Entomophagie beim Menschen
Als Entomophagie bezeichnet man den Verzehr von Insekten.
Gründe
Insekten sind die häufigsten auf der Erde vorkommenden Tiere. Sie sind weltweit mit Ausnahme der Gebiete des ewigen Eises verbreitet. Insekten - besonders Raupen - bestehen zu großen Teilen aus Proteinen und nur wenige Arten haben ausgedehnte Fettkörper. Damit sind sie als Eiweißquelle ebenso wertvoll wie das Fleisch von Säugetieren oder Fischen. Termiten weisen zusätzlich mehr als doppelt so viel Eisen auf als die gleiche Menge mageres Rindfleisch. Außerdem enthalten Insekten sämtliche essentiellen Aminosäuren. Naheliegend war daher stets, auch sie als Nahrungsquelle zu nutzen.
Geschichte
Bereits ca. 700 v.Chr. wurde in einer assyrischen Darstellung ein Festmahl mit Heuschrecken als Delikatessen abgebildet. Die Bibel und der Koran enthalten Hinweise auf das Essen von Heuschrecken. Den Israeliten war allerdings der Verzehr von Insekten untersagt (vgl. koscher). Auch die Griechen und Römer taten sich an Insekten und ihren Larven gütlich.
Gegenwart
Entsprechend ihrer Verbreitung ist es einfach, Insekten zu sammeln, besonders in tropischen Regionen. Daneben sind sie einfach zu halten und zu züchten, was gerade in den so genannten Entwicklungländern mit häufigen Hungersnöten eine gewichtige Rolle spielt. Häufig hat sich dort auch eine regelrechte Insektenküche etabliert.
Die Aborigines Australiens sind dafür bekannt, verschiedene Larven roh oder in Sand und Asche gegart zu verspeisen. Besonders die Bogong-Motte der gleichnamigen Berge ist sehr beliebt. Sie wird im Sand gebraten und verliert so Beine und Flügel, danach wird der Kopf entfernt. Übrig bleibt der fleischige Hinterleib, der gekocht oder zu Kuchen verbacken wird. Selbst Süßigkeiten bieten die Insekten den Aborigines: Die Sammler der Honigtopfameise hängen prallgefüllt mit Honig in ihren Nestern und bieten so eine süße Nachspeise. Auch der sogenannte Buschmann-Reis besteht eigentlich aus einer Ameisenart.
In verschiedenen Staaten Afrikas, besonders in Nigeria, werden eine Reihe von Insekten regelmäßig verspeist. Dazu gehören gekochte oder rohe Termiten (besonders die Königin gilt als Delikatesse), geröstete Heuschrecken, oder die dicken Palmkäferlarven.
In Japan werden Gerichte wie "hachi-no-ko" (Gekochte Wespenlarven) oder "semi" (Fritierte Zikaden) zubereitet.
Schwerer zu fangen sind die schnellen Libellen, die man in Bali gern auf den Speiseplan setzt. Mit speziellen Klebestangen gehen die Libellenjäger auf die Pirsch. Die Tiere werden in verschiedenen Soßen gegart, nachdem die Flügel entfernt wurden.
In Thailand etwa werden Schaben und Wasserkäfer sowie vielerlei Larven auf unterschiedlichste Weise zubereitet und sind sogar in öffentlichen Garküchen als "Take-away" erhältlich. Außerdem gilt eine Riesenwasserwanzenart als Leckerbissen.
In Kambodscha isst man frittierte Spinnen.
In Mexiko, wo auf den Märkten Insekten als Lebensmittel höhere Preise als hochwertiges Fleisch erzielen, werden Agavenraupen dem Agavenschnaps Mezcal zugefügt.
Europa
Unabsichtlich kommt dieses Verhalten auch in unserer Kultur häufiger vor, als die meisten von uns ahnen. Nicht nur Blattläuse im Salat oder Apfelwicklerlarven im Obst, sondern in vielerlei verarbeiteten Nahrungsmitteln können auch trotz modernster Technologie Verunreinigungen durch Insekten nicht völlig vermieden werden. Auf Sardinien und in Teilen Frankreichs gelten bestimmte Käsesorten, in denen sich die Larve einer kleinen Fliege entwickelt als besonders delikat. Verwandtes findet sich in dem Dorf Würchwitz in Sachsen-Anhalt: Dort wird Milbenkäse als regionale Delikatesse hergestellt, ein Käse, der durch Milbenbefall zu reifen beginnt, haltbar wird und erst richtig schmackhaft wird. Allerdings handelt es sich hierbei strenggenommen nicht um Entomophagie, da Milben keine Insekten sind.
Während andere Gliederfüßer wie beispielsweise Hummer, Garnelen, Krebse oder Shrimps als teure Delikatessen gehandelt werden, ist der Gedanke an das Verspeisen von Insekten in Europa noch wenig verbreitet und meist mit Ekelgefühlen verbunden. Bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts gab es in Deutschland und Frankreich auch Maikäfersuppe.
In den großen Städten, etwa in Berlin, lassen sich jedoch bereits vereinzelt Restaurants finden, die Insekten auf der Speisekarte haben.
Den Besuchern der EXPO 2000 in Hannover wurden geröstete Heuschrecken angeboten, welche geschmacklich an eine Mischung aus Kartoffel-Chips und Erdnüssen erinnern, aber nur wenige wollten sie tatsächlich essen.
Weblinks
- http://www.nutriinfo.de/artikeldetails.php?aid=1419
- http://menschennahrung.de/19__Buch/index_57.html
- http://www.gastronomie-report.de/presse_1.htm
- Eine Einführung in das Thema; (engl.)
- Hintergrundinformationen zur Effizienz des Insektensammelns; (engl.)
Literatur
- Ingo Fritsche & Bubpa Gitsaga: Das Insektenkochbuch, ISBN 3-93158-769-X
- Bruno Comby: Köstliche Insekten
- Peter Menzel: Faith D'Aluisio, Man Eating Bugs: The Art and Science of Eating Insects
- Julieta Ramos-Elorduy, Peter Menzel: Creepy Crawly Cuisine: The Gourmet Guide to Edible Insects (gut verwendbare und auf Europa umsetzbare Rezepte)