Alexander Melach
Alexander Melach (* 13. Februar 1958 in Wien-Ottakring) ist ein österreichischer Filmemacher, Theatermacher, Autor und Kulturvermittler. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf Holocaust-Erinnerung und dokumentarischen Formen aus der Perspektive der zweiten Generation. Zu seinen Arbeiten zählen der Videoessay Abschied von Buchenwald. Eine Spurensuche der zweiten Generation, die ORF-Dokumentation Geiz aus der Reihe kreuz&quer: Die sieben Todsünden sowie das Dokumentarfilmprojekt Flow My Tears.
Leben und Ausbildung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Melach wurde 1958 in Wien-Ottakring geboren. Ab 1978 absolvierte er eine Theaterausbildung in Paris, unter anderem bei Étienne Decroux, Jacques Lecoq, Philippe Gaulier und Yoshi Oida; außerdem nahm er an Arbeitstreffen mit Augusto Boal teil. Danach arbeitete er in freien Theatergruppen in der Schweiz und in Wien.[1]
Von 1999 bis 2007 studierte Melach an der Filmakademie Wien im Hauptfach Drehbuch und Dramaturgie und schloss das Studium mit Diplom ab.[1] Seit Jänner 2013 ist er freiberuflich als Autor, Filmschaffender und Kulturvermittler tätig.[1]
Theaterarbeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1992 inszenierte Melach das Stück Die Blutnacht auf dem Schreckenstein neu. Das Stück war 1943 von Häftlingen im Konzentrationslager Dachau aufgeführt worden. Der Münchner Merkur erwähnte 2025 Melachs Reinszenierung des Stücks im Zusammenhang mit einem Bericht über Theateraufführungen im KZ Dachau.[2]
Melach veröffentlichte außerdem gemeinsam mit Friedl Hofbauer und Anna Melach Theaterstücke für Kinder, darunter Die Frösche von Betlehem. 15 Weihnachtstheaterspiele und Spielen wir ein Krippenspiel! 15 Theaterstücke für Kinder.[3][4]
Film und Fernsehen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Für die ORF-Reihe kreuz&quer realisierte Melach 2004 den Dokumentarfilm Geiz als fünften Teil der siebenteiligen Reihe Die sieben Todsünden. Die Reihe entstand im Rahmen eines Nachwuchswettbewerbs der ORF-TV-Religion in Zusammenarbeit mit der Filmakademie Wien.[5][6] Der Film wurde am 14. Dezember 2004 in ORF 2 ausgestrahlt.[7]
Geiz wurde auch im musealen Kontext gezeigt, unter anderem 2005 im Rahmen eines Filmabends zur Ausstellung Spar Dir was! im Wien Museum Karlsplatz beziehungsweise im Umfeld des Österreichischen Museums für Volkskunde.[8][9]
Der 60-minütige Independent-Film Nosferatu – Die Pest kehrt zurück entstand 2016 in Zusammenarbeit mit Philipp Ramspeck und Noemi Amadori.[1][10]
Erinnerungskultur und dokumentarische Arbeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ein Schwerpunkt von Melachs Arbeit liegt auf Holocaust-Erinnerung und der Perspektive der sogenannten zweiten Generation. Für seinen Videoessay Abschied von Buchenwald. Eine Spurensuche der zweiten Generation führte Melach in ehemaligen Konzentrationslagern jeweils am 50. Jahrestag ihrer Befreiung Gespräche mit früheren Häftlingen. Die Filmkritikerin Isabella Reicher beschrieb den Film 1999 im Falter als ruhig und nüchtern erzählt, ohne Betroffenheitsappelle. Ausgangspunkt des Films sei Melachs eigene Familiengeschichte als Sohn eines KZ-Überlebenden.[11] Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes übernahm 1999 den Ehrenschutz für eine Aufführung des Films im Wiener Schikanederkino.[12]
Im Zusammenhang mit einer Buchenwald-Gedenkreise berichtete das Nachrichtenmagazin profil 2005, Melachs Vater Kurt sei einer der österreichischen Kommunisten im KZ Buchenwald gewesen; Melach habe während der Reise den zweiten Teil seiner Dokumentation gedreht.[13] Die erinnerungspolitische Auseinandersetzung um Buchenwald nach 1990 wurde in der Forschung unter anderem von Maoz Azaryahu als Neuordnung des Gedenkortes nach der deutschen Wiedervereinigung beschrieben; im Zentrum standen dabei Konflikte um Opfer-, Täter-, Märtyrer- und Heldenbilder.[14]
Der OeAD nennt in diesem Zusammenhang auch die Langzeitdokumentation Trilogie des Vergessens (1995–2016), die sich mit dem Stellenwert des Holocaust im kollektiven Gedächtnis beschäftigt.[1] In der Zeitschrift Zwischenwelt der Theodor Kramer Gesellschaft veröffentlichte Melach ebenfalls Texte im Umfeld von Erinnerung, Exil und Nachgeschichte des Nationalsozialismus, darunter Beschreibung von Schattenbildern, Was braucht Mandelbaum? Fragment aus einem nicht gedrehten Dokumentarfilm, Auf einen Kaffee in Auschwitz und Zweite Generation.[15][16]
Der Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus nennt Flow My Tears als Dokumentarfilm mit dem Entstehungszeitraum 1995 bis 2024. Festivalstart erfolgte 2025 zum 80. Jahrestag der Befreiung.[17]
Der Zukunftsfonds der Republik Österreich bewilligte ein Projekt zur Verbreitung sowie zum Festival- und Kinostart der Langzeitdokumentation Flow My Tears mit Projektzeitraum 2025.[18] Auch der Förderbericht der Stadt Wien nennt eine Förderung für Flow My Tears im Zusammenhang mit der Vorbereitung von Verbreitung, Festivalteilnahme und Kinostart.[19]
Publikationen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Melach veröffentlichte gemeinsam mit Friedl Hofbauer und Anna Melach mehrere Theaterstücke für Kinder. Dazu zählen Die Frösche von Betlehem. 15 Weihnachtstheaterspiele und Spielen wir ein Krippenspiel! 15 Theaterstücke für Kinder.[3] Der OeAD nennt außerdem Veröffentlichungen in der Zeitschrift Zwischenwelt sowie Drehbücher.[1]
In der Zeitschrift Zwischenwelt der Theodor Kramer Gesellschaft veröffentlichte Melach mehrere literarische und essayistische Texte, darunter Beschreibung von Schattenbildern, Was braucht Mandelbaum? Fragment aus einem nicht gedrehten Dokumentarfilm, Auf einen Kaffee in Auschwitz und Zweite Generation.[20] Die Ausgabe Verpasste Befreiung? verzeichnet Melachs Text Zweite Generation.[21]
Werke
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Film und Fernsehen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Theater
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1992: Die Blutnacht auf dem Schreckenstein, Reinszenierung
Bücher
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- mit Friedl Hofbauer und Anna Melach: Die Frösche von Betlehem. 15 Weihnachtstheaterspiele. Annette Betz Verlag, Wien/München 1996.
