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Leimen (Baden)

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Wappen Karte
Datei:Wappen fehlt.png
Wappenlink
Deutschlandkarte, Position von Leimen hervorgehoben
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Regionalverband: Rhein-Neckar-Odenwald
Landkreis: Rhein-Neckar-Kreis
Gemeindeart: Große Kreisstadt
Geografische Lage: 49° 21' n. B.
8° 41' ö. L.
Höhe: 118 m ü. NN
Fläche: 20,64 km²
Einwohner: 27.033 (31.03.2004)
Bevölkerungsdichte: 1.010 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 69169-69181
(alt: 6906)
Vorwahlen: 06224 und 06226
Kfz-Kennzeichen: HD
Gemeindeschlüssel: 08 2 26 041
Stadtgliederung: Kernstadt und
4 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Rathausstraße 6-8
69181 Leimen
Website: www.leimen.de
E-Mail-Adresse: stadt@leimen.de
Politik
Oberbürgermeister: Wolfgang Ernst

Leimen ist eine Stadt im nordwestlichen Baden-Württemberg, ca. 7 km südlich von Heidelberg. Sie ist nach Weinheim (Bergstraße) und Sinsheim (Elsenz) die drittgrößte Stadt des Rhein-Neckar-Kreises und gehört mit ihrem Umland zum Mittelbereich Heidelberg des gleichnamigen Oberzentrums.

Die im Rahmen der Gebietsreform der 1970er Jahre neu gebildete Gemeinde Leimen erhielt 1981 von der baden-württembergischen Landesregierung das Recht verliehen, sich "Stadt" nennen zu dürfen. 1990 überschritt die Einwohnerzahl der jungen Stadt die 20.000-Grenze. Daraufhin stellte die Stadtverwaltung den Antrag auf Erhebung zur Großen Kreisstadt, was die Landesregierung dann mit Wirkung vom 1. April 1992 beschloss.

Geografie

Leimen liegt in der Oberrheinischen Tiefebene an den Ausläufern der "Schwetzinger Hardt" am Übergang zum Kraichgauer Hügelland. Durch das Stadtgebiet fließt der Leimbach.

Nachbargemeinden

Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Leimen. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Osten genannt:
Gaiberg, Bammental, Mauer (Baden), Wiesloch, Nußloch, Walldorf (Baden) und Sandhausen (alle Rhein-Neckar-Kreis) sowie Heidelberg (Kreisfreie Stadt). Westlich von Sandhausen liegt eine zu Leimen gehörige unbewohnte Exklave, die von den Städten und Gemeinden Oftersheim, Sandhausen, Walldorf (Baden), Reilingen und Hockenheim umgeben ist.

Stadtgliederung

Das Stadtgebiet Leimens besteht aus der Kernstadt und den Stadtteilen Gauangelloch, Lingental, Sankt Ilgen und Ochsenbach. In den Stadtteilen Gauangelloch und Sankt Ilgen gibt es jeweils eine Verwaltungsstelle der Stadtverwaltung, welche die Bezeichnung "Bürgeramt" trägt.

Geschichte

Leimen wurde erstmals im Jahre 791 urkundlich erwähnt. Sowohl das Kloster Lorsch als auch das Bistum Worms hatten Grundbesitz. Gauangelloch wurde 1016, Ochsenbach um 1300, Lingental 1312 und der Ort Sankt Ilgen 1341 als St. Aegidius erstmals erwähnt.

1262 trugen die Ortsherren von Bruchsal den Ort Leimen dem Pfalzgrafen zu Lehen auf und ab 1464 gehörte Leimen endgültig zur Pfalz. 1579 erhielt die Siedlung das Recht, einen Jahrmarkt abzuhalten und 1595 wurde der Ort als Stadt und Marktflecken bezeichnet. 1674 wurde Leimen teilweise zerstört.

1771 wurde in Ochsenbach eine Stabhalterei eingerichtet, die auch für den Nachbarort Maisbach zuständig war und 1797 wurde Ochsenbach mit Maisbach zur Gemeinde erhoben, dem auch die Nachbarsiedlung Lingental zugeordnet wurde.

