Mudersbach
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Mudersbach ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Altenkirchen in Rheinland-Pfalz (Deutschland). Sie gehört zur Verbandsgemeinde Kirchen (Sieg).
Geografie
Geografische Lage
Mudersbach mit seinen drei Ortsteilen Mudersbach, Niederschelderhütte und Birken ist eine Gemeinde mit ca. 6500 Einwohnern im äußersten Nordosten des Landes Rheinland-Pfalz und gehört zur Verbandsgemeinde Kirchen (Sieg). Geografisch und landsmannschaftlich gehört die Gemeinde zum Siegerland. Die Gegend ist hügelig bis bergig, stark bewaldet und teilweise von vulkanischen Einflüssen geprägt. Höchste Erhebung ist der Giebelwald mit 520 m ü. NN, wohingegen das Tal der Sieg auf ca. 230 m ü. NN liegt. Mudersbach grenzt im Osten an die Stadt Siegen in Nordrhein-Westfalen, deren Zentrum rund 10 Kilometer entfernt ist. Nächstgrößere Stadt auf rheinland-pfälzischer Seite ist Betzdorf (12 Kilometer).
Gemeindegliederung
Rechts der Sieg liegen der Hauptort Mudersbach und der Ortsteil Niederschelderhütte, am linken Siegufer der Ortsteil Birken und die zum Ortsteil Mudersbach gehörende Siedlung „Kronacker“. Über die Sieg führen auf Gemeindegebiet drei Straßenbrücken und zwei Eisenbahnbrücken, je eine davon als Grenzbrücke zu Nordrhein-Westfalen. Der Ortsteil Niederschelderhütte ist mit dem benachbarten Siegen-Niederschelden zu einem umgangssprachlich „Schelden“ genannten Ort zusammengewachsen. Wegen der räumlichen und geschichtlichen Nähe zu Siegen sind die Ortsteile Birken und Niederschelderhütte infrastrukturell vielfach an die Nachbarstadt angegliedert (z. B. Telefon-Ortsnetz, Stromversorgung).
Geschichte
Erstmals urkundlich erwähnt wurde Mudersbach um 1188/1190. Auf einem Pergament, das kürzlich erworbene Grundstücke des Kölner Erzbischofs Philipp von Heinsberg (1167-1191) zeigt, findet sich auch ein Morsbag iuxta Froizpreh (Mudersbach nahe der Freusburg) für 20 Mark damaliger Währung. Jedoch fragt man sich auch noch heute, ob damit nicht vielleicht das 26 km weiter entferntere oberbergische Morsbach gemeint ist, wo bereits 1131 eine Kirche nachgewiesen wurde. Die erste absolut einwandfreie Erwähnung ist am 24. August 1456. Dieses Datum steht auf einer Urkunde vom Bartholomäustag jenes Jahres, nach der Johan van Seelbach, Diederichs Sohn und seine Frau Eelgin ihrem Bruder und Schwager Friedrich van Seelbach und dessen Frau Agnes ihr Erbe verkaufen, das sie im Kirchspiel zu Kirchfreusburg, nämlich zu Modersbach und zu der Stroet haben. 1741 verfasst der in Friedewald tätige Amtsaktuar Johann Heinrich Lamprecht den ersten ausführlichen Bericht über Mudersbach: Mudersbach hat 42 Räuche, an Äckern und Wiesen 275 Morgen, weitläufig schöne Hauberge, gibt 6 Rtlr. 40 albus 2½ d. Schatz.
Der heutige Mudersbacher Ortsteil Niederschelderhütte entstand im 18./19. Jahrhundert als Wohnsiedlung der Hütten-Arbeiter aus dem benachbarten Niederschelden, das seit 1975 zu Siegen gehört, bis heute aber mit Niederschelderhütte praktisch einen Ort bildet. Die einstige Charlottenhütte wurde später zum Stahlwerk. Die Sieg, und damit auch die Landesgrenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, verläuft mitten durch das Werksgelände des Stahlwerks. Versuche, durch Gebietstausch die teils für Verwirrung sorgende Lage eines Stahlwerks in zwei Bundesländern zu ändern, scheiterten an mangelndem politischen Willen in Mainz und Düsseldorf.
Religionen
In den Ortsteilen Mudersbach und Birken überwiegt katholische, in Niederschelderhütte evangelische Bevölkerung. In Mudersbach und Niederschelderhütte steht jeweils eine katholische Kirche, St. Matthias in Niederschelderhütte, Maria Himmelfahrt in Mudersbach. Die evangelischen Christen gehörten zur Kirchengemeinde Siegen-Niederschelden.
