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2. Brief des Paulus an Timotheus

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(Weitergeleitet von 2. Timotheusbrief)
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Der 2. Brief des Paulus an Timotheus, kurz auch 2. Timotheus genannt und abgekürzt 2 Tim, ist ein Buch des Neuen Testaments der christlichen Bibel. Er gibt vor, eine Art Testament zu sein, das der Apostel Paulus von Tarsus in Gefangenschaft, in Erwartung seiner Hinrichtung, für seinen engen Mitarbeiter Timotheus verfasst hat. In der historisch-kritischen Exegese wird mehrheitlich angenommen, dass der 2. Timotheusbrief (wie alle Pastoralbriefe) ein pseudepigraphes Schreiben ist, d. h. nicht von Paulus, sondern Jahre nach seinem Tod in seinem Namen verfasst wurde.

Einleitungsfragen

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Ingo Broer zufolge ist die These, dass die beiden Timotheusbriefe sowie der Titusbrief nicht von Paulus verfasst wurden, Mehrheitsmeinung der neutestamentlichen Exegese. Dafür sprechen die inhaltlichen Unterschiede zur Theologie der als authentisch geltenden Paulusbriefe und die Schwierigkeit, die Abfassungssituationen der drei Briefe in der Biografie des Paulus unterzubringen. Zusätzlich begründet wurde dieses Urteil durch ältere Arbeiten, die einen erheblichen Unterschied zwischen Sprachgebrauch und Stil des Paulus und der Pastoralbriefe feststellten.[1] Daraus folgte, dass für die drei Pastoralbriefe der gleiche Autor angenommen wurde.

Einige Exegeten, die Pseudepigraphie annehmen, vermuten, dass dieser anonyme Verfasser ähnlich einem antiken Briefroman mit den drei nacheinander zu lesenden Schreiben eine Geschichte über die Missionstätigkeit des Paulus erst im Osten, dann im Westen des Römischen Reichs erzählen wollte. Unstrittig ist dabei, dass der 2. Timotheusbrief am Ende der Dreierkomposition stand.[2] Die in den anderen beiden Briefen als vorübergehend gedachte Trennung von den Mitarbeitern, an die die Briefe gerichtet sind, ist nun endgültig, denn der gefangene Paulus sieht seinem Tod entgegen. Dass der Ort seiner Gefangenschaft Rom ist, wird durch die Verwendung von Latinismen (paenula, membrana) und die typisch römischen Namen dreier Christen nahegelegt, die Grüße an den Empfänger in Ephesus übersenden: Pudens, Linus und Claudia (2 Tim 4,21).[3] Da Paulus für die Pastoralbriefe der Apostel schlechthin ist, wird der Abfassungsort im paulinischen Missionsgebiet vermutet, die Abfassungszeit nach dem Tod des Paulus. Beispielsweise nimmt Alfons Weiser an, dass die drei Briefe auf die Situation der Gemeinde in Ephesus (dem Zentrum der paulinischen Mission) bezogen sind und von einem anonymen Christen um das Jahr 100 verfasst wurden.[4]

Eine Neubewertung des Sprachgebrauchs und Stils in den Pastoralbriefen mit Mitteln der Statistischen Linguistik legte Jermo van Nes 2018 vor. Demnach wurden die Hapax legomena in älteren Arbeiten überbewertet; linguistisch gesehen, könnten die Pastoralbriefe „von irgendeiner Person geschrieben sein, sei es Paulus, ein Sekretär, ein Redaktor, ein pseudepigrapher Verfasser oder eine Kombination daraus“; van Nes plädiert dafür, 1. und 2. Timotheus- und Titusbrief als individuelle Briefkompositionen und nicht als Dreiergruppe zu interpretieren.[5] Das setzt Jens Herzer in seiner Kommentierung um. Da er 1 Timotheus als pseudepigraph ansieht, entfällt die Notwendigkeit, nach der römischen Haft des Paulus (Apg 28,16–31) eine Freilassung, erneute Missionstätigkeit und zweite römische Haft bis zum Märtyrertod zu postulieren. Vielmehr habe Paulus den 2. Timotheusbrief in jener Gefangenschaft verfasst, mit deren Beschreibung die Apostelgeschichte endet, allerdings unter vergleichsweise härteren Haftbedingungen. Daraus folgt als Abfassungszeit Anfang der 60er Jahre, als Abfassungsort Rom.[6]

Präskript, Ermahnungen. Erwähnt wird der Glaube der Vorfahren des Timotheus, der Mutter Eunike und der Großmutter Loïs (2 Tim 1,3–5 EU). Einige Exegeten sind der Ansicht, dass dies nicht zu den Anfängen der christlichen Gemeinden passt und auf spätere Verfassungszeit hindeuten würde. Allerdings ist hier der jüdische Glaube der Eunike gemeint, die für Timotheus prägend gewesen ist, während sein Vater Grieche war (Apg 16,1 EU).

