Esperanto
Symbole | |
---|---|
Esperantoflagge | Jubiläumssymbol |
Esperanto-Flagge | ![]() |
Textprobe | |
---|---|
La akcento estas sur la antaŭlasta silabo. La kernon de la silabo formas vokalo. Vokaloj ludas grandan rolon en la ritmo de la parolo. Substantivoj finas per -o, adjektivoj per -a. La signo de la pluralo estas -j. La pluralo de "lasta vorto" estas "lastaj vortoj". |
Esperanto ist die am weitesten verbreitete internationale Plansprache. Ihr Name leitet sich von dem Pseudonym ab, unter dem Ludwik Lejzer Zamenhof 1887 die Grundlagen der Sprache veröffentlichte. Seine Absicht war es, eine leicht erlernbare, neutrale Sprache für die internationale Kommunikation zu entwickeln, die aber die existierenden Sprachen nicht ersetzen sollte. Auf Initiative Zamenhofs entstand eine internationale Sprachgemeinschaft, die das Esperanto seither für viele Zwecke anwendet: vor allem für Reisen, Brieffreundschaften, kulturellen Austausch, internationale Treffen und Literatur.
Entstehung

Am Anfang der Entwicklung des Esperanto stand das sprachschöpferische Schaffen Ludwik Zamenhofs, der sich selbst als Initiator der Sprache sah. Zamenhof, in dessen Elternhaus jiddisch und russisch gesprochen wurde, wuchs in der mehrsprachigen, damals zum Russischen Zarenreich, heute zu Polen gehörenden Stadt Bialystok auf, wo er heftige Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen erlebte. Da er das Fehlen einer gemeinsamen Sprache als einen Grund für solche Konflikte ansah, begann er bereits als Schüler eine für diese Rolle geeignete Sprache auszuarbeiten. Diese sollte – im Vergleich mit Ethnosprachen neutraler und leichter erlernbar und daher als Zweitsprache für alle annehmbar – zusätzlich zu den nationalen Sprachen gelernt werden. Eine erste Variante stellte er 1879 im Kreise seiner Freunde vor. Es folgten verbesserte Versionen. Nach mehrjähriger Erprobung veröffentlichte Zamenhof schließlich im Jahre 1887 sein Sprachprojekt, das er Lingvo internacia (internationale Sprache) nannte. Nach seinem Pseudonym Doktoro Esperanto (= ein Hoffender) wurde bald darauf die Sprache selbst als "Esperanto" bezeichnet.
Geschichte
Zamenhof gab 1887 eine erste Broschüre über Esperanto (Internationale Sprache) zunächst auf Russisch heraus, dann auf Polnisch, Deutsch, Französisch und Englisch. 1888 folgte ein Dua libro (zweites Buch), weshalb die erste Broschüre heutzutage Unua libro (erstes Buch) genannt wird.
Zunächst benötigte Esperanto eine gewisse Anlaufzeit. Die ersten Anhänger wurden vor allem durch die Zeitschrift La Esperantisto verbunden, die in Nürnberg 1889 bis 1895 herausgegeben wurde. Als nach Erscheinen eines Artikels Tolstojs die Zeitschrift auf Grund eines Einfuhrverbots der russischen Zensur die Mehrzahl ihrer Abonnenten verlor und eingestellt werden musste, übernahm Lingvo Internacia aus Uppsala (Schweden) deren Rolle.
Ab 1900 machte Esperanto große Fortschritte in Westeuropa, vor allem in Frankreich. Dort war bereits 1898 von Louis de Beaufront der erste überregionale Esperanto-Verband errichtet worden. 1903 gründete sich der schweizerische Landesverband und im gleichen Jahr die Esperanto-Gruppe Berlin. Im Jahr 1906 gründete sich der Deutsche Esperanto-Bund. 1905 fand der erste Esperanto-Weltkongress statt, 1908 wurde der Esperanto-Weltbund (UEA) gegründet. In den folgenden Jahren erreichte Esperanto die meisten europäischen und auch einige außereuropäische Länder wie die USA, Japan, China und Südafrika.
Rückschläge erlitt die Esperanto-Bewegung unter Josef Stalin und Adolf Hitler. Im Dritten Reich wurden alle Verbände aufgelöst, die sich für Kunstsprachen einsetzten, darunter auch Esperanto – weiterhin wurde beispielsweise der Esperanto-Unterricht an deutschen Schulen am 17. Mai 1935 untersagt. Esperanto selbst war entgegen manchen Behauptungen nie direkt verboten.
