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Andreas Gehr

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Andreas Gehr, Leitstern (1979)

Andreas Gehr (* 16. Juli 1942 in Appenzell) ist ein Schweizer Installationskünstler, Bildhauer, Maler und Zeichner. Seine häufig abstrakten Arbeiten sind auf den jeweiligen Raum bezogen und verbinden unter anderem Glas, Metall, Holz und Ton.[1]

Gehr ist eines der fünf Kinder des Malers Ferdinand Gehr und dessen Ehefrau Mathilde Mazenauer.[2] Er absolvierte von 1960 bis 1963 eine Schlosserlehre. Anschliessend studierte er bis 1966 an der Kunstgewerbeschule Luzern und von 1966 bis 1968 an der École nationale supérieure des beaux-arts de Paris. 1968 und 1969 beschäftigte er sich bei dem französischen Bildhauer Jean Touret mit Holzbildhauerei.[1]

Ab 1974 lebte Gehr in Urswil im Kanton Luzern. 1983 übersiedelte er nach Toronto; Anfang der 1990er Jahre liess er sich in Gray in Frankreich nieder.[1][3]

Von 1974 bis 1979 war Gehr mit der tschechisch-schweizerischen Künstlerin Olga Zimmelova verheiratet. Eine der gemeinsamen Töchter ist die Künstlerin Damaris Gehr (* 1976), die als Fotografin, Text- und Objektkünstlerin arbeitet.[4][5][6] Im Jahr 2005 heiratete er die kanadische Künstlerin Sandra Smith (1958–2011), mit der er in Gray lebte.[7]

1972 erhielt er ein Stipendium der Kiefer-Hablitzel-Stiftung, 1976 ein Eidgenössisches Kunststipendium. 1980 wurde er bei der Wettbewerbsausstellung 30 junge Schweizer Plastiker im Seedamm-Kulturzentrum in Pfäffikon ausgezeichnet. Im Jahr 1982 war er der erste Preisträger des damals neu geschaffenen Nordmann-Kunstpreises in Luzern, der heute unter dem Namen Manor Kunstpreis vergeben wird.[1][8]

Seit seinen frühen Arbeiten beschäftigt sich Gehr mit Zeichen, Sprache und der Entstehung von Bedeutung. In Werken wie Mein Alphabet (1973), Solitär (1974) und Tonband (1976) entwickelte er elementare Formen zu einem eigenen bildnerischen Vokabular. Für eine 1975 im Kunstmuseum Luzern gezeigte Installation ordnete er rund 10.000 kleine Objekte aus ungebranntem Ton auf grossen Stahltischen an. Die Formen sollten dabei nicht als Zeichen für etwas ausserhalb des Werks gelesen werden, sondern ihre Bedeutung aus ihrer Anordnung und dem räumlichen Zusammenhang gewinnen.[9]

Die raumfüllende Installation Leitstern (1979) besteht aus einem fünfzackigen Stern und mehr als 1000 fragilen Fragmenten aus ungebranntem Ton, die auf Körperabformungen des Künstlers zurückgehen.[10]

Seit Mitte der 1980er Jahre verwendete Gehr verstärkt Glas. Dessen Transparenz und materielle Fragilität stellte er der traditionellen Vorstellung von Skulptur als festem, raumbeherrschendem Körper gegenüber. In späteren Arbeiten wie Critical Statement und der Serie Lying Word (beide 1998) formte er Wörter aus übereinandergeschichteten Glasbuchstaben. Durch ihre räumliche Verdichtung wurden die Wörter unlesbar und verwandelten sich in geometrische Körper. Raw Material (1999) besteht aus Metallbehältern mit Stapeln gläserner Buchstaben und thematisiert die Zerlegung und erneute Zusammensetzung von Sprache.[9]

Ausstellungen (Auswahl)

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  • 1972, 1975 und 1979: Kunstmuseum Luzern, Einzelausstellungen[1]
  • 1975: Biennale de Paris, Gruppenausstellung[1]
  • 1980: Internationale Hallen für Neue Kunst, Zürich, Einzelausstellung[1]
  • 1988: Kunstmuseum St. Gallen, Einzelausstellung; Material und Abstraktion, 2 × 5 Positionen, Aargauer Kunsthaus, Aarau[1]
  • 1993: Art Gallery of Hamilton, Kanada[1]
  • 1997: Art Gallery of Ontario, Toronto, Work/Site[1]
  • 1999: Musée des Beaux-Arts et d’Archéologie de Besançon, 6 artistes plasticiens résidant en Franche-Comté[1]
  • 2026: Kunstmuseum Luzern, 1 Raum, 1 Werk. Installationen aus der Sammlung (erste Ausstellungsphase)[11]
  • Jean-Christophe Ammann: Andreas Gehr. Zur Ausstellung. Kunstmuseum Luzern, Luzern 1975.
  • Max Wechsler: Das Künstlerporträt Andreas Gehr. In: Vaterland, 10. Januar 1981.
  • Max Wechsler: Andreas Gehr, Kunstverein St. Gallen. In: Artforum, Band 26, Nr. 9, Mai 1988, S. 158.
  • Beate Stock: Gehr, Andreas. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker. Band 51, K. G. Saur, München/Leipzig 2006, S. 32.

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 Beate Stock: Gehr, Andreas. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker. Band 51. K. G. Saur, München/Leipzig 2006, S. 32.
  2. ↑ Ferdinand Gehr – Bauen an der Kunst. (PDF) In: Medienmitteilung zur Ausstellung. Kunstmuseum Olten, 2016, S. 2, abgerufen am 3. August 2026.
  3. ↑ Andreas Gehr. In: SIK-ISEA Recherche. Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft, abgerufen am 3. August 2026.
  4. ↑ Zimmelova, Olga. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker. Band 119. De Gruyter, Berlin/Boston 2023, S. 168.
  5. ↑ Damaris Gehr. In: SIK-ISEA Recherche. Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft, abgerufen am 3. August 2026.
  6. ↑ Gehr, Damaris. In: Gemeinsame Normdatei. Deutsche Nationalbibliothek, abgerufen am 3. August 2026.
  7. ↑ Décès de Sandra Gehr. In: L’Est Républicain. 1. August 2011, abgerufen am 3. August 2026 (französisch).
  8. ↑ 1 Raum, 1 Werk. Installationen aus der Sammlung – Wandtexte. (PDF) In: Kunstmuseum Luzern. 2026, S. 2, abgerufen am 3. August 2026.
  9. 1 2 Sandra Smith: L’ultima parola di un filosofo. In: Studio erAarte. Abgerufen am 3. August 2026 (italienisch).
  10. ↑ 3 Tage Installations-Aufbau im Kunstmuseum Luzern. In: Instagram. Hochschule der Künste Bern, Fachbereich Konservierung und Restaurierung, abgerufen am 3. August 2026.
  11. ↑ 1 Raum, 1 Werk. Installationen aus der Sammlung. In: Kunstmuseum Luzern. 2026, abgerufen am 3. August 2026.