Zum Inhalt springen

Andes-Virus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Illustration des Erregers

Das Andes-Virus (in Kurzform auch als ANDV bezeichnet; fachsprachlich auch als Orthohantavirus andesense betitelt) ist ein Krankheitserreger in Form eines behüllten, einzelsträngigen RNA-Virus mit negativer Polarität aus der Familie der Hantaviren und verursacht unter anderem das Hantavirus-induzierte kardiopulmonale Syndrom (HCPS).[1] Die Übertragung kann sowohl von Mensch zu Mensch als auch durch Wirtstiere wie z. B. die Zwergreisratte erfolgen. Die Sterblichkeitsrate beträgt beim Menschen etwa 40 %.[2]

Im Jahr 2026 war das Andes-Virus für einen Ausbruch an Bord der Hondius verantwortlich, während das Schiff auf einer Route im Atlantik unterwegs war.[3][4]

Krankheitsverlauf

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Symptome treten meist ein bis acht Wochen nach der Exposition gegenüber dem Virus auf und durchlaufen drei Phasen: Prodromalphase, kardiopulmonale Phase und Erholungsphase. Die Prodromalphase (Frühsymptome) dauert in der Regel einige Tage und umfasst häufig Symptome wie Fieber, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Husten, Übelkeit, Erbrechen, Schüttelfrost und Schwindel. Die kardiopulmonale Phase dauert zumeist mehrere Tage und kann unter anderem durch Flüssigkeitsansammlung in der Lunge, niedrigen Sauerstoffgehalt im Blut, erhöhte oder unregelmäßige Herzfrequenz, niedrigen Blutdruck, kardiogenen Schock und Atemversagen gekennzeichnet sein.[2][5] Die Letalität bei ANDV-Infektionen beträgt etwa 40 %.[2]

Das Andes-Virus wurde 1995 erstmals in Argentinien entdeckt[2] und nach der Anden-Gebirgskette benannt. Im selben Jahr wurden auch erste Fälle in Chile gemeldet.[6] Die Mensch-zu-Mensch-Übertragung wurde erstmals bei einem Ausbruch 1996 in El Bolsón, Argentinien, beschrieben. Seitdem kam es zu einigen Ausbrüchen mit berichteter Mensch-zu-Mensch-Übertragung.[7] Das Andes-Virus wurde 1999 als Art vom International Committee on Taxonomy of Viruses anerkannt und hat seitdem mehrere Änderungen seines Artnamens durchlaufen: zuerst zu Andes hantavirus, dann zu Andes orthohantavirus und zuletzt zum aktuellen Orthohantavirus andesense.[8]

Nach dem Recht Deutschlands müssen spätestens 24 Stunden nach erlangter Kenntnis dem Gesundheitsamt gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 1 Buchstabe g IfSG der Krankheitsverdacht, die Erkrankung sowie der Tod an virusbedingtem hämorrhagischen Fieber und gemäß § 7 Abs. 1 Nr. 19 IfSG der direkte oder indirekte Nachweis von Hantaviren, soweit er auf eine akute Infektion hinweist, namentlich gemeldet werden.[9] Eine unverzügliche Isolierung bzw. Quarantäne ist, im Gegensatz zu fast allen anderen Infektionen, bei von Mensch zu Mensch übertragbaren hämorrhagischen Fiebern für Erkrankte bzw. der Erkrankung Verdächtige zwingend vorgeschrieben (§ 30 Abs. 1 Satz 1 IfSG [Absonderung]).

Hanta-Virus-Infektionen sind nach dem Recht Österreichs gemäß § 1 Abs. 1 Nr. 2 Epidemiegesetz 1950 bei Erkrankung und Tod anzeigepflichtig. Zudem wurde dies ab dem 9. Mai 2026 bis zum 31. Dezember 2026 auf Verdachtsfälle der von Mensch zu Mensch übertragbaren Hanta-Virus-Infektionen erweitert (§ 1 Verordnung des Bundesministers für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz betreffend anzeigepflichtige übertragbare Krankheiten 2020 i. V. m. § 1 Abs. 2 Epidemiegesetz 1950). Zur Anzeige verpflichtet sind unter anderen Ärzte und Labore (§ 3 Epidemiegesetz 1950).