Von 1949 bis 1965 war die Bildung von Esperanto-Vereinigungen in der DDR untersagt, in der zweiten Hälfte der DDR-Geschichte gewann Esperanto dagegen an Ansehen zurück und es entstand eine relativ aktive Szene, die auch eine Reihe von Büchern in Druck geben konnte.
Die erste schwarzafrikanische Esperanto-Vereinigung (in Kongo-Kinshasa) datiert von 1963.
Bereits durch den Völkerbund erhielt Esperanto eine gewisse Anerkennung, als 1922 der stellvertretende Generalsekretär Inazo Nitobe seinen offiziellen Bericht zum Esperanto vorlegte. Später unterstützte die UNESCO das Esperanto durch eine Resolution (1954, wiederholt 1986), in der sie die Mitgliedstaaten dazu aufrief, die Möglichkeit eines Gebrauchs der Sprache zu untersuchen.
Im Jahr 2005 hat(te) der Esperanto-Weltbund (UEA) Landesverbände in 90 und Mitglieder in 117 Ländern.
Ein bedeutendes Esperanto-Museum befindet sich in Wien.
Die italienische Partito Radicale, die Europäischen Grünen und die Wahlliste Europe – Démocratie – Espéranto in Frankreich plädieren für Esperanto als zusätzliche Arbeitssprache in der Europäischen Union um sprachliche Benachteiligungen auszugleichen.
Sprachgemeinschaft
Die gleichsam in einer weltweiten Diaspora lebende Kommunikationsgemeinschaft der Esperantisten hat in den letzten Jahrzehnten Zuwächse in Bereichen Asiens und Lateinamerikas (wie China, Japan, Iran, Brasilien) und in bescheidenerem Umfang auch in einigen afrikanischen Ländern erfahren, ist jedoch noch immer vorwiegend europäisch geprägt. Bei aller Verschiedenheit teilen die Esperantisten eine Reihe spezifischer kultureller Traditionen und Aktivitäten. Viele Esperanto-Freunde treffen sich auf Kongressen, Seminaren, Kulturveranstaltungen, Festen sowie in Internet-Foren oder in Chaträumen. Veranstaltungsort des Esperanto-Weltkongresses, der jährlich größten Veranstaltung, ist im Jahr 2005 die litauische Hauptstadt Wilna (nach Peking, 2004; Göteborg, 2003 und Fortaleza, 2002).
Ein internationaler Gastgeberdienst namens Pasporta Servo informiert über Esperantisten, die bereit sind, andere Esperanto-Sprecher kostenlos für ein paar Tage bei sich übernachten zu lassen. Ein weiteres Adressenverzeichnis von Esperanto-Sprechern ist das Amikeca Reto (Freundschaftsnetz).
Die bei weitem größten Esperanto-Organisationen in Deutschland sind der Deutsche Esperanto-Bund (DEB) und seine Jugendorganisation Deutsche Esperanto-Jugend (DEJ) mit ihren zahlreichen Orts-, Regional- und Landesverbänden. Die weltweite Dachorganisation des DEB heißt Universala Esperanto-Asocio (UEA) und hat ihren Sitz in Rotterdam. Die DEJ ist als nationaler Verband der UEA-Jugendorganisation TEJO angeschlossen.
sprachigen Musikszene
Daneben gibt es im deutschsprachigen Raum auch kleinere Verbände wie den Freien Esperanto-Bund und den Saarländischen Esperanto-Bund. Weltweite Organisationen neben UEA und TEJO sind zum Beispiel die Sennacieca Asocio Tutmonda (SAT, etwa: Nationenunabhängiger Weltbund) oder OSIEK als Gesellschaft für die Veranstaltung Internationaler Esperanto-Konferenzen.
Schwierig ist es, die Anzahl der Esperanto-Sprecher anzugeben. Die Ungewissheit ergibt sich daraus, dass die Menschen, die Esperanto sprechen, über die ganze Erde verteilt leben und nur teilweise in Vereinen organisiert sind. Die Schätzungen gehen weit auseinander und hängen auch davon ab, welches Sprachniveau vorausgesetzt wird. Der Esperantist und Sprachwissenschaftler Detlev Blanke spricht von einer halben Million Menschen. Andere nennen Zahlen von bis zu mehreren Millionen. Hingegen nimmt der Esperantoaktivist Simon Payne an, dass nur 4.000 bis 20.000 Menschen Esperanto flüssig und einigermaßen fehlerfrei sprechen. In der Öffentlichkeitsarbeit tendieren Esperantisten dazu, eher zu hohe als zu niedrige Zahlen anzugeben.
