Achtelstunde


Die Achtelstunde, auch halbe Viertelstunde oder Halbviertelstunde genannt, ist eine historische Zeiteinheit. Diese alternativen Bezeichnungen für ein Zeitintervall von siebeneinhalb Minuten oder den achten Teil einer Stunde waren insbesondere im 17. und 18. Jahrhundert gebräuchlich. Man findet sie beispielsweise im Zusammenhang mit dem Glockenschlag oder dem Glockenspiel an Turmuhren. So besagt eine Vorschrift bei der Evangelischen Landeskirche in Württemberg bis heute, dass eine „halbe Viertelstunde“ lang geläutet wird.[1] Darüber hinaus diente die Achtelstunde als Wegstundenangabe auf Distanzsteinen, Meilensteinen und Postmeilensäulen. Bei der kursächsischen Postmeile etwa entsprach eine Achtelstunde einer Entfernung von 566 Metern.[2]
Auch das erste öffentliche Nahverkehrsmittel der Welt, die 1662 eingeführten Carrosses à cinq sols in Paris, fuhr schon in einem starren Taktfahrplan jede halbe Viertelstunde.[3] Noch heute spielt die Achtelstunde als Basiseinheit der Fahrplangestaltung im großstädtischen Raum eine wichtige Rolle, weil sie auch im Zusammenspiel mit Verkehrsmitteln die nur alle 15, 30 oder 60 Minuten verkehren, regelmäßig wiederkehrende Anschlüsse bietet.[4] Um in den offiziellen Fahrplänen – das heißt in der Kommunikation mit dem Fahrgast – halbe Abfahrtsminuten zu vermeiden, wird dabei in der Regel jede zweite Zeitangabe um 30 Sekunden abgerundet. Aus Fahrgastsicht hat dann jede zweite Fahrt etwas Verspätung. Andere Verkehrsunternehmen verzichten deshalb auch betriebsintern auf halbe Abfahrtsminuten und bedienen eine Linie tatsächlich im ständigen Wechsel alle sieben oder acht Minuten. Vereinzelt wird der 7,5-Minuten-Takt auch noch halbiert, wodurch ein 3,75-Minuten-Rhythmus entsteht. Ein Beispiel hierfür ist die Autobuslinie 30 in Basel.[5]
Für die Messung einer Achtelstunde existierten schon ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts spezielle Spindeltaschenuhren mit Achtelstunden-Repetition,[6][7] auch kurz Achtelrepetition oder Halbviertelrepetition genannt. Diese Funktion spielte insbesondere bei den auf Postkutschen verwendeten Kutschenuhren eine Rolle.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Rudi Kübler: Ulm: Gert Kappler, der Herr der Glocken. In: swp.de. 6. Mai 2015, archiviert vom am 20. November 2018; abgerufen am 18. November 2018.
- ↑ Postsäulen und Meilensteine. Herausgegeben von der Forschungsgruppe Kursächsische Postmeilensäulen e. V. Dresden/Grillenburg (Stadt Tharandt). 3. überarbeitete Auflage, Schütze-Engler-Weber Verlags GbR, Dresden 2007, ISBN 978-3-936203-09-7. S. 37–40.
- ↑ Alfred Martin: Étude historique et statistique sur les moyens de transport dans Paris, avec plans, diagrammes et cartogrammes. Paris 1894, S. 68–79 (französisch, Textarchiv – Internet Archive).
- ↑ Aus der Sicht der Kunden – Wie sich Pro Bahn Schweiz auf unterschiedlichen Ebenen in die Fahrplan-Erstellung einbringt. In: Info Forum. Nr. 3. Pro Bahn Schweiz, 2014, ZDB-ID 2666871-3, S. 3 (pro-bahn.ch [PDF; 1,3 MB; abgerufen am 20. Februar 2026]).
- ↑ HESS liefert vollelektrische Gelenkbusse nach Basel. Hess, 3. Oktober 2025, abgerufen am 16. Februar 2026.
- ↑ Repetitions-Uhren. In: Historische Taschenuhren von 1590–1830. Abgerufen am 18. November 2018.
- ↑ Erfindung der Klangfeder und Entwurf der Breguet-Zeiger und -Ziffern. Breguet, abgerufen am 18. November 2018.