Bahnstrecke Eichstätt–Beilngries
Der Begriff Sulztalbahn bzw. Altmühltalbahn bezeichnet die ehemaligen Lokalbahnstrecken zwischen Neumarkt in der Oberpfalz und Eichstätt. Mit dem Begriff Freystädter Bockel wird die Abzweigung von dieser Strecke nach Freystadt bezeichnet.
Geschichte
Bei Fertigstellung der Hauptstrecke Neumarkt–Nürnberg und der bald darauf folgenden Verlängerung nach Regensburg 1871 existierten bereits Pläne, die Gemeinden zwischen Neumarkt und Eichstätt ebenfalls an die Eisenbahn anzuschließen. Verschiedene Varianten wurden diskutiert, u.a. Strecken nach Breitenbrunn und Kelheim, die aber bald wieder verworfen wurden.
1886 wurden die Pläne konkretisiert und der Bau einer Strecke Neumarkt–Beilngries–Dietfurt an der Altmühl wurde begonnen. In Greißelbach sollte eine Strecke nach Freystadt abzweigen, in Beilngries sollte die Strecke auf die Altmühltalbahn nach Eichstätt Bahnhof treffen.
Am 1. Juni 1888 konnten die Abschnitte Neumarkt–Beilngries und Neumarkt–Freystadt für den Personenverkehr eröffnet werden, die Verlängerung nach Dietfurt an der Altmühl wurde am 11. September 1909 freigegeben. Erst am 14. Mai 1930 war das Lokalbahnnetz in dieser Region komplett, als auch die Linie Beilngries–Eichstätt eingeweiht wurde.
Zunächst verbuchte die Strecke im Güter- wie im Personenverkehr große Erfolge, zudem trat sie in direkte Konkurrenz zu dem parallel verlaufenden Ludwigskanal und trug schließlich auch zu dessen wirtschaftlichem Niedergang bei. Mit Zunahme des motorisierten Individualverkehrs war aber auch bald ihre Existenz bedroht. Den Anfang machte die Altmühltalbahn zwischen Eichstätt (Stadt) und Beilngries, auf der der Verkehr am 2. Oktober 1955 eingestellt wurde. Im Juli 1960 wurde der Personenverkehr zwischen Freystadt und Greißelbach eingestellt, der Güterverkehr folgte im Jahr 1977. Im Jahr darauf wurde die Strecke abgebaut. 1967 folgte die Stillegung des Abschnittes Dietfurt–Beilngries.
Mit dem Bau des neuen Main-Donau-Kanals zwischen Bamberg und Kelheim wurde endgültig das Ende der Sulztalbahn eingeläutet: die Strecke war, vor allem im Raum Beilngries, dem Großprojekt im Weg. Am 26. September 1987 verkehrte der letzte Personenzug zwischen Neumarkt und Beilngries, der letzte Güterzug 1988. Im September 1989 wurde die Strecke abgebaut, lediglich das Teilstück Neumarkt–Greißelbach konnte erhalten werden und dient heute als Betriebsgleis für das Industriegebiet Sengenthal-Schlierferheide. Der Abschnitt Eichstätt Bahnhof–Eichstätt Stadt ist bis heute noch im Personenverkehr als Kursbuchstrecke 991 in Betrieb.
Streckenbeschreibungen
Sulztalbahn
| Sulztalbahn | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Streckennummer: | 5930 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Länge: | 37,0 Kilometer | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Bundesland: | Bayern | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Verlaufsrichtung: | Nord-Süd | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Ausbau: | eingleisig nicht elektrifiziert | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Verlauf | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Die Strecke verlässt den Bahnhof Neumarkt in Richtung Süden und überquert zunächst die Bundesstraße 299. Sie führt dann durch das Industriegebiet Süd, wo sich ein Werksanschluss zur Pfleiderer AG befindet, und vorbei am Stadtteil Hasenheide mit dem ehemaligen Haltepunkt. Hier verlässt sie das Stadtgebiet Neumarkt und führt durch das Mißholz. Anschließend wird Sengenthal erreicht, wo sich ein weiterer ehemaliger Haltepunkt befindet. Das Bahnhofsgebäude steht hier noch, ist jedoch in einem äußerst schlechten Zustand. Die Strecke folgt weiter der B299 bis zum Gewerbegebiet Schlierferheide, wo die Strecke heute in das Werk III der Max Bögl GmbH führt. Die eigentliche Strecke von hier weiter Richtung Beilngries ist ab hier demontiert.