Nach dem Recht der Schweiz ist der positive laboranalytische Befund zu einem Hanta-Virus meldepflichtig und zwar nach dem Epidemiengesetz (EpG) in Verbindung mit der Epidemienverordnung und Anhang 3 Nr. 17 der Verordnung des EDI über die Meldung von Beobachtungen übertragbarer Krankheiten des Menschen. Meldepflichtig ist das untersuchende Labor. Zudem ist der positive laboranalytischer Befund der Erkrankung Hanta-Fieber meldepflichtig nach den genannten Normen und Anhang 1 Nr. 17 der genannten Verordnung des EDI. Meldepflichtig sind Ärzte, Spitäler usw.

Commons: Hantavirus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Andes-Virus. In: DocCheck Flexikon. Abgerufen am 13. Mai 2026.
  2. 1 2 3 4 Rui Chen, Hao Gong, Xiaolong Wang, Mingwei Sun, Yabin Ji, Shuang Tan, Jianjun Chen, Jiang Shao, Ming Liao: Zoonotic Hantaviridae with Global Public Health Significance. In: Viruses. Band 15, Nr. 8, 8. August 2023, S. 1705, doi:10.3390/v15081705, PMID 37632047, PMC 10459939 (freier Volltext).
  3. Hantavirus Cluster Linked to Cruise Ship Travel, Multi-Country. World Health Organization, 4. Mai 2026, abgerufen am 6. Mai 2026.
  4. Statement on the M/V Hondius Cruise Ship. Centers for Disease Control and Prevention, 6. Mai 2026, abgerufen am 6. Mai 2026.
  5. Alexis T. Jacob, Benjamin M. Ziegler, Sara M. Farha, Lauren R. Vivian, Chloe A. Zilinski, Abigail R. Armstrong, Alex J. Burdette, Dianne C. Beachboard, Christopher C. Stobart: Sin Nombre Virus and the Emergence of Other Hantaviruses: A Review of the Biology, Ecology, and Disease of a Zoonotic Pathogen. In: Biology. Band 12, Nr. 11, 9. November 2023, S. 1143, doi:10.3390/biology12111413, PMID 37998012, PMC 10669331 (freier Volltext).
  6. Francisca Astorga, Luis E. Escobar, Daniel Poo-Muñoz, Javier Escobar-Dodero, Sofía Rojas-Hucks, Mario Alvarado-Rybak, Maria Duclos, Daniel Romero-Alvarez, Blanca E. Molina-Burgos, Alejandra Peñafiel-Ricaurte, Fernando Toro, Fabio T. Peña-Gómez, A. Townsend Peterson: Distributional ecology of Andes hantavirus: a macroecological approach. In: International Journal of Health Geographics. Band 17, Nr. 1, 22. Juni 2018, doi:10.1186/s12942-018-0142-z, PMID 29929522, PMC 6013855 (freier Volltext).
  7. Carla M. Bellomo, Daniel O. Alonso, Unai Pérez-Sautu, Karla Prieto, Sarah Kehl, Rocio M. Coelho, Natalia Periolo, Nicholas Di Paola, Natalia Ferressini-Gerpe, Jens H. Kuhn, Mariano Sanchez-Lockhart, Gustavo Palacios, Valeria P. Martínez: Andes Virus Genome Mutations That Are Likely Associated with Animal Model Attenuation and Human Person-to-Person Transmission. In: mSphere. Band 8, Nr. 3, 22. Juni 2023, doi:10.1128/msphere.00018-23, PMID 37097182, PMC 10286707 (freier Volltext).
  8. History of the taxon: Species: Orthohantavirus andesense (2023 Release, MSL #39). In: ictv.global. International Committee on Taxonomy of Viruses, abgerufen am 5. Januar 2025.
  9. Hantavirus-Erkrankung. RKI-Ratgeber, Stand 13. November 2020.