Struktur der NSDAP
Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) war offiziell hierarchisch aufgebaut. Sie hatte eigene umfassende Strukturen und konkurrierte in der Zeit des Nationalsozialismus in außergewöhnlich hohem und weltweit einmaligem Maße mit den Strukturen des Staates (siehe auch: Abwandlung der offiziellen Struktur in der Praxis weiter unten).
Führungsstab
An der Spitze stand der Vorsitzende („Der Führer“); er war mit absoluter Macht ausgestattet und hatte die volle Befehlsgewalt. Alle anderen Parteiämter waren seiner Position untergeordnet und mussten sich nach seinen Weisungen richten. Dabei hatte der Führer Adolf Hitler ein eigenes Organ, die „Kanzlei des Führers“. Diese wurde aber erst 1934 gegründet.
Der staatlichen Kanzlei des Führers entsprach der Stab des „Stellvertreters des Führers“ (diesen hatte Rudolf Hess vom 21. April 1933 bis zum 10. Mai 1941 inne). Der Stab („Stab des Stellvertreters des Führers“, später „Parteikanzlei“, Leiter ab dem 10. Oktober 1933: Martin Bormann) und einen „Verbindungsstab“, der die Verbindung zum Staat vermittelte.
Dem Stellvertreter des Führers waren 18 Reichsleiter mit ihren Reichsämtern und Reichsstellen untergeordnet. Somit war die Funktion des Stellvertreters des Führers praktisch das zweithöchste Amt, welches man in der NSDAP erreichen konnte.
Die 18 Reichsleiter
Reichsleiter war eines der höchsten parteipolitischen Ämter der NSDAP. In der Parteihierarchie unterstanden die Reichsleiter entweder ausschließlich dem Führer Adolf Hitler oder dessen Stellvertreter, in deren Auftrag sie ihnen zugewiesene Aufgaben im gesamten Reichsgebiet erfüllten. Die 18 Reichsleiter bildeten die Reichsleitung der NSDAP, die ihren Sitz zunächst im so genannten Braunen Haus in München hatte. Einige Reichsleiter hatten auch im Kabinett Hitler einen Sitz.
Die 12 Reichsleiter ohne Machtbefugnisse über an die Partei angeschlossene Verbände, Organisationen oder Gliederungen im Einzelnen (Ämter und Aufgaben selektiert und nicht immer die bestehende Zeit des Amtes über):
- Reichsschatzmeister der NSDAP (Aufgabe: „Leitung und Kontrolle der Finanzen der ganzen Bewegung“ zeitgenössische Ausdrucksweise)
- Franz Xaver Schwarz (ab Februar 1925; Reichsleiter und SS-Ehren- und Oberstgruppenführer)
- untergeordnete Abteilungen und Ämter:
- Revisions- und Haushaltsamt
- Reichszeugmeisterei
- Hilfskasse
- Verwaltungs-, Rechts-, Steuer-, Liegenschafts- und Vertragsangelegenheiten
- Hauptkasse
- Hauptbuchhaltung
- Personalabteilung
- Aufnahmeabteilung
- Zentralkarteiabteilung
- Hausinspektion
- Häuser- und Grundstücksverwaltung
- Bauleitung
- Lotterie
- Parteizentralarchiv
- Der Chef der Kanzlei des Führers und Vorsitzender der parteiamtlichen Prüfungskommission zum Schutze des NS-Schrifttums, davor Reichsgeschäftsführer der NSDAP
- Philipp Bouhler (ab 2. Juni 1933; Reichsleiter, SS-Ehren- und Obergruppenführer und Leiter der Aktion T4)
- untergeordnete Abteilung:
- Der Stabsleiter des Stellvertreters des Führers, danach Leiter der Parteikanzlei
- Martin Bormann (ab 10. Oktober 1933; Leiter der Parteikanzlei, Stabsleiter bei Rudolf Heß, SS-Ehren- und Gruppenführer und Sekretär des Führers)
- Der Vorsitzende des Obersten Parteigerichts der NSDAP
- Walter Buch (Reichsleiter, SS-Ehren- und Obergruppenführer)
- untergeordnetes Organ:
- 1. Kammer des Obersten Parteigerichts
- Der Stellvertretende Vorsitzender des Obersten Parteigerichts/Der Vorsitzende der 2. Kammer des Obersten Parteigerichts
- Wilhelm Grimm (ab 1932; Reichsleiter, Gauleiter, SS-Ehren- und Gruppenführer, Generalleutnant der Polizei, MdR und Studentenführer der Universität Halle)
- untergeordnetes Organ:
- 2. Kammer des Obersten Parteigerichts
- Der Reichspropagandaleiter
- Gregor Strasser (ab 1926 bis 9. Januar 1929; Reichsleiter, Gauleiter und Gründer der NSDAP/AO)
- Joseph Goebbels (ab 1929; Reichsleiter und Gründer der Reichskulturkammer)
- untergeordnete Abteilungen und Ämter:
- Amt für Aktive Propaganda
- Amt für Rundfunk
- Amt für Film
- Amt für Kultur
- Verbindungsstab („Amt für [den] Verbindungsstab“ ??)
