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Index librorum prohibitorum

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Der Index Librorum Prohibitorum war ein Verzeichnis der für jeden Katholiken verbindlich verbotenen Bücher. Zuletzt nannte das Verzeichnis, welches in seiner verbindlichen Form 1967 abgeschafft wurde, 6000 Bücher.


Die drei Klassen des Index

  • Die erste Klasse bezeichnet die Namen häretischer, d.h. ketzerischer Schriftsteller
  • Die zweite Klasse bezeichnet die häretischen, d.h. ketzerischen Werke
  • Die dritte Klasse bezeichnet verbotene Schriften, die ohne den Namen des Verfassers erschienen sind

Neben diesem Index gibt es noch den index librorum purgandorum, d.h. ein Verzeichnis der (im Verständnis des katholischen Klerus) von anstößigen Stellen zu säubernden Schriften.

Geschichte

Die Anfänge kirchlicher Bücherverbote

Das erste rein kirchliche Bücherverbot geht zurück auf das Jahr 400. Unter dem Vorsitz des Theophilus von Alexandria wurde verordnet, niemand dürfe die Schriften des Origenes "lesen oder besitzen". Im Jahr 446 ließ Papst Leo I. alle Schriften der Manichäer verbrennen. Die erste Synode, die die Verbrennung der von ihr als "verdammt" angesehenen Texte befahl, war 681 das dritte Konzil von Konstantinopel.

Das Decretum Gelasianum, das 496 auf dem römischen Konzil erschien, ist der älteste Index verbotener Bücher.

Bücherverbote im Mittelalter

Die Abendmahlslehre des Berengar von Tours wurde 1050 auf der Synode von Vercelli verdammt. Nachdem Abaelard 1120 auf der Synode von Soissons gezwungen wurde, seine Theologische Einführung zu verbrennen, befahl Innozenz II. 20 Jahre später, ihn in ein Kloster einzusperren und seine Schriften zu verbrennen. In einer Bulle von Papst Johannes XXII. wurde unter anderem Marsilius von Padua zum Häretiker erklärt. Ein Jahr später verhängte er den Bann über Wilhelm von Ockham. Im 13. Jahrhundert wurde in Frankreich von verschiedenen Synoden den Laien das Lesen der Bibel, mit Ausnahme der Psalmen, verboten. Von Gregor IX. und den ihm folgenden Päpsten wurde wiederholt die Verbrennung des jüdischen Talmud angeordnet.

Der Kampf gegen Luthers Schriften

Am 15. Juni 1520 wurde die Bulle Exurge veröffentlicht. Auszüge: "...und weil die vorbesagte und mehrere andere Irrthümer in den Büchern oder Schriften Martin Luthers enthalten sind, verdammen und verwerfen wir die besagten Bücher, und alle Schriften oder Predigten des besagten Martinus, ... und verbieten kraft des heiligen Gehorsams, ... allen Gläubigen, dergleichen Schriften, Bücher, Predigten oder Blätter oder Abschnitte derselben, welche die vorbesagten Irrthümer enthalten, zu lesen, zu behaupten, zu predigen, zu loben, zu drucken, zu veröffentlichen oder zu vertheidigen..." Am 12. Juni 1521 fand die feierliche Verbrennung der Schriften Martin Luthers in Rom statt, zugleich wurde Luther selbst in effigie also in Abwesenheit mit verbrannt.

Weltliche Hilfe oder "Das Wormser Edikt"

Durch das kaiserliche Edikt vom Mai 1521 bekam die katholische Kirche in ihrem Kampf gegen missliebige Schriften weltliche Hilfe. Die Gelegenheit war günstig; so konnten Thron und Altar gemeinsam widerspenstige Literatur unterdrücken. Das Edikt wandte sich ausdrücklich gegen "...Schmähschriften gegen den Papst, die Prälaten, Fürsten, Universitäten, Fakultäten und anständige Personen."

Die Römische Inquisition

Nach Deutschland, England, Spanien und Frankreich wurde auch Italien aktiv. Auf Betreiben des späteren Paul IV. ernannte Paul III. 1542 mit der Bulle Licet ab initio 6 Kardinäle zu General-Inquisitoren für die ganze Kirche. Damit hatte sich Rom eine Instanz geschaffen, um Ketzer bis in die entferntesten Winkel zu verfolgen und "unschädlich" zu machen. Auf dem Konzil von Trient ging es 1546 den Druckern an den Kragen. Die Synode will auch, wie es sich gebührt, den Druckern eine Schranke setzen, welche jetzt schrankenlos, d.h. meinend, es sei ihnen alles erlaubt...

Abschaffung

Erstmals erschien der Index Librorum Prohibitorum 1559, die letzte amtliche Ausgabe erschien 1948 bis 1962. Der Index wurde 1967 unter Papst Paul VI. in seiner bindenden Form abgeschafft. Der Inhalt der indizierten Werke galt als religiöse bzw. sittliche Gefährdung der Seelen der Gläubigen. Der Index enthielt zuletzt über 6000 Titel.

Auf dem Index von 1949 finden sich die Liebesgeschichten von Honoré de Balzac, die Chansons von Pierre-Jean de Béranger, sieben Werke von René Descartes, zwei Werke von Denis Diderot (darunter seine Französische Enzyklopädie), die Liebesgeschichten von Alexandre Dumas (Vater) und von Alexandre Dumas (Sohn), vier Werke von Heinrich Heine, die Kritik der reinen Vernunft von Immanuel Kant, das Gesamtwerk von Maurice Maeterlinck, nahezu alle Werke von Voltaire.

Und auch Bücher wie Die Unvereinbarkeit der neuen päpstlichen mit der bayerischen Staatsverfassung von Joseph Berchtold, 1871, Die klösterlichen Genossenschaften in Bayern und die Aufgabe der Reichsgesetzgebung von Heinrich Dürrschmidt, 1875, Vergangenheit und Gegenwart der katholisch-theologischen Fakultäten von Sebastian Merkle, 1913, Politik aus dem Glauben von Ernst Michel, 1929 und Herrgottswissen von Wegrain und Straße. Geschichten von Webern, Zimmerleuten und Dorfjungen von Joseph Wittig, 1925.

Situation heute

Heute wird durch das einflußreiche, so genannte Opus Dei eine inoffizielle Version des Index weitergeführt. Diese Liste umfaßt nach Angaben des Theologen Peter Hertel ca. 1000 Werke. Das Opus Dei leitet die Päpstliche Universität vom Heiligen Kreuz und andere Ausbildungsstätten in Rom. Auf diesem Opus-Dei-Index stehen z.B. Werke der genannten Aufklärer Immanuel Kant, Gotthold Ephraim Lessing, Jean-Jacques Rousseau. Aber auch aktuelle Bücher wie z.B. Der Name der Rose von Umberto Eco einem führenden Linguisten, Schriftsteller und Enzyklopädisten oder der berühmte Roman "Das Sakrileg" des amerikanischen Schriftstellers Dan Brown sind für Mitglieder des Opus Dei verboten.

Siehe auch