Kann keine verlässliche quantitative, so kann doch aus der Untersuchung der Sprachpraxis heraus eine Aussage qualitativer Art getroffen werden. Die Sprechergemeinschaft des Esperantos war und ist offenbar ausreichend groß, um die Sprache in vielfältigen Funktionen, die zahlreiche Bereiche des modernen Lebens widerspiegeln, in einer bereits viele Jahrzehnte währenden Kontinuität anzuwenden und weiterzuentwickeln. Esperanto gehört nicht zu den vom Aussterben bedrohten Sprachen.
Auch einige Muttersprachler gibt es inzwischen: Gelegentlich vermitteln Eltern – besonders binationale Paare, die untereinander Esperanto sprechen – ihren Kindern Esperanto als zweite oder dritte Muttersprache neben ihrer Landessprache (bzw. ihren Landessprachen). Der Esperanto-Weltbund (UEA) hat über viele Jahre in seinem Jahrbuch eine Liste von Esperanto-Muttersprachlern veröffentlicht, aber eingesehen, dass die Liste immer unvollständig bleiben und auch zu umfangreich werden würde, und daher die Veröffentlichung eingestellt.
Prominente Esperanto-Sprecher
|
Weitere Prominente haben sich positiv über Esperanto geäußert, oder sich näher mit dieser Sprache befasst, waren bzw. sind jedoch keine Esperanto-Sprecher. Dazu zählen u. a. Willem Drees, Leo Tolstoj, Albert Einstein, Umberto Eco, Richard von Weizsäcker, Isabel Allende, J. R. R. Tolkien und mehrere Päpste, darunter Johannes Paul II., der das Esperanto auch in seinem vielsprachigen Urbi et Orbi-Segen in den letzten Jahren mitberücksichtigte. Der Autor Jules Verne und der Weltraum-Pionier Konstantin Ziolkowski waren Ehrenmitglieder von Esperanto-Klubs.
Anwendung
Literatur

Die esperantosprachige Literatur umfasst Übersetzungen und original auf Esperanto verfasste Werke.
Die ersten längeren Texte im Esperanto waren Übersetzungen von Werken der Weltliteratur, mit denen die frühen Literaten (neben Zamenhof u.a. Grabowski u. Kabe) die Eignung der jungen Sprache erproben wollten. Bereits in seiner ersten Broschüre von 1887 veröffentlichte Zamenhof neben dem Vater unser, dem Beginn des 1. Buch Mose (Genesis) und zwei Gedichten von Heinrich Heine auch zwei aus eigener Feder. Nach mehreren Novellen und Theaterstücken vor allem von bekannten deutschen und russischen Autoren erschien 1894 eine Übersetzung des Hamlet von Shakespeare. Ein weiterer Meilenstein war die Übersetzung der gesamten Bibel, die 1926 erschien.
Der erste original in Esperanto verfasste Roman erschien 1907, wird aber gemeinhin als literarisch nicht sehr wertvoll angesehen. Erst in den 1920er Jahren kam es zu einer ersten Blüte der Originalliteratur, unter anderem mit den Ungarn Kálmán Kalocsay und Julio Baghy. Nach dem Zweiten Weltkrieg machte die so genannte Schottische Schule Furore, unter anderem mit William Auld. Heutige "Stars" in der Esperanto-Literaturszene sind beispielsweise der Satiriker Jorge Camacho aus Spanien, die Kroatin Spomenka Štimec und der Schwede Sten Johannsson. Als die Grande Dame der Esperanto-Literatur gilt die Engländerin Marjorie Boulton.
Im Jahre 1993 wurde die Gesellschaft der Esperanto-Schriftsteller (EVA) als Sektion in den Internationalen PEN-Club aufgenommen.
