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Rathaus (Nürnberg)

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Westfassade des Rathauses von SE
Westfassade des Rathauses von NW
Haupteingang mit dem Wappen der Stadt

Das Nürnberger Rathaus liegt in der Altstadt von Nürnberg, gleich östlich des Chores der Sebalduskirche. Es gehört als eine der Sehenswürdigkeiten der Stadt zur Historischen Meile Nürnbergs. Von Westen gibt sich das Rathaus noch immer als imposanter Barockbau des Architekten Jakob Wolff d. J. (1571−1620) zu erkennen, auch wenn es zu großen Teilen nach 1945 wieder neu aufgebaut werden musste (dabei wurde es an der Nordseite um zwei Fensterachsen verkürzt). An der Südseite ist ein im Kern gotischer Saalbau integriert, den Albrecht Dürer erneuerte. Die im Kellergeschoss befindlichen Lochgefängnisse gelten als Touristenattraktion, wie auch der Schöne Brunnen, der sich direkt vor dem Rathaus am Rand des Hauptmarkts befindet.

Baugeschichte

Bis ins 14. Jahrhundert besaß die Stadt kein eigenes Rathaus. Stattdessen trat der Rat in einem Haus der Tuchmacher zusammen, das in Urkunden wechselweise als „Gewandhaus“, nur als „Haus“ oder als „der Bürger Haus“ bezeichnet wird. Erst als die Lorenzer und Sebalder Hälften der Stadt zur universitas civium zusammengeschlossen und durch eine gemeinsame Mauer verbunden waren, erwarb der Rat 1322 ein Anwesen vom Kloster Heilsbronn und erweiterte das Areal später durch Zukäufe von Häusern und Umnutzung für Verwaltungszwecke nach Norden.

Der Saalbau auf der Südseite, der im Obergeschoss den großen Rathaussaal enthält, entstand als ältester Teil des Gebäudekomplexes 1332–1340 unter Regie des Stadtbaumeisters Philipp Groß. An den Saalbau des 14. Jahrhunderts schlossen zwei Annexbauten entlang dem Rathaushof nach Norden an, von denen der mit der Ratsstube an der Ostseite erhalten blieb.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts nahm der Rat der Stadt eine umfangreiche Erneuerung des Rathauses in Angriff. Der sogenannte Ratsstubenbau mit der spätgotischen Vorhangfassade wurde von Hans Beheim d. Ä. 1514–1515 im Norden errichtet. Die Fassadenbemalung wurde 1521 durchgeführt, die Ausmalung des großen Saales wurde wohl 1521 begonnen und 1528/30 beendet.

Mit dem Selbstbewusstsein einer florierenden Reichsstadt entschloss man sich knapp 100 Jahre später zum Neubau in der Architektur eines italienischen Palastes. Nach Vorplanungen und Konzeption durch den Stadtbaumeister Wolf Jacob Stromer, von Jakob Wolff dem Jüngeren als Vierflügelanlage geplant (deshalb auch Wolff'scher Bau genannt), geriet der Bau 1616–1622 dann doch nicht so italienisch. Zwar spielt die Horizontale, die in der Nürnberger Geschichte bis dahin unbekannt war, in dem langgestreckten Monumentalbau eine beherrschende Rolle; doch mit den in Italien vollkommen undenkbaren Zwerchhäusern kehrt die Dachregion wieder zur heimischen Senkrechten zurück. Die Grundsteine wurden 1616 und 1619 gelegt. Auf der Westseite opferte man ihm alle gotischen Bauelemente. Mit Beginn des Dreißigjährigen Krieges verlangsamten sich die Bauarbeiten und kamen 1622 zum Erliegen. Fertiggestellt und eingerichtet waren der Hauptbau im Westen sowie drei Trakte um den Rathaushof. Erst nach Ende des Krieges wurden die Gebäude komplett fertiggestellt. Bis heute prägt die Fassade das Rathaus.

Die Wände des kleinen Rathaussaales wurden 1825 im Zuge von Wiederherstellungsmaßnahmen durch Christian Friedrich Fues mit gemalten Bildnissen berühmter Nürnberger Stifter geschmückt. Der Magistrat ließ diesen Zyklus 1889/90 durch Historienbilder von Friedrich Wanderer ersetzen.

In der Nordostecke des großen Rathaushofes und an der Südseite der Theresienstraße, wurden 1885-89 nach Plänen von August Essenwein Neubauten im neugotischen Stil errichtet. Hans Pylipp baute, etwa zeitgleich, anstelle des alten Fünferhauses am Fünferplatz ein neues Ämtergebäude. Heinrich Wallraff lehnte seine 1907-10 nördlich der Theresienstraße entstandenen Neubauten an die Nürnberger Renaissance des 16. Jahrhunderts an. Dafür wurden unter anderem Gebäudeteile des ehemaligen Dominikanerklosters abgerissen.

1944/45 brannte nach Bombentreffern der gesamte Rathauskomplex bis auf die Umfassungsmauern aus. Erst 1956-62 wurde unter der Leitung von Harald Clauß das alte Rathaus auf dieser Ruine wieder aufgebaut.

Literatur

  • Matthias Mende: Das Alte Nürnberger Rathaus. Baugeschichte und Ausstattung des großen Saales und der Ratsstube, Nürnberg 1979 (= Stadtgeschichtliche Museen Nürnberg. 15).
  • Harald Clauß, Julius Lincke: Das Alte Rathaus und der Große Rathaussaal seit ihrer Kriegszerstörung
    • I. Harald Clauß: Die Wiederherstellung im Rohbau 1956/1958 und der Einbau der Gaststätte 1962
    • II. Julius Lincke: Planungen und Maßnahmen zur Wiederinstandsetzung des Innenraums 1977. In: Nürnberger Altstadtberichte, Hrsg.: Altstadtfreunde Nürnberg e.V., Heft 5 (1980)
  • Matthias Mende (Hg.): Albrecht Dürer - ein Künstler in seiner Stadt, Nürnberg 2000; passim auch zur Rathauserneuerung unter Albrecht Dürer (insb. S. 216 ff.).
  • Michael Diefenbacher, Rudolf Endres (Hsg.): Stadtlexikon Nürnberg. Verlag W. Tümmels, Nürnberg, 2. verb. Aufl. 2000, ISBN 3-921590-69-8

Siehe auch

Commons: Rathaus von Nürnberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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