Schlacht um Wake
Vorlage:Schlacht Die Schlacht um Wake war eines der frühesten Gefechte zwischen Japan und den USA im Pazifikkrieg. Sie begann nur einen Tag nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor am 8. Dezember 1941 und endete am 23. Dezember mit dem Sieg der japanischen Angreifer. Die verbissene und mutige Verteidigung der Insel durch nur eine Handvoll Marineinfanteristen gilt bis heute den USA als bewundernswertes Glanzstück ihrer Militärgeschichte.
Vorfeld der Schlacht
Wake ist eine Koralleninsel inmitten des Pazifiks und liegt zwischen dem amerikanischen Hawaii und den damals japanischen Marianen. Das einsame Atoll besteht aus drei Einzelinseln, auf denen weder Süßwasser noch Vegetation anzufinden ist. Zur Zeit des Angriffs unterhielt auf ihr die Fluggesellschaft PanAm eine Zwischenlandestation, die aus einem Flugfeld sowie einem Hotel für etwa 1000 Fluggäste und Flugpersonal bestand. Das Atoll hatte an sich keinen strategischen Wert für die japanischen Expansionsbestrebungen, jedoch bedrohte die Anwesenheit der Amerikaner auf diesen Inseln den japanischen Zugriff auf wichtigere Ziele wie Indonesien, Borneo, Sumatra und Malaysia. Auf Wake waren volle 449 Marineinfanteristen unter der Führung von Major James Devereux stationiert, die mit veraltetem Material, einigen Geschützen sowie acht Jagdflugzeugen vom Typ Grumman F4F, denen es an Ersatzteilen mangelte, ausgerüstet waren. Die Vorbereitungen auf einen zu erwartenden Angriff der Japaner liefen nicht einmal 24 Stunden, als schließlich die ersten Bomben auf Wake fielen. Auch einige Hundert Zivilisten (hauptsächlich Fluggäste der PanAm) befanden sich zur Zeit des Angriffs noch auf der Insel - der gerade erfolgte Abflug eines "Clipper" der PanAm wurde nach Eintreffen der Nachricht vom Angriff auf Pearl Harbor als zu gefährlich eingeschätzt, und die Maschine wurde zurückgerufen, um erneut auf Wake zu landen.
Vorbereitungen durch Luftangriffe
Zur Mittagszeit des 8. Dezembers stießen 34 japanische Bomber vom Typ G3M2 aus der Wolkendecke. Innerhalb von Minuten wurde das PanAm-Hotel, die Treibstofftanks des Flugfeldes sowie die Hälfte der acht Jagdflugzeuge zerstört. Wie durch ein Wunder blieb der vollgetankte "Clipper" der PanAm intakt, und er verließ noch am gleichen Tag vollbesetzt Wake in Richtung Midway. Zur selben Zeit des nächsten Tages folgte ein weiterer Angriff durch 27 von den Marshall-Inseln aus gestartete Bomber, die das Lazarett, Werkstätten sowie weitere Treibstoffvorräte in Brand setzten. Den Verteidigern gelang es jedoch, auch einige der Bomber zu beschädigen. Etwa 100 Zivilisten aus dem PanAm-Hotel boten zu diesem Zeitpunkt ihre Hilfe bei der Verteidigung der Insel an; so glückte es, die Küstengeschütze und Flugabwehrstellungen bis zum nächsten Angriff, der am nächsten Tag folgen sollte, zu verlegen und durch Attrappen zu ersetzen. Der Angriff am Vormittag des 10. Dezembers durch 26 Bomber zielte dann auch tatsächlich auf die alten Stellungen ab, und die Attrappen wurden heftigen Bombardements ausgesetzt.
