Matthäus Schiner
Matthäus Schiner (* 1465 in Mühlebach bei Ernen; † 1522 in Rom) war Bischof von Sitten.
Schiner galt als Mann, ausgestattet mit glänzenden Gaben des Geistes, der in großen Dimensionen dachte, europäische Politik machte und in steiler Karriere zu höchsten Ämtern aufstieg.
Er wurde 1489 in Rom nach Studien an der Domschule in Sitten und in Como zum Priester geweiht. 1496 wurde er Pfarrer und Kaplan von Ernen sowie Sekretär 1492 des Volksführers Jörg auf der Flüe (Georg Supersaxo), seines Protektors und späteren erbitterten politischen Gegners. Schiner beteiligte sich an der Absetzung des unbeliebten Sitteners Fürstbischofs Jost von Silenen (1482-1496), der im Wallis als Statthalter Frankreichs auftrat. 1499 wurde Schiner von Papst Alexander Vl. zum Bischof des Bistums Sitten ernannt. Schiner trat mit seiner ganzen Macht den Franzosen entgegen. Im Frieden von Arona (1503) sicherte er der Schweiz den Besitz von Bellinzona und von Blenio. Die Eidgenossen motivierte er zu einem Bündnis mit Papst Julius II. und vertrieb mit ihrer Hilfe die Franzosen aus Italien.
Für diese Tat gab der Papst den Eidgenossen den Ehrentitel "Befreier Italiens und Beschützer der Kirche". Nach der Niederlage von Marignano (Schlacht bei Marignano) (1515) zog er nach Rom. Bei der Papstwahl nach dem Tode Leos X. erhielt er eine erhebliche Anzahl von Stimmen. Auf Grund des Widerstandes von Seiten der Frankreich treuen Kardinäle wurde Schiner nicht zum Papst gewählt. Er starb 1522 in Rom an der Pest.
Kardinal Matthäus Schiner ist zu den ganz großen und ehrenvollen Kirchenmännern zu zählen.
Literatur
- Albert Büchi (Hrsg.), Korrespondenzen und Akten zur Geschichte des Kardinals Matth. Schiner I-II (Quellen zur Schweizer Geschichte. Neue Folge. III. Abt.: Briefe und Denkwürdigkeiten 5-6), Basel 1920-1925
- Ders., Kardinal Matthäus Schiner als Staatsmann und Kirchenfürst. Ein Beitrag zur allgemeinen schweizerischen Geschichte von der Wende des XV.-XVI. Jahrhunderts. Band I: (bis 1514) (Collectanea Friburgensia. Neue Folge 18, Zürich 1923), Band II: (1515-1522) Aus dem Nachlass hrsg. von Emil Franz Josef Mülle (Collectanea Friburgensia. Neue Folge 23), Freiburg-Leipzig 1937
- Paul de Chastonay, Kardinal Schiner. Führer in Kirche und Staat, Luzern 1938
- Rudolf Trabold, Matthäus Schiner - Ein Schweizer im Purpur, historischer Roman, Bern 1942
Weblinks
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Schiner, Matthäus |
| KURZBESCHREIBUNG | Bischof von Sitten |
| GEBURTSDATUM | 1465 |
| GEBURTSORT | Mühlebach |
| STERBEDATUM | 1522 |
| STERBEORT | Rom |