einst umfangreiche Gleisanlagen. Für den Güterverkehr waren ein mittlerweile abgerissener Güterschuppen sowie zwei Ladestraßen vorhanden. Es bestanden Gleisanschlüsse zu einer Malzfabrik, zur Zuckerfabrik Artern und zur Kyffhäuserhütte.[1.7] Die Unternehmen beschafften mehrere Rangierloks für ihre Anschlussbahnen.[4][5][6] Nur die Anschlussbahn zur Kyffhäuserhütte ist heute noch vorhanden, sie erschließt ein Gewerbegebiet auf dem ehemaligen Areal der Kyffhäuserhütte und wird zurzeit von der Bayerischen Regionaleisenbahn betrieben.[7]

Der Abschnitt von Sömmerda nach Artern wurde 1996/97 grundlegend saniert und die komplette Strecke sowie der Bahnhof elektrifiziert.[1.8][8] In diesem Zusammenhang wurde in Sangerhausen ein Elektronisches Stellwerk gebaut, welches heute den Bahnhof Artern fernsteuert.[9] Damit verloren auch die beiden noch vorhandenen Stellwerke in Artern ihre Funktion,[10][11] ein weiteres mittlerweile abgerissenes Stellwerk war zuvor schon länger funktionslos.[12]
2006 wurde der Personenverkehr auf der Unstrutbahn im Abschnitt Wangen–Artern eingestellt. Seitdem findet ausschließlich auf der Strecke Sangerhausen–Erfurt regulärer Personenverkehr statt.
Das ehemalige Empfangsgebäude steht unter Denkmalschutz, befindet sich 2020 in privater Hand und ist bewohnt. Für den Personenverkehr sind ein Haus- und ein Inselbahnsteig vorhanden.
Bahnbetriebswerk Artern
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Bereits bei der Eröffnung der Stichbahn von Sangerhausen waren in Artern 1879 ein Lokschuppen samt Lokbehandlungsanlagen vorhanden. Aus diesen entwickelte sich später das Bahnbetriebswerk Artern,[1.6] das sich im nordwestlichen Bahnhofsbereich befand. Lokeinsatzstellen befanden sich in Allstedt an der nahegelegenen Bahnstrecke Oberröblingen–Allstedt sowie in Bad Frankenhausen an der Bahnstrecke Bretleben–Sondershausen,[13] zudem wurden ab 1945 die Fahrzeuge der 1949 verstaatlichten Kyffhäuser Kleinbahn AG[3.2] sowie der Esperstedt-Oldislebener Eisenbahn vom Bahnbetriebswerk mit betreut.
Ursprünglich war nur ein sechsgleisiger Ringlokschuppen in Ziegelbauweise vorhanden, der später um drei Gleise in Ziegelfachwerkbauweise ergänzt wurde. Zudem war ein Wasserturm vorhanden, da vor 2008[14] abgerissen wurde.[1.9]
Das Bahnbetriebswerk wurde am 31. November 1950[13][3.2] oder im Jahr 1952[1.6] als selbstständige Dienststelle aufgelöst und als Lokeinsatzstelle dem Bahnbetriebswerk Sangerhausen unterstellt.[15.1] Die Lokeinsatzstelle wurde nach 1990 aufgelöst. Die seit den 1990er Jahren verfallenden Bw-Anlagen wurden 2020 verkauft.[16]
- Fahrzeugeinsatz
Zunächst kamen ausschließlich preußische Baureihen zum Einsatz,[1.10] so unter anderem die Baureihen 55.0–6, Baureihe 58.10–21, 78.0–5.[17] Später waren auch andere Lokomotiven, wie beispielsweise die Baureihe 86[18] in Artern beheimatet. Alle Fahrzeuge wurden nach dem Ende das Bahnbetriebswerks Artern in das Bahnbetriebswerk Sangerhausen umbeheimatet, einzige Ausnahme waren die Triebwagen der ehemaligen Kyffhäuser Kleinbahn, die buchmäßig zum Bahnbetriebswerk Nordhausen umstationiert wurden.[3.2]
Verkehrsanbindung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zug
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Artern wird von den folgenden Linien bedient:
| Linie | Linienverlauf | Takt (min) | EVU | eingesetzte Baureihe |
|---|---|---|---|---|
| RE 10 | Magdeburg – Schönebeck – Güsten – Sangerhausen – Artern – Erfurt | 120 | DB Start | 1648 |
| RB 59 | Sangerhausen – Artern – Erfurt | 120 | Abellio Rail Mitteldeutschland | 442 |
| Stand: 31. März 2025 | ||||
Die Linien überlagern sich so, dass sich ein ungefährer Stundentakt ergibt.
