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Fermersleber SV 1895

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Der Fermersleber SV 1895 ist ein im Magdeburger Stadtteil Fermersleben ansässiger Sportverein. Mitglieder des Vereins sind in einer Vielzahl von Abteilungen aktiv. Eine besonders starke Bedeutung hat die Tradition des Vereins im Handball. Der Verein spielte mehrere Jahre in der 2. Hallenhandball Bundesliga. 1949 war der Verein Ostzonenmeister im Feldhandball.

Geschichte

BSG Motor Magdeburg wird 1955 DDR-Meister

Gegründet wurde der Verein 1895 als Freie Turnerschaft Magdeburg Süd-Ost. Später schlossen sich dem Verein weitere Sportvereine an. So der Turnverein Fichte Buckau, Vorwärts Fermersleben, Freier Wassersport Buckau Fermersleben, Magdeburger Ballspielclub und die Schwerathleten „Adler“. Bedingt durch die räumliche Nähe zu großen Industriebetrieben war der FSV 1895 ein Schwerpunkt der Arbeiter Turn- und Sportbewegung. Betrieben wurden Turnen und Gymnastik, Schlagball, Raffball, Faustball und Handball aber auch Fechten, Rudern und Segeln sowie Schwimmen und Leichtathletik gehörten früh zu den im Verein bestehenden Abteilungen.

Sitz des Vereins und zentrale Sportstätte wurde in den 1920er Jahren das Gelände des ehemaligen Fort I, der heutige Platz der Freundschaft im Norden Fermerslebens. Viele freiwillige Helfer hatten 1922/23 die Sportanlage errichtet. Dominierende Sportart war Feldhandball. Zunächst hatte man noch auf dem Fermersleber Gemeindeplatz Raffball, einen Vorläufer des modernen Handballs gespielt. Als sportlicher Höhepunkt ist das Endspiel um die Deutsche Feldhandball-Bundesmeisterschaft des Arbeiter-Turn- und Sportbundes im Jahr 1928 zu nennen, in dem Vorwärts Fermersleben gegen Ottakring Wien 2 : 4 unterlag.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten betraf auch den FSV die Gleichschaltung. Nach dem 2. Weltkrieg wurden die zerstörten Sportstätten wiederaufgebaut. Herausragender sportlicher Erfolg in der Nachkriegszeit war der Gewinn der Landesmeisterschaft Sachsen-Anhalt und der Ostzonenmeisterschaft im Feldhandball 1949. Feldhandball war zu dieser Zeit neben Fußball eine Sportart im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Unter Namen wie Vorwärts Fermersleben, Buckau-Wolf, Stahl-Süd, Diesel Magdeburg, Motor Magdeburg und Motor Fermersleben (Schlachtruf: "Hört Ihr nicht die Erde beben? Jetzt kommt Motor Fermersleben!") wurde die sportliche Tradition fortgeführt. Insbesondere die Handballer konnten an alte Erfolge anknüpfen. Eine Abteilung Radsport bildete sich 1947.

Im Jahr 1955 gründete sich eine Abteilung Billard, die zeitweise in der 2. DDR-Liga spielte. 1957 vereinigten sich Motor Magdeburg und Motor Fermersleben zur BSG Motor Magdeburg Süd-Ost (MSO) und zählte mit 4000 Mitgliedern zu einer der größten Betriebssportgemeinschaften der DDR. 1958 wurde die Abteilung Badminton gegründet. Auf eine längere Tradition kann die Fussballabteilung zurückblicken, die jedoch immer nur im regionalen Rahmen Erfolge erzielte. 1982 gelang der Aufstieg in die damalige Bezirksliga. Die Gründung der Abteilung Kegeln erfolgte 1969, wobei dieser Sport bereits seit den Anfangstagen des Vereins betrieben worden war. Im Oktober 1974 wurde die Kegelhalle des Vereins eröffnet, die in den 1990er Jahren dann grundlegend modernisiert wurde. Bis 1990 errangen Sportler des Vereins 400 DDR-Meistertitel. Im Bereich Kanu und Judo konnten bei Olympischen Spielen einmal Gold und zweimal Bronze erzielt werden. Am 16. Juli 1990 benannte sich die BSG Motor Magdeburg Süd-Ost in FSV 1895 e.V. um. Mitte der 1990er Jahre wurden 22 Sportarten im Verein ausgeübt. Bekanntheit erlangte Volker-Michael Anton als internationaler Großmeister im Fernschach. 1994 errang er den Vize-Weltcuptitel.

Abteilungen

1995 bestanden im FSV 22 Abteilungen: Badminton, Billard, Fußball, Gewichtheben, Handball, Judo, Kanu, Kegeln, Kraftsport, Leichtathletik, Orientierungslauf, Radsport, Schach, Schwimmen, Segeln, Seniorengymnastik, Tennis, Tischtennis, Turnen/Gymnastik, Volleyball, Wandern und Wintersport.

