Zum Inhalt springen

Andreas Schelske

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Andreas Schelske (* 23. November 1962 in Eutin) ist ein deutscher Soziologe und Professor für Kommunikationswissenschaft und Public Relations an der Jade Hochschule am Studienort Wilhelmshaven. Seine Forschungsschwerpunkte sind vorrangig die Bildwissenschaft, Vernetzte Medien sowie Public Relations und Unternehmenskommunikation.

Schelske studierte an der Universität Hamburg die Fächer Soziologie, Philosophie, Psychologie, und Volkswirtschaftspolitik. Sein Studium schloss er 1990 als Diplom-Soziologe ab. Von 1991 bis 1992 und 1995 arbeite er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am NORDIG Institut für Epidemiologie an einem Projekt zur Beurteilung einer medizinischen Präventionsmaßnahme. Ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes von 1992 bis 1994 ermöglichte ihm die Promotion. 1996 promovierte er an der Universität zum Dr. phil. bei Peter Stromberger zum Thema der kulturellen Bedeutung von Bildern. Im Anschluss daran arbeite Schelske als Projektleiter für Internetanalysen von 1997 bis 1999 bei Media Tenor in Leipzig. 2000 und 2005 wirkte er als Researcher im Trendbüro bei Peter Wippermann. Als wissenschaftlicher Angestellter forschte und lehrte Schelske von 2001 bis 2004 am Institut für Multimediale und Interaktive Systeme, das Michael Herczeg an der Universität Lübeck leitete. 2006 gründete er sein Unternehmen 4communication[1], um seine soziologische Beratung in gesellschaftliche Kontexte einfließen zu lassen. Seit 2008 ist Schelske Professor mit der Denomination „Kommunikationswissenschaften und Public Relations“ im Studiengang Medienwirtschaft und Journalismus an der Jade Hochschule in Wilhelmshaven.

Forschungsschwerpunkte

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hinsichtlich der visuellen Kommunikation mittels Bildern zeigte Schelske mit der Semiotik von Charles Sanders Peirce auf, dass Bilder ihre Bedeutung sowohl in der Praxis einer Sozialintegration als auch in den binären Codes der Systemintegration einer Gesellschaft – im Sinne von Niklas Luhmann – erhalten. Mit dieser Unterscheidung von Sozial- und Systemintegration beschreibt Schelske einerseits eine Erlebnisgesellschaft, die die gegenwärtige Bilderflut im emotionsmotivierten Sinnkonsens konsumiert, und andererseits ausdifferenzierte Gesellschaftssysteme, wie beispielsweise das Kunstsystem, in dem Bilder weniger über die ästhetische Praxis, sondern mehr über das Steuerungsmedium Geld eine Systemintegration erhalten. Des Weiteren zeigt Schelske in der Unterscheidung von Bezeichnung und Bedeutung auf, wie bildhafte Zeichen eine monosemantische Bezeichnungsfunktion in Kulturen erfüllen und gleichzeitig eine polypragmatische Bedeutungsfunktion in Gesellschaften übernehmen. Seine Analyse zeigt im Ergebnis auf, dass Bilder in der syntaktischen Dimension partiell einer Konvention folgen, deren Regelhaftigkeit einen kulturellen Beziehungsaspekt visueller Kommunikation ermöglichen. Nach Ansicht von Marion G. Müller gibt die Arbeit von Schelske „einen ausgezeichneten Überblick über den soziologischen Stand der Forschung im Bereich der visuellen Kommunikation“. Allerdings kritisiert sie seine abschließende Beurteilung der Kunstgeschichte als „schlicht falsch“, da die Kunstgeschichte durchaus Ansätze zur Erforschung von Bildkommunikation erbringe.[2]

In aktuelleren Schriften versucht Schelske zu zeigen, dass die Virtual Reality im Head-Mounted Display nicht einfach ein neues Bildformat anbietet, sondern eine andere Wissensform erzeugt als klassische Bilder. Daraus folgt seine eigentliche bildwissenschaftliche Pointe: Virtual Reality verschiebt das Bild vom Zeichen zum Erfahrungsraum, der eine Körperlichkeit der Praktiken im Sinne der Praxeologie vermittelt. Für seine Schrift „What is Real in the Metaverse?“ erhielt er den Preis „Award Winner for Volume 15.“ des „The International Journal of the Image“.[3]

Sein Buch zur Mediensoziologie und Medienethik vernetzter Medien gilt als „exzellente Grundlage für das Verständnis dessen, was in einer computervermittelten Vergesellschaftung geschieht“.[4] In seinem Arbeitsfeld der Trendforschung und Public Relations unterstützte Schelske zuletzt in einem Interview die Entscheidung von Aldi Süd, sich im Sinne der Meinungsfreiheit und des Marketings als ein Islam-freundlicher Markt zu positionieren.[5]

Schriften (Auswahl)

