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Udo Ulfkotte

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Udo Ulfkotte (* 20. Januar 1960 in Lippstadt) ist ein deutscher Publizist.

Leben

Udo Ulfkotte studierte in Freiburg im Breisgau und London Rechtswissenschaften und Politik. Er ist ein Schüler des Schweizer Kriminologen Rüdiger Herren und des Beraters der Kohl-Regierung Dieter Oberndörfer. Ulfkotte arbeitete nach seiner Promotion an der Universität Freiburg/Brsg. von 1986 bis Ende 2003 in der außenpolitischen Redaktion der Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Der Journalist Karl Rössel behauptete 1997, dass Ulfkotte als Afrika-Korrespondent der FAZ von Shell Leistungen entgegengenommen hätte und die FAZ sich damit „journalistisch prostituiert“ habe. Die FAZ klagte gegen diese Aussage und verlor den Prozeß vor dem Kölner Landgericht am 2.9.1997.

Ulfkotte lebte zwischen 1986 und 1998 überwiegend in islamischen Staaten (Irak, Iran, Afghanistan, Saudi-Arabien, Oman, Vereinigte Arabische Emirate, Ägypten und Jordanien). Er ist Mitglied des Marshall Memorial Fund der Vereinigten Staaten, war von 1999 bis 2003 Mitglied im Planungsstab der Konrad-Adenauer-Stiftung und ist Träger des Staatsbürgerlichen Preises der Annette-Barthelt-Stiftung 2003. Er war Referent der Bundeskademie für Sicherheitspolitik und lehrt seit 1999 im Fachbereich Betriebswirtschaft „Sicherheitsmanagement“ an der Universität Lüneburg. Ulfkotte weist regelmäßig in der Öffentlichkeit auf Sicherheitslücken hin. Im November 2006 demonstrierte er gemeinsam mit einem Fernsehteam des Hessischen Rundfunks vor laufender Kamera, dass die neuen Online-Bordkarten der Lufthansa nicht fälschungssicher und leicht zu manipulieren sind. Ulfkotte konnte mit einer in wenigen Minuten manipulierten Bordkarte die Sicherheitskontrollen am Frankfurter Flughafen passieren.

Dem Hamburger Verlag Gruner + Jahr half Ulfkotte seit Sommer 2004 bei der Entwicklung der Zeitschrift „Park Avenue“, deren Chefkorrespondent er von Juni 2005 bis Juni 2006 war. Ulfkotte ist Herausgeber der Zeitschrift „Whistleblower“, in der über Themen berichtet wird, die von deutschsprachigen Medien noch nicht aufgegriffen wurden.

Ulfkotte plante als parteiloser Kandidat für die Deutsche Zentrumspartei bei den Hamburger Bürgerschaftswahlen 2008 auf Listenplatz 2 hinter dem Parteivorsitzenden Dirk Nockemann anzutreten,[1] hat seine Kandidatur aber anscheinend im Juni oder Juli 2007 wieder zurückgezogen.

Bei der Wahl zur Bremischen Bürgerschaft 2007 unterstützte er die von mehreren Medien als rechtspopulistisch bezeichnete Wählervereinigung Bürger in Wut,[2] der er im Juni 2007 auch offiziell beitrat.[3]

Im Juli 2007 ließ Ulfkotte verlautbaren, er wolle in Kürze seine neue bundesweite Partei auf der Grundlage von "Bürger in Wut" gründen.

Islam und Islamismus

Ulfkotte hat mehrere Bücher vor allem zu den Themen Geheimdienste und Islamismus geschrieben, die zum Teil umstritten sind. Darüber hinaus ist die Auseinandersetzung mit dem Islam eine zentrales Thema seiner publizistischen Tätigkeit.

Das im März 2003 vom Frankfurter Eichborn Verlag veröffentlichte Buch Der Krieg in unseren Städten musste vor dem Hintergrund eines Antrags der "Islamischen Föderation" auf einstweilige Verfügung beim Berliner Landgericht noch im selben Jahr vom Markt genommen werden.[4][5] In dem Rechtsstreit geht um im Buch erhobene Behauptung, die Islamische Föderation sei Landesverband der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG). Nach Angaben der taz rollte nachfolgend eine wahre "Prozesslawine" auf den Verlag zu, weil verschiedene muslimische Vereine, Organisationen, Firmen und Privatpersonen ebfenfalls gegen das Buch klagen.[5] „In hingebungsvoller Kleinarbeit hat Ulfkotte Berge von Informationen aus dem islamischen Milieu zusammengetragen. Sie sollen belegen, dass Deutschland keineswegs nur ein Ausbildungsort und Ruheraum für arabische Terroristen ist, wie sich nach dem 11. September erwies. Sondern dass religiöse Extremisten Deutschland selbst ins Visier genommen haben, und dass sie "zum Angriff auf unseren Rechtsstaat rüsten. Ihr Ziel: ein islamischer Gottesstaat."“.[6] 2004 erschien eine aktualisierte und überarbeitete Neuauflage des Buches im Fischer-Taschenbuch-Verlag, welche inzwischen jedoch vergriffen ist.