Bus
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auf dem Bahnhofsvorplatz fahren verschiedene Buslinien ab, die die Innenstadt sowie die umliegenden Ortschaften erschließen. Eine Regionalbuslinie führt in die Kreisstadt Sondershausen.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Günther Fromm, Michael U. Kratzsch-Leichsenring: Der Bahnknoten Sömmerda und seine Strecken. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 1999, ISBN 3-932554-59-0.
- 1 2 Die Kyffhäuser-Kleinbahn Artern – Berga-Kelbra 1916–1966. In: kyffnet.de. Abgerufen am 26. September 2020.
- Jürgen-Ulrich Ebel, Andreas Knipping, Klaus-Peter Quill, Andreas Stange: Die "6000er" der Deutschen Reichsbahn – Strecken und Fahrzeuge der enteigneten Privat- und Kleinbahnen in der DDR. EK-Verlag, Freiburg 2001, ISBN 3-88255-160-7.
- ↑ www.deutsche-kleinloks.de: Fahrzeugportrait LKM 261259. Abgerufen am 29. April 2026.
- ↑ www.deutsche-kleinloks.de: Fahrzeugportrait LKM 262179. Abgerufen am 29. April 2026.
- ↑ www.deutsche-kleinloks.de: Fahrzeugportrait LKM 262665. Abgerufen am 29. April 2026.
- ↑ Deutsche Regionaleisenbahn: Eisenbahninfrastruktur. (pdf) S. 3, abgerufen am 29. April 2026.
- ↑ Drehscheibe Namen + Nachrichten aus der Bahnwelt. KEG-Lokomotiven im Bauzug-Einsatz (= ModellEisenBahner. Heft 5). Pietsch + Scholten Verlag, 1997, ISSN 0026-7422, S. 8.
- ↑ stellwerke.info: Reinsdorf (b Artern). Abgerufen am 28. April 2026.
- ↑ stellwerke.info: Artern B2. Abgerufen am 28. April 2026.
- ↑ stellwerke.info: Artern An. Abgerufen am 28. April 2026.
- ↑ stellwerke.info: Artern As. Abgerufen am 28. April 2026.
- 1 2 www.bahnstatistik.de: Königliche Eisenbahndirektion zu Erfurt. Abgerufen am 28. April 2026.
- ↑ Kyffhäuser Nachrichten: Arterner Ansichten (14) - Damals und heute. 12. April 2008, abgerufen am 29. April 2026.
- Gernot Gattermann: Das BW Sangerhausen (= Eisenbahn Journal. Heft 9/1994). Verlag Hermann Merker, 1994, ISSN 0720-051X.
- ↑ S. 25
- ↑ Ingolf Gläser: Grundstück in Artern mit einstigem Lokschuppen sehr begehrt. Thüringer Allgemeine, 12. März 2020, abgerufen am 28. April 2026.
- ↑ Gernot Gattermann: Einsatz der T 18 von 1912 bis 1945 (= Eisenbahn Journal. Heft 8/2014). Verlagsgruppe Bahn, 2014, ISSN 0720-051X, S. 37.
- ↑ Andreas Knipping: Die Baureihe 86. Das Arbeitstier für Nebenstrecken. EK-Verlag, Freiburg 2008, ISBN 978-3-88255-186-0, S. 186 f.
