Israelitische Kultusgemeinde Wien


Die Israelitische Kultusgemeinde Wien (IKG) ist die jüdische Gemeinde von Wien. Sie zählt heute rund 7.000 Mitglieder und repräsentiert seit je her fast das gesamte Judentum in Österreich, das nur in wenigen anderen Städten in Österreich kleinere Gemeinschaften (Israelitische Kultusgemeinden) zählt.
Die Wiener Gemeinde zählte vor dem Anschluss Österreichs an das Dritte Reich im Jahr 1938 rund 185.000 Mitglieder, von denen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nur wenige Tausend übrig blieben.
Geschichte
- Hauptartikel: Geschichte der Juden in Österreich sowie Jüdisches Leben in Wien
Die Geschichte der jüdischen Bevölkerung von Wien geht zurück bis zu der Römerzeit. Die jüdische Bevölkerung von Wien konnte sich auf Grund von antisemitischen Diskriminierungen von staatlicher und bürgerlicher Seite nicht organisieren. Erst mit dem Toleranzpatent von Kaiser Joseph II. konnte sich die Situation verbessern.
Erst nach 1848 kam es zur Emanzipierung der jüdischen Bevölkerung. In einer Ansprache am 3. April 1849 verwendete der junge Kaiser Franz Joseph I. die Worte: „Israelitische Gemeinde von Wien“. Drei Jahre später trat 1852 ein provisorisches Gemeindegesetz in Kraft, dieses Jahr wird als das Gründungsjahr der Wiener Kultusgemeinde angesehen.
In dem bereits existierenden Baukomplex des Wiener Stadttempels in der Seitenstettengasse wurden die Räumlichkeiten und Büros der Kultusgemeinde eingerichtet.
Mit dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938 wurde die Israelitische Kultusgemeinde von den Nationalsozialisten zugemacht, die Räumlichkeiten wurden geschlossen. Kurz danach durfte die Gemeinde wieder aufmachen, unter dem Namen „Jüdische Gemeinde Wien“. Dieser Name blieb Bestand bis zum Ende des Krieges, seit 1945 nennt sich die Gemeinde wieder „Israelitische Kultusgemeinde Wien“.
Am 29. August 1981 fand ein Terroranschlag mit Handgranaten und Schusswaffen auf die Synagoge in der Seitenstettengasse statt, es gab 2 Tote und 21 Verletzte. Es wird davon ausgegangen, dass der Anschlag auf das Konto der palästinensischen Extremistengruppe Fatah Revolutionärer Rat des Terroristen Abu Nidal geht. Seither herrschen strenge Sicherheitsvorkehrungen am Eingang, die Seitenstettengasse wird von der Polizei geschützt.[1]
Organisation
Die Kultusgemeinde bietet ihren Mitgliedern verschiedene Dienstleistungen in sozialen, religiösen und Bildungsangelegenheiten an. Präsident der Kultusgemeinde ist Ariel Muzicant, Oberrabbiner ist Paul Chaim Eisenberg.
Einzigartig für alle israelitischen Kultusgemeinden in Europa bietet die Kultusgemeinde durch die „Anlaufstelle der IKG Wien“ für Holocaust-Überlebenden in und aus Österreich Unterstützung und Rat in Sachen Restitution und Entschädigungszahlungen für Betroffene und ihre Angehörigen.
Präsidenten der IKG Wien seit 1853
- Leopold Edler von Wertheimstein (1853 - 1863)
- Josef Ritter von Wertheimer (1864 - 1867)
- Jonas Freiherr von Königswarter (1868 - 1871)
- Ignaz Kuranda (1872 - 1884)
- Moritz Ritter von Borkenau (1884 - 1885)
- Arminio Cohn (1886 - 1890)
- Wilhelm Ritter von Gutmann (1891 - 1892)
unbesetzt (1893 - 1896)
- Gustav Simon (1896 - 1897)
- Heinrich Klinger (1897 - 1903)
- Alfred Stern (1904 - 1918)
Neuwahlen 1920 (zum ersten mal Proportionalwahlrecht)
- Alois Pick (1920 - 1932)
- Desider Friedmann (im KZ Auschwitz ermordet) 1933 -
- David Brill (1946 - 1948)
- Kurt Heitler (September 1950 - Mai 1951)
- David Shapira (1948 - 1952)
- Emil Maurer (1952 - 1963)
- Ernst Feldsberg (1963 - 1970)
- Anton Pick (1970 - 1981)
- Ivan Hacker (1982 - 1987)
- Paul Grosz (1987 - 1998)
- Ariel Muzicant (1998 - )
Rabbiner der IKG Wien seit 1824
- Isaak Noah Mannheimer (1824 - 1865)
- Adolf Jellinek (1865 - 1893)
- Moritz Güdemann (1894 - 1918)
- Zwi Perez Chajes (1918 - 1927)
- David Feuchtwang - Oberrabbiner (1933 - 1936)
- Israel Taglicht - provisorischer Oberrabbiner (1936)
- I. Öhler - Prediger am Wiener Stadttempel (1946)
- Akiba Eisenberg - Oberrabbiner (1948 - 1983)
- Paul Chaim Eisenberg - Oberrabbiner (seit 1983)
Archiv
Das Archiv der Wiener Kultusgemeinde ist eines der bedeutendsten im deutschsprachigen Raum. Es reicht zurück zu den Anfängen im 19. Jahrhundert und beinhaltet Dokumentationen während der Nazizeit, wie Personalkarteien. Eine große Ausstellung über das Archiv mit dem zweideutigen Titel Ordnung muss sein wird im Jüdischen Museum Wien bis Herbst 2007 gezeigt.
Einzelnachweise
Weblinks
- IKG Wien
- Anlaufstelle der IKG Wien
- Jüdisches Museum Wien | Ordnung muß sein, Das Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Ausstellung 4. Juli 2007 - 21. Oktober 2007 im Palais Eskeles