In der Sparte der Sachbücher ist naturgemäß vor allem das Thema Sprachwissenschaft entwickelt. Exemplarisch genannt seien hier der britische Phonetikprofessor John C. Wells (u. a. Lingvistikaj aspektoj de Esperanto) und der eher essayistisch schreibende schweizer Sprachmittler und Psychologe Claude Piron (La bona lingvo). Auch der französische Linguist und Religionshistoriker Gaston Waringhien ist mit zahlreichen Aufsätzen und Essays zu den Themen Sprache und Literatur hervorgetreten. Der in Südkorea lebende Schwede Bertil Wennergren verfasste eine populäre Internet-Grammatik, die eine besonders leicht fassliche Darstellung bietet. Im Bereich Geschichte gehören der Schweizer Edmond Privat, der Deutsche Ulrich Lins (Die gefährliche Sprache) und der Japaner Ito Kanzi zu den wichtigsten Autoren.
Teil der Esperanto-Literatur sind auch die Zeitschriften der Sprachgemeinschaft; hier kann nur eine kleine Auswahl präsentiert werden. Eine besondere Stellung hat die monatlich erscheinende Esperanto, nicht nur als Organ des Welt-Esperantobundes UEA, sondern auch wegen ihres Alters: sie erscheint seit 1905, mit nur kurzen Unterbrechungen während der beiden Weltkriege. Die UEA gibt ferner für Jugendliche die kulturelle Zeitschrift Kontakto heraus (und weitere Periodika und Schriftenreihen). Wichtig sind auch die in Antwerpen erscheinende Monato, die sich den deutschen Spiegel zum Vorbild genommen hat, und die Literaturmagazine Fonto (Brasilien) und Literatura Foiro (Italien). Historisch bedeutsam sind Heroldo de Esperanto, 1920 von dem Rheinländer Teo Jung gegründet, und die Budapester Literaturzeitschrift Literatura Mondo. Darüber hinaus haben die meisten Esperanto-Landesverbände (in Deutschland: Esperanto aktuell des Deutschen Esperanto-Bundes) ihr eigenes Organ, ebenso die Fachverbände.
Elektronische Medien
Regelmäßige Radiosendungen auf Esperanto kommen unter anderem aus Peking, Warschau und Vatikanstadt. Eine Fernsehstation Internacia Televido ist im Entstehen. Im Internet gibt es u.a. das Nachrichtenportal Gxangalo, die Netzzeitung Libera Folio und die Enzyklopädie Vikipedio mit bereits mehr als 28.000 Artikeln.
Wissenschaft und Technik
In über 200 Fachwörterbüchern sind Fachtermini von ca. 50 wissenschaftlichen Disziplinen erfasst. Die Internationalen Akademie der Wissenschaften (AIS) verwendet Esperanto als eine von fünf Hauptsprachen.
Staatliche Verwendung und Förderung
Bislang wurde Esperanto nur selten von Staaten als Kommunikationsmittel eingesetzt. Meist handelt es sich dabei um touristische Informationen oder Landesbeschreibungen (in der Bundesrepublik beispielsweise: Faktoj pri Germanujo). Einige Staaten haben auch politische Schriften auf Esperanto herausgegeben; so druckte China die Werke Maos, die Sowjetunion die Reden Gorbatschows. Mitunter waren Esperantisten bereit sich in den Dienst der Propaganda zu stellen; so wurde durch den Deutschen Esperanto-Bund eine Rede Hitlers auf Esperanto herausgegeben.
Eine gewisse Bedeutung hatte Esperanto in der internationalen Arbeiterbewegung. Nach dem Abklingen des Stalinismus (ab 1956) wurde auch in den Ostblockstaaten eine organisierte Tätigkeit für Esperanto wieder zugelassen. Soweit sich die osteuropäischen Esperantovereine formell in den Rahmen der vorgegebenen offiziellen Kulturpolitik einordneten, wurden sie in der Regel geduldet oder sogar (wie andere Organisationen) materiell unterstützt.
Esperanto als Stilmittel
Ferner wurde die Sprache zuweilen in der Kunst eingesetzt. Einige Beispiele: In Charlie Chaplins The Great Dictator sind die Ladenaufschriften im jüdischen Ghetto auf Esperanto, und in Idiot's Delight mit Clark Gable wird in einer unbenannten europäischen Diktatur Esperanto gesprochen - man wollte nicht ein bestimmtes Land beschreiben und wich daher auf die neutrale Sprache aus. Ähnlich war es bei Street Fighter (1994) und Blade: Trinity (2005). Wegen des internationalen und exotischen Anklangs verwendete Michael Jackson Esperanto-Sätze auf seinem Album HiStory, und die deutsche Hip-Hop-Gruppe "Freundeskreis" spielte ein Album mit dem Titel und zum Thema Esperanto ein.