- Der Leiter der Parteipresse der NSDAP/Der Reichsleiter für die Presse
- Max Amann (ab 1922; Reichsleiter, Präsident der Reichspressekammer, Direktor des Franz-Eher-Verlages und SS-Ehren- und Obergruppenführer)
- untergeordnete Abteilung:
- Verwaltungsamt
- Der Reichspressechef der NSDAP
- Dr. Otto Dietrich (Reichsleiter, Vizepräsident der Reichspressekammer, Staatssekretär im RMVP und SS-Ehren- und Obergruppenführer
- untergeordnete Abteilungen und Ämter:
- Reichspressestelle der NSDAP
- Hauptbüro der Reichspressestelle der NSDAP
- Pressepolitisches Amt der Reichspressestelle der NSDAP
- Der Leiter des Wehrpolitischen Amtes, danach Der Leiter des Kolonialpolitischen Amtes der NSDAP
- Franz Xaver Ritter von Epp (ab 31. August 1933; Reichsleiter, Reichsstatthalter in Bayern und General der Infanterie)
- Der Leiter des Amtes für Agrarpolitik, dann Reichsbauernführer
- Richard Walther Darré (ab 1933 bis 1943 (evtl. auch Mai 1942); Reichsleiter, MdR, SS-Ehren- und Obergruppenführer und Leiter des RuSHA)
- Herbert Backe (ab 1943; Reichsleiter und Reichsernährungsminister)
- untergeordnete Abteilungen:
- Agrarpolitischer Apparat
- Agrarwirtschaft
- Presse
- Schulung und Bauernkultur
- Forstwirtschaft
- Werbung
- Siedlung
- Der Führer der Reichstagsfraktion
- Wilhelm Frick (ab 10. Oktober 1933; Reichsleiter, Reichsinnenminister und MdR)
- Der Schriftführer der NSDAP, danach Der Leiter des Hauptamts für Kommunalpolitik
- Karl Fiehler (Reichsleiter, SS-Ehren- und Gruppenführer und OB von München)
Die 3 Reichsleiter mit Machtbefugnissen über an die Partei angeschlossene Verbände und Organisationen:
- Der Leiter des Außenpolitischen Amtes und Beauftragte des Führers für die gesamte geistige und weltanschauliche Erziehung der NSDAP
- Alfred Rosenberg (Reichsleiter, Chefredakteur und Herausgeber des Völkischen Beobachters und Reichsminister für die besetzten Ostgebiete)
- untergeordnete Abteilungen und Ämter:
- Länderreferate
- Akademischer Austauschdienst
- Außenhandel
- Presse
- Amt des Beauftragten [des Führers] für die [Überwachung der] gesamte[n] geistige[n] und weltanschauliche[n] Erziehung der NSDAP (Leitung der Organisation NS-Kulturgemeinde), auch: „Amt Rosenberg“ (nach dem Leiter Alfred Rosenberg)
- Schulung
- Erziehung
- Weltanschauliches Archiv
- Presse
- Schrifttumspflege
- Vorgeschichte
- Wissenschaft
- Der Leiter des Reichsrechtsamtes
- Hans Frank (Reichsleiter, Justizminister von Bayern, Präsident der Akademie für Deutsches Recht, Reichsminister ohne Geschäftsbereich und Generalgouverneur von Polen)
- untergeordnete Abteilungen (Reichsrechtsamt: Leitung des Verbandes NS-Juristenbund):
- Rechtsverwaltung
- Rechtspolitik
- Rechtsbetreuung des deutschen Volkes
- NS-Juristen
- Schulung
- Rechtsschrifttum
- Presse
- NS-Fürsorge
- Der Stabsleiter der Politischen Organisation der NSDAP, danach Der Reichsorganisationsleiter
- Gregor Strasser (ab 1928 bis 8. Dezember 1932; Ämter siehe oben)
- Robert Ley (ab 8. Dezember 1932; Reichsleiter, Leiter der Deutschen Arbeitsfront, MdR)
- untergeordnete Ämter:
- Hauptstabsamt
- Hauptpersonalamt
- Hauptorganisationsamt
- Amt für Ausbildungswesen
- Statistisches Amt
- Prüfstelle für Beschaffungsvorhaben
- Reichsschulungsamt
- Amt für Ständischen Aufbau (nicht: Amt für Ständigen Aufbau !!)
