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Wasserfalle

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Wasserfalle
Sprossspitzen der Wasserfalle
Sprossspitzen der Wasserfalle
Vorlage:Taxonomy
Vorlage:Classis: Zweikeimblättrige (Magnoliopsida)
Vorlage:Subclassis: Nelkenartige (Caryophillidae)
Vorlage:Superordo: Nepenthanae
Vorlage:Ordo: Nepenthales
Vorlage:Familia: Sonnentaugewächse (Droseraceae)
Vorlage:Genus: Wasserfalle (Aldrovanda)
Vorlage:Species: Wasserfalle
Wissenschaftlicher Name
Aldrovanda vesiculosa
L. 1753

Die Wasserfalle (Aldrovanda vesiculosa), auch Wasserhade oder Blasige Aldrovandie, ist eine fleischfressende Pflanze in der Familie der Sonnentaugewächse (Droseraceae).

Die Gattung Aldrovanda ist monotypisch, das heißt sie hat nur eine Art, es gibt jedoch Hinweise auf ausgestorbene Arten derselben Gattung. Es gibt jedoch signifikante geographische Unterschiede der Art (so kennt z.B. die australische Form weder eine Winterruhe durch Turionen noch ist sie frosthart).

Geschichte

Entdeckt wurde sie 1699 von Leonard Plukenet in Indien, der sie Lenticula palustris Indica nannte. Ihren heutigen botanischen Namen erhielt sie 1747 durch Gaetano Monti, der italienische Exemplare beschrieb und zu Ehren des italienischen Gelehrten Ulisse Aldrovandi (1522 - 1605) Aldrovandia vesiculosa nannte. Bei der Übernahme des Namens durch Linné 1753 ging allerdings das erste "i" des Namens verloren.

Beschreibung

Die Wasserfalle ist eine wurzellose Süßwasserpflanze, nur der Keimling besitzt eine rudimentäre Wurzel, die aber bald abstirbt.

Spross

Die Pflanze wird etwa 10-30 cm lang; sie wächst an der einen Seite, und stirbt am anderen Ende ab. Entlang des Sprosses stehen in kurzen Abständen in wirtelförmiger Anordnung fünf bis neun 2-3 mm lange Fangblätter an einem Blattstiel, den allerdings Diels als einen "verlängerten Blattgrund" charakterisiert. Der Blattgrund enthält mehrere luftgefüllte Hohlräume, die für den größten Teil des Auftriebs der Pflanze sorgen.

Falle

Mit diesen Fangblättern, einer Klappfalle ähnlich der der Venusfliegenfalle, nur in klein, fängt die Wasserfalle kleine Tiere, vorzugsweise Wasserflöhe, aber auch beispielsweise Mückenlarven. Am Rand der Fallen stehen vier bis sechs auffällig steife Borsten, auch im Inneren ist die Falle fein behaart mit sensiblen Härchen. Dabei handelt es sich um Fühlhärchen, die das Schliessen der beiden Hälften der Blattspreite veranlassen, wobei der Fang nur bei warmen Wassertemperaturen möglich ist (bei rund 20° C).

Vermehrung

Die kleine, weiße Blüte der Wasserfalle erhebt sich an kurzen Stielen über die Wasseroberfläche, sie bleibt nur wenige Stunden geöffnet. Die nachfolgende Bildung der Samenkapsel hingegen erfolgt wieder unter Wasser, die Samen keimen kryptokotylar, d.h. die Keimblätter verbleiben innerhalb des Samenkornes und nehmen dessen Reserven, das sogenannte Endosperm, auf.

Allerdings blüht die Wasserfalle (zumindest in temperierten Bedingungen) eher selten, sie vermehrt sich meist durch vegetative Vermehrung. Dazu verzweigt sich die Pflanze während ihrer Wachstumsphase stark. Durch das nachfolgende Absterben des Hauptsprosses entstehen voneinander unabhängige Individuen. Da die Pflanze starkwüchsig ist, können so sehr schnell zahlreiche Individuen entstehen.