Sprachaufbau
Hauptartikel: Esperanto (Grundlagen)
Einordnung
Esperanto lässt sich "als eine lexikalisch vorwiegend romanische und morphologisch stark agglutinierende Sprache mit isolierenden Zügen charakterisieren" (Blanke,1985).
Die wissenschaftliche Disziplin, die das Esperanto erforscht, nennt man Esperantologie. Sie ist ein Teilbereich der Interlinguistik.
Alphabet und Orthografie
Hauptartikel: Esperanto-Alphabet, Esperanto-Rechtschreibung
Die Schreibweise ist phonematisch, das heißt, dass jedem Buchstaben nur ein Phonem (Grundlaut) zugeordnet ist. Sie verwendet Buchstaben des lateinischen Alphabets ergänzt durch Überzeichen (diakritische Zeichen). Beispielsweise entspricht ŝ dem deutschen sch und ĉ dem tsch (vgl. Ŝoko - Schock und Ĉeĉenio - Tschetschenien).
Morphologie
Ein wesentliches Merkmal des Esperanto ist sein Aufbau aus unveränderlichen Morphemen (Wortelementen). Diese sind jeweils Träger einer selbständigen Bedeutung bzw. grammatischen Funktion.
Verb | |
Infinitiv | -i (flirti) |
Gegenwart | -as (flirtas) |
Vergangenheit | -is (flirtis) |
Zukunft | -os (flirtos) |
Imperativ | -u (flirtu) |
Konjunktiv | -us (flirtus) |
Fügt man beispielsweise dem Wortstamm "flirt" die Endung o an, die die Substantive (Hauptwörter) kennzeichnet, so erhält man "flirto", der Flirt. Die Endung i steht für Verben (Zeitwörter) und so erhält man "flirti", flirten. Ferner heißt "mi flirtas" ich flirte, "mi flirtis" ich flirtete / ich habe geflirtet und "mi flirtos" ich werde flirten. Die Endung für die Gegenwartsform ist also ein angefügtes as, für die Vergangenheit is und für die Zukunft os. Die genannten Zeitformen des Verbs gelten unverändert für alle Personen.
Der deutlichen Unterscheidung von Subjekt und Objekt im Satz dient ein angehängtes "n" (Vgl.: Akkusativ), Beispiel: Neniu min amas. - Keiner liebt mich. , Neniun mi amas. - Niemanden liebe ich. Grammatische Geschlechter (etwa: der Baum, die Nacht, das Haus) oder andere Systeme von Nominalklassen gibt es im Esperanto nicht.
Das Adverb endet auf e.
Die Mehrzahl von Substantiven und Adjektiven wird durch angehängtes j gebildet. Es ergeben sich die rechts dargestellten Übersichten:
|
für das Adjektiv (Eigenschaftswort):
und für das Substantiv (Dingwort):
(Ausspr.: oj wie eu in Heu; aj wie Ei) |
Lexik
Das Vokabular entstammt zum weitaus überwiegendem Teil europäischen, vornehmlich den romanischen Sprachen, dem Deutschen und Englischen , in geringem Umfang auch slawischen Sprachen, dem Griechischen und anderen Sprachen. Oft gehen Esperanto-Wörter auf verwandte Wortvarianten mehrerer Sprachen zurück. In einer Reihe von Fällen stellen sie Kompromissformen zwischen ihnen dar.