- Hauptamt für Kommunalpolitik (Leitung der Organisation Deutscher Gemeindetag)
- Hauptamt für Beamte (Leitung des Verbandes Reichsbund der Deutschen Beamten)
- Hauptamt für Erzieher (Leitung des Verbandes NS-Lehrerbund (NSLB))
- Hauptamt für Kriegsopfer (Leitung des Verbandes NS-Kriegsopferversorgung (NSKOV))
- Hauptamt für Volksgesundheit (Leitung des Verbandes NSD-Ärztebund (NSDÄB))
- Hauptamt für Technik (Leitung des Verbandes NS-Bund Deutscher Techniker, hieß später NS-Bund Deutscher Technik)
- Hauptamt für Volkswohlfahrt (Leitung des Verbandes NS-Volkswohlfahrt (NSV))
- Hauptamt NSBO und Hauptamt NS-Hago (Leitung des Verbandes Deutsche Arbeitsfront (DAF))
- Hauptamt NS-Frauenschaft (Leitung der Organisation Deutsches Frauenwerk sowie der Gliederung NS-Frauenschaft)
Die 3 Reichsleiter mit Machtbefugnissen über drei weitere Gliederungen der Partei:
- Der Reichsführer SS (direkt dem Führer unterstellt)
- Heinrich Himmler (ab 6. Januar 1929 bis 29. April 1945; Reichsleiter, Chef der Polizei, des SDs und der Gestapo)
- untergeordnete Gliederung:
- Schutzstaffel SS, dazu interessant: Organisationsstruktur der SS
- Der Stabschef der SA (direkt dem Führer unterstellt)
- Ernst Röhm (von 1922 bis 30. Juni 1934; Reichsleiter)
- Viktor Lutze (ab 30. Juni 1934 bis 2. Mai 1943; Reichsleiter)
- Wilhelm Schepmann (ab 18. August 1943; Reichsleiter)
- untergeordnete Gliederung:
- Sturmabteilung SA
- Der Reichsjugendführer
- Baldur von Schirach (ab 1932 bis 7. August 1940; Reichsleiter)
- Arthur Axmann (ab 7. August 1940; Reichsleiter)
- untergeordnete Gliederung:
- Hitlerjugend HJ (darin enthalten: HJ im engeren Sinne und Jungvolk (beide gegliedert in „Gebieten“) sowie BDM (Bund Deutscher Mädel) und Jungmädel (beide gegliedert in „Obergauen“))
Als Organisation gab es noch zusätzlich den Reichsbund der Kinderreichen, welcher vom Rassenpolitischen Amt betreut wurde. Eine Gliederung, die unter Führung eines Reichsamtsleiters agierte und dem Stellvertreter des Führers unterstellt war, war der NSD-Studentenbund NSDStB. Eine Gliederung, die dem Korpsführer unterstellt war, war das NS Kraftfahrerkorps NSKK. Der Korpsführer war direkt dem Führer unterstellt.
Ab Juli 1935 kam zu den sechs Gliederungen der NS-Dozentenbund (NSDDB) hinzu. Zu den acht Verbänden zählte ab 1944 der von da an in die Partei eingegliederte Reichsluftschutzbund.
Die an die Partei angeschlossenen, letztendlich neun Verbände (= NS-Juristenbund, Reichsbund der Deutschen Beamten, NS-Lehrerbund, NS-Kriegsopferversorgung, NSD-Ärztebund, NS-Bund Deutscher Technik, NS-Volkswohlfahrt, die Deutsche Arbeitsfront sowie ab 1944 noch den Reichsluftschutzbund) hatten eine eigene Rechtspersönlichkeit und eigenes Vermögen. Die letztendlich sieben Gliederungen (= NS-Frauenschaft, NSD-Studentenbund, SA, SS, NSKK, HJ und ab 1935 noch der NSD-Dozentenbund) hatten dabei keine Rechtspersönlichkeit genauso wenig wie die vier Organisationen (= NS-Kulturgemeinde, Reichsbund der Kinderreichen, Deutscher Gemeindetag sowie das Deutsche Frauenwerk).
Der Aufbau der Verbände und Organisationen entsprach dem der Partei. Juristisch festgelegt wurde der Aufbau der NSDAP in Gliederungen und in Verbände, inklusive zustehender Rechtspersönlichkeiten und Vermögen, in der „Verordnung zur Durchführung des Gesetzes zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat“ vom 29. März 1935. [1]
Weitere Organisationen unter nationalsozialistischem Einfluss
Organisationen, die teilweise schon vor der Gründung der NSDAP bestanden und meistens nicht von der NSDAP gegründet wurden, wurden häufig umbenannt und für NSDAP-Zwecke benutzt. Sie unterstanden meistens auch einem Amt in der Verwaltungsapparatur eines Reichsleiters oder direkt einem Verband. Zu diesen Organisationen gehören z.B. (Auswahl):
- „Deutsche Christen“-Bewegung
- Deutsche Glaubensbewegung
- Deutsche Jägerschaft (ab 1935; Flagge)
- Deutsches Rotes Kreuz
- Deutsche Studentenschaft
- NS-Altherrenbund (ab 1938, vorher: NS-Studenten-Kampfhilfe)
- NS-Rechtswahrerbund (evtl. Verband)
- NS-Reichsbund deutscher Schwestern (bis 1942 NSV-Schwesternschaft und Reichsbund Deutscher Schwestern; Nähere Informationen zur Geschichte)
- NS-Reichsbund für Leibesübungen
- NS-Reichskriegerbund (bestand bis zum 3. März 1943, bis 1938 Kyffhäuserbund)
- Opferring (evtl. Gliederung)
- Rassenpolitisches Amt (unterstand dem Stellvertreter des Führers)
- RAD
- Reichsbund Deutsche Familie (auch: Kampfbund für den Kinderreichtum der Erbtüchtigen)
- Reichsdozentenschaft
- Reichskolonialbund
- Technische Nothilfe
- Volksbund für das Deutschtum im Ausland
Die Liste der verbotenen Organisationen, Verbände und Gliederungen sind nachzulesen und festgesetzt im Kontrollratsgesetz Nr. 2; in diesem Gesetz kann auch ein Überblick über den Umfang der NSDAP-Organisationen gewonnen werden.
Die 43 Gaue (1941) inkl. Gauleiter
Die NSDAP teilte Deutschland z. T. bereits vor 1933 in zunächst 33, später 43 Bezirke, die in Anlehnung an einen Begriff aus der deutschen Frühgeschichte Gaue genannt wurden. Die Gaue entsprachen den damaligen Reichstagswahlkreisen und waren nach 1933 häufig auch Ersatz für die Kreise der Länder, welche durch die Gleichschaltungsgesetze (insbesondere durch das zweite Gesetz zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich vom 7. April 1933) in ihren Rechten erheblich beschränkt wurden.