Ursprünglich befand sich hier ein weiterer Bahnübergang über die B299, die Strecke verlief anschließend entlang der Bundesstraße bis kurz vor Greiselbach, wo sie wiederum die Bundesstraße und auch den Ludwigskanal kreuzte und dann den alten Bahnhof Greiselbach erreichte. Das Bahnhofsgebäude hier ist ebensfalls in einem schlechten Zustand, eine Renovierung ist jedoch geplant. Kurz hinter dem Bahnhof befand sich der alte Abzweig zur Strecke nach Freystadt. Die Sulztalbahn führte weiter nach Süden, kreuzte erneut die B299 und verlief nun zwischen der Bundesstraße und dem Kanal. Sie erreichte nun Mühlhausen, wo sich ein Werksanschluss zum Modelbahnhersteller Arnold befand. Anschließend schwenkte die Strecke nach Südosten, passierte den alten Haltepunkt von Mühlhausen und führte zum Ludwigskanal, dem sie nun parallel folgte. Kurz vor Pollanten wurde die B299 ein weiteres Mal überquert und kurz darauf der Haltepunkt Pollanten erreicht. Kanal, Bahnstrecke und Bundesstraße verliefen nun direkt nebeneinander und führten in das Tal der Sulz. Erst kurz vor Rappersdorf kreuzen Straße und Eisenbahn den Kanal, so das nun Eisenbahn, Straße und Kanal nebeneinander verliefen. Am Ortseingang von Berching befand sich ein Werksanschluß zur ehemaligen Flachsröste, anschließend mündete die Strecke in den Bahnhof Berching, der sich neben dem Neumarkter Tor befindet. Hier führte die Strecke wieder über den Kanal, so dass dieser sich nun zwischen Bahnstrecke und Bundesstraße befand.
Die Strecke führte weiter in südlicher Richtung aus Berching hinaus und weiter Richtung Beilngries. Die Strecke führte nun durch Pollanten, wo sich ein weiterer Haltepunkt befand. Südlich von Plankstetten folgte wieder ein Bahnübergang, die Strecke verlief nun wieder neben Bundesstraße und Kanal. Nachdem Behringersmühle passiert wurde, erreichte die Strecke schließlich Beilngries, wo sich der Bahnhof noch heute in unmittelbarer Nähe des Main-Donau-Kanals befindet. Von hier aus zweigte die Strecke durchs Altmühltal nach Eichstätt ab.
Die Sulztalbahn mündete ins Altmühl nach Osten und folgte dem Tal am Fuß des nördlichen Hangs. Am nördlichen Ortsrand von Kottingwörth befand sich ein weiterer Haltepunkt, ebenso in Töging. Die Strecke schwenkte nun nach Nordosten und führte ins Stadtgebiet von Dietfurt, wo sich der Endbahnhof befand.