1779 wurde durch Aron Elias Seligmann, der sich 1814 Freiherr von Eichthal nennen konnte, in Leimen eine Tabakmanufaktur eingerichtet und 1792 erbaute dieser sich in Leimen ein "Schloss" im klassizistischen Stil, das heute als Rathaus der Stadt dient.

1803 fiel Leimen sowie die Orte Gauangelloch, Ochsenbach, Lingental und St. Ilgen an das Kurfürstentum bzw. Großherzogtum Baden und wurden Gemeinden im Unteramt bzw. Landamt Heidelberg, das 1825 mit dem Stadtamt Heidelberg zum Oberamt Heidelberg vereinigt wurde. Gauangelloch kam jedoch zunächst zum Bezirksamt Neckargemünd, 1856 an das Bezirksamt Eberbach und erst 1864 zum Bezirksamt Heidelberg.

Ab 1904 erhielt Leimen eine Straßenbahnverbindung nach Heidelberg. 1937 wurde die Gemeinde Ochsenbach aufgelöst. Der Hauptort kam zur Gemeinde Gauangelloch, der Ortsteil Lingental zu Leimen und der Ortsteil Maisbach zu Nußloch. Ein Jahr später entstand der Landkreis Heidelberg aus dem bisherigen Bezirksamt Heidelberg und bei der Kreisreform zum 1. Januar 1973 wurde der Landkreis Heidelberg Teil des neu gebildeten Rhein-Neckar-Kreises.

1981 erfolgte die Erhebung zur Stadt und 1992 schließlich zur Großen Kreisstadt.

Religionen

Leimen gehörte anfangs zum Bistum Worms und kam später zum Bistum Speyer. Wie in der gesamten Kurpfalz, so wurde auch in Leimen die Reformation eingeführt. Wurde 1556 zunächst das lutherische Bekenntnis eingeführt, so wechselte man 1559 zum reformierten Bekenntnis. Leimen und sein Umland waren danach überwiegend protestantische Gemeinden. Ab 1699 gab es wieder eine eigene lutherische Gemeinde in Leimen. Als 1803 die (reformierte) Kurpfalz zum (lutherischen) Land Baden kam, lag eine Vereinigung der beiden protestantischen Kirchen nahe, was 1821 dann vollzogen wurde. Seither gibt es in Leimen nur noch eine protestantische Gemeinde, die zum Bezirk des Dekanats (Kirchenbezirk) Wiesloch kam. Zur Pfarrei Leimen gehörten seit der Übergabe der Kirche St. Aegidius an die Katholiken 1707 (pfälzische Kirchenteilung) auch die Protestanten von Sankt Ilgen, doch erhielt die dortige Gemeinde 1916 wieder eine eigene Kirche und 1930 auch eine eigene Pfarrei. In Gauangelloch war seit der Reformation fast ausschließlich Pfarrei, die teilweise auch für die Nachbarorte zuständig war. Die heutige Kirche wurde 1901/02 im neugotischen Stil erbaut. Alle Kirchengemeinden Leimens gehören bis heute zum Kirchenbezirk Wiesloch innerhalb des Kirchenkreises Nordbaden der Evangelischen Landeskirche in Baden.