Jedem Gau stand ein Gauleiter vor. Er war in der Organisationsstruktur der NSDAP der regionale Verantwortliche der Partei und trug damit die politische Verantwortung für seinen Hoheitsbereich. Er erhielt die vollständige Disziplinargewalt und das Aufsichtsrecht über alle parteieigenen Organisationen und Verbänden in seinem Gebietsbereich. Dies führte natürlich auch zu Kompetenzstreitigkeiten mit den Reichsleitern, die ja die gesamte Führung der jeweiligen Partei-Organisation bzw. des jeweiligen Partei-Verbandes auf sich vereinigen konnten bzw. wollten. Einige Gauleiter erhielten große Macht in ihren Regionen (siehe dazu weiter unten: Abwandlung der offiziellen Struktur in der Praxis). Verantwortlich dafür war die Übertragung der regionalen Organisations- und Verbandsleitung auf den Verwaltungsapparat des Leiters des Gauamtes, der dem Gauleiter unterstellt war. Dadurch wurden die Gauleiter unter Umständen ziemlich unwichtig, da die Münchner NSDAP-Reichsleitung ihre fachspezifischen Interessen (etwa die wichtigen wie Propaganda) beim Verwaltungsapparat des Gauamtes durchbringen konnten und der Gauleiter über seine Verwaltung also kaum mehr Befugnisse in diesen Bereichen hatte.
Das partielle Gegenstück zu einem Gau der Partei war im Staatswesen später (nach 1938) der Reichsgau.
Fast alle Gauleiter waren Mitglied in SA oder SS. Die Gauleiter waren in den meisten Fällen schon vor 1933 in der NSDAP vertreten und Hitler persönlich bekannt und wurden auch deswegen von ihm ausgewählt. Oft waren sie gleichzeitig Reichsstatthalter oder Oberpräsidenten. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939 wurden die Gauleiter zu Reichsverteidigungskommissaren und ab Oktober 1944 auch Verantwortliche für die Aufstellung des Volkssturms.
Tabelle der Gaue von 1941 inklusive vorheriger Strukturen und Leiter
(Die Angaben wurden so weit wie möglich rekonstruiert – ohne Gewähr)
| Nr. | Gau | Verwaltungssitz | Fläche (km²) |
Einwohner (1941) |
Gauleiter (exkl. Stellvertreter) |
| 01 | Baden; (sollte Reichsgau und mit dem Elsass zusammengelegt werden) | Karlsruhe | 15.090 | 2.502.023 | Robert Wagner, ab 1925 (später auch Reichsstatthalter) |
| 02 | Bayerische Ostmark, bis 19. Januar 1933 Gaue Oberfranken (Leiter ab 1928 Hans Schemm) und Niederbayern- Oberpfalz (Leiter von 1925 bis 30. September 1928 Gregor Strasser), am 1. Oktober 1928 Aufspaltung in Gaue Niederbayern (Leiter vom 1. Oktober 1928 bis 1929 Gregor Strasser, danach ab 1929 bis 1. April 1932 Otto Ebersdobler) und Oberpfalz (Leiter vom 1. Oktober 1928 bis 1. April 1932 Franz Maierhofer), Zusammenschluss zu Gau Niederbayern-Oberpfalz erfolgte wieder am 1. April 1932 (Leiter vom 1. April 1932 bis 19. Januar 1933 Franz Maierhofer)), danach Bayerische Ostmark, Umbenennung in Gau Bayreuth 1943 | Bayreuth | 29.600 | 2.370.658 | Hans Schemm vom 19. Januar 1933 bis 5. März 1935, danach ab 1935 Fritz Wächtler |
| 03 | Groß-Berlin, von 1925 bis 30. September 1928 Gau Berlin-Brandenburg, Gau Brandenburg (siehe Gau Mark Brandenburg, Nr. 16) und Gau Berlin wurden am 1. Oktober 1928 verselbstständigt (Leiter Brandenburgs von 1928 bis 1930 Emil Holtz und von 1930 bis 1933 Dr. Ernst Schlange), Umbenennung in Groß-Berlin | Berlin | 884 | 4.338.756 | Dr. Ernst Schlange von 1925 bis 1926, danach ab 1. November 1926 Dr. Joseph Goebbels (Reichsminister) |
| 04 | Danzig-Westpreußen, bis 1939 Gau Danzig; (Reichsgau) | Danzig | 26.057 | 2.287.394 | Hans Albert Hohnfeldt von 1926 bis 1928, danach von 1928 bis 1930 Maas, danach ab 15. Oktober 1930 Albert Forster |
| 05 | Düsseldorf | Düsseldorf | 2.672 | 2.261.909 | Friedrich Karl Florian ab 1. August 1930 |
| 06 | Essen | Essen | 2.825 | 1.921.326 | Josef Terboven (Oberpräsident) ab 1928 |
| 07 | Franken (1925 bis 1929 Gau Nürnberg-Fürth-Erlangen, danach Zusammenschluss mit Gau Mittelfranken 1929) | Nürnberg | 7.618 | 1.077.216 | Wilhelm Grimm ab dem 3. September 1928, danach von 1929 bis 1940 Julius Streicher („Frankenführer“, u.a., da ab 1925 Gauleiter von Gau Mittelfranken), danach ab 16. Februar 1940 bis 1942 Hans Zimmermann, danach ab 19. März 1942 Karl Holz |