Wirtschaft und Infrastruktur
Hauptarbeitgeber war seit dem 19. Jahrhundert die Charlottenhütte bzw. das Stahlwerk im Ortsteil Niederschelderhütte. Das in den 70er Jahren vom Krupp-Konzern übernommene Werk (Krupp-Stahlwerke Südwestfalen) produzierte bis ins Jahr 1980 Stahl mit in Hochzeiten bis zu 3000 Mitarbeitern. Das Stahlwerk mit seinen Hochofen-Schornsteinen und den am Berg Birker Ley aufgeschütteten Schlackenhalden („Sandhalde“) prägte das Leben in der Gemeinde.
Heute ist das bekannteste Produkt der Gemeinde nicht Stahl, sondern Bier - Erzquell Pils, das in der zunächst als Siegtal-Brauerei gegründeten Erzquell-Brauerei in Niederschelderhütte hergestellt wird.
In den Siegauen unterhalb des Ortsteils Birken entstand in den 90er Jahren das Gewerbegebiet „Mudersbacher Wiesen“.
Öffentliche Einrichtungen
Mudersbach besitzt eine Grundschule im OT Niederschelderhütte und Berufsschule im OT Mudersbach. Des Weiteren ist in Mudersbach eine Außenstelle der Grundschule Brachbach(Nachbargemeinde)zu finden. Außerdem steht in Mudersbach ein Hallenschwimmbad, das aber außer Betrieb ist. Die Räumlichkeiten werden nur noch als sogenannter „Jugendtreff“ benutzt. Darüber hinaus ist das Gemeindehaus in Mudersbach der Verwaltungssitz des Bürgermeisters. Neben dem Gemeindebüro in Mudersbach befindet sich ein zweites im Ortsteil Niederschelderhütte. In diesem Gebäude ist neben der Gemeindeverwaltung auch der örtliche Bauhof sowie die Feuerwehr Niederschelderhütte untergebracht. Im Naturfreibad „Schinder Weiher“ im Schindebachtal kann man von Mitte Juni bis Anfang September dem Badevergnügen nachgehen.
Verkehr
Wichtig für Wirtschaft und Fremdenverkehr ist die gute Verkehrsanbindung des Gebiets, das aus allen Himmelsrichtungen über die A 3, A 45 und A 4 erreichbar ist. Die direkt benachbarte Großstadt Siegen sowie die nahe gelegenen Ballungsräume Köln/Bonn, Hagen/Dortmund und Frankfurt sind so schnell zu erreichen.
Die Bundesstraße 62 verläuft direkt durch den Ort. Die nächste Anschlussstelle an die Hüttentalstraße in Siegen-Niederschelden ist nur wenige Kilometer entfernt, eine neue Anschlussstelle in der Nähe des Stahlwerks in Niederschelderhütte ist geplant.
Durch Mudersbach verläuft die Siegstrecke der Deutschen Bahn. Im Gemeindegebiet liegen die Bahnhöfe Brachbach, Mudersbach und Niederschelden, an denen die Sieg-Dill-Bahn der DB Regio NRW GmbH hält.
Bildung
- Grundschule Niederschelderhütte (Martin-Luther-Grundschule), Am Erlenwald 31
- Grund-/Berufsschule Mudersbach, Barbarastraße 17 (ehemals Barbara-Hauptschule)
- Duale Oberschule, Kirchen
- Hauptschule Eiserfeld, Siegen-Niederschelden
- Gymnasium auf der Morgenröte, Si-Niederschelden
- Universität Siegen (ca. 12 km entfernt)
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Regelmäßige Veranstaltungen
Bekannt ist Mudersbach für die „Mudersbacher Kirmes“, ein dreitägiges Volksfest mit Rummel, das seit dem Jahr 1828 jährlich an jenem Wochenende abgehalten wird, das dem ersten Montag im Oktober vorausgeht (auch „Quetschekirmes“ genannt nach den zu dieser Jahreszeit in Mudersbach gerne verzehrten Pflaumenkuchen).
Alljährlich 5 abendfüllende Auftritte, in den Herbstferien, der Theatergruppe Mudersbach.
Weitere jährliche Veranstaltungen sind der Mudersbacher Straßenlauf und das Musikfestival „Rock an der Sieg“, sowie das Waldfest der Feuerwehr Niederschelderhütte " in den Schöppsches Tannen ", welches alljährlich am 2. Wochenende im Juli stattfindet.
Seit einigen Jahren findet die Veranstaltung "Siegtal Pur", ein autofreier Sonntag von der Siegquelle bis zur Siegmündung statt.
Wandern
Der Giebelwald (höchster berg Giebelberg, 528m ü.NN.) lädt zum Wandern, Nordic Walking oder Mountain-Biking ein.
Persönlichkeiten
- Hermann Danz (1906–1945), KPD-Politiker und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus
- Otto Becher, Verfasser der Chroniken von Mudersbach
- Alois Stettner, Künstler und Kunsthandwerker
Weblinks
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