Eine zweite Methode vegetativer Vermehrung, die allerdings nur bei winterharten Formen vorkommt, ist die durch sogenannte Turionen im Rahmen der Überwinterungsstrategie der Pflanze: Dabei lösen sich zum Ende der Wachstumsperiode Blattwirtel von der Sprosspitze und sinken auf den Grund des Wassers. Mit dem Neubeginn des Wachstums im Frühjahr steigen die Turionen wieder auf und beginnen erneut mit dem Wachstum.

Verbreitung

Die Wasserfalle ist die am weitesten verbreitete Karnivorenart überhaupt, sie ist in Europa, Asien, Afrika und Australien beheimatet. In all ihren Arealen ist sie jedoch selten. Die Art verbreitet sich über Epichorie, sie haftet am Gefieder von Wasservögeln, die sie so in andere Gewässer verschleppen. Dadurch findet sich die Wasserfalle gehäuft entlang von Vogelzugrouten.

Habitate

Die Wasserfalle bedarf äußerst sauberer, seichter, heller und warmer stehender Gewässer, die zugleich nährstoffarm und schwach sauer (pH-Wert um 6) sind. Sie ist zwischen Binsen oder Schilf, aber auch Reis frei schwimmend zu finden. Der in fast allen Arealen zu beobachtende Rückgang der Wasserfalle ist im allgemeinen auf die Eutrophierung ihrer Gewässer begründet.

Gefährdung und Status

In Europa ist sie selten, vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben. Vor 200 Jahren liessen sich hier noch 150 Standorte nachweisen, gegenwärtig sind nur noch knapp unter vierzig bekannt, meist in Ost- und Südosteuropa gelegen (Ungarn, Polen, Rumänien, Ukraine). In Deutschland ist sie nur noch in Brandenburg und Worms nachgewiesen, die dortigen Bestände gelten jedoch als eingeschleppt bzw. ausgesetzt. Einige Bestände existieren auch in der Schweiz, wo sie eigentlich nicht heimisch ist, diese Standorte gehen ebenfalls auf Aussetzungen zurück. Sie sind aber trotzdem streng geschützt, unter anderem weil sie teilweise auf die mittlerweile in Deutschland selbst erloschenen Bestände aus dem Bodensee zurückgeführt werden.

Auch in Asien ist die Art im Rückgang begriffen, um das Millenium ist die Art als Wildform in Japan ausgestorben, nachgewiesen ist sie noch in Vorderindien.

In Australien sind die Vorkommen der Wasserfalle noch relativ ungestört, sie kommt dort sowohl in tropischen Formen (z.B. um Darwin) wie auch subtropisch (z.B. um Esperance).

Über Standorte der Pflanze in Afrika ist wenig bekannt, man weiss von Vorkommen in Nordostafrika sowie aus den Okvango-Sümpfen in Botswana. Aufgrund der verhältnismäßig ungestörten afrikanischen Flora und der geringen Agrarisierung des Kontinents ist dort eine Gefährdung der Art allerdings als eher unwahrscheinlich anzusehen.

Evolution

Anhand von fossilen Samen- und Pollenfunden lässt sich die Evolution der Gattung weit zurückverfolgen. Mitte der 80er Jahre wurden in der heutigen Tschechei Samenfragmente einer Art aus dem Ende der Kreidezeit gefunden, die den ältesten bekannten Vorgänger der Gattung darstellt (und zugleich die ältesten Fossilfunde einer karnivoren Art überhaupt sind). Die Palaeoaldrovanda splendens getaufte Pflanze war eine Zeitgenossin der Dinosaurier und lebte unter tropischen Bedingungen.

Das durch die Klimakatastrophe vor 65 Millionen Jahren ausgelöste Massensterben beeinträchtigte das weitere Gedeihen der Gattung nicht. Fast zwanzig weitere Arten finden sich im Tertiär, die sich bereits im Eozän in die Sektionen Aldrovanda, Obliquae und Clavatae trennen. Ob nun Warm- oder Kaltzeiten folgten, die Gattung blieb stets mit mehreren Arten präsent, selbst im Pleistozän, dem unserer Gegenwart vorausgehenden Erdzeitalter, lassen sich noch sechs Arten nachweisen, von denen jedoch nur A. vesiculosa bis in die Gegenwart überlebte.

Literatur