| 08 | Halle-Merseburg | Halle an der Saale | 10.202 | 1.578.292 | von 1925 bis 30. Juli 1926 Walter Ernst 1. August 1926 bis 1927, danach von 1927 bis 1930 Paul Hinkler, danach von 1930 bis zum 20. April 1937 Rudolf Jordan, danach ab 20. April 1937 Joachim Albrecht Eggeling |
| 09 | Hamburg | Hamburg | 747 | 1.711.877 | Joseph Klant von 1925 bis 1926, danach von 1927 bis 1928 Albert Krebs, danach von 1928 bis zum 15. April 1929 Hinrich Lohse, danach ab 15. April 1929 Karl Kaufmann |
| 10 | Hessen-Nassau, entstanden 1933 aus den Gauen Hessen-Nassau-Süd (Leiter von 1925 bis 1926 Anton Haselmayer, danach von 1926 bis 1927 Prof. Dr. Walter Schultz, danach von 1927 bis 1933 Jakob Sprenger) und Hessen-Darmstadt (Leiter vom 1. März 1927 bis 9. Januar 1931 Friedrich Ringshausen, danach nur 1931 Peter Gemeinder, danach von 1932 bis 1933 Karl Benz) | Frankfurt am Main | 15.030 | 3.117.266 | Jakob Sprenger ab 1933 |
| 11 | Kärnten (Reichsgau) | Klagenfurt | 11.554 | 449.713 | Peter Feistritzer (oder Feistritzner bzw. Feist-Ritzner) von Oktober 1936 bis 20. Februar 1938, danach von 1938 bis 1940 Hubert Klausner, danach von 1940 bis 1941 Franz Kutschera, danach von 1942 bis 1944 Friedrich Rainer |
| 12 | Köln-Aachen, vorher zusammen mit Gau Koblenz-Trier Gau Rheinland-Süd (Leiter 1925 Heinrich Haake (öfters auch: Heinz Haake), danach von 1925 bis 1931 Robert Ley), ab 1942 Beitritt zu Gau Moselland | Köln | 8.162 | 2.432.095 | Joseph Grohé ab 1931 |
| 13 | Kurhessen, wahrscheinlich Beitritt von Gau Hessen-Nassau-Nord 1934 | Kassel | 9.200 | 971.887 | Prof. Dr. Walter Schultz von 1926 bis 1927, danach von 1928 bis 1943 Karl Weinrich, danach ab 1943 Karl Gerland |
| 14 | Magdeburg-Anhalt, Bildung 1927 aus den Gauen Anhalt (GL Gustav Hermann Schmischke) und Elbe-Havel (Leiter vom 25. November 1925 bis 1926 Alois Bachschmidt) | Dessau | 13.910 | 1.820.416 | Gustav Hermann Schmischke von 1925 bis 1928, danach von 1927, mit kurzer Unterbrechung durch Paul Hofmann 1933, bis 23. Oktober 1935 Wilhelm Friedrich Loeper, danach von 1935 bis 1937 Joachim Albrecht Leo Eggeling, danach ab 1937 Rudolf Jordan |
| 15 | Mainfranken, bis 1935 Gau Unterfranken | Würzburg | 8.432 | 840.663 | Dr. Otto Hellmuth ab 3. September 1928 |
| 16 | Mark Brandenburg, Vereinigung von Gau Ostmark (Leiter vom 2. Januar 1928 bis 1933 Wilhelm Kube) und Brandenburg (Leiter von 1928 bis 1930 Emil Holtz und von 1930 bis 1933 Dr. Ernst Schlange) zu Kurmark am 1. Juni 1933. Ab 1940 wurde der Gau Kurmark umbenannt in Gau Mark Brandenburg | Berlin | 38.278 | 3.007.933 | Wilhelm Kube von 1933 bis 1936, danach ?, danach ab 1939 Emil Stürtz |
| 17 | Mecklenburg | Schwerin | 15.722 | 900.427 | Friedrich Hildebrandt ab 1925 mit Unterbrechung durch Dr. Herbert Albrecht von Juli 1930 bis 1931 |
| 18 | Moselland, Eintritt von Gau Koblenz-Trier 1942 | Koblenz | 11.876 | 1.367.354 | Gustav Simon ab 1. Juni 1931 |
| 19 | München-Oberbayern, wahrscheinlich bis 1933 Gaue Oberbayern und Groß-München, so genannter „Traditionsgau“ | München | 16.411 | 1.938.447 | Adolf Wagner von 1933 bis 1944, danach ab April 1944 Paul Giesler |
| 20 | Niederdonau, vorherige Bezeichnung Niederösterreich (Leiter von 1927-1937 Josef Leopold); (Reichsgau) | Gauhauptstadt: Krems, Verwaltungssitz: Wien | 23.502 | 1.697.676 | Dr. Hugo Jury ab 1939 |
| 21 | Niederschlesien, vorher Gau Schlesien (mit Oberschlesien, Leiter vom 15. März 1925 bis 25. Dezember 1935 (evtl. auch nur bis 12. Dezember 1934) Helmuth Brückner, danach bis 1940 Josef Wagner) | Breslau | 26.985 | 3.286.539 | Karl Hanke ab 1940 |
| 22 | Oberdonau, vorher Gau Oberösterreich; (Reichsgau) | Linz | 14.216 | 1.034.871 | Andreas Bolek von Juni 1927 bis 1. August 1934, danach ab März 1935 August Eigruber |
| 23 | Oberschlesien, vorher Gau Schlesien (mit Niederschlesien, Leiter von 15. März 1925 bis 25. Dezember 1934 (evtl. 12. Dezember 1934) Helmuth Brückner, danach bis 1940 Josef Wagner) | Kattowitz | 20.636 | 4.341.084 | Fritz Bracht ab 27. April 1941. |
| 24 | Ost-Hannover, vorheriger Name (1925-1928) Lüneburg-Stade | Buchholz in der Nordheide, ab 1. April 1937 Lüneburg, zuvor Harburg | 18.006 | 1.060.509 | Bernhard Rust (1925 bis 1928), danach ab 1928 Otto Telschow |
