386Max
| 386Max | |
|---|---|
| Basisdaten | |
| Entwickler | Qualitas, Inc. |
| Erscheinungsjahr | 1987 |
| Aktuelle Version | 8.03[1] (8. Juli 1998) |
| Betriebssystem | DOS, Windows 9x |
| Programmiersprache | Assemblersprache[2] |
| Lizenz | GNU General Public License, Version 3[3] |
| nicht mehr verfügbar | |
386Max – Eigenschreibweise 386MAX oder Qualitas MAX – ist ein Speichermanager für PC-kompatibles DOS von Qualitas, Inc. Die erste Version wurde als 386-to-the-MAX im September 1987 veröffentlicht.[4] Das Programm wurde von DOS-Anwendern wie auch von Firmen eingesetzt, um den begrenzten DOS-Speicher besser zu nutzen. Gemeinsam mit dem Konkurrenzprodukt QEMM war die Software in den späteren 1980er und den frühen 1990er Jahren eine zwar kostenpflichtige aber durchaus populäre Ergänzung unter MS-DOS und PC DOS auf IBM-kompatiblen PCs.
Entwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]DOS-Speichermanager wie 386Max, ATLast!, Memory Commander, Netroom, QEMM und QMAPS[5] ermöglichen es Programmen unter DOS den vorhandenen Speicher mit den komplizierten Einschränkungen, die sich aus dem von DOS genutzten Real Mode und den sich daraus entwickelten DOS-Speichertypen ergeben, optimal auszunutzen. Da der primäre Speicher unter DOS, der Konventionelle Speicher, sich prinzipbedingt nicht einfach erweitern lässt, und gleichzeitig immer mehr Funktionen untergebracht werden sollten, kam es zu chronischer Speicherknappheit. Beispielsweise hatte durch die Erweiterbarkeit der PC-Plattform ein typisches DOS-System um 1990 nach dem Start bereits etliche Treiber und TSR-Programme geladen, teils aber auch grundlegende Dienste – in neueren Versionen belegt auch der DOS-Kernel selbst mehr Speicher. Sind allerdings alle nötigen speicherresidenten Teile der Software im Konventionellen Speicher untergebracht, bleibt meist zu wenig Arbeitsspeicher für DOS-Programme übrig. Andererseits gibt es freie, meist ungenutzte Teile im sogenannten Oberen Speicherbereich (UMA, Upper Memory Area) und, ab dem 80286, zusätzlich fast 64 KiB an Hohem Speicher (HMA, High Memory Area), der zwar eigentlich außerhalb des Adressbereichs von maximal 1 MiB im Real Mode liegt, sich aber durch einen Trick dennoch nutzen lässt. Beide Speichertypen können, wenn unterstützt, für residente Teile genutzt werden, wie es auch von DOS ab Version 5.0 selbst bereits unterstützt und genutzt wird. Diese Nutzung der zusätzlichen Speicherbereiche erfordert jedoch einen zentralen Speichermanager, um den Zugriff darauf zu koordinieren.
Ein weiteres Produkt von Qualitas, das für den 80286 die HMA und Teile der UMA nutzbar macht, ist Move’em.[4] Es verlegt Gerätetreiber und TSR-Programme in die HMA oder, soweit möglich und vom System unterstützt, in UMBs.
Ab dem 80386, der eine Speicherverwaltungseinheit (MMU) besitzt, ist die Nutzung von UMBs generell möglich, was aber eine nicht ganz triviale Verwaltung der Speicherbereiche verlangt. 386-to-the-Max war eines der ersten Programme für DOS 3.0 oder neuer, das als Speichermanager sowohl UMBs als auch emulierten Speicher des Typs LIM-EMS und XMS bereitstellen und verwalten kann.[6] Für PS/2-Systeme von IBM gibt es eine spezielle Version unter dem Namen BlueMAX, die ab Version 5 von 1990 verfügbar war.[7][8]
Zuerst noch getrennt angeboten ist Move’em in 386Max Version 6.0 enthalten.[9] Ab Version 8.0 vom November 1995 wurde 386Max in Qualitas MAX umbenannt und fit für Windows 95 gemacht.[10][11] In Version 8.01 wurde BlueMax mit 386Max zusammengeführt.[12] Der Quelltext der letzten Version, 386Max 8.03, wurde 2022 unter der GPLv3 als Open Source freigegeben.[13]
Bedeutung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Speichermanager wie 386Max nutzen den Erweiterten Speicher (meist als „XMS-Speicher“ bezeichnet), der von IBM mit dem PC/AT möglich und von Microsoft mit Windows 2.10 und HIMEM.SYS nutzbar gemacht und als eXtended Memory Specification (XMS) standardisiert wurde. Für Microsoft lag der Fokus allerdings bereits bei Windows, nicht mehr bei DOS. Damit auch DOS vom Erweiterten Speicher profitieren kann, wurde von Quarterdeck, dem Entwickler der Windows-Konkurrenz DESQview, QEMM-386 entwickelt, während Qualitas sich rein auf DOS konzentrierte, da es Bedarf an sogenannten LIMulatoren gab – diese wandeln auf 80386- oder besseren Systemen einen Teil des Erweiterten Speichers, XMS, in LIM-EMS 4.0 (anfangs auch EEMS genannt) um, was auf DOS bereits standardisiert war und von zahlreichen Programmen der 1980er Jahre unterstützt wird. Zusätzlich erlaubte es der 80386 endlich, den Oberen Speicherbereich für DOS in Form von UMBs, englisch Upper Memory Blocks, generell nutzbar zu machen. Auf 80286-Systemen geht das nur mit speziellen Chipsätzen, wofür Qualitas zusätzlich Move’Em entwickelt hat. Aber auch der ab dem 80286 nutzbare Hohe Speicherbereich kann unter DOS verwendet werden, benötigt allerdings die Kontrolle über das A20-Gate durch den Speichermanager. All das erledigte 386-to-the-Max für DOS ab Version 3.0,[6] während man in der PC-Branche seit der Verfügbarkeit von 386-Systemen – der Compaq Deskpro 386 erschien Ende 1986 – davon überzeugt war, dass DOS bald durch das Protected-Mode-Betriebssystem OS/2 ersetzt werden würde.[14]
Nachdem jedoch, aus diversen Gründen, der große Erfolg von OS/2 ausblieb und DOS weiter genutzt wurde, baute zuerst der Microsoft-Konkurrent Digital Research eine Speicherverwaltung mit DR DOS 5.0, verfügbar ab Ende 1990, ins Betriebssystem mit ein. Als MS-DOS 5.0 (und das nahezu identische PC DOS 5.0) kurze Zeit später nachzog, verlor auch 386Max an Boden, da die ab DOS 5.0 und später 6.0 mitgelieferte Speicherverwaltung für viele Anwender oft ausreichte.[15][16]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ GitHub: sudleyplace / 386MAX – 386MAX Memory Manager for DOS – UTIL_TIM.ASM. 8. Juli 1998.