Angriff der japanischen Flotte
Gegen Abend wurden schließlich nahende japanische Kriegsschiffe durch ein amerikanisches U-Boot gesichtet und die Wachmannschaften auf Wake dementsprechend verstärkt. Die japanische Angriffsflotte unter Konteradmiral Sadamichi Kajioka bestand aus drei leichten Kreuzern, sechs Zerstörern, zwei bewaffneten Frachtern sowie zwei weiteren zu Mutterschiffen für Landungsboote umgebauten Zerstörern. Ihr Angriffsplan sah vor, zunächst die Insel durch Schiffsartillerie unter Beschuss zu nehmen, dann 450 Männer mit den Landungsbooten auf der Hauptinsel Wake sowie Wilkes Island anzulanden und schließlich, je nach Erfolg des Unternehmens, weitere Soldaten von den Schiffen auf das Atoll abzusetzen. Es galt als sicher, dass die vorangehenden Bombardements eine Verteidigung der Insel unmöglich gemacht hatten und dass mit einer schnellen Kapitulation der Marineinfanteristen zu rechnen sei. So wurden die japanische Führung völlig überrascht, als ihnen im Morgengrauen des 11. Dezembers der erbitterte Widerstand der amerikanischen Küstengeschütze entgegenschlug, während sie sich bereits in nächster Nähe zur Küste der Insel befanden. Den Verteidigern gelang es, einen Zerstörer zu versenken und drei weitere Kriegsschiffe schwer zu beschädigen. Zudem kenterten in der rauhen See Landungsboote - Admiral Kajioka gab den Befehl zum Rückzug aufs offene Meer. Am frühen Morgen griffen dann auch noch die vier amerikanischen Kampfflugzeuge den Verband an: Sie versenkten einen weiteren Zerstörer und beschädigten einen der Kreuzer sowie einen bewaffneten Frachter schwer, indem sie im Rotationsverfahren ihre mickrigen 50kg Bomben abwarfen, zum Flugfeld zurückkehrten um aufzutanken und neue Bomben zu laden, und erneut angriffen. Zwei der Maschinen wurden beschädigt, konnten jedoch beide zum Flugfeld zurückkehren. Die verbleibenden zwei F4F beteiligten sich dann auch an der Abwehr von 17 japanischen Bombern, die herbeigerufen worden waren, um die Küstengeschütze endgültig zu vernichten. Deren Bomben verfehlten ihre Ziele, und durch Flak sowie die beiden Kampfflugzeuge wurden zwei von ihnen abgeschossen und 11 weitere beschädigt.
Alles in allem hatten sich die Verteidiger glorreich geschlagen und den Japanern hohe Verluste zugefügt. Tatsächlich handelte es sich bei diesem japanischen Angriff um die einzige Amphibienoperation des gesamten Pazifikkrieges, die fehlgeschlagen war. Die amerikanische Presse griff den Kampf der Verteidiger von Wake als Gegenbeispiel zum nationalen Trauma Pearl Harbor auf, und so wurde bald der Kommandant der Truppe, Major Devereux, zitiert, auf die Frage, was man seiner Truppe zukommen lassen sollte, mit "Send us more Japs! (Schickt uns noch mehr Japaner!)" geantwortet zu haben. Der Wahrheitsgehalt dieses (reichlich törichten) Zitats ist umstritten, es verfehlte jedoch seine propagandistische Wirkung auf die amerikanische Öffentlichkeit nicht.
Die Unterstützung bleibt aus
Ein wenig zynisch wirken diese Presseberichte in Anbetracht der tatsächlichen Ereignisse: Die amerikanische Admiralität schickte zwar am 14. und 15. Dezember mehrere Flottenverbände um die Träger USS Lexington, USS Enterprise und USS Saratoga von Pearl Harbor aus zur Unterstützung der schnell zum Symbol werdenden Verteidiger von Wake Island (darunter auch der mit Ersatzteilen und Munition beladene Frachter Tangier, mit dem dann auch die Evakuierung der restlichen Zivilisten bewältigt werden sollte), doch man befürchtete, jeden Moment in einen japanischen Hinterhalt geraten zu können. Die Position der japanischen Angriffsflotte auf Pearl Harbor war zu diesem Zeitpunkt völlig unklar, es stand zu vermuten, dass sie sich irgendwo in der See um Wake aufhielt. Konteradmiral Fletcher, dessen Task Force 14 um die USS Saratoga am Nächsten an der Insel lag (am 23. Dezember nur noch einen halben Tag Fahrt von Wake entfernt), begründete seine Entscheidung, nicht in die Schlacht um Wake einzugreifen, mit der großen Bedrohung durch kombinierte japanische Seestreitkräfte und den auf den Marianen stationierten Bombern, der er seinen Verband ausgesetzt sah, und der unzureichenden Bestückung der Saratoga mit nur 13 F4F Kampfflugzeugen. Man konnte sich als Intention hinter dem japanischen Angriff kaum etwas anderes vorstellen, als einen Köderangriff, da die Insel an sich für die Japaner völlig wertlos zu sein schien. Im Dezember 1941 entschied man sich deshalb, Wake zu opfern und stattdessen die eigenen Flugzeugträger zu schützen.