Im März 2004 wurden Büro und Wohnhaus des Autors von der Staatsanwaltschaft Frankfurt durchsucht. Der Verdacht auf Bestechung von Polizeibeamten und auf Beihilfe zum Geheimnisverrat wurde im Sommer 2005 fallen gelassen. Das Verfahren wurde eingestellt. Im Oktober 2006 wurden alle restlichen Verfahren eingestellt.

Gemeinsam mit anderen gründete Ulfkotte 2006 den Verein „Pax Europa“. Nach eigenen Angaben will man unabhängig von parteipolitischen Interessen die „christlich-jüdische Tradition“ der europäischen Kultur bewahren und für eine „Aufklärung der Öffentlichkeit“ sorgen. Zentraler Gegenstand dabei ist die Auseinandersetzung mit dem Islam und dem Islamismus.

Bevor Ulfkotte zur Zentrumpartei stieß, bestätigte er Mitte März 2007 gegenüber Spiegel Online Pläne zur Gründung einer eigenen „Partei gegen die Islamisierung Deutschlands“. Als Namen könne er sich „Christlich-Ökologische Partei“ vorstellen, hieß es. Sie soll sich nach eigenen Angaben „gegen das Vordringen des radikalen Islam in Europa“ richten. Ulfkotte spricht in dem Zusammenhang von „Sonderrechten für Muslime“. Ein weiterer Aspekt seiner angesetzten Politik ist die Aufnahme der Türkei in die EU zu verhindern.

Ulfkotte war einer der Redner auf dem vom Bundesverband der Bürgerbewegungen organisierten ersten deutschen „Islamkritikertreffen“, das am 2. Juni 2007 in Wertheim stattfand und auf dem das so genannte „Wertheimer Manifest[7] verabschiedet worden ist.

Kritik und Resonanz

Kritiker werfen Ulfkotte anti-islamisches Agitieren vor. So urteilte Die Zeit 2003 in einer Rezension seines Buchs "Der Krieg in unseren Städten":

"Selbst wenn alle Namen, Zahlen und Fakten, die Ulfkotte präsentiert, korrekt sind, die Schlüsse, die er daraus zieht, sind zu einem großen Teil fragwürdig, wenn nicht absurd. Das Skandalon dieses Buchs besteht aus den Urteilen, die der Autor fällt, weniger aus den Fakten, die er ans Licht bringt."

Sein ehemaliger Arbeitgeber, die FAZ, geht mittlerweile auf Distanz zu ihm. FAZ-Herausgeber Günther Nonnenmacher kommentiert die Pläne zur islamkritischen Parteigründung:

"Er hat kein geschlossenes Weltbild, das ist ja meistens so bei Leuten, die solche Randparteien gründen. Er hüpft auf einer Mode herum, versucht da was ideologisch abzuernten." [8]

Der Publizist Hannes Schwenger urteilt im Tagesspiegel über das Buch "Heiliger Krieg in Europa":

"[Ulfkotte] sieht den Untergang des Abendlandes greifbar nahe: demografisch, wenn bis zum Jahr 2065 die Hälfte aller Bundesbürger Muslime seien, und politisch, wenn sich bis dahin der Islamismus in ganz Europa durchgesetzt haben werde. [...] Ulfkotte ist sicher: Die Muslimbruderschaft hat einen geheimen Plan zur Unterwanderung nichtmuslimischer Staaten. Das ist keine Verschwörungstheorie, denn sie bekennt sich freimütig zu diesem Ziel. Doch genau darum handelt es sich bei seinem Buch, das auf 300 Seiten noch die abstrusesten Beweise einer neuen Weltverschwörung präsentiert; oft genug ohne Quellenangabe oder unter Berufung auf Zeitungsmeldungen und Verfassungsschutzberichte, deren Quellen nicht bekannt sind." [9]

Für Erheiterung sorgt beim Rezensenten der Frankfurter Rundschau, Ralf Hanselle, dass Ulfkotte noch immer eine Satire-Aktion der Wiener Künstlergruppe "Haben wir denn keine anderen Sorgen" für bare Münze nimmt, die gefordert hatte, die österreichischen Gipfelkreuze durch Halbmonde zu ersetzen. Desweiteren wirft er Ihm Panikmache, "journalistischen Schlendrian" und Dummenfang vor:

