Amt Trendelburg
Das Amt Trendelburg der Landgrafschaft Hessen bzw. später der Landgrafschaft Hessen-Kassel und des Kurfürstentums Hessen verwaltete die landgräflichen Besitzungen und Gerichte in der Umgebung der Burg Trendelburg am Unterlauf der Diemel. Es bestand, in der Nachfolge eines gemeinschaftlichen Paderborner-Hessischen Amts, von etwa 1464 bis 1821, unterbrochen nur in der Zeit des Königreichs Westphalen 1807 bis 1813.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Konrad III. von Schöneberg (1249–1311), Erbauer der Burg Trendelburg, verkaufte sie 1305 an den Landgrafen Heinrich I. von Hessen, wobei die Hälfte allerdings noch an die Grafen von Waldeck verpfändet war.
Nach dem 1306 geschlossenen Frieden zwischen dem Hochstift Paderborn und Landgraf Heinrich I. wurden die Burg und der Ort Trendelburg hälftig zwischen den beiden Parteien geteilt, wobei Hessen seine Hälfte von Paderborn zu Lehen nahm. Die Burg wurde gemeinsamer Amts- und Gerichtsort des Hochstifts und der Landgrafschaft.[1] Bis ins 15. Jahrhundert vertrat der auf der Burg Trendelburg sitzende und gemeinsam bestallte Amtmann, ein Mitglied der Familie von Schöneberg, beide Parteien. 1373 verpfändete Hessen seine Hälfte an die früheren Besitzer, die Herren von Schöneberg. Nachdem dieses Geschlecht mit Heinrich II. (1390–1419) in der männlichen Linie erloschen war, verkaufte seine Witwe Maria 1429 die verbliebenen Rechte, Lehen und Erbgüter der Familie an Landgraf Ludwig I. Die Paderborner Hälfte war davon nicht betroffen.
Erst 1465, in der Anfangsphase der Hessen-Paderbornischen Fehde (1464–1471), nahm Ludwigs I. Sohn und Nachfolger, Ludwig II., gewaltsam Besitz des Paderborner Teils von Trendelburg und er und seine Nachfolger setzten ihre eigenen Gefolgsmänner als Amtsmänner in Trendelburg ein, von 1469 bis ins 18. Jahrhundert die Herren von Stockhausen.
Zugehörige Orte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zum Amt Trendelburg gehörten 1544, 1568, 1585 und 1742:
- Trendelburg, Burg und Stadt
- Deisel
- Eberschütz
- Hümme
- Lamerden
- Ostheim
- Sielen
- Stammen
Im Jahre 1814, im Zuge der Restitution von Kurhessen nach dem Intermezzo des napoleonischen Königreichs Westphalen, wurden die im Verlauf des 18. Jahrhunderts hinzugekommenen Städte Carlshafen und Helmarshausen, das Dorf Langenthal und der Hasselhof aus dem Amt Trendelburg ausgegliedert und im neuen Amt Carlshafen zusammengefasst. Zum Amt Trendelburg gehörten nunmehr:[2]
- Trendelburg
- Abgunst (Hof)
- Deisel
- Eberschütz
- Friedrichsfeld (Kolonie)
- Hümme
- Lamerden
- Nasenkrug (Wirtshaus)
- Ostheim
- Sielen
- Stammen
- Wülmersen (Hof)
Fußnoten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Michael Lagers: Der Paderborner Stiftsadel zur Mitte des 15. Jahrhunderts. Untersuchungen zum Auf- und Ausbau niederadliger Machtstrukturen, Paderborn 2013, ISBN 978-3-89710-551-5, S. 339f.
- ↑ Kur-Hessischer Staats- und Adreß-Kalender auf das Jahr 1818, Verlag des Waisenhauses, Kassel, 1818: Niederhessen, S. 56