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Schüttelreim

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Der Schüttelreim ist eine Reimform, bei der die Anfangskonsonanten der letzten beiden betonten Silben miteinander vertauscht werden. Er stellt somit eine Sonderform des Doppelreims (die letzten beiden betonten Silben jeder Zeile reimen sich) dar.

Beispiel:

Der Fuchsenfang
Am Baum im grünen runden Hut
der Jäger mit den Hunden ruht.
Die Brill’ er auf der Nase hat,
und sieht, ob sich kein Hase naht.
Ein Ziel bald seine Büchse fand:
‘s fiel einer aus der Füchse Band’.
Wie kläffte da die Hundemeut’!
Lob schallt aus jedem Munde heut’.
An einem Baum ein Fähnchen hing:
Tot ist, der Hühnchen, Hähnchen fing!
Auch jubeln Spatz und Finke flugs:
Tot ist er jetzt, der flinke Fuchs!

Eine weitere Steigerung erfährt der Schüttelreim, wenn neben den Konsonanten auch noch die Vokale der letzten beiden Silben getauscht werden.

Beispiele:

Alpenfahrt
Ein Auto fuhr durch Gossensaß,
Und kam in eine Soßengass,
So dass die ganze Gassensoß
Sich über die Insaßen goss
Liebesreise
Auf der Liebesreise
sprach der Leibesriese:
"Reib es, Liese!" —
und sie rieb es leise.

aus: Wendelin Überzwerch (Herausg.) "Aus dem Ärmel geschüttelt", Deutscher Bücherbund, o.J.

Zwei der kürzesten deutschen Schüttelreime lauten:

Du bist Buddhist

und

Gerd aß Erdgas

Schüttelreime sind seit dem 13. Jahrhundert bekannt und waren damals noch eine ernstzunehmende Gedichtform. Seit dem 19. Jahrhundert werden Schüttelreime hauptsächlich für vergnügliche Zweizeiler, oft mit anzüglichem Inhalt verwendet.

Der Ringer schwingt die derbe Hüfte, dem Arsch entquellen herbe Düfte."

Es gibt jedoch auch ganze Bücher in Schüttelreimform, z.B. Versionen von Goethes Faust oder einen Opernführer.

Weitere Varianten und Steigerungen dieser Reimform findet man im Internet unter [1] und [2]

Literatur

  • Ulf Annel/Daniel Heide. "Geschüttelt - nicht gerührt. Schüttelreime", Erfurt 2004, ISBN 3-9809040-6-7