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Sebastian (Heiliger)

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„Heiliger Sebastian“ von Antonello da Messina, 1476
„Heiliger Sebastian“ eines Nacheiferers von Perugino, um 1500
Darstellung des Heiligen in der gleichnamigen Kirche in Mannheim

Sebastian (* in Mailand oder Narbonne; † um 288 in Rom) war ein römischer Soldat und wurde zu einem christlichen Märtyrer.

Leben

Der Legende nach bekannte sich Sebastian, Hauptmann der Prätorianergarde am kaiserlichen Hof, öffentlich zum Christentum, woraufhin Kaiser Diokletian ihn zum Tode verurteilte und von numidischen Bogenschützen erschießen ließ. In dem Glauben, er sei tot, ließ man ihn danach liegen. Sebastian war jedoch nicht tot und wurde von einer frommen Witwe mit dem Namen Irene, die ihn beerdigen wollte, als lebend erkannt und wieder gesund gepflegt. Nach seiner Genesung kehrte er zu Diokletian zurück und bekannte sich erneut zum Christentum. Diokletian befahl daraufhin, ihn mit Keulen im Circus zu erschlagen. Seinen Leichnam warf man in die Cloaca Maxima, einen städtischen Abflussgraben in der Nähe des Tiber, aus dem er von Christen geborgen und ad catacumbas (deutsch: „in der Senke“) beerdigt wurde.

Schutzpatron

Der heilige Sebastian war schon immer ein beliebter Heiliger. Sebastian ist der Schutzheilige gegen die Pest, da man seiner Fürbitte das schnelle Erlöschen der Pest 680 in Rom zusprach. Sebastian ist Patron der Sterbenden, Eisenhändler, Töpfer, Gärtner, Gerber, Bürstenbinder, Stadt-/Gemeindepolizisten (D) und (I), Schützenbruderschaften, Soldaten, Kriegsinvaliden, Büchsenmacher, Eisen- und Zinngießer, Steinmetze, Leichenträger und Brunnen; gegen Pest und Seuchen.

Aufgrund eines Gelübdes aus dem Jahre 1610 marschiert noch heute in dem Ort Oberschwarzach zu jedem (katholischen) Gedenktag die Bürgerwehr auf.

Zusammen mit dem Hl. Fabian ist er der Schutzheilige der Stadt Selm in Westfalen und er ist der dritte Patron der Stadt Rom.[1]

Außerdem ist er Schutzheiliger der Münchner Polizei sowie der Stadt- und Gemeindepolizeien Italiens[2].

Spätestens seit der Renaissance wird der Hl. Sebastian meist gering bekleidet dargestellt. Nach Ansicht vieler Schwuler sind diese Darstellungen sexuell anziehend, daher haben sie eine Affinität zu ihm und er wird von manchen auch als ihr Schutzpatron angesehen.[3] [4]

Ikonographie

Die Legende des hl. Sebastian wird in der bildenden Kunst bereits im 5. Jahrhundert dargestellt. Typisch ist eine Darstellung als Krieger in häufig zeitgenössischer Rüstung mit Schild und Schwert.

In deutschen und niederländischen Darstellungen wird meist der von Wunden übersäte, magere Körper hervorgehoben. Häufig wird auch die gesamte Beschießungsszene gezeigt, wie etwa bei Hans Memling. In solchen Darstellungen ist Sebastian meist an einen Baum gebunden. Darstellungen wie die von Matthias Grünewald auf dem Isenheimer Altar weichen davon bewusst ab, um damit eine besondere Bildaussage zu unterstreichen.

Herausstechend ist Georges de la Tours Darstellung des heiligen Sebastian in den Armen der ihn pflegenden Irene, die starke Anklänge an eine Pietàdarstellung aufweist.

Gedenktag

Wallfahrtsorte

Siehe auch

Commons: Heiliger Sebastian – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

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Einzelnachweise

  1. Eintrag Sebastianus im Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL), siehe Weblink
  2. IPA aktuell (Zeitschrift der International Police Association - Deutsche Sektion e.V., 51. Jahrgang, Nr. 2, 15. Juni 2006 - pdf-Dokument. Stand 2. Januar 2009.
  3. Oskar Ters: Die Legende des Heiligen Sebastian - Ein Vergleich zwischen den lateinischen Quellen und den mittelalterlichen Übersetzungen unter besonderer Berücksichtigung und Transkription der Handschrift 717 II der Bibliotheque Municipale zu Colmar, Diplomarbeit für Philosophie, Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, GRIN Verlag 2000, ISBN 3-638-10059-6
  4. Ursula Baatz: „Jung, hübsch, gequält“, ORF, 31. Januar 2004