Additivität
Unter Additivität (von lateinisch addere „hinzufügen“) versteht man in der Mathematik die Eigenschaft, dass das Ganze gleich der Summe seiner Teile ist. Die Grundidee dieses Prinzips besagt, dass sich ein Gesamtergebnis durch die Addition von Teilergebnissen berechnen lässt. Der Begriff wird in verschiedenen mathematischen Teilgebieten und Zusammenhängen verwendet und dort jeweils präzise definiert. Die Gegenstücke zur Additivität sind die Subadditivität und die Superadditivität, bei denen das Gesamtergebnis kleiner bzw. größer als die Summe der Teilergebnisse ist.
Additive Funktionen (Analysis / Lineare Algebra)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Definitionen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ist eine Halbgruppe mit der Verknüpfung , so heißt eine Abbildung additiv, wenn sie die Funktionalgleichung
erfüllt.[1] Sind Definitions- und Zielbereich abelsche Gruppen, so spricht man auch von -Linearität.
Die Abbildung heißt subadditiv, wenn für alle und aus gilt:[2]
- .
Die Abbildung heißt superadditiv, wenn für alle und aus gilt:[2]
- .
Beispiele
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Gemäß der Dreiecksungleichung sind Normen und Beträge stets subadditiv.
- Sublineare Funktionen sind per Definition subadditiv.
- Lineare Abbildungen sind per Definition additiv.
Eigenschaften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Eine Abbildung ist genau dann additiv, wenn sie sowohl sub- als auch superadditiv ist.
- Ist eine additive Funktion, so gilt für jede endliche Anzahl von Elementen aus :
- Entsprechendes gilt für Sub- und Superadditivität.
Additive Funktionen (Zahlentheorie)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bei zahlentheoretischen Funktionen betrachtet man als Verknüpfung auf die Multiplikation. Eine zahlentheoretische Funktion heißt additiv, wenn die Gleichung
für alle teilerfremden und gilt. Trifft dies sogar ohne die Einschränkung „teilerfremd“ (also für alle natürlichen Zahlen und ), so heißt die Funktion streng additiv.[3]
Additivität in der Maßtheorie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Endliche Additivität
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Maßtheorie heißt eine Mengenabbildung endlich additiv, wenn für je zwei disjunkte Teilmengen und eines Mengensystems gilt:[4][5]
Diese Bedingung ist gleichbedeutend damit, dass für endlich viele paarweise disjunkte Teilmengen gilt:
was gelegentlich auch zur Definition der endlichen Additivität dient.[6][7]
σ-Additivität
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Verlangt man, dass die Additivität nicht nur für endlich viele disjunkte Teilmengen des Mengensystems gilt, sondern sogar für abzählbar viele disjunkte Teilmengen, so heißt die Mengenfunktion σ-additiv („sigma-additiv“) oder abzählbar additiv. Die σ-Additivität einer Mengenfunktion bedeutet also, dass für paarweise disjunkte Mengen stets gilt, dass
Die σ-Additivität enthält die endliche Additivität als Spezialfall und hat eine grundlegende Bedeutung für den modernen axiomatischen Aufbau der Wahrscheinlichkeitstheorie sowie der Maß- und Integrationstheorie.
Subadditivität und Superadditivität
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Eine Mengenfunktion heißt endlich subadditiv, wenn für je endlich viele Mengen gilt:
- .
Auf analoge Weise ist die Superadditivität einer Mengenfunktion definiert. Jedoch wird hier wie bei der σ-Additivität verlangt, dass die Mengen paarweise disjunkt sind. Eine Mengenfunktion heißt demnach endlich superadditiv, wenn für je endlich viele paarweise disjunkte Mengen gilt:
und σ-superadditiv, wenn diese Eigenschaft für abzählbare vielen paarweise disjunkte Mengen gilt.[5]
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Prasanna Sahoo, Thomas Riedel: Mean Value Theorems and Functional Equations. 1998, ISBN 981-02-3544-5, S. 1 (englisch).
- 1 2 Josip E. Peajcariaac, Y. L. Tong: Convex Functions, Partial Orderings, and Statistical Applications. Academic Press, 1992, ISBN 0-12-549250-2, S. 8 (englisch).
- ↑ Peter Bundschuh: Einführung in die Zahlentheorie. 6. Auflage. Springer, Berlin / Heidelberg 2008, ISBN 978-3-540-76490-8, S. 36.
- ↑ Norbert Henze: Stochastik: Eine Einführung mit Grundzügen der Maßtheorie. 1. Auflage. Springer, Berlin / Heidelberg 2019, ISBN 978-3-662-59562-6, S. 301.
- 1 2 Mengenfunktion. In: Guido Walz (Hrsg.): Lexikon der Mathematik: Band 3: Inp bis Mon. 2. Auflage. Springer Spektrum, Berlin / Heidelberg 2017, S. 408 f.
- 1 2 Jürgen Elstrodt: Maß- und Integrationstheorie. 8. Auflage. Springer, Berlin / Heidelberg 2018, ISBN 978-3-662-57938-1, S. 29.
- ↑ Achim Klenke: Wahrscheinlichkeitstheorie. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-642-36018-3, S. 12 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
- ↑ Taschenbuch der Mathematik. 5., überarb. und erw. Aufl., unver. Nachdr. Deutsch, Thun Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-8171-2005-2.