Fritz Lorenz, Gewichtheber der BSG Motor Magdeburg, 1952

Gewichtheben und Kraftsport

Die Gewichtheber des Vereins zählten in den 1970er und 1980er Jahren bis zu 283 Aktive und waren damit die größte Sektion des Gewichtheberverbandes der DDR. Viermal wurde man Vize-DDR-Mannschaftsmeister. Bekannte Gewichtheber waren Frank Zander (1972 EM Bronze), Frank Zielecke (Weltmeister 1973) und Martin Moreno (1991 WM Bronze). Sportler der Abteilung erzielten 149 DDR-Meistertitel. Besonders erfolgreich war hierbei der sechsmalige DDR-Meister Dieter Schluricke. Seit 1991 war die Gewichthebermannschaft in der 2. Bundesliga aktiv. Erfolgreichster Kraftsportler des FSV war der zehnfache DDR-Meister Manfred Machus. 1988 erzielte man in der Kraftsportoberliga der DDR den 3. Platz. Bei den Bodybuildern ragte Burghardt Steffen heraus, der nach der deutschen Meisterschaft 1993, 1994 Europameister und Vizeweltmeister wurde.

Handball

Nach den Erfolgen in der Zeit der Weimarer Republik konnte man auch nach dem 2. Weltkrieg im Handball überregional erfolgreich sein. 1949 wurde man im Endspiel gegen Gera Ostzonenmeister im Feldhandball. Es folgte 1950 der Titel als DDR-Vizemeister. 1951 konnte der dritte Platz und der Gewinn des Pokals gegen Freureuth erreicht werden. Mit dem Trend weg vom Feldhandball hin zum Hallenhandball änderte sich auch in Fermersleben die Struktur. Im November 1976 vereinigte sich das damalige Motor Magdeburg Süd-Ost mit den Handballern von Lok-Süd-Ost zur Spielgemeinschaft Lok/Motor Süd-Ost. Auch Lok Süd-Ost blickte auf Erfolge im Handball zurück und war 1963 DDR-Meister im Hallenhandball geworden. Ab 1979 spielte die Spielgemeinschaft in der DDR-Liga, der zweithöchsten Liga. 1983/84 und 1987/88 spielte man sogar in der Oberliga als höchste Spielklasse. Nach der deutschen Wiedervereinigung spielte man bis 1994 in der 2. Bundesliga. Größter Erfolg im Frauenhandball war 1980/81 die Teilnahme in der DDR-Liga.

Judo

Die Judo-Abteilung wurde 1957 gegründet, nachdem eine Sektion bereits seit 1949 bestanden hatte. Mit Sportlern wie Helmut Howiller, Wolfgang Micka, Winfried Benkel, Bernd Hecht, Wolf-Dieter Hainke und Bernd Köhler erreichte man olympische Medaillen. Bei nationalen Meisterschaften wurden mehr als 100 Medaillen erkämpft. Seit 1957 kämpfte die Judo-Mannschaft des Vereins in der DDR-Oberliga und erreichte mehrfach den dritten, 1962 und 1964 sogar den zweiten Platz. Herausragender Name in dieser Zeit war der später noch als Abteilungsleiter tätige Reiner Straube.

Kanu

Siegerehrung für Jürgen Eschert bei den Olympischen Spielen von 1964

Sehr früh gehörte auch bereits der Kanusport zu den Vereinsaktivitäten. Die Tradition geht bis zum 1911 gegründeten Freien Wassersportverein Magdeburg Buckau-Fermersleben zurück. Mit selbst gebauten Booten wurde zunächst Wasserwandern betrieben, später kamen in Zusammenhang mit Strandfesten auch Rennwettbewerbe auf. Größere sportliche Erfolge blieben jedoch in der Vorkriegszeit aus. Durch den 2. Weltkrieg wurden die Kanuten besonder schwer beeinträchtigt. Neben zerstörten Booten und Bootshäusern war die Ausübung des Sports zunächst untersagt. 1948 konnte der Sportbetrieb jedoch wieder aufgenommen werden. Bereits 1949 veranstaltete der Verein die Ostzonenmeisterschaft vor 8000 Zuschauern. Seit Anfang der 1950er Jahre gehörten die Fermersleber Kanuten dann auch mit zur nationalen Spitze in der DDR und erzielten diverse Meistertitel sowohl im Frauen- als auch im Männerbereich. Es entstanden in Eigenleistungen verschiedene Wettkamp- und Trainingsanlagen. Mit Jürgen Eschert gab es 1964 auch einen Olympiasieger im Einer-Canadier, der zuvor im Verein tätig gewesen war. Eckhard Leue erreichte in dieser Disziplin eine olympische Bronzemedaille. Weitere herausragende Sportler der Abteilung waren Rolf Blume, Dietmar Grupe, Marion Grupe, Dieter Lichtenberg, Wolfgang Kopplin und Patrick Schulze. Mitte der 1970er Jahre wurde der Verein Bezirkstrainingszentrum, in welchem eine kontinuierliche Sichtung von Talenten erfolgte, die dann in der DDR-Zeit an den SC Magdeburg delegiert wurden. Diese Praxis wirkte sich jedoch nachteilig auf das Vereinsleben aus.

Die etwa 60 Mitglieder der Abteilung (Stand 1995) trainieren im Sommer auf dem Salbker See II und der Elbe. Der Verein ist auch im Bereich des Kanu-Marathonrennsports tätig.

Literatur

  • Festschrift zum 100 jährigen Bestehen des Fermersleber-Sportvereins 1895 e.V. Magdeburg, 1995