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August Dirigl

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August Dirigl (* 5. Mai 1836 in Germersheim; † 26. Oktober 1892 in München) war ein deutscher in Paris ausgebildeter Grottenbauer (Rocailleur) und Inhaber von Patenten. Zudem war er Hauptgestalter der Venusgrotte von Schloss Linderhof.

Ausbildung und Berufsbild

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Ab dem 7. Oktober 1873 ist Dirigl in München nachweisbar. Zuvor hatte er 10 Jahre in Paris verbracht und dort sein Wissen als „Rocailleur“ größtenteils im Selbststudium erworben. Danach verbrachte er fast sein gesamtes restliches Leben im Münchner Stadtviertel Schwabing, das damals noch nicht eingemeindet war. Dirigl bezeichnete sich nun mit dem deutschen Begriff Landschaftsplastiker und Grottenbauer.[1] In Frankreich erfreute sich diese Berufsgruppe von den 1840er-Jahren bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts großer Nachfrage. Ihr Beruf stand im engen Zusammenhang mit der Entwicklung des neuen Baumaterials Zement – der ciment rustique français – und seiner Erprobungen durch französische Erfinder und Künstler. Unterstützt wurde dieser Trend von den zahlreichen Bauvorhaben in Parks und Gärten sowie dem landschaftlichen Ausbau der Weltausstellungen unter Kaiser Napoleon III. Dieses französische Fachwissen zur Anwendung von Zement wurde seit den 1860er-Jahren ins Ausland exportiert. Die künstlerische Verwendung des Zements, die naturalistische Felsgestaltung und die charakteristische Art der Grottierung sind Wesensmerkmale der Venusgrotte und auch einiger französischer Vergleichsbeispiele.

Karierreschritte

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1874 bot Dirigl Ludwig II. König von Bayern seine Dienste an. Sein Ansinnen hatte im darauffolgenden Jahr Erfolg: König Ludwig II. beauftragte ihn zusammen mit anderen Künstlern und Handwerkern mit dem Entwurf der Venusgrotte. Das war der Beginn von Dirigls Karriere. „Die Quellen zeigen, dass er an den zwei Phasen der Konstruktion – zwischen 1875 und 1877 – und später für die Vergrößerung der Grotte – zwischen 1878 und ca. 1881 – verantwortlich war.“ Seine Vergütung war höher als die anderer Akteure: mindestens 80 000 Mark. Nach der Venusgrotte in Linderhof folgen zwei weitere königliche Aufträge: Zwischen 1880 und 1881 baute Dirigl eine kleine Grotte mit Kaskade und Mondlicht für das königliche Appartement im Schloss Neuschwanstein. 1886 entwarf er auch die künstliche Grotte im Wintergarten auf der Münchner Residenz. Nachdem Dirigl im Jahr 1873 in München ankam, ist es sehr wahrscheinlich, dass er die bestehende Grotte von Carl von Effner zu veränderte.

Bereits während der Entstehungsphase der Venusgrotte von Schloss Linderhof erhielt August Dirigl verschiedene Ehrungen. Seit 1875 war er Mitglied des Kunst-Gewerbe-Vereins. Dirigl entwickelte eine besondere Methode zum Bau künstlicher Grotten, bestehend aus einem Eisengitter aus starken Eisenstangen und -drähten, das mit Leinwand und Mörtel oder Zement verkleidet wurde und war Inhaber diesbezüglicher Patente. Dirigl stellte das von ihm entwickelte Verfahren durch seine Teilnahme an Ausstellungen in München und London vor. Seine öffentliche Anerkennung in den 1880er Jahren ist durch die Rezeption seiner Arbeit in der Presse belegt.

Dirigl war vielfältig tätig. So war er nicht nur für verschiedene königliche Projekte verantwortlich, sondern entwarf auch zahlreiche illusionistische Höhlenkulissen für temporäre Ausstellungen, Restaurants, Freizeiteinrichtungen, wie etwa den Volksgarten in München-Nymphenburg. Des Weiteren schuf er Mariengrotten in Kirchen wie in der Stadtpfarrkirche St. Johannes Baptist in Pfaffenhofen an der Ilm und einige aufwendige Landschaftsmodelle.

Krankheit und Ende

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Ab 1883 sind nur noch wenige Arbeiten Dirigls nachweisbar. Am 10. Mai 1890 wurde Dirigl in die Münchner Kreis-Irrenanstalt eingeliefert. Nach dem Zugangsbuch der Klinik litt er unter „Paralyse“. Das Sterbebuch nennt als Diagnose „Dementia paralytica“, eine Erkrankung im Spätstadium der Syphilis. Er verstarb ledig und wahrscheinlich kinderlos im Alter von 56 Jahren. Er wurde auf dem Alten Nordfriedhof in München beigesetzt.

Die Münchner Neueste Nachrichten widmeten dem „in seinem eigenartigen Fache sehr tüchtige[n] Künstler, de[m] Landschaftsplastiker Professor Aug. Dirrigl [sic]“ einen kurzen Nachruf. Die besondere Anerkennung seiner Tätigkeit zeigt sich in der Titelbezeichnung Professor.

Heutige Einordnung

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Stéphanie Quantin-Biancalani beschreibt Dirigl folgendermaßen:

„Die Kunst von August Dirigl ist eine bis dahin nicht dagewesene Synthese zwischen Landschaft, Konstruktion und Skulptur: er verband die Gartenkunst des rocailleurs und die Konstruktionstechnik von Monier mit der Plastik. Dadurch schuf er eine einzigartige Kreation, die gleichzeitig wirklich und unwirklich ist, die ein monumentales Modell und eine Zementskulptur darstellt.“[1]

  • Stéphanie Quantin-Biancalani: Plastiker, „Rocailleur“ oder Konstrukteur? Der Landschaftsplastiker August Dirigl als Mittler zwischen Paris und Linderhof in: Die Venusgrotte im Schlosspark Linderhof. Illusionskunst und High Tech im 19. Jahrhundert. München 2017, S. 93–114.

Einzelnachweise

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  1. 1 2 Stéphanie Quantin-Biancalani: Plastiker, „Rocailleur“ oder Konstrukteur? Der Landschaftsplastiker August Dirigl als Mittler zwischen Paris und Linderhof, in: Die Venusgrotte im Schlosspark Linderhof. Illusionskunst und High Tech im 19. Jahrhundert. München 2017, S. 104.