Beispiele:
- aus romanischen Sprachen:
- Latein: sed, tamen, okulo, hepato ...(aber, trotzdem, Auge, Leber)
- Französisch: dimanĉo, ĉe, frapi, ĉevalo ...(Sonntag, bei, klopfen, Pferd)
- Italienisch: ĉielo, fari, voĉo ...(Himmel, machen, Stimme)
- mehrere: facila, fero, verda ...(leicht, Eisen, grün)
- aus germanischen Sprachen:
- aus slawischen Sprachen:
- aus weiteren indoeuropäischen Sprachen
- Griechisch: kaj, biologio, politiko ...(und, Biologie, Politik)
- Litauisch: du, ju, tuj ...(zwei, je, sofort)
Es hat sich gezeigt, dass Esperanto einen geringeren Lernaufwand erfordert als viele andere Sprachen. In den über hundert Jahren seiner Existenz hat sich Esperanto ähnlich wie eine natürlich entstandene Sprache weiterentwickelt – neue Wörter die in der Alltagssprache, in Zeitschriften oder in der Literatur gebraucht werden, finden nach einiger Zeit Eingang in Wörterbücher. Teilweise erscheinen neue Wörter auch zuerst als Prägungen von Lexikografen in Wörterbüchern und erlangen von da aus Verbreitung. Ein Teil dieser Wörter wird in den offiziellen Wortschatz der Akademio de Esperanto aufgenommen und gehört fortan zu den allgemeinverbindlichen Grundlagen der Sprache. Die Akademie beobachtet auch weitere Aspekte der Sprachentwicklung und gibt von Zeit zu Zeit Empfehlungen ab.
Gebärdensprache
Auf der Basis von Esperanto und der Plangebärdensprache Gestuno wurde Signuno, welches als Lautsprachbegleitendes Gebärden auf der Basis von Esperanto eingesetzt wird, entwickelt. Das Signuno beinhaltet auch ein entsprechendes Fingeralphabet, mit der alle Sonderzeichen des Esperanto dargestellt werden können.
Kritik
Gegen Esperanto wird vielfältige Kritik vorgebracht. Teilweise gelten die Kritikpunkte auch für andere Plansprachen.
Mangelnde Sprachbeherrschung
Oft wird Esperanto als leichter oder schneller erlernbar als alle Nationalsprachen dargestellt. Unerwähnt bleibt dabei häufig, dass es auch Menschen gibt, die schon vor Jahren begonnen haben, Esperanto zu lernen, und seitdem in der Esperanto-Bewegung aktiv sind, ohne die Fähigkeit zu erreichen, wirklich auf Esperanto zu kommunizieren.
Schon der Esperantoschriftsteller Julio Baghy nahm zu Beginn der 1930er Jahre solche eternaj komencantoj (ewigen Anfänger) aufs Korn. Sein satirisches Gedicht Estas mi Esperantisto handelt von einem Esperantisten, der bis auf Guten Tag! und Auf Wiedersehen! keinen Satz in Esperanto zusammenbringt: «Bonan tagon! Ĝis revido!» Ĝi sufiĉas por ekzisto.
Daneben gibt es die Esperantisten, die sich zwar einigermaßen verständlich machen können, die aber kaum einen Satz ohne Fehler grammatischer oder anderer Art produzieren können. Diese Gruppe stellt einen wesentlichen Teil der Esperantosprecher. Die Zahl derjenigen, die sich in Esperanto zwanglos und fehlerfrei ausdrücken können, liegt also deutlich unter der normalerweise angegebenen Sprecherzahl.
Eurozentrismus
Vielfach wird Esperanto als eurozentrisch kritisiert. Bemängelt wird zum Beispiel, dass die Grammatik an europäischen Sprachen orientiert sei. Esperanto ist für Menschen außerhalb des europäischen bzw. westlichen Kulturkreises deutlich schwieriger. Die Wortstämme sind einseitig europäischen Sprachen entnommen. Esperanto sei damit auf globaler Ebene kein neutrales Kommunikationsmedium. Konsonantenhäufungen wie im Deutschen oder im Russischen bereiteten zum Beispiel Japanern Schwierigkeiten, da sich in ihrer Sprache Konsonanten und Vokale abwechseln. Beispiele sind Worte wie ŝtrumpojn oder ŝercas.
Als Gegenargument wird häufig aufgeführt, dass Esperanto auch nicht-europäische Elemente hat: So ist die Wortbildung stark agglutinativ, und damit der Wortbildung in den Bantu-Sprachen und im türkischen sehr ähnlich.
Androzentrismus
Einige Kritiker nennen Esperanto androzentrisch (männerzentriert), da Personenbezeichnungen ohne die Endung -in- meist als männlich angesehen und weibliche von männlichen Formen abgeleitet werden, zum Beispiel patro, instruisto (Vater, Lehrer), patrino, instruistino (Mutter, Lehrerin).
Weltanschauliche Neutralität
Zwar verstehen viele Esperanto-Sprecher ihre Sprache als weltanschaulich neutral, dennoch gab und gibt es immer wieder Versuche Esperanto für bestimmte Ideologien wie den Kommunismus oder auch für bestimmte Religionen wie das Christentum zu instrumentalisieren.
