Das rezente, steinerne Kastell hat einen rechteckigen Grundriss von maximal 222 m mal 195 m, was einer Fläche von 4,33 Hektar entspricht, seine Ausrichtung änderte sich wiederholt. Die heute sichtbare Umwehrung stammt im Aufgehenden überwiegend aus der osmanischen Zeit, lediglich in den unteren Bereichen ist partiell noch römisches Mauerwerk zu sehen. Die Mauer war an jeder der vier Himmelsrichtungen mit einem Tor versehen. Die Umwehrung war zwischenzeitlich von 22 Türmen mit rechteckigem Grundriss besetzt, von denen noch 18 erhalten sind. Die Ecktürme besaßen eine größere Grundfläche als die Tor- und Zwischentürme. Das Kastell war der bedeutendste Truppenstandort für die in Kappadokien stehenden römischen Armeeverbände.
Römische Truppen erschienen erstmals um 63 v. u. Z. im Kontext der Kriege mit Mithridates VI. Eupator, König von Pontus, in der Gegend, blieben jedoch nur vorübergehend. Aus dieser Zeit liegen keine archäologischen Befunde vor. Die Römer kehrten in neronischer Zeit während des Krieges gegen die Parther (57–64 u. Z.) nach Pontus zurück. Die Legio IIII Scythica, die Legio V Macedonica und die Legio XII Fulminata wurden in Kappadokien stationiert bevor das Reich des Polemon II. spätestens im Jahr 64 formell in das Imperium eingegliedert wurde. Die Festungen an der Küste sollten die Schifffahrtsroute um das Schwarze Meer vor Piraten zu sichern, wozu laut Flavius Josephus 40 Schiffe und 3000 Soldaten eingesetzt worden sein sollen.[15] In dieser Zeit wurde in Asparos ein erstes Kastell errichtet, wie Funde von Münzen, Terra sigillata und Glas belegen, und möglicherweise von Vexillationen der Legion V Macedonica belegt. In dieser Zeit war das Lager mit seiner Porta praetoria nach Westen, zum Meer hin ausgerichtet. Es war jedoch noch nicht so groß wie seine Nachfolger und wurde infolge der Rebellion des Ancietus (68/69) schon bald wieder aufgegeben.[16] Aus dieser Phase konnten ein Horreum (Getreidespeicher) und zwei Fundamentdeponierungen identifiziert werden.[17]
Eine neue Stationierung von Truppen in Apsaros erfolgte erst wieder in trajanischer Zeit (98–117), wohl im Rahmen der Vorbereitungen zum Partherkrieg (114–117). Es war deutlich größer als das vorangehende Bauwerk und diesmal nach Norden hin orientiert. Aus dieser Zeit stammen ein Badehaus und ein weiterer Deponierungsfund.[17] Das trajanische Kastell blieb auch unter dem Nachfolger Hadrian (117–138) bestehen, unter dem es noch einmal erneuert wurde. Die Wehrmauern wurden verstärkt, die Principia (Stabsgebäude) modernisiert. An die Stelle des vormaligen Badehauses trat ein 1200 m² umfassendes Praetorium (Wohnquartier und Dienstgebäude des Kommandanten) mit privaten Thermen und einem großen Peristyl. Mindestens drei seiner Räume waren mit Mosaikböden ausgestattet. Die Principia wurden modernisiert und mit einem neuen Fliesenboden ausgestattet. Westlich der Principia und des Praetoriums wurde eine neue und größere öffentliche Thermenanlage errichtet. Auch eine vierte Fundamentdeponierung konnte aus dieser Zeit identifiziert werden.[17] Laut Arrian, von 131 bis 137 Statthalter der Provinz Kappadokien und Befehlshaber der römischen Truppen an der Grenze zu Armenien, waren in Apsaros bei seiner Inspektionsreise des Jahres 135 gleichzeitig fünf verschiedene Legionsvexillationen stationiert, darunter vier Kohorten der Legio V Macedonica und eine der Legio XV Apollinaris.[6][18] Aus dieser Zeit stammt die Inschrift des Numerius Marcius Plaetorius Celer, der im Laufe seiner abwechslungsreichen Karriere auch als Praepositus das Kommando über eine Spezialeinheit zur Bewachung der Brücke von Apsaros innehatte:[19][20]