- ↑ 386MAX and EISA DMA.
- ↑ GitHub: sudleyplace / 386MAX – 386MAX Memory Manager for DOS.
- 1 2 Scott Mace: Qualitas Scores With 386 Memory Manager. In: InfoWorld. Band 12, Nr. 10, 5. März 1990, S. 47, 2. Absatz unter The Rise to Success (3. Spalte) (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche): “When it first came out in September 1987 as 386 to the Max, the product appealed to the handful of power users who had 386 hardware. … A second product, Move ’Em, comforts afflicted 286 users.”
- ↑ Barry Simon: Nine Memory Managers Open Up New Frontiers. In: PC Magazine. Band 11, Nr. 3. Ziff Davis, 11. Februar 1992, S. 207 ff. (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
- 1 2 Winn L. Rosch: 386-to-the-Max Squeezes Out More RAM. In: PC Magazine. Band 1, Nr. 1. Ziff Davis, 12. Januar 1988, S. 43 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
- ↑ Scott Mace: Qualitas Announces Blue Max Memory Manager for PS/2s. In: InfoWorld. Band 12, Nr. 37, 17. September 1990, S. 16 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
- ↑ Ed Scannell: Qualitas’ BlueMax 5.1 Lets Users Expand Memory on High-End PS/2s. In: InfoWorld. Band 13, Nr. 10, 4. März 1991, S. 16 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
- ↑ Barry Simon: Nine Memory Managers Open Up New Frontiers. In: PC Magazine. Band 11, Nr. 3. Ziff Davis, 11. Februar 1992, S. 256, 386MAX (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
- ↑ Mark Hooper: Bad memory rising – Product Comparison: Memory enhancement software. In: InfoWorld. Band 18, Nr. 12, 18. März 1996, S. 83 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche): “Qualitas Max 8 … Qualitas released the first version … – 386 to the Max – in late 1987. The following year, the name was changed to 386Max. In 1990, Qualitas shipped BlueMax for IBM’s PS/2. Max 8 was released in November 1995, replacing 386Max 7.02.”
- ↑ Larry Seltzer: Memory Utilities. In: PC Magazine. Band 15, Nr. 9. Ziff Davis, 14. Mai 1996, S. 171 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
- ↑ Qualitas Ships Qualitas MAX 8.01. (Pressemitteilung) Qualitas, Inc, 25. März 1996, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 19. Januar 1998 (englisch): „BlueMAX features have been added to Qualitas MAX 8“
- ↑ Jim Hall: The 386MAX source code has been released. In: The FreeDOS Project News. SourceForge, 1. Juli 2022, abgerufen am 20. Mai 2026 (englisch).
- ↑ Steve Gibson: Tech Talk: Speed, Handling Make 386 Machines the Ferraris of Personal Computing. In: InfoWorld. Band 9, Nr. 51, 21. Dezember 1987, S. 24 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche): “In future columns we’ll look at various ‘386 control programs’ that begin to manage these new 386 resources effectively. Products like Desqview, Taskview, VM/386, and ‘386-to-the-Max’ can provide significant ‘work-arounds’ within the current context of MS-DOS while we await the coming of the OS/2 operating system.”
- ↑ Peter Siering: Neue alte Löcher; 386Max und QEMM 6.0 für MSDOS 5.0. In: c’t. Nr. 12/1991. Verlag Heinz Heise, 1991, ISSN 0724-8679, S. 24 (Heft-Archiv [abgerufen am 20. Mai 2026] Download hinter Paywall).
- ↑ Barry Simon: Nine Memory Managers Open Up New Frontiers. In: PC Magazine. Band 11, Nr. 3. Ziff Davis, 11. Februar 1992, S. 248, MS-DOS 5.0 Upgrade Kit (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche): “Should you be satisfied with the memory management services DOS provides for free, or should you get a specialized memory manager like QEMM-386 or 386MAX? Unless you really feel that you have a need for more sophisticated memory management, sticking with DOS by itself can take care of many of your basic memory management problems.”