Die nach der Reformation übriggebliebenen Katholiken hatten zunächst kein eigenes Gotteshaus. Erst 1707 erhielten sie im Rahmen der pfälzischen Kirchenteilung die Kirche St. Aegidius in Sankt Ilgen. In Leimen konnten sie die katholische Gemeinde 1725 eine eigene Kirche (Herz-Jesu) bauen, welche 1914 durch einen Neubau an anderer Stelle ersetzt wurde. In Gauangelloch feierten die Katholiken ab 1824 in den Räumen der Burg ihre Gottesdienste, ehe sie sich 1902/04 eine eigene Kirche (St. Peter) erbauten und ab 1913 eine eigene Pfarrei erhielten. Gehörten die Katholiken im Raum Leimen zunächst noch zum Bistum Speyer, so wurden sie 1821/27 Teil des neu gegründeten Erzbistums Freiburg, wo sie dem Dekanat Heidelberg zugeordnet wurden. 1976 wurden nach Umwandlung des Dekanats Heidelberg in das Stadtdekanat Heidelberg die Pfarrein des Heidelberger Umlands auf benachbarte Dekanate aufgeteilt. Die Pfarrgemeinden auf dem Gebiet der Gemeinde Leimen (Herz-Jesu Leimen, St. Peter Gauangelloch und St. Aegidius in Sankt Ilgen) kamen somit zum vergrößerten Dekanat Wiesloch, zu dem sie bis heute gehören. Es umfasst nunmehr insgesamt 29 Pfarrgemeinden. Die Pfarrgemeinden Herz-Jesu Leimen und St. Peter Gauangelloch bilden die Seelsorgeeinheit Leimen, die Pfarrgemeinde St. Aegidius in Sankt Ilgen gehört zur Seelsorgeeinheit Sandhausen.

Neben den beiden großen Kirchen gibt es in Leimen auch Freikirchen, darunter die Gemeinde Gottes Leimen im Christlichen Zentrum Leimen/Heidelberg.

Eingemeindungen

In die Gemeinde Leimen wurden folgende Gemeinden bzw. Gemeindeteile eingegliedert oder mit dieser vereinigt:

  • 1937: Ortsteil Lingental der Gemeinde Ochsenbach (Ochsenbach selbst kam zu Gauangelloch, Maisbach zu Nußloch)
  • 1. Oktober 1973: Gauangelloch (mit dem 1937 eingegliederten Ochsenbach)
  • 3. Mai 1975: Sankt Ilgen

Einwohnerentwicklung

Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze).

Jahr Einwohnerzahlen
1577 1.030
1727 566
1809 1.193
1. Dezember 1871 1.724
1. Dezember 1880 ¹ 1.796
1. Dezember 1890 ¹ 1.976
1. Dezember 1900 ¹ 2.821
1. Dezember 1910 ¹ 3.451
8. Oktober 1919 ¹ ?
16. Juni 1925 ¹ 3.914
16. Juni 1933 ¹ 4.160
17. Mai 1939 ¹ 4.178
Jahr Einwohnerzahlen
Dezember 1945 ¹ 4.720
13. September 1950 ¹ 5.957
6. Juni 1961 ¹ 7.261
27. Mai 1970 ¹ 9.318
31. Dezember 1975 16.322
31. Dezember 1980 17.043
27. Mai 1987 ¹ 18.225
31. Dezember 1990 20.361
31. Dezember 1995 24.621
31. Dezember 2000 26.478
31. März 2004 27.033

¹ Volkszählungsergebnis

Politik

Gemeinderat

Der Gemeinderat der Stadt Leimen hat seit der letzten Kommunalwahl vom 13. Juni 2004 insgesamt Mitglieder, die den Titel "Stadträtin/Stadtrat" führen. Sie gehören folgenden Parteien an:

Bürgermeister

An der Spitze der Stadt steht der Bürgermeister, seit 1. April 1992 Oberbürgermeister, der von der Bevölkerung auf 8 Jahre direkt gewählt wird. Sein ständiger Vertreter ist der "Erste Beigeordnete" mit der Amtsbezeichnung "Bürgermeister".

Bürgermeister bzw. (ab 1992) Oberbürgermeister

Wappen

Das Wappen der Stadt Leimen zeigt in geviertem Schild: 1. In Gold ein rotbezungter, schwarzer Löwe; 2. In Blau eine silberne Lilie, 3. In Blau ein silberner Angelhaken, 4. In Silber eine nach oben gekehrte blaue Weintraube an grünem Stiel mit rechtshin weisendem grünem Rebblatt. Die Stadtfarben sind blau-weiß.

