Avicennit kristallisiert im kubischen Kristallsystem und entwickelt bis zu einen Millimeter große, teilweise oktaedrischeKristalle mit einem metallischen Glanz auf den Oberflächen. Oft findet er sich auch in Form poröser Körner und krustiger Überzüge auf Carlinit. Das Mineral ist in jeder Form undurchsichtig (opak) und von grauschwarzer Farbe mit bräunlichschwarzer Tönung. Im Auflicht erscheint Avicennit dagegen eher hell- bis mittelgrau. Seine Strichfarbe ist jedoch ähnlich seiner Körperfarbe von bräunlich getöntem Grauschwarz bis Schwarz.
Entdeckt wurde Avicennit erstmals in Mineralproben aus der Umgebung des Dorfes Dschusumli (englischDzhuzumli, russischДжузумли) im Sirabulak-Gebirge (russischЗирабулак) in der Provinz Samarkand im heutigen Usbekistan. Die Analyse und Erstbeschreibung wurde von Ch. N. Karpowa, Je. A. Konkowa, E. D. Larkin und W. F. Saweljew (russischХ. Н. Карпова, Е. А. Конькова, Э. Д. Ларкин, В. Ф. Савельев) durchgeführt und 1958 im Fachmagazin Berichte der Akademie der Wissenschaften der Usbekischen SSR (russischДоклады Академии наук УзССР) veröffentlicht. Benannt wurde das Mineral von den Erstbeschreibenden nach dem berühmten persischen Arzt Abū Alī ibn Sīnā, besser bekannt als Avicenna.
Da der Avicennit bereits im Gründungsjahr der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Avicennit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[5] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Avicennit lautet „Avc“.[1]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[7]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Avicennit in die erweiterte Abteilung „Metall:Sauerstoff=2:3, 3:5 und vergleichbare“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit mittelgroßen Kationen“ zu finden, wo es zusammen mit Bixbyit-(Fe) und Bixbyit-(Mn) die „Bixbyitgruppe“ mit der Systemnummer 4.CB.10 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Avicennit die System- und Mineralnummer 04.03.08.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Oxide“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Einfache Oxide mit einer Kationenladung von 3+ (A2O3)“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 04.03.08.
Als sehr selten vorkommendes Mineral konnte Avicennit nur in wenigen Proben aus weltweit bisher rund 10 dokumentierten Vorkommen[8] nachgewiesen werden. Seine Typlokalität Dschusumli in der Provinz Samarkand ist dabei der bisher einzige bekannte Fundort in Usbekistan.
Deutsche und österreichische Fundorte sind nicht bekannt und der bisher ebenfalls einzige dokumentierte Fundort in der Schweiz ist ein Erzausbiss bei Erzmatt in der Gemeinde Buus im Kanton Basel-Landschaft.
Weitere bisher bekannte Fundorte sind unter anderem der Kreis He in der Provinz Anhui und Tibet im Kreis Lhorong in der Volksrepublik China, Allchar in Nordmazedonien, das Khokhoy-Goldfeld am gleichnamigen Fluss Khokhoy, einem rechten Nebenfluss der Amga in der zur russischen Föderation gehörenden in der Republik Sacha (Ferner Osten) sowie die Goldmine Carlin bei Elko (Nevada) und die Thallium-Prospektion am Lookout Pass bei Little Valley im Tooele County (Utah) in den Vereinigten Staaten von Amerika.[8]
Ein weiteres Vorkommen am Berg Nasaasaaq im Ilimmaasaq-Komplex im Südwesten Grönlands gilt bisher als nicht bestätigt und daher fraglich.[8]
Х. Н. Карпова, Е. А. Конькова, Э. Д. Ларкин, В. Ф. Савельев:Авиценнит – Новый Таллиевый Минерал. In: Доклады Академии наук УзССР. Band2, 1958, S.23–26 (russisch, rruff.info[PDF; 153kB; abgerufen am 8.August 2025] englische Übersetzung: K. N. Karpova, E. A. Kon’kova, E. D. Larkin, V. F. Savel’ev: Avicennite - a new mineral. In: Doklady Akademii Nauk Uzbekistan SSR).
Michael Fleischer:New mineral names. In: American Mineralogist. Band44, 1959, S.1324–1325 (englisch, rruff.info[PDF; 637kB; abgerufen am 8.August 2025]).
H. H. Otto, R. Baltrusch, H.-J. Brandt:Further evidence for Tl3+ in Tl-based superconductors from improved bond strength parameters involving new structural data of cubic Tl2O3. In: Physica C: Superconductivity. Band215, Nr.1–2, 1993, S.205–208, doi:10.1016/0921-4534(93)90382-Z (englisch).
Avicennite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 8.August 2025(englisch).
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
1234Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.194 (englisch).
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Avicennite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 55kB; abgerufen am 8.August 2025]).