Alphabet
Vielfach kritisiert wurden sechs modifizierte, nur im Esperanto vorkommende Buchstaben mit diakritischen Zeichen (Überzeichen): ĉ, ĝ, ĥ, ĵ, ŝ, ŭ. Bis heute fehlen sie in vielen Zeichensätzen. Das ist aber in Zeiten des sich immer mehr ausbreitenden Unicode und grafischer Drucker immer weniger ein Problem. Auch alle heutigen Internet-Browser zeigen diese Buchstaben an. Nur die Eingabe bereitet Probleme, da mangels Nachfrage keine Esperantotastaturen verkauft werden. Manchmal weicht man auf Ersatzschreibweisen aus; am häufigsten sind die h-Methode (zum Beispiel ch statt ĉ) und die x-Methode (cx statt ĉ). Die h-Methode ist die offizielle Ersatzschreibweise, wenn die Esperantosonderzeichen nicht zur Verfügung stehen. Hingegen ist die x-Methode besser für automatische Verarbeitung z. B. in E-Mails geeignet. Da das x im Esperanto nicht vorkommt, kann hier beliebig häufig in beide Richtungen konvertiert werden, sofern der Text keine nationalsprachlichen Namen oder Ortsbezeichnungen mit x (zum Beispiel Cuxhaven, Bordeaux) enthält. Nachteil der x-Methode ist das gerade für Nichtkenner seltsame, zu Unrecht zungenbrecherisch anmutende Erscheinungsbild.
Verwechslungsmöglichkeiten
Da die Personalpronomen sich ähneln (mi, vi, li usw.), können akustische Missverständnisse entstehen. Das gleiche Problem betrifft die so genannten "Tabellwörter", zu denen die meisten sonstigen Pronomen gehören. Die Verwechslungsmöglichkeit von ses (6) mit sep (7) wird im Funk- und Radioverkehr bisweilen durch die Ersatzwörter sis (6) (aus dem Ido) und sepen (7) gelöst - ähnlich dem deutschen Usus, "zwo" statt "zwei" zu sagen, wenn eine Verwechselung mit "drei" verhindert werden soll.
Der russische Phonologe Nikolai Sergejewitsch Trubezkoi wies auf Phoneme (Laute) im Esperanto hin, die von Sprechern einiger Sprachen leicht verwechselt werden könnten: b und p, d und t, ĉ (tsch) und ĝ (dsch) usw. Dagegen wird argumentiert, ohne Laute, die in irgendeiner Sprache der Welt leicht verwechselbar seien, bliebe nicht viel Lautmaterial übrig. Insbesondere müsste dann international verbreitetes Wortgut stark umgeformt werden, womit der Vorteil der internationalen Bekanntheit entfiele.
Sonstiges
Oft wird die obligatorische Kennzeichnung des Akkusativs durch das Suffix "...n" kritisiert. Tatsächlich sind hier in der Sprachpraxis häufig Fehler anzutreffen. Demgegenüber stehen Vorteile wie große Flexibilität beim Satzbau bei gleichzeitiger Eindeutigkeit. Andererseits erreichen andere Sprachen vergleichbare Flexibilität ohne zusätzlich zu lernende Kasus.
Gelegentlich wird angemerkt, die Namen von Monaten und Wochentagen seien unnötig; es reiche, sie wie im Chinesischen oder in einigen europäischen Sprachen zu nummerieren.
Metaphorischer Gebrauch von "Esperanto"
Metaphorisch gebraucht man das Wort Esperanto manchmal auch, um etwas Internationales, Vermittelndes oder Gemischtes anzudeuten - beispielsweise: Java, das "Esperanto" der Computersprachen.
Dies kann häufig auch irreführend sein. Ein Beispiel stellt der Ausdruck Esperanto-Währung für den Euro dar: Der Euro wurde geschaffen, um andere Währungen abzuschaffen; den meisten Esperantisten hingegen liegt nichts daran, die bestehenden Nationalsprachen anzutasten.