Das Wappen vereinigt die Symbole des früheren Wappens von Leimen und der heutigen Stadtteile Gauangelloch und Sankt Ilgen. Der kurpfälzische Löwe und die Weintraube waren bereits im alten Leimener Wappen zu finden. Die Lilie wurde dem Sankt Ilgener Wappen und der Angelhaken dem Gauangellocher Wappen entnommen, wobei letzterer ein "redendes" Wappen darstellte.

Städtepartnerschaften

Leimen unterhält mit folgenden Städten Städtepartnerschaften:

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Museen

Heimatmuseum Sankt Ilgen.

Bauwerke

Das Rathaus mit Spiegelsaal, das ehemalige Schloss des Aaron Elias Seligmann alias "von Eichthal" ist der repräsentative Bau in der Innenstadt. Der "Franzosenturm", ein Mauerrest der ehemaligen Stadtbefestigung ist das Wahrzeichen der Stadt. Die evangelische Kirche wurde 1681/83 nach der Zerstörung wieder aufgebaut und 1732 sowie 1932 baulich erweitert. Die katholische Herz-Jesu Kirche wurde erst 1914 erbaut.

Die St.-Aegidius-Kirche ist die Hauptsehenswürdigkeit im Stadtteil Sankt Ilgen. Die ursprüngliche Klosterkirche ist seit der pfälzischen Kirchenteilung 1707 katholische Pfarrkirche. Die evangelische Kirche in Sankt Ilgen wurde erst 1916 erbaut. Das Rathaus im Stadtteil Sankt Ilgen hat ein Glockenspiel aus Meißner Porzellan.

Im Bettendorffschen Schloss in Gauangelloch ist heute eine Galerie untergebracht. Die beiden Kirchen in Gauangelloch stammen vom Anfang des 20. Jahrhunderts und wurden im neugotischen Stil erbaut, die evangelische Kirche in den Jahren 1901/02, die katholische Kirche St. Peter 1902/04.

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Leimen ist über die Bundesautobahn A 5 Karlsruhe-Heidelberg (Ausfahrt Walldorf/Wiesloch oder Heidelberg/Schwetzingen) zu erreichen. Zwischen der Kernstadt und dem Stadtteil Sankt Ilgen verläuft die Bundesstraße B 3 Heidelberg-Bruchsal.

Im Stadtteil Sankt Ilgen befindet sich der Bahnhof Sankt Ilgen/Sandhausen an den Bahnstrecke HeidelbergKarlsruhe beziehungsweise Heidelberg – Stuttgart. Hier verkehrt auch die S-Bahn Rhein-Neckar. Den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) bedienen darüber hinaus mehrere Buslinien.

Bildung

In Leimen gibt es ein Privatgymnasium, eine Realschule (Otto-Graf-Realschule), zwei Grund- und Hauptschulen (Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule Leimen und Geschwister-Scholl-Schule mit Werkrealschule Sankt Ilgen) sowie eine Grundschule im Stadtteil Gauangelloch.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

Die Gemeinde bzw. Stadt Leimen hat folgenden Personen das Ehrenbürgerrecht verliehen:

  • 1925: Dr. Friedrich Schott
  • 1949: Dr. Ehrhard Schott
  • 1950: Jakob Weidemaier
  • 1965: Johannes Reidel
  • 1968: Jakob Kast
  • 1970: Jacques de Moncuit, Bürgermeister von Tigy
  • 1972: Günter Haritz
  • 1974: Herbert Ehrbar, Bürgermeister
  • 1974: Willi Laub
  • 1975: Albert Kübler
  • 1975: Karl Gehrig
  • 1976: Dr. Hubert Eisinger
  • 1976: Ferdinand Reidel
  • 1977: Otto Hoog
  • 1978: Paulette Billa, Bürgermeisterin von Tinqueux
  • 1983: Alois Lang
  • 1984: Herbert Michelis
  • 1985: Philipp Kübler
  • 1985: Dr. Paul Geiger
  • 1986: Boris Becker, Tennisspieler

Söhne und Töchter der Stadt

Vorlage:Große Kreisstädte in Baden-Württemberg