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Hühnergötter

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Herkunft: --Peterlustig 19:37, 22. Mär 2004 (CET)

siehe [1]


Hühnergott

Oft kommt es nicht vor, daß ein Übersetzer zum Schöpfer eines neuen Wortes wird. In diesem Falle ist das Verdienst geringfügig: Das russische "kuriny bog" läßt sich nicht anders übersetzen als mit "Hühnergott". So der Titel einer rührenden Liebesgeschichte von Jewgeni Jewtuschenko, die 1966 in der Bunten Reihe des Ostberliner Verlags Volk und Welt erschien (und in den folgenden Jahren in einem halben Dutzend ost- und westdeutscher Sammelbände nachgedruckt wurde).

Die Erzählung spielt in einem Sommer auf der Krim, wo die Urlauber im Strandgeröll nach von Natur durchlöcherten Steinchen suchen, um sie dann als Glücksbringer an einer Schnur um den Hals zu tragen. Der Aberglaube beruht auf einer Vorstellung des - von Stalin deportieren - Volks der Krimtataren, die solche Steinchen an die Hühnerstangen hängten, um das Federvieh zu verstärkter Legeleistung anzuspornen.

Das Büchlein, eine echte Urlaubslektüre, mag damals viel von Ostsee-Sommerfrischlern gelesen worden sein, denn der Übersetzer (meine Wenigkeit) bekam über Jahre hinweg immer wieder durchlöcherte Ostseesteinchen mitgebracht oder zugeschickt. In den siebziger und achtziger Jahren gab es kaum einen DDR-Deutschen, der nicht wußte, was ein Hühnergott ist. Dem schmunzelnden Übersetzer, den gleichwohl Zweifel plagten, wurden diese durch zwei Umstände genommen: Die verdienstvolle und doch nach der Wende untergegangene DDR-Zeitschrift "Sprachpflege" beantwortete eine Leserfrage nach der Herkunft des Wortes "Hühnergott" mit einem Hinweis auf die Jewtuschenko-Erzählung, und eigene Recherchen in allen nur erreichbaren Nachschlagewerken (bis hin zum "Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens") blieben ohne Erfolg. Das Wort war nirgends verzeichnet.

1985 erschien die 18. Neubearbeitung des Großen (DDR-)Dudens. Darin fand sich erstmals folgender Eintrag: "Hühnergott, Pl. götter (Lochstein als Amulett)". Der Übersetzer vermerkte für sich, daß ein Wort von seiner Entstehung bis zu seiner Kanonisierung (Dudeneintrag) neunzehn Jahre benötigt.

Aber die Freude hielt man gerade fünf Jahre vor. Nach der - freudig begrüßten - Wende wurde mit viel Reklamegetöse der erste gesamtdeutsche Duden angekündigt. Es bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung, daß der "Hühnergott" das Schicksal zahlreicher anderer DDR-Sprachschöpfungen teilt. Woher sollten auch die Mitglieder der Mannheimer Dudenredaktion wissen, was ein "Hühnergott" ist? Deshalb verbinde ich mit der diese Woche erscheinenden Duden-Ausgabe auch keine großen Hoffnungen. Abgesehen davon, daß sie die neuen Rechtschreibregeln bietet.