Vidal & Sohn Tempo-Werk




Geschichtlicher Überblick
Die Vidal & Sohn Tempo-Werk GmbH. mit Sitz in Harburg wurde 1928 gegründet, um Lieferwagen zu bauen. Bekannt sind heute vor allem noch die Tempo-Dreiräder und das Modell Matador. Für den Bundesgrenzschutz (heute: Bundespolizei) fertigte das Werk zudem Landrover in Lizenz. Gemeinsames Konstruktionsprinzip der eigenen Fahrzeuge war, im Fahrerhaus alles Benötigte unterzubringen, so dass man in der Wahl des Aufbaues freie Hand hatte. Daraus resultieren auch unzählige Sonderaufbauten für Spezialtransporte und Kommunen.
1965 übernahm Hanomag das Unternehmen und entwickelte aus den Tempo-Lieferwagen die sogenannten Harburger Transporter, die unter den Namen Hanomag und Mercedes-Benz vertrieben wurden. Die Werksanlagen gehören heute zum Daimler-Chrysler-Konzern (siehe DaimlerChrysler-Werk in Hamburg). Unter dem Druck des Marktes war Oscar Vidal (Tempo) bereits 1955 eine Verbindung mit Hanomag eingegangen und 1959 verschmolzen beide Firmen im Rheinstahl-Konzern. 1965 gab Vidal seine letzten Geschäftsanteile an den Rheinstahl-Konzern ab, woraufhin die Marke Tempo starb. (Ab 1966 fuhr der Tempo Matador mit dem Hanomag-Logo.)
Bis 1984 konnten die Mitarbeiter des Werkes ihre Arbeitsstätte in Bostelbek von der in unmittelbarer Nähe gelegenen S-Bahn-Station Tempo-Werk der Niederelbebahn bequem zu Fuß erreichen.
Tempo-Dreirad-Fahrzeuge wurden 1962 bis 2000 in Indien gebaut (ab 1986 mit Lombardini-Dieselmotoren) und vereinzelt nach Europa importiert.
Fahrzeuge von Tempo
Die ersten Tempo-Dreiräder entstanden aus einer Kombination von Motorrad und Pritsche, die sich vor dem Fahrer befand. In der Weiterentwicklung wurde das Führerhaus vor die Pritsche bzw. den Kasten verlagert. Die Tempo-Lieferwagen waren mit Ein- und Zweizylinder-Zweitakt-Ottomotoren ausgerüstet (Tempo A 400 von 1944 z. B. mit 400 cm³ und 12 PS), welche über das Getriebe und eine Kette das Vorderrad antreiben. Bedingt durch diese Konstruktion ist es erforderlich, den Motor drehbar anzubringen, damit das Vorderrad gelenkt werden kann. Während des Zweiten Weltkrieges entwickelte Tempo einen Geländewagen mit zwei Motoren (einem vorn und einem hinten) und Allradantrieb. Die Motoren trieben jeweils eine Antriebsachse an und während der Fahrt auf der Straße ließ sich ein Motor abschalten.
Später kamen die Tempo-Vierradlieferwagen „Matador“ und „Wiking“ (Spitzname: „Fischmaul“) in das Programm. Der „Matador“ (dessen erste Frontpartie Kritiker gelegentlich mit dem Gesicht eines Boxerhundes verglichen) war zunächst mit dem 25-PS-Boxermotor des VW Käfer ausgestattet, bis VW-Chef Heinz Nordhoff 1952 die Lieferung dieses Triebwerks an Konkurrenzunternehmen einstellte. Daraufhin wurde der „Matador“ wahlweise mit einem 3-Zylinder-Zweitakter (672 cm³) oder einem Viertaktmotor (1092 cm³, 34 PS) angeboten, beide Aggregate von Ing.-Büro Müller in Andernach. Ab 1957 wurde der Wagen von einem Austinmotor angetrieben. 1953 kam der „Wiking“ auf den Markt, ein 3/4-Tonner mit 452-cm³-Zweitaktmotor (17 PS) von Heinkel. Auch diese Vierradtransporter von Tempo hatten genau wie die Dreiräder Frontantrieb.
Daten des letzten Tempo „Matador“ vor der Übernahme durch Hanomag:
| Tempo Matador 1963/64 | Daten |
|---|---|
| Motor: | 4-Zylinder-Reihenmotor (Otto) |
| Motorfabrikat: | Austin (BMC) |
| Hubraum: | 1593 cm³ |
| Hub x Bohrung: | 89 x 76 mm |
| Leistung: | 40 kW (54 PS) bei 4000/min |
| Max. Drehmoment: | 113 Nm (11,5 mkp) bei 2000/min |
| Kühlung: | Wasser |
| Kraftübertragung: | Frontantrieb, 4-Gang |
| Radaufhängung: | Querlenker (vorn), Längslenker (hinten) |
| Länge x Breite x Höhe: | 4400 x 1700 x 2140 mm |
| Radstand: | 2400 mm |
| Leergewicht: | 1330 kg |
| Nutzlast: | 1550 kg |
| Höchstgeschwindigkeit: | 100 km/h |
| Grundpreis: | 8.875 DM |
Die Angaben beziehen sich auf die Ausführung als Kastenwagen.
Modelle
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