Wake fällt
Das Atoll wurde weiterhin täglich von den japanischen Bombern, die von den Marshall-Inseln aus starteten, heimgesucht. Am 21. Dezember schließlich kamen auch noch Sturzkampfbomber von den japanischen Flugzeugträgern Soryu und Hiryu dazu, die auch schon am Angriff auf Pearl Harbor beteiligt gewesen waren. Die ständigen Einsätze der wenigen verbliebenen F4F auf Wake machten laufend Reparaturen notwendig; da Ersatzteile knapp waren, mussten dafür die Wracks der bereits zerstörten Maschinen ausgeschlachtet und in vielen Fällen improvisierte Lösungen unter Zeitdruck zusammengebastelt werden. Dennoch erzielten die Verteidiger weiterhin eine Reihe von Abschüssen gegen die zur Routine werdenden Luftangriffe. Aber die täglichen Einsätze kosteten schließlich auch hier ihren Tribut, und nach einem letzten Angriff gegen einen Schwarm von Trägerflugzeugen am 22. Dezember war keine der Maschinen mehr einsatzfähig. In der Nacht zum 23. Dezember schließlich landeten die japanischen Truppen im Südwesten der Hauptinsel und auf Wilkes Island. Die Verteidigungstruppen, unter ihnen auch diverse Zivilisten, die als Munitionsträger und Kombattanten an den Kämpfen teilnahmen, konnten den japanischen Angriff sogar noch abwehren, sowie einige der involvierten Schiffe beschädigen. Jedoch stellte sich nach dem Angriff bald heraus, dass alle verbleibenden schweren Geschütze durch Feindbeschuss unbrauchbar geworden waren, und dass den verbleibenden Kämpfern nur noch ihre (sowieso veralteten) Gewehre sowie einige leichte Maschinengewehre geblieben waren, um die andauernden Angriffe durch Kriegsschiffe und Flugzeuge, sowie die auf Wilkes Island verbliebenen japanischen Landungstruppen abzuwehren. Um 13:30 des 23. Dezember schließlich kapitulierte Major Devereux, indem er sich mit einer weißen Fahne in Richtung der japanischen Landetruppen bewegte, und dabei den immer noch verbissen kämpfenden Marines befahl, das Feuer einzustellen.
Nach der Kapitulation
Die überlebenden Marineinfanteristen sowie ein Großteil der Zivilisten gerieten in Kriegsgefangenschaft und wurden in Kriegsgefangenenlager auf dem Festland verschifft. Etwa 100 Zivilisten verblieben jedoch (ebenfalls als Kriegsgefangene) auf Wake Island und wurden dort am 7. Oktober 1943 allesamt getötet, weil sie angeblich versucht hatten, mit der amerikanischen Marine in Kontakt zu treten. Der verantwortliche japanische Offizier auf Wake Island, Konteradmiral Shigematsu Sakaibara, wurde für dieses Kriegsverbrechen später hingerichtet. Am 7. September 1945 kapitulierte Wake unter seiner Führung.
Weblinks
sehr detaillierter engl. Bericht der Ereignisse auf ibiblio.org
Filme
Wake Island, Spielfilm USA 1942, Regie: John Farrow, Schauspieler: Robert Preston, Brian Donlevy, Macdonald Carey u.a.