| 25 | Ostpreußen | Königsberg in Preußen | 52.731 | 3.336.777 | Bruno Gustav Scherwitz von 1925 bis 1927, danach ab 1928 Erich Koch |
| 26 | Pommern | Stettin | 38.409 | 2.393.844 | Theodor Vahlen von 1925 bis 1927, danach von 1928 bis 1931 Walter von Corswant, danach von 1931 bis 1934 Wilhelm Karpenstein, danach ab 1935 Franz Schwede-Coburg |
| 27 | Sachsen | Dresden | 14.995 | 5.231.739 | um 1925/1926 Albert Wierheim, Martin Mutschmann ab 1925 |
| 28 | Salzburg (Reichsgau) | Salzburg | 7.153 | 257.226 | Leopold Malina 1926 bis ?? Karl Scharizer von 1932 bis 1934, danach von 1939 bis 1941 Dr. Friedrich Rainer, danach ab 1941 Gustav Adolf Scheel |
| 29 | Schleswig-Holstein | Kiel | 15.687 | 1.589.267 | Hinrich Lohse ab 1925 |
| 30 | Schwaben | Augsburg | 10.231 | 946.212 | Karl Wahl ab 1928 |
| 31 | Steiermark (Reichsgau) | Graz | 17.384 | 1.116.407 | Walther Oberhaidacher von 1928 bis 1934, danach vermutlich Sepp Helfrich, danach ab 1939 Siegfried Uiberreither |
| 32 | Sudetenland, bis 1939 Gau Sudetengau; (Reichsgau) | Reichenberg | 22.608 | 2.943.187 | Konrad Henlein ab 1939 |
| 33 | Süd-Hannover-Braunschweig | Hannover | 14.553 | 2.136.961 | Ludolf Haase von 1925 bis 1928, danach von 1928 bis 1940 Bernhard Rust, danach ab 1940 Hartmann Lauterbacher |
| 34 | Thüringen | Weimar | 15.763 | 2.446.182 | Artur Dinter von 1925 bis 1927, danach ab 1927 Fritz Sauckel |
| 35 | Tirol-Vorarlberg (Reichsgau) | Innsbruck | 13.126 | 486.400 | Franz Hofer ab 1932 |
| 36 | Wartheland, bis 29. Januar 1940 Gau Warthegau; (Reichsgau) | Posen | 43.905 | 4.693.722 | Arthur Karl Greiser ab 21. Oktober 1939 |
| 37 | Weser-Ems | Oldenburg (Oldb) | 15.044 | 1.839.302 | Carl Röver von 1929 bis 1942, danach ab 1942 Paul Wegener |
| 38 | Westfalen-Nord, entstanden aus Gau Ruhr (Leiter von 1926 bis 1929 Karl Kaufmann (Zusammenschluss von Gau Westfalen (Leiter von 1925-1926 Franz Pfeffer von Salomon) und Gau Rheinland-Nord (Leiter von 1925 bis 1926 Karl Kaufmann) 1926 zu Gau Ruhr), danach ab 1929 bis 1931 Josef Wagner), genauso wie Gau Westfalen-Süd 1932 | Münster in Westfalen | 14.559 | 2.822.603 | Gustav Alfred Julius Meyer von 1932 bis 1945 |
| 39 | Westfalen-Süd, entstanden aus Gau Ruhr (Leiter von 1926 bis 1929 Karl Kaufmann (Zusammenschluss von Gau Westfalen (Leiter von 1925-1926 Franz Pfeffer von Salomon) und Gau Rheinland-Nord (Leiter von 1925 bis 1926 Karl Kaufmann) 1926 zu Gau Ruhr), danach ab 1929 bis 1931 Josef Wagner), genauso wie Gau Westfalen-Nord 1932 | Bochum | 7.656 | 2.678.026 | Josef Wagner von 1932 bis 1941, Paul Giesler von 1941-1943/44, danach ab 1943/44 Albert Hoffmann |
| 40 | Westmark, ursprünglich Gau Saar-Pfalz bis 1937, welches 1935 entstand aus den Gauen Rheinland und Saarland (auch: Gau Saar, Leiter vom August 1929 bis 28. Februar 1933 Karl Brück); (sollte Reichsgau werden) | Neustadt an der Weinstraße, ab 1940 Saarbrücken | 7.417 | 1.892.240 | Josef Bürckel von 1926 bis 28. September 1944 (ab 1. März 1933 nicht nur von Gau Rheinland, sondern auch von Gau Saarland – obwohl es Gau Saar-Pfalz noch nicht gab), ab 28. September 1944 schließlich Willi Stöhr (manchmal auch Willy und/oder Stohr) |
| 41 | Wien (Reichsgau) | Wien | 1.216 | 1.929.976 | Alfred Eduard Frauenfeld von 1932 ca. bis spätestens 1938, danach von 1938 bis 1939 Odilo Globocnik, danach von 1939 bis 1940 Josef Bürckel, danach ab 1940 Baldur von Schirach |
| 42 | Württemberg-Hohenzollern | Stuttgart | 20.657 | 2.974.373 | Eugen Munder von 1925 bis 1928, danach ab 1928 Wilhelm Murr |
| 43 | Auslandsorganisation (Reichsgau) | Berlin | Hans Nieland von 1930 bis 1933, danach ab 8. Mai 1933 Ernst Wilhelm Bohle |

Weitere Gaue:
- Reichsgau Flandern, bestand ab 15. Dezember 1944 (Leiter im deutschen Exil: Dr. Jef van de Wiele)
- Reichsgau Wallonien, bestand ab 8. Dezember 1944 (Leiter im deutschen Exil: Léon Degrelle)
Gauwinkel
Ein Gauwinkel wurde verwendet, um den Träger einem angehörigen Gau zuordnen zu können. Heute wird das Symbol von Rechtsextremisten verwendet.
