Jay M. Ipson
Jay M. Ipson (* 5. Juni 1935 in Kaunas als Jacob Ipp) ist ein litauisch-amerikanischer Holocaust-Überlebender und Gründer des Virginia Holocaust Museums in Richmond (Virginia).
Leben
Kindheit im Nationalsozialismus

Jacob Ipp wurde als Sohn des jüdischen Ehepaares Israel und Edna Ipp im litauischen Kaunas geboren. 1941 wurde der damals 6-jährige gemeinsam mit seiner Familie in das von den Nationalsozialisten errichtete Ghetto Kaunas gebracht. An einem einzigen Tag wurden 5.000 Juden aus dem Ghetto deportiert. Jacob und seine Mutter gehörten auch zur ausgewählten Gruppe, haben aber durch eine Flucht in letzter Minute als einzige überlebt. Kurz darauf sind Jacob, Edna und Israel nachts durch ein Loch in einem Umzäunung entkommen.
Sie fanden Unterschlumpf bei der katholischen Bauernfamilie Paskauskas. Sechs Monate haben sie ohne jegliches Tageslicht in einer händisch gegrabenen Höhle ( ca. 3,5m lang, 2,7m breit und 1m hoch), die durch einen langen Tunnel erreicht werden konnte, bis zur Befreiung durch die Russen ausgeharrt. Am Ende dieser sechs Monate versteckten sich bereits 13 Personen in dieser Höhle. Jacob war zu dieser Zeit 8 Jahre alt. Der Bauer und dessen Frau, die sie während der gesamten Zeit versorgt haben, wurden nach dem Zweiten Weltkrieg postum von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem als Gerechte unter den Völkern ausgezeichnet.
Emigration in die USA

Nach Kriegsende im Jahr 1945 verließen Jacob, Edna und Israel Litauen in Richtung München. Dort arbeitete Israel bei der UNRRA. Verwandte halfen ihnen in die Vereinigten Staaten zu emigrieren und so kamen sie am 12. Juni 1947 in Richmond, Virginia an. Jacob war zu dieser Zeit 12 Jahre alt. Um sich besser in die Gesellschaft zu integrieren änderten sie ihren Familiennamen von Ipp in Ipson.
Jay M. Ipson trat mit 18 Jahren freiwillig der US Army bei und versuchte ein normales Leben zu führen. Er studierte dann Buchhaltung an der Universität Richmond und heiratete 1959 die Tochter eines Autowerkstätten-Besitzers und begann selbst in deren Betrieb zu arbeiten. Später gründete er mit der American Parts Company sein eigenes Unternehmen in Richmond.
Virginia Holocaust Museum
In den 1980er Jahren begann Ipson aber auch regelmäßig in Schulen über seine Erlebnisse während des Holocaust zu reden. Regelmäßig verließ er bereits um 6 Uhr morgens das Haus, um pünktlich zu Schulbeginn einen Vortrag zu halten und anschließend in die Arbeit zu fahren. Bis ihm Freunde den Vorschlag machten, dass es einfacher wäre die Schulklassen anreisen zu lassen. Aus diesem einfachen Vorschlag schuf er 1997 mit Mark E. Fetter und Al Rosenbaum eine Ausstellung neben der lokalen Synagoge Temple Beth El. Damit war das Virginia Holocaust Museum geboren.
Da die Räumlichkeiten aufgrund des großen Interesses jedoch zu klein wurden, suchte er nach einem größeren Gebäude. Mit Unterstützung des Kongressabgeordneten Eric Cantor wurde Ipson 2001 eine ehemalige Tabakfabrik als neuer Standort des Museums frei zur Verfügung gestellt. Nur mit großem finanziellen und zeitlichen Aufwand konnte das Museum 2003 neu eröffnet werden. Aufgrund dieser völlig neuen Vollzeitbeschäftigung war Jay M. Ipson gezwungen, seine Reparatur-Firma aufzugeben.
Seit damals wurde das Virginia Holocaust Museum laufend erweitert und konnte seit seinem Bestehen mehr als 175.000 Besucher verzeichnen. 2007 feierte es sein 10-jähriges Bestehen. Aus diesem Grund fanden zahlreiche Veranstaltungen statt.
Nach mehrjährigen Bemühungen konnte Jay M. Ipson 2009 erreichen, dass das Virginia Holocaust Museum eine Tora, die während des Holocausts in Litauen in einem Versteck erhalten geblieben war und nach ihrer Entdeckung nach Israel gebracht wurde, erhält.[1] [2] Seit ihrer aufwändigen Restaurierung befindet sie sich in der Synagoge des Museums.
Auszeichnungen
Am 16. Januar 2001 wurde Jay M. Ipson vom First Freedom Center mit einem First Freedom Award[3] ausgezeichnet.
2005 wurde er vom FBI in Richmond mit dem Director's Community Leadership Award geehrt.
Im Mai 2010 wird Jay M. Ipson vom österreichischen Botschafter Christian Prosl für sein vorbildhaftes Engagement für Tolerance Through Education (Motto des Museums) der Austrian Holocaust Memorial Award 2009 verliehen.
Literatur
- Izzy's Fire: finding humanity in the Holocaust, Nancy Wright Beasley (2005)
- To See, to Feel, to Know: Experiencing the Holocaust Through the Virginia Holocaust Museum, Elisabeth Anne Custalow (2005)
Quellen
- ↑ Holocaust Thora aus dem Kovno Ghetto an das Virginia Holocaust Museum uebergeben 22. November 2009 (gedenkdienst.org)
- ↑ Fotoserie der offiziellen Übergabe der Holocaust-Tora an das Museum
- ↑ Bisherige Preisträger des First Freedom Award (firstfreedom.org)
Siehe auch
Weblinks
- http://www.va-holocaust.com (Offizielle Website)
- Jay Ipson, Executive director and founder of the Virginia Holocaust Museum, 10. September 2007 (richmond.com)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ipson, Jay M. |
| ALTERNATIVNAMEN | Ipp, Jacob |
| KURZBESCHREIBUNG | litauisch-amerikanischer Holocaust-Überlebender und Gründer des Virginia Holocaust Museums |
| GEBURTSDATUM | 5. Juni 1935 |
| GEBURTSORT | Kaunas |