August Stigler

August Stigler (* 26. Juli 1832 in Renchen, Baden; † 25. März 1910 in Lugano) war ein Industrieller deutscher Herkunft.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]August Stigler besuchte von 1847 bis 1849 die beiden ersten mathematischen Klassen der Polytechnischen Schule in Karlsruhe, allerdings nicht mehr die 3. Klasse.[1] Nach Beendigung der Ingenieursausbildung war er im Bereich des Post- und Eisenbahnamtes Bruchsal und bei Maschinenfabriken in Graffenstaden, Pforzheim und Eßlingen am Neckar tätig. Von 1857 bis 1859 war er Hilfslehrer für Technisches und Maschinen-Zeichnen bei Franz Reuleaux am Eidgenössischen Polytechnicum Zürich.[2]
Anschließend zog er nach Mailand. Hier war er zunächst Berater der Firma „Schlegel & Co.“ und gründete dann die Maschinenfabrik „Officina Meccanica Stigler“.[3] Er stellte kleine Motoren, Turbinen und Pumpen her und widmete sich dann der Konstruktion hydraulischer Aufzüge.
Technologische Innovationen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1870 baute er einen Fahrstuhl für das Hotel Costanzi in Rom, dann auch für andere Gebäude und errichtete 1894 im Rahmen einer großen Ausstellung in der Nähe der Mailänder Sforza-Burg den Torre Stigler ‚Stigler-Turm‘ mit einer 38 Meter hohen Aussichtsplattform, auf die man mit einem Lift hinauffahren konnte.[3] Ab 1898 baute er auch elektrische Aufzugsanlagen.[4] Sein Name wurde so bekannt, dass er ein Synonym für Aufzug wurde; hatte jemand keine Lust zum Treppensteigen, sagte er: „Ich nehme den Stigler“.[5][6][7] Bald ergaben sich Auslandsvertretungen: 1903 die „Original Stigler Aufzüge GmbH“ in München-Schwabing, 1911 die „Société Française Stigler“, ferner die „Fabrik für Stigler-Aufzüge“ in Wien.[3]
Familie und Nachfolge
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Stigler heiratete 1857 Luisa Maier (1828–1911). Sie hatten fünf Kinder: Massimo, Augusto, Paolina, Carlo und Leo. 1903 übertrug er die Leitung der Firma seinen Söhnen Massimo (1858–1915) und Augusto (1861–1939),[8] die sie 1907 in eine Aktiengesellschaft überführten, von der der Vater die Hälfte des Grundkapitals hielt.[3]
Vermächtnis
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nachdem die Firma im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört worden war, fusionierte sie 1947 mit der amerikanischen Konkurrenz zur „Stigler Otis s.p.a.“[9] Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie fast 45.000 Aufzüge gebaut, von denen etwa die Hälfte in Italien installiert wurde, die anderen weltweit von Buenos Aires bis Tokyo.[10] Die Innovationskraft von August Stigler trug maßgeblich zur Entwicklung moderner Aufzugssysteme bei. Sein Name bleibt ein bedeutendes Symbol für Qualität und Fortschritt im Bereich der Aufzugstechnik.
Kulturelle Bedeutung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Satz „Ich nehme den Stigler“ wurde zum geflügelten Wort und spiegelt das Vertrauen wider, das die Kunden in seine Produkte setzten.[11] Auch heute noch sind einige historische Aufzüge unter dem Namen Stigler in Betrieb, was das Erbe seines Unternehmens weiterträgt.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Interessante Bauten Stigler: gewidmet von der Maschinenfabrik Stigler bei Gelegenheit der Lieferung des 15.000. Stigler-Aufzuges. o. O., o. J. [ca. 1915].
- Elevator World. Oktober 1979, S. 35–39.
- Anne von Oswald: Die deutsche Industrie auf dem italienischen Markt 1882 bis 1945. Lang, Frankfurt am Main 1996, S. 195 f.
- Horst Dieter Braun: Der „Stigler“ – ein Aufzug und sein Konstrukteur. In: Historischer Verein Mittelbaden (Hrsg.): Die Ortenau. Band 96. Verlag des Historischen Vereins für Mittelbaden, 2016, ISSN 0342-1503, S. 291–296 (uni-freiburg.de [abgerufen am 29. Januar 2024]).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Davide Biffi: Officine meccaniche Stigler Milano. In: Storia degli Ascensori ‚Geschichte der Fahrstühle‘. Abgerufen am 14. Juli 2024 (italienisch).
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Jahresberichte über die Schüler der 1., 2. und 3. mathematischen Classe der polytechnischen Schule Carlsruhe, 1847–1850, Generallandesarchiv Karlsruhe, GLA 448, 1000; 448, 983 und 448, 1021.
- ↑ ETH Zürich, Bibliothek, Archive, SR 2: Präsidialverfügung Nr. 59 vom 6. April 1857 und Schulratsprotokoll Nr. 8 vom 22. Dezember 1858; Schweizerisches Bundesarchiv Bern, E 80, Band 106, Dossier 1137.
- 1 2 3 4 Horst Dieter Braun: Der „Stigler“ – ein Aufzug und sein Konstrukteur. (PDF) Abgerufen am 22. April 2025.
- ↑ Ascensore elettrico Stigler del 1908. Abgerufen am 4. April 2025 (italienisch).
- ↑ Storia di Milano 1851–1860. Abgerufen am 29. Januar 2024 (italienisch).
- ↑ Storia di Milano 1891–1900. Abgerufen am 29. Januar 2024 (italienisch).
- ↑ the ELEVATOR MUSEUM ( vom 14. Mai 2013 im Internet Archive)
- ↑ Privatarchiv Dr. arch. Marco Stigler.
- ↑ Officine meccaniche Stigler Milano. Abgerufen am 4. April 2025 (italienisch).
- ↑ Considerations on the Elevator’s birth, auf storiaascensori.org
- ↑ Christian Tauß: Aufzugmuseum Blog - Ich nehm den Stigler. In: Wiener Aufzug Museum. 29. August 2021, abgerufen am 4. April 2025.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Stigler, August |
| ALTERNATIVNAMEN | Stigler, Augusto (italienisch) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Industrieller |
| GEBURTSDATUM | 26. Juli 1832 |
| GEBURTSORT | Renchen, Baden |
| STERBEDATUM | 25. März 1910 |
| STERBEORT | Lugano, Italien |