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  • Andreas Schelske: Welche mehrstufigen Realitäten werden mit Analogizität und Digitalität kommuniziert? Dargestellt am Beispiel der Fotografie, KI-Fotografie und Virtual Reality: Zeitschrift für Semiotik, Themenheft „Zeichengebrauch zwischen Analogizität und Digitalität“, hrsg. von Anne Diehr, Rafaela Kastor und Jörg Bücker. 2026
  • Die kulturelle Bedeutung der ›KI‹-Bilder, S. 353-382 in: Marcel, Lemmes; Stephan Packard; Klaus Sachs-Hombach (Hrsg.), Bilder im Aufbruch. Herausforderungen der Bildwissenschaft, Köln: Halem, 2025, DOI: https://www.doi.org/10.1453/OA_2025_9783869626888, Free download as PDF, Open Access.
  • How and where do images from an AI become significant in societies?, in: The International Journal of the Image 16 (2): 1-20. DOI: https://doi.org/10.18848/2154-8560/CGP/v16i02/1-20, Extent: 20 pages. Free download as PDF, Open Access. 2025
  • What is real in the metaverse? Realities of image-based communication in virtual, augmented and mixed realities. The International Journal of the Image 15 (1): 1-15. DOI: https://doi.org/10.18848/2154-8560/CGP/v15i01/1-15. Extent: 15 pages. Free download as PDF, Open Access. 2024
  • Wie werden Bilder für Argumentationen verwendet? Über Semiotik und Rhetorik in der visuellen Kommunikation / Semiotische Überlegungen legen dar, wie Bilder einer Bildlogik folgen, um mittels visueller Argumentation in soziokulturellen Kontexten zu überzeugen. In: Sprache für die Form*, Forum für Design und Rhetorik, Ausgabe Nr. 21, Herbst 2022. E-Journal https://www.designrhetorik.de/ Link zum Text: Wie werden Bilder für Argumentationen verwendet?
  • Wie erinnern virtuelle Realitäten an etwas, wie es Bilder nicht erinnern? Zur Praktik bildunterstützter Erinnerung in Gesellschaften. In: Image 36, Zeitschrift für interdisziplinäre Bildwissenschaft, Open Access bei https://mediarep.org/server/api/core/bitstreams/6a08f4fb-d1bb-4429-b7d7-c96b3768d4e6/content
  • What Virtual Reality Knows That Pictures Do Not. The International Journal of the Image 11 (4): 1-11. DOI: https://doi.org/10.18848/2154-8560/CGP/v11i04/1-11. Extent: 11 pages. Free download as PDF, Open Access.
  • The rise of things is the end of images - A picture is worth a thousand hands. In: Grabbe, Lars C.; Rupert-Kruse, Patrick; Schmitz, Norbert M. (Hrsg.): Yearbook of Moving Image Studies (YoMIS); Image Evolution: Technological Transformations of Visual Media Culture, Büchner-Verlag, Darmstadt. 2019
  • Vertrauen, das sich nicht in den Köpfen der Menschen abspielt, ist keines In: Freytag, Michael (Hrsg.): Verbraucher-Vertrauen / Die neue vernetzte Welt: Herausforderungen für Unternehmen und Kunden, Frankfurter Allgemeine Buch, Frankfurt a. M.
  • Vertrauen – als Grundlage der PR und Ziele (12 Seiten / Textauszug); Faktoren der Vertrauenskommunikation (12 Seiten / Textauszug) in Lies, Jan (Hrsg.): Theorien des PR-Managements: Geschichte - Basiswissenschaften - Wirkungsdimensionen, Ein Handbuch, Bd. 2, Springer Gabler. 2015. Volltext als PDF in der Onlineausleihe, S. 322
  • Informationelle Bewirtschaftung der Identität während computerunterstützter Vergesellschaftung. 2012, S. 258. In: consumers@work, Zum neuen Verhältnis von Unternehmen und Usern im Web 2.0, (Hrsg.:) Tabea Beyreuther, Katrin Duske, Christian Eismann, Sabine Hornung, Frank Kleemann, Campus Verlag GmbH, Frankfurt a. M.
  • Transparente Märkte in interaktiven Wertschöpfungsprozessen - Synchrone Konsumforschung mit vernetzten Konsumenten. In: Zwischen Methodenpluralismus und Datenhandel - Zur Soziologie der kommerziellen Konsumforschung - Aus der Reihe: Konsumsoziologie und Massenkultur, Hrsg.: Schrage, Dominik / Friederici, Markus R. VS-Verlag 2008. https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-531-91056-7
  • Das digitale Bildvergessen (Version 2.0) in: FIfF-Kommunikation 4/2008: Fachzeitschrift und Mitteilungsblatt des Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung. 2008
  • Soziologie vernetzter Medien, Grundlagen computervermittelter Vergesellschaftung. Lehrbuch: Oldenbourg Verlag 2007, München, ISBN 978-3486273960, Leseprobe
  • Computerunterstütze Vergesellschaftung - Socialware. In: Hrsg.: Jäckel, Michael; Mai, Manfred Online-Vergesellschaftung? Mediensoziologische Perspektiven auf neue Kommunikationstechnologien, VS Verlag für Sozialwissenschaften 2005. https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-322-80724-3_1
  • Die kulturelle Bedeutung von Bildern / Soziologische und semiotische Überlegungen zur visuellen Kommunikation. Deutscher Universitäts-Verlag: Wiesbaden (Dissertation), 1997 379 Seiten. ISBN 9783663097358, https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-663-09735-8

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. 4communication Soziologische Beratung
  2. Marion G. Müller, Grundlagen der visuellen Kommunikation. Theorieansätze und Methoden. UVK, Konstanz 2003. ISBN 3-8252-2414-7, S. 205
  3. Award for Excellence des International Journal of The Image Newsroom Jade Hs Treffpunkt
  4. Hanspeter Reiter: Rezension Mediensoziologie und Medienethik vernetzter Medien
  5. Aldi nimmt Seife aus dem Produktprogramm, Deutschlandfunk Kultur