Carl von Linné
Carl Linnaeus, nach seiner Erhebung in den Adelsstand 1761 Carl von Linné, in lateinisch geschriebenen Werken auch Carolus Linnaeus (* 23. Mai 1707; † 10. Januar 1778) war ein schwedischer Naturwissenschaftler, der die Grundlagen der modernen Taxonomie entwickelte. Als Bestandteil wissenschaftlicher Namen wird sein Name mit L. abgekürzt.
Leben
Carl von Linné wurde in Stenbrohult, einer Provinz in Südschweden geboren. Als Kind war für Linné ein Leben im Dienste der Kirche vorgesehen, wie vor ihm sein Vater und sein Großvater mütterlicherseits. Er zeigte jedoch wenig Interesse an dieser Laufbahn. Sein Interesse galt der Botanik, was einen örtlichen Arzt beeindruckte und so wurde er zum Studium an die Universität von Lund geschickt. Ein Jahr später wechselte er nach Uppsala.
Grundlage der Klassifikation
Während dieser Zeit gelangte Linné zu der Überzeugung, dass die Staubgefäße und Stempel von Blüten die Grundlage der Klassifikation von Pflanzen wären. Er schrieb darüber eine kurze Abhandlung, die ihm den Posten eines außerordentlichen Professors einbrachte. 1732 finanzierte die Akademie der Wissenschaften in Uppsala seine Expedition nach Lappland, das bis dahin praktisch unbekannt war. Das Ergebnis war ein Buch über die lappländische Pflanzenwelt, Flora Laponica, das 1737 veröffentlicht wurde.
Binäre Nomenklatur
Danach zog Linné aufs Festland. Während er in Holland war, traf er Jan Frederik Gronovius und zeigte ihm einen Rohentwurf seiner Arbeit über Taxonomie, die Systema Naturae. Darin hatte er die bis dahin verwendeten, unhandlichen Bezeichnungen wie physalis amno ramosissime ramis angulosis glabris foliis dentoserratis durch die systematischen, heute noch gebräuchlichen Doppelnamen wie Physalis angulata ersetzt. Diese Benennug wird "binäre Nomenklatur" genannt. Der erste Name ist dabei der Name der Gattung, der zweite Name der der Art. Übergeordnete Gruppen wurden auf einfache und geordnete Weise erzeugt.
Bei der Namensgebung vertraute Linné auf den gesunden Menschenverstand. So benannte er den Menschen als Homo sapiens, den wissenden Mensch. Er beschrieb aber auch eine zweite menschliche Art, Homo troglodytes bzw. Homo nocturnus, den Höhlenmenschen bzw. Nachtmenschen, mit dem er vermutlich den kurz zuvor beschriebenen Schimpansen meinte. Die Säugetiere nannte er nach den Milchdrüsen Mammalia, weil er Frauen ermutigen wollte, ihre Säuglinge zu stillen.
Lebensstationen
1739 heiratete Linné Sara Morea, die Tochter eines Arztes. Zwei Jahre später erhielt er einen Lehrstuhl für Medizin in Uppsala, den er bald gegen den Lehrstuhl für Botanik eintauschte. Er setzte seine Arbeit an der Klassifizierung fort und weitete sie auf das Tierreich sowie auf Mineralien aus. Auch wenn die Klassifizierung von Mineralien heute merkwürdig klingt, rund 100 Jahre vor der Evolutionstheorie durch Charles Darwin war das für Linné ein bequemer Weg, die gesamte Natur zu kategorisieren. 1775 wurde Carl von Linné zum Ritter geschlagen.
Sein botanischer Garten kann heute in Uppsala besichtigt werden.
Beurteilung seiner Leistungen
Linné gilt auch als bedeutender Schriftsteller. Er verdankt diesen Ruf vor allem seinen Reiseberichten und Landschaftsschilderungen. Diese zeichnen sich durch eine für damalige Verhältnisse auffallend offenen, ungekünstelten Stil aus. Er verzichtete auf die rhetorischen Formeln à la francaise, mit denen seine Muttersprache im 18. Jahrhundert veredelt wurde und mischte den smaländischen Dialekt des Schwedischen mit einer persönlichen Note gehandhabtes Latein.
Außerordentliche Beobachtungsgabe, trockener Humor und grenzenloses Interesse an der Natur prägen den Charakter seiner Aufzeichnungen. Sein Schönheitssinn paart sich mit wissenschaftlicher Sorgfalt. Hinzu kommt eine zwanglose Verbindung von religiöser Ehrfurcht und ein von der Aufklärung geprägter Pragmatismus. Er erstellte ein Tagebuch, Iter Lapponicum, das aber zu seinen Lebzeiten nicht mehr veröffentlicht wurde. Es beginnte im Mai 1732, als er als Student der Universität Uppsala im Auftrag der Königlichen Wissenschaftssozietät nach Lappland aufbricht, um durch eigene Initiative die Pflanzen- und Tierwelt zu erkunden.
Der Bericht über diese Erkundung, die "Lappländische Reise", wurde erstmals 1811 in London unvollständig und nicht sehr sorgfältig bearbeitet auf englisch veröffentlicht. Die schwedische Ausgabe erschien erst 1889, die deutsche 1964. Der Reclamverlag druckte sie als Nachdruck 1991. Eine sehr sorgfältig editierte Neuauflage erschien 2004. Die Lappländische Reise enthält fundierte Beobachtungen über das Leben der Lappländer und beschreibt unter anderem den Gebrauch von Wildkräutern wie dem Engelwurz durch Jäger- und Sammlerkulturen.
Werke
- Carl von Linné hinterließ an die 180 wissenschaftliche Werke.
- Die Lappländische Reise, Berlin 2004
Weblinks
- http://home.tiscalinet.ch/biografien/biografien/linne.htm - Biographie
- http://www.linnaeus.uu.se/ - Botanischer Garten von Carl von Linné
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Linnaeus, Carl |
| KURZBESCHREIBUNG | schwedischer Naturwissenschaftler, der die Grundlagen der modernen Taxonomie entwickelte |
| GEBURTSDATUM | 23. Mai 1707 |
| STERBEDATUM | 10. Januar 1778 |