Aufteilung der Partei unterhalb der Gaue
Die Gaue wurden nochmals unterteilt und zwar in Kreise mit Kreisleitung und Kreisleiter, darunter in Ortsgruppen mit Ortsgruppenleitung und Ortsgruppenleiter. Diese waren wiederum in acht Zellen mit je einem Zellenleiter untergliedert. Darunter gab es als kleinste Einheit jeweils vier bis acht sogenannte Blocks (ca. 40-60 Haushalte) mit eigenem Leiter, der im Volksmund meist als Blockwart bezeichnet wurde. Wenn man berücksichtigt, dass die NS-Volkswohlfahrt sich an der Parteiorganisation in ihrer eigenen Organisation orientierte, wird bei der bekannten Aufstellung der Strukturen der NS-Volkswohlfahrt deutlich, wie umfangreich die Partei organisiert war: 40 Gau-, 813 Kreis-, 26.138 Ortswaltungen, 97.161 Zellen und 511.689 Blocks (Mitte 1939).
Kreisleiter
Der Kreisleiter war der vorstehende Leiter eines Kreises im Gefüge der NSDAP. Er erhielt seine Befehle vom Gauleiter und war somit – von der geographischen Verwaltung aus gesehen – der vierthöchste Posten in der NSDAP nach dem Gauleiter, dem Stellvertreter und dem Führer.
Der Kreisleiter sollte bei Luftangriffen für die Partei Hilfsmaßnahmen organisieren, indem er Verpflegung und Notquartiere bereitstellte und für die Sicherstellung des Hausrates der Bombenopfer sorgte. Im Verlauf des Bombenkrieges wurde der Kreisleiter in den Großstädten immer mehr zur zentralen Schaltstelle bei der Bekämpfung von Luftkriegsfolgen. So stellte er Einsatzstäbe der Partei auf, die nach Luftangriffen beim Löschen von Bränden mitwirkten. Zu den weiteren Aufgaben des Kreisleiters gehörten die „Gefallenenehrungsfeiern“ der NSDAP. Ziel dieser Maßnahmen war, die Bevölkerung zum Durchhalten zu bewegen.
Wegen des geringen deutschen Bevölkerungsanteils umfassten einige Kreise der NSDAP das Gebiet mehrerer staatlicher Kreise.
Ortsgruppenleiter
Ortsgruppenleiter wurde in der Zeit des Nationalsozialismus der Vorsitzende einer Ortsgruppe der NSDAP genannt. Eine Ortsgruppe bestand meistens aus acht Zellen.
Seine parteirechtliche Funktion entsprach eigentlich derjenigen des Vorsitzenden einer heutigen Parteigliederung auf der Ebene einer Kommune; faktisch kontrollierte jedoch der jeweilige Ortsgruppenleiter sogar den Bürgermeister oder Oberbürgermeister und durfte sich ihm gegenüber unter Missachtung von Recht und Gesetz Weisungsbefugnisse anmaßen. Dabei waren die Zuständigkeiten zwischen der staatlichen Organisation und der Parteigliederung keineswegs klar abgegrenzt. Die Funktionsträger – einerseits der Bürgermeister und andererseits der Ortsgruppenleiter – verfolgten häufig unterschiedliche Ziele und agierten teils miteinander, teils gegeneinander. Die fehlende Konturierung der Zuständigkeiten führte mitunter zu chaotischen Zuständen, welche die Verunsicherung der Bevölkerung beförderten. So wurde, wie auch heute in Staaten mit parallelen Strukturen von staatlicher Organisation und Parteiapparat, die Durchsetzung radikaler Ziele erleichtert.
Der Ortsgruppenleiter stand in der pyramidenförmigen Leitungsstruktur der NSDAP auf der dritten Ebene von unten über dem Zellenleiter und dem darunter stehendem Blockwart (Blockleiter). Oberhalb des Ortsgruppenleiters folgten die Kreisleiter, die 32 Gauleiter sowie der Führer und dessen Stellvertreter.
Zellenleiter
Der Zellenleiter stand an sechster Stelle in der NSDAP. Er musste sich um die Verwaltung von etwa vier bis acht Blocks kümmern.
Blockwart (Blockleiter)
Der Blockwart war in der NSDAP der siebthöchste und niedrigste Posten. Er war für etwa 40 bis 60 Haushalte zuständig.