Ermunterung in Kampf und Leiden, Warnung vor Streitigkeiten und Irrlehren.

Ausführungen über die Endzeit, Mahnung, der Lehre des Paulus zu folgen. Darin enthalten sind Ausführungen über die Schrift, die schon eine Form der Kanonisierung und eine Sammlung der Paulusbriefe voraussetzen. (2 Tim 3,14–16 EU)

Fortsetzung der Lehre des Paulus, Hinweise auf seinen baldigen Tod, dabei wird so formuliert, als ob es bereits geschehen ist (2 Tim 4,6–7 EU); in 2 Tim 4,13 EU bittet Paulus Timotheus, ihm seinen Mantel und einige Schriftstücke mitzubringen, die er bei seiner Abreise aus der Troas nicht mitgenommen habe; wieso der Apostel ausgerechnet kurz vor seinem Tod um diese Gegenstände bat, die er mehrere Jahre zuvor zurückgelassen hatte, erscheint seltsam.[7] Der Theologe Michael Wolter sieht darin ein gängiges Stilmittel, mit denen Verfasser von Pseudepigraphien den Eindruck von Authentizität vermitteln wollen.[8] Warnung vor bestimmten Personen und Hinweise auf 15 Mitarbeiter des Paulus, die namentlich genannt werden (2 Tim 4,9–21 EU).

  • Jens Herzer: Die Briefe des Paulus an Timotheus und Titus (= Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament, Neubearbeitung, Band 13). EVA, Leipzig 2024.
  • Helmut Merkel: Die Pastoralbriefe (= Das Neue Testament Deutsch, Band 9/1). 13. Auflage, 1. Auflage der Neubearbeitung. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1991.
  • Alfons Weiser: Der zweite Brief an Timotheus (= Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament, Band 16/1) Benziger, Düsseldorf/Zürich und Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 2003.
  1. Ingo Broer: Einleitung in das Neue Testament. 4. überarbeitete Auflage. Echter, Würzburg 2016, ISBN 978-3-429-02846-6, S. 534–539. Klassisch zum Sprachgebrauch der Pastoralbriefe: Robert Morgenthaler: Statistik des neutestamentlichen Wortschatzes. Gotthelf, Zürich 1958; K. Grayston, G. Herdan: The Authorship of the Pastorals in the Light of Statistical Linguistics. In: New Testament Studies, Band 6 (1959/60), S. 1–15.
  2. Ingo Broer: Einleitung in das Neue Testament. 4. überarbeitete Auflage. Echter, Würzburg 2016, ISBN 978-3-429-02846-6, S. 533.
  3. Timo Glaser: Paulus als Briefroman erzählt: Studien zum antiken Briefroman und seiner christlichen Rezeption in den Pastoralbriefen (= Novum Testamentum et Orbis Antiquus, Band 76). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2009, S. 271 f.
  4. Alfons Weiser: Der zweite Brief an Timotheus, Düsseldorf/Zürich und Neukirchen-Vluyn 2003, S. 59–63.
  5. Jermo van Nes: Pauline Language and the Pastoral Epistles: A Study of Linguistic Variation in the Corpus Paulinum (= Linguistic Biblical Studies, Band 16). Brill, Leiden 2018, S. 224.
  6. Jens Herzer: Die Briefe des Paulus an Timotheus und Titus. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2024, S. 187. Eine Hinrichtung folgt aus den in 2 Tim ausgedrücktenTodeserwartungen in 2 Tim für Herzer nicht unbedingt; Paulus könne aus unbekannten Gründen während der Untersuchungshaft gestorben sein.
  7. Jürgen Roloff: Pastoralbriefe. In: Theologische Realenzyklopädie, Band 26. Walter de Gruyter, Berlin 1996, ISBN 3-11-015155-3, S. 52.
  8. Michael Wolter: Pastoralbriefe. In: Evangelisches Kirchenlexikon, Bd. 3, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1992, ISBN 3-525-50137-4, Sp. 1068.