“Numerio Marcio Numeri filio Galeria Plaetorio Celeri quaestori II viro centurioni legionis VII Geminae centurioni legionis XVI Flaviae Firmae donis donato a divo Traiano bello Parthico corona murali torquibus armillis phalaris centurioni legionis III Gallicae centurioni legionis XIIII Geminae Martiae Victricis centurioni legionis VII Claudiae Piae Fidelis centurioni legionis I Adiutricis Piae Fidelis primo pilo legionis eiusdem praeposito numerorum tendentium in ponto Absaro tribuno cohortis III vigilum patrono coloniae decreto decurionum”
„… Befehlshaber der Numeri bei der Brücke von Apsaros …“
Noch im selben Jahrzehnt wurde das Praetorium durch ein Erdbeben schwer beschädigt und von einer Mannschaftskaserne ersetzt, die mindestens zwei Bauphasen aufwies, bevor die Festung durch ein weiteres Erdbeben in den 250er Jahre zerstört wurde. Ein neuerlicher Wiederaufbau begann zwar unmittelbar danach, jedoch zeigten die Ausgrabungsergebnisse und architektonische Analysen, dass nur noch die Fundamente vollständig fertiggestellt worden waren und die Errichtung des Aufgehenden gerade erst begonnen hatte, als man die Bauarbeiten einstellte und Apsaros (vermutlich aus geostrategischen Gründen, oder infolge der Auseinandersetzungen mit den Boranern)[21] verlassen wurde. Stempel aus Apsaros mit den Inschrifte COH ∞... und ∞ lassen vermuten, dass die Festung in nachhadrianischer Zeit von einer Coh(ors) milliaria [c(ivium) R(omanorum)] besetzt war,[22] und auch eine Cohors Aurelia civium Romanorum könnte in Apsaros stationiert gewesen sein, ist dort allerdings nur durch eine einzige Inschrift auf einem bronzenen Kerzenleuchter belegt.[23]
Nach dem Ende der Römisch-Persischen Kriege des sechsten Jahrhunderts unter Justinian I. und der Stabilisierung der Grenze zwischen Colchis und Lasika wurde die Festung erneut besetzt.[17][24]
Jüngere Forschungen haben zur Entdeckung eines Grabens geführt, der im Bereich nördlich des Kastells den Hafen von Apsaros an drei Seiten umgibt und der vermutlich in trajanischer oder hadrianischer Zeit angelegt worden ist. Hinter ihm schützte sich wohl die zivile städtisch strukturierte Siedlung, die auch über ein Theater und ein Hippodrom verfügte.[25]
Auch wenn von Siedlungsstrukturen, kulturellem Austausch und dem Erfolg der Romanisierung im Umland von Apsaros noch wenig bekannt ist, kann man bei dem Gebiet des unteren Chorokhi und der unmittelbaren Umgebung der Stadt davon ausgehen, dass der Beginn der römischen Militärpräsenz mit der Vertreibung der lokalen Bevölkerung einherging. Die ursprünglichen Bewohner wurden weiter nach Westen, in bereits römisch kontrollierte Gebiete umgesiedelt. Im zweiten und in der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts war das Bergland östlich von Apsaros von einer romanisierten Bevölkerung bewohnt, die soziale und ökonomische Beziehungen zur Garnison hatte. Hiervon zeugt die Entdeckung einer Weinpresse, deren Zerstörung in die Zeit des Abzugs der römischen Armee während der Zeit der Auseinandersetzungen mit den Boranern datiert werden konnte und deren Weinproduktion während ihrer Betriebsdauer mit Sicherheit der Versorgung der Garnison diente. Die in den Gräbern des rund zehn Kilometer östlich von Apsaros gelegenen Dorfes Makho gefundenen Artefakte, darunter mit Edelsteinen verzierte Ringe, zeugen vom Wohlstand der Bevölkerung in der Region. Unter den Ringen befand sich auch einer mit einem eingravierten Chi-Rho-Monogramm aus der Zeit des Diocletians (284–305). Aufgrund der bisherigen Funde lässt sich vermuten, dass die Bewohner Römer waren und die gesamte Gemeinschaft stark von der provinziell-römischen Kultur geprägt war. Aus der Zeit des zweiten Raubzugs der Boraner (256/257) stammen auch zwei Depotfunde (darunter eine mit Gold gefüllte Truhe) mit unterschiedlichen, zum Teil mit Edelsteinen und Halbedelsteinen verzierten Goldgegenständen, die in der Zeit des ersten bis dritten Jahrhunderts gefertigt worden waren.[21] Die Münzreihe des ersten Horts erstreckte sich von einer tiberischen Prägung (14–37) bis zu Caracalla (211–217), die des zweiten von Trajan bis zu Severus Alexander (222–235).[17][26][27][28]