Lokalbahn Greißelbach–Freystadt
| Lokalbahn Greißelbach–Freystadt | |||||||||||||||||||||||||
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| Streckennummer: | 5931 | ||||||||||||||||||||||||
| Länge: | 9,8 Kilometer | ||||||||||||||||||||||||
| Bundesland: | Bayern | ||||||||||||||||||||||||
| Verlaufsrichtung: | Ost-West | ||||||||||||||||||||||||
| Ausbau: | eingleisig nicht elektrifiziert | ||||||||||||||||||||||||
| Verlauf | |||||||||||||||||||||||||
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Der „Freystädter Bockel“ (dieser Kosename für die Dampflokomotiven auf dieser Strecke wird heute stellvertretend für die ganze Strecke verwendet) befuhr von Neumarkt bis Greißelbach die selbe Strecke. Erst hier zweigte das ca. 10 km lange Gleis ab und führte zunächst entlang der Staatsstraße direkt nach Westen. Auf einer Brücke wurde der Wiffelsbach überquert und anschließend die Straße zweimal gekreuzt. Am Fuße des Sulzbürg erreichte die Strecke nun Rocksdorf mit dem Bahnhof Sulzbürg. Von hier aus führte die Strecke weiter in westlicher Richtung, zunächst auf einem niedrigen Damm, dann ebenerdig weiter nach Wettenhofen. Die Strecke führte nun in ein Waldstück und erreichte anschließend Thannhausen, wo sich der gleichnamige Bahnhof befand. Von hier aus bog die Strecke nach Norden ab und verlief weiter nach Freystadt, wo das Bahnhofsgebäude heute noch steht.
Altmühltalbahn
| Altmühltalbahn heute Eichstätt Bahnhof–Eichstätt Stadt | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Kursbuchstrecke: | 991 (Eichstätt Bahnhof–Eichstätt Stadt) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Streckennummer: | 5323 (Eichstätt–Kinding) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Länge: | 46,4 Kilometer | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Bundesland: | Bayern | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Verlaufsrichtung: | Südwest-Nordost | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Ausbau: | eingleisig, nicht elektrifiziert | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Verlauf | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Die Altmühltalbahn folgt, wie der Name bereits sagt, auf ihrem Weg von Beilngries nach Eichstätt stets dem Lauf der Altmühl. Der Abschnitt Eichstätt Stadt–Eichstätt Bahnhof ist heute noch als Kursbuchstrecke 991 in Betrieb und wird für Zubringerfahrten von Eichstätt zur Hauptstrecke München–Treuchtlingen (Kursbuchstrecke 990) verwendet. Der Streckenabschnitt Kinding – Eichstätt war 1898 als Schmalspurbahn mit 1000 mm Spurweite in Betrieb gegangen. 1930 wurde dieser Abschnitt mit dem Weiterbau nach Beilngries auf Normalspur umgebaut. Ab 1955 wurde der Personen- und Güterverkehr mehr und mehr eingestellt eingestellt; diese Entwicklung endete am 02.06.1973 mit der Einstellung des Güterverkehrs zwischen Eichstätt und Kipfenberg. Seit 1996 befördert die Bahn auch zwischen Eichstätt Stadt und Eichstätt Bahnhof keine Güter mehr, es sei denn, der Fahrgast führt seine Güter (im Sommer sind es viele Fahrräder) selbst mit sich.

Heutiger Zustand
Bis auf die bereits beschriebenen noch im Betrieb befindlichen Abschnitte bei Neumarkt und Eichstätt sind die Strecken der Sulztalbahn und der Altmühltalbahn komplett demontiert worden. Auf weiten Teilen lässt sich der Verlauf der Bahnlinien aber noch heute im Gelände gut erkennen. Oft verlaufen heute Radwege auf dem ehemaligen Gleisbett.
Einige Bahnhofsgebäude aus dieser Zeit sind noch, soweit es sich um massive Steinbauten und nicht um die für die Bayerischen Lokalbahnen typischen hölzernen Agenturgebäude handelte, erhalten, so z. B. in Greiselbach, Berching, Beilngries, Kinding und Freystadt.
Die Strecke Eichstätt Bahnhof - Eichstätt Stadt, 1885 als Schmalspurbahn eröffnet und 1934 auf Normalspur umgestellt, wurde im Jahr 2001 saniert und mit vollständig neuen Gleisen ausgestattet. Der ehemalige Güterbahnhof in Eichstätt Stadt ist mittlerweile abgebaut und wird als Parkplatz genutzt. In Eichstätt gibt es derzeit eine Initiative zur Verlängerung der Strecke bis ins Eichstätter Industriegebiet für Personen- und Güterverkehr.