Abwandlung der offiziellen Struktur in der Praxis
In der Praxis entstanden Probleme bei dem Verteilen der Zuständigkeiten. So konnten z.B. Reichsleiter mit ihren Ämtern öfters mit Gauleitern und der Gauverwaltung konkurrieren. Darüber hinaus konkurrierte die Partei oft mit staatlichen Stellen, also etwa den Ministerien und Verwaltungsstellen, da der Staat sich stets an Interessen der NSDAP-(Regional-)Führung orientierte. So hatte die Gauleitung Einfluss bei Personalentscheidungen in öffentlichen Ämtern, etwa durch Erstellung von Gutachten. Hauptgrund für diesen Kompetenzwirrwarr waren die Zuteilung administrativer Tätigkeiten bei den Gauleitungen. Interessanterweise war die Konkurrenz etwa zwischen Reichsleitern und Reichsministern von Hitler durchaus gewollt und absichtlich aufgebaut.
Streng nach dem Führerprinzip organisiert, konkurrierten die Gauleiter mit den staatlichen Strukturen, also mit den Reichsstatthaltern, die nach Auflösung der Länder die Ministerpräsidenten ersetzten. Sie versuchten sogar diesen Posten selber zu besetzen, was auch sehr oft gelang. Fast alle Gauleiter bauten sich in ihren Regionen deswegen ein eigenes Machtrefugium auf. Dies ist ein typisches Beispiel für die verwobenen und unübersichtlichen Machtstrukturen des NS-Staates, in dem Partei und Staat mit nicht klar abgegrenzten Zuständigkeitsbereichen gegenseitig um Einfluss konkurrierten.
Wenn in einem Gaugebiet etwa ein juristischer Vortrag gehalten werden sollte, wäre einerseits der Gauleiter zuständig, andererseits aber auch z.B. der (Reichs-)leiter des Reichsrechtsamtes Hans Frank, aber auch etwa die RPL (Reichspropagandaleitung) oder das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda.
Von Innenminister Wilhelm Frick wurde aus diesem Grunde eine grundlegende Organisationsreform gefordert, aber nie verwirklicht. Dabei hatte er die Aufteilung der Befugnisse nach territorialen Zuständigkeiten gefordert, in diesem Falle hätte es kaum mehr Probleme bei der Frage nach der zuständigen Behörde oder Parteivertretung gegeben.
Am Beispiel der Biographie Alfred Rosenbergs lassen sich die entstandenen Probleme gut darstellen.
Literatur
Zu den Gauen:
- Peter Hüttenberger: Die Gauleiter. Studie zum Wandel des Machtgefüges in der NSDAP. In: Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1969
- Helmut C. Pless: Lüneburg 45. Nordost-Niedersachsen zwischen Krieg und Frieden., Verlag der Landeszeitung, Lüneburg 1982, Seite 17
- Jürgen John: Die NS-Gaue. Regionale Mittelinstanzen im zentralisierten "Führerstaat"? In: Schriftenreihe der Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, Oldenbourg, München 2007
Speziell für Bayern:
- Hermann Rumschöttel [Hrsg.]; vom Symposium Staat und Gaue in Bayern 1933-1945; München 2000: Staat und Gaue in der NS-Zeit, Beck, München 2004
Zur allgemeinen NSDAP-Struktur:
- Wolfgang Schaefer: NSDAP. Entwicklung und Struktur der Staatspartei des Dritten Reiches. In: Schriftenreihe des Instituts für Wissenschaftliche Politik in Marburg/Lahn des Instituts für Wissenschaftliche Politik Marburg, Norddeutsche Verlags-Anstalt Goedel, Hannover 1956
Zur Verflechtung von Staat und NSDAP:
- Peter Diehl-Thiele: Partei und Staat im Dritten Reich. Untersuchungen zum Verhältnis von NSDAP und allgemeiner innerer Staatsverwaltung 1933 - 1945., Beck, München 1969
In englischer Sprache:
- Henry Ashby Turner jr. [Hrsg.]: Nazism and the Third Reich, Quadrangle Books, New York 1972
Weblinks
- Gauleiter aller Gaue
- Entwicklung der Gaue der NSDAP von 1925 – 1945
- Kurze Übersicht über die ehemaligen Gaue und allgemeine Informationen
- Übersicht der NSDAP-Gaue, der Gauleiter und der stellvertretenden Gauleiter 1933 bis 1945
- Informationen über einzelne Gaue, u.a. auch über stellvertretende Gauleiter (Englisch)
- Ausführliche Liste von Gauleitern in der englischsprachigen Wikipedia (Englisch)
- Gauleiter ausgewählter Gaue
- Gauleiter in Bayern
- Der NS-Gau Berlin
- Der Gau Hessen-Nassau der NSDAP
- Biografien von Gauleitern im Ruhrgebiet
- Weitere Links
- Gauwinkel/Gaudreieck (und weitere Nazi-Symbole) im Bild
- Informativer Artikel über die Struktur und Aufgaben eines Gaus am Beispiel Bayern
Quellen
- NS-Organisationen (Erwähnung) auf der Internetseite des Deutschen Historischen Museums in Berlin
- Brockhaus, 15. Auflage, Band 21
- Gau (NSDAP) von Jürgen Finger im Historischen Lexikon Bayerns
- Definition Gau/Gauleiter im Dritten Reich