- mit Friedl Hofbauer und Anna Melach: Spielen wir ein Krippenspiel! 15 Theaterstücke für Kinder. Annette Betz Verlag, Wien/München 2003.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Alexander Melach bei film.at
- Alexander Melach in der OeAD-Datenbank Kulturvermittlung mit Schulen
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 5 6 Alexander Melach. In: OeAD Kulturvermittlung mit Schulen. Abgerufen am 2. Juni 2026.
- ↑ Wolfgang Krzizok: Theater im KZ: Bestnote für Masterarbeit. In: Münchner Merkur. 27. September 2025, abgerufen am 2. Juni 2026.
- 1 2 Inhaltsverzeichnis zu „Die Frösche von Betlehem“. In: Deutsche Nationalbibliothek. Abgerufen am 2. Juni 2026.
- ↑ Spielen wir ein Krippenspiel! In: BVS eOPAC. Abgerufen am 2. Juni 2026.
- ↑ Start von „kreuz&quer: Die sieben Todsünden“: ORF fördert junge österreichische Filmemacher. In: OTS / ORF. 22. November 2004, abgerufen am 2. Juni 2026.
- ↑ ORF-Geschäftsbericht 2004. In: ORF. S. 76–77, abgerufen am 2. Juni 2026.
- ↑ Medienliste ORF-Sendungen. In: Diözese Linz. Abgerufen am 2. Juni 2026.
- ↑ Filmabend zu „Spar Dir was!“ In: artmagazine.cc. Abgerufen am 2. Juni 2026.
- ↑ Volkskunde in Österreich. In: Österreichisches Museum für Volkskunde. Abgerufen am 2. Juni 2026.
- ↑ Nosferatu – Die Pest kehrt zurück. In: film.at. Abgerufen am 2. Juni 2026.
- ↑ Isabella Reicher: Streifenweise. In: Falter. Nr. 26/1999, 30. Juni 1999.
- ↑ Tätigkeitsbericht 1999. In: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. Jahrbuch 2000. Wien 2000, S. 171 (doew.at [PDF; abgerufen am 2. Juni 2026]).
- ↑ Ungebrochener Wille. In: profil. 18. April 2005, abgerufen am 2. Juni 2026.
- ↑ Maoz Azaryahu: RePlacing Memory: the reorientation of Buchenwald. In: Cultural Geographies. Band 10, Nr. 1, 2003, S. 1–20, doi:10.1191/1474474003eu265oa.
- ↑ Zwischenwelt. Jahrbuch der Theodor Kramer Gesellschaft. Register der ersten zehn Bände, 1990–2007 und Register bis 2018. In: Theodor Kramer Gesellschaft. Abgerufen am 2. Juni 2026.
- ↑ Verpasste Befreiung? In: Zwischenwelt / Theodor Kramer Gesellschaft. Abgerufen am 2. Juni 2026.
- ↑ “Flow my Tears” Distribution of the documentary film, festival and cinema release. In: Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus. Abgerufen am 2. Juni 2026.
- ↑ Projektinformation P24-5610: Verbreitung, Festival- und Kinostart der Langzeitdoku FLOW MY TEARS. In: Zukunftsfonds Austria. Abgerufen am 2. Juni 2026.
- ↑ Förderbericht 2024. In: Stadt Wien. Abgerufen am 2. Juni 2026.
- ↑ Zwischenwelt. Jahrbuch der Theodor Kramer Gesellschaft. Register der ersten zehn Bände, 1990–2007 und Register bis 2018. In: Theodor Kramer Gesellschaft. Abgerufen am 2. Juni 2026.
- ↑ Verpasste Befreiung? In: Zwischenwelt / Theodor Kramer Gesellschaft. Abgerufen am 2. Juni 2026.
- ↑ Isabella Reicher: Streifenweise. In: Falter. Nr. 26/1999, 30. Juni 1999.
- ↑ Tätigkeitsbericht 1999. In: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. Jahrbuch 2000. Wien 2000, S. 171 (doew.at [PDF; abgerufen am 2. Juni 2026]).
- 1 2 3 Innovative Film Austria 21/22. In: Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport. Abgerufen am 2. Juni 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Melach, Alexander |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Filmemacher, Theatermacher, Autor und Kulturvermittler |
| GEBURTSDATUM | 13. Februar 1958 |
| GEBURTSORT | Wien-Ottakring |