"Da drängt sich der Verdacht auf, hier gehe einer mit überzogenen und falschen Behauptungen zielsicher auf Dummenfang. Die Halbmonde über Europas Gipfeln sind in diesem Buch wahrlich nicht der einzige Fall von journalistischem Schlendrian. Ob Jugendkriminalität unter Migranten, Gammelfleisch in Dönerbuden oder islamische Parallelgesellschaften: Aus Andeutungen, Zeitungsnotizen und oft nicht mehr zugänglichen Internetmeldungen schnürt der Autor ein Panikpaket zusammen." [10]

In seinen Darstellungen zieht Ulfkotte gelegentlich bildhafte Vergleiche, wenn es um das Thema Sicherheit und Islam geht. So sprach er bei einem Vortrag über den „Einfluss der Islamisierung auf die öffentliche Meinung“ in Siegburg im April 2007 etwa davon, dass ein "Tsunami der Islamisierung" über "unseren Kontinent" rollt.[8]

Hans-Christian Ströbele warf Ulfkotte in einem Fernsehduell unter Anderem vor, daß seine Darstellungen und Schilderungen maßlos übertrieben wären und nicht auf prüfbaren Fakten, sondern auf "irgendwelchem Mumpitz aus dem Internet" beruhten weshalb seine Argumente unglaubwürdig wirkten. [11]

Werke

  • Heiliger Krieg in Europa. Wie die radikale Muslimbruderschaft unsere Gesellschaft bedroht. Eichborn, Frankfurt am Main 2007, ISBN 3821855770
  • Der Krieg im Dunkeln. Die wahre Macht der Geheimdienste. Eichborn, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3821855789
  • Der Krieg in unseren Städten. Wie radikale Islamisten Deutschland unterwandern. Eichborn, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3596163404 - aktualisierte Neuauflage, Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3596163404
  • Wirtschaftsspionage. Goldmann, München 2001, ISBN 3442151252
  • Verschlußsache BND. Koehler und Amelang, München, Berlin 1997, ISBN 3733802144 - aktualisierte Taschenbuchausgabe, Heyne, München 1998, ISBN 3453141431
  • Propheten des Terrors. Das geheime Netzwerk der Islamisten. Wilhelm Goldmann Verlag, München 2001, ISBN 3442151961
  • So lügen Journalisten. Der Kampf um Quoten und Auflagen. Bertelsmann, München 2001, ISBN 3570001997
  • Gencode J. (Roman), Eichborn, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3821808608
  • Marktplatz der Diebe. Wie die Wirtschaftsspionage deutsche Unternehmen ausplündert und ruiniert. Bertelsmann, München 1999, ISBN 3570001989
  • Grenzenlos kriminell. Die Risiken der EU-Osterweiterung. Was Politiker verschweigen. Bertelsmann, München 2004, ISBN 3570002004

Quellen

  1. taz: hamburg kompakt: „Zentrum“ kandidiert, 23. April 2007
  2. Bürger in Wut (BiW): Udo Ulfkotte unterstützt BÜRGER IN WUT, Pressemitteilung 03/2007, Bremen, 2. Mai 2007
  3. Bürger in Wut (BiW): Dr. Udo Ulfkotte tritt BÜRGER IN WUT bei, Pressemitteilung 07/2007, Berlin, 20. Juni 2007
  4. Stefan Weidner: Wie man Bürgerkriegsängste schürt, Die Zeit, 15. Mai 2003
  5. a b Eberhard Seidel: Im Namen Gottes, taz, 20. Mai 2003
  6. Uwe Wittstock: Flut von Abmahnungen, Die Welt, 30. April 2003
  7. Bundesverband der Bürgerbewegungen: Wertheimer Appell, 2. Juni 2007
  8. a b Fredy Gareis: Der Dampf der Kulturen, Der Tagesspiegel, 26. April 2007
  9. Hannes Schwenger: Welchen Islam hätten S? denn gern?, Der Tagesspiegel, 21. Mai 2007 (über Ulfkottes Buch "Heiliger Krieg in Europa")
  10. Ralf Hanselle: Ein Pudel heult den Halbmond an, Frankfurter Rundschau, 9. Mai 2007 (über Ulfkottes Buch "Heiliger Krieg in Europa")
  11. Fernsehduell Udo Ulkotte vs. Hans-Christian Ströbele n-tv-Sendung "Das Duell" Thema: "Kampf der Kulturen – Wie gefährlich ist der Islam?"