Literatur zum Thema
Sprachwissenschaft
- Detlev Blanke: Internationale Plansprachen. Eine Einführung, Berlin: Akademie-Verlag 1985
- Pierre Janton: Einführung in die Esperantologie, Hildesheim: Olms, 2. Auflage 1993
- Benoît Philippe: Sprachwandel bei einer Plansprache am Beispiel des Esperanto, Konstanz: Hartung-Gorre, 1991
Geschichte
- Ulrich Lins: Die Gefährliche Sprache – Die Verfolgung der Esperantisten unter Hitler und Stalin, Bleicher Verlag, Gerlingen-Stuttgart 1988 ISBN 3-88350-023-2
Wörterbücher
- Erich-Dieter Krause: Wörterbuch Deutsch-Esperanto, Enzyklopädie, Leipzig, 1983
- Erich-Dieter Krause: Kompaktwörterbuch Esperanto (Deutsch-Esperanto, Esperanto-Deutsch), 2., erw. Auflage 1995, Langenscheidt, ISBN 3-324-00607-4
- Erich-Dieter Krause: Großes Wörterbuch Esperanto-Deutsch, Hamburg: Buske, 1999 - ISBN 3-87548-193-3
Lehrbücher
- Detlev Blanke, Till Dahlenburg: Konversationsbuch Deutsch-Esperanto, Leipzig: Enzyklopädie, 1990, ISBN 3-324-00508-6
- Klaus Dahmann, Thomas Pusch: Esperanto Wort für Wort, Kauderwelsch Band 56, 1998, ISBN 3-89416-246-5 (Sprachführer mit Grammatik und Wortliste)
- Herbert Mayer: Grundwortschatz Esperanto, Wien: Pro Esperanto, 1992
- Dirk Willkommen: Esperanto-Grammatik: eine Lerner- und Referenzgrammatik, Hamburg: Buske, 2001 - ISBN 3-87548-244-1
Siehe auch
Allgemeines
Esperanto-spezifisches
Kategorie:Esperanto – Akademio de Esperanto – Esperanto (Grundlagen) – Esperanto-Alphabet – Esperanto-Hymne – Esperantoland – Esperanto-Kultur – Esperanto-Literatur – Esperanto-Rechtschreibung – Homaranismo – Kurso de Esperanto – Vortaro
Sonstiges
Europe – Démocratie – Espéranto (Wahlliste)
Weblinks
Vorlage:Wikipedia2 Vorlage:Wiktionary1 Vorlage:Wikibooks1
- Mehrsprachige Informationen zu Esperanto
- Internetseite mit weiterführenden Links
- Häufige Fragen zum Esperanto
- Was ist Esperanto? Wozu Esperanto?
- Aktuelle Radiosendungen in und um Esperanto
- Wiktionary in Esperanto
Esperanto-Verbände
- http://www.esperanto.de Esperanto in Deutschland
- http://www.esperanto.de/dej/ Deutsche Esperanto-Jugend
- http://www.esperanto.at Esperanto in Österreich
- http://aej.esperanto.at Österreichische Esperanto-Jugend
- http://esperan.to/ses/ Esperanto in der Schweiz
- http://www.jesperanto.ch Schweizerische Esperanto-Jugend
- http://www.uea.org Esperanto-Weltverband UEA
- http://www.tejo.org Esperanto-Jugend-Weltverband
Esperanto-Kurse
- Kurso de Esperanto kostenloser Kurs zum Herunterladen
- Esperanto-Kurse für Anfänger und Fortgeschritte und vieles mehr...
- Mehrsprachiger Online-Kurs (mit Möglichkeit des Herunterladens)
- Esperanto-Schnellkurs
Wörterbücher
- Umfangreiches Wörterbuch zum Herunterladen
- Online-Wörterbuch (basierend auf dem obigem)
- Mehrsprachiges Online-Wörterbuch
- Grundwörterbuch Esperanto-Deutsch
- Kleines mehrsprachiges lustiges Bildwörterbuch
Medien
- Radio Ĉina Internacia (Radio China International)
- Ĉina Interreta Informa Centro (China Internet Information Centre)
- El Popola Ĉinio ("Aus Volkschina", Esperanto-Zeitschrift), Ausgaben von März 1998 bis August 2000
- Polskie Radio
- Günther Beck über Satellitenprogramme in Esperanto
- Le Monde diplomatique
Kritiker
- Learn Not To Speak Esperanto (englisch) Umfassende Kritik verschiedener Aspekte des Esperanto
- Is Esperanto's Vocabulary too Large? (englisch)
Sonstiges