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Alfons Ott

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Alfons Ott

Alfons Ott († 23. August 1925 in Lübeck) war ein lübeckischer Spezialarzt für Lungen-, Hals- und Nasenleiden.

Ott ließ sich 1905 in Lübeck als Arzt nieder. Etwa sechs Jahre leitete er die staatliche Fürsorgestelle für Lungenkranke.

Lübeck haderte zu jener Zeit jedoch noch damit, Schulärzte einzuführen. So wurde noch 1906, obwohl die Schwesterstädte Hamburg und Bremen bereits die Anstellung von Schulärzten beschlossen hatten, die Schularztfrage nach wie vor erörtert. Lediglich die Berenend-Schrödersche (Taubstummen)-Schule besaß in der Person des Physikus einen Arzt, dessen Tätigkeit etwa der eines Schularztes anderer Städte entsprach. In allen wichtigen Fragen wurde das Medizinalkollegium[Anm. 1] gehört und bei Klagen über Missstände der Physikus mit deren Untersuchung beauftragt. Auf die Schulen verteilte mit allen ihren Einrichtungen vertraute Schulärzte, die für die Anwendung der hygienischen Vorschriften sorgten und für die Abstellung von Missständen die vorgesetzte Behörde informierten, gab es nicht. Die Hygiene der Schulkinder war deren zweite Aufgabe. Der oberste Grundsatz war die Vorbeugung und nicht die Behandlung.[1] Der Ärztekammervorstand äußerte sich über die Anstellung von Schulärzten in Lübeck gutachtlich zustimmend. Wie bereits im Vorjahr versuchte der Verein für Schulgesundheitspflege durch Vorträge, in der Aula[2] der Ernestinenschule sprach Ott am 13. November 1905 über „Atmung, Abhärtung und Bewegungsspiele“, hygienische Grundkenntnisse zu verbreiten.[3]

Seit etwa 1910 arbeitete Ott zusammen mit der Gesangslehrerin Fräulein Hoffmann in Hamburg wissenschaftlich an der Ergründung der physiologischen Grundlage eines natürlichen Sprach- und Gesangsunterrichts. Auf Grund ihrer ausgedehnten Untersuchungen bot die hamburgische Oberschulbehörde für die Lehrer Kurse zur natürlichen Stimmbildung der Schüler an.

Eine Sitzung des Kongresses für Innere Medizin in Warschau
Die Vertreter Lübecks auf dem Warschauer Kongress (Plessing, Wex, Ott)

Während des Krieges war Ott ab April 1915 Leiter der Großen Lungenabteilung und Heilstätte des IX. Armee-Korps sowie bei der Militärbehörde beratender Facharzt für Lungenleiden.

Am 1. und 2. Mai 1916 fand der üblicherweise in Wiesbaden stattfindende Kongress der Inneren Medizin außerordentlich im unter deutscher Verwaltung stehenden Warschau statt und wurde hauptsächlich von Militärärzten besucht. In der Eröffnungsrede wurde der Krieg von Wilhelm His als ein „gesundheitlicher Massenversuch“ bezeichnet. Der Oberstabsarzt und Leiter des Barackenlazaretts Plessing und der dortige Stabsarzt auf dem Burgfeld Ott, sowie der Feld stehende Stabsarzt Friedrich Wex waren die dortigen lübeckischen Vertreter.[4][5]

Die Drägerwerke konstruierten unter der Mitwirkung von Ott einen neuen Atmungsapparat zur Behandlung von Asthmatischen Beschwerden und Emphysem sowie Atmungsmaschinen für die Atmungsgymnastik.[Anm. 2][6]

Eine größere Anzahl wissenschaftlicher Arbeiten – Bücher, Zeitschriftenabhandlungen, Vorträge – belegen, als Ott im Alter von 55 Jahren verstarb, seine Forschungstätigkeit.

  1. ↑ Das Medizinalkollegium in Lübeck war eine historische Medizinalbehörde, die die Aufsicht über das Gesundheitswesen der Hansestadt führte. Es wurde im Jahr 1811 (während der französischen Besatzungszeit als Jury médicale) ins Leben gerufen und nach dem Ende der Franzosenzeit im Jahr 1814 als ständige städtische Einrichtung etabliert.
  2. ↑ Atemgymnastik dient der Kräftigung der Atemhilfsmuskulatur, der Erweiterung des Lungenvolumens und der Verbesserung der Sauerstoffversorgung. Spezielle Atemübungen können effektiv Kurzatmigkeit lindern, Atemwege mobilisieren, Stress abbauen und den gesamten Körper entspannen.
Commons: Alfons Ott – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. ↑ Schulärzte in Lübeck? In: Lübeckische Blätter, 10. September 1905, 47. Jahrgang, Nummer 37, S. 512–513.
  2. ↑ Baltzer: Der Neubau der Ernestinenschule in Lübeck. In: Zentralblatt der Bauverwaltung. Nr. 7, 1906, S. 47 (zlb.de).
  3. ↑ Jahresbericht und Hauptversammlung des Vereins für Schulgesundheitspflege für das Jahr 1905. In: Lübeckische Blätter, 4. Februar 1906, 48. Jahrgang, Nummer 5, S. 75–76.
  4. ↑ Wilhelm His, Wilhelm Weintraud: Verhandlungen der ausserordentlichen Tagung des Deutschen Kongresses für Innere Medizin in Warschau am 1. und 2. Mai 1916. Kriegsseuchen und Kriegskrankheiten. Berichte und Aussprache.
  5. ↑ Der Kongreß für Innere Medizin in Warschau. In: Vaterstädtische Blätter, 28. Mai 1916, Nr. 35.
  6. ↑ Michael Kamp: Bernhard Dräger. Erfinder, Unternehmer, Bürger. 1870 bis 1928. Wachholtz Verlag, Kiel / Hamburg 2017, ISBN 978-3-529-06369-5, S. 190.