Zum Inhalt springen

Rudolf Kirchschläger

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist eine alte Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 5. November 2004 um 23:35 Uhr durch Friedrich.Kromberg (Diskussion | Beiträge) (+ NavLeiste). Sie kann sich erheblich von der aktuellen Version unterscheiden.

Rudolf Kirchschläger (* 20. März 1915 in Niederkappel, Oberösterreich; † 30. März 2000 in Wien) war Richter, Diplomat, parteiloser Politiker und von 1974 bis 1986 österreichischer Bundespräsident.

Ausbildung und Karriere

Kirchschläger wurde mit 11 Jahren Waise, absolvierte das Aufbaugymnasium in Horn und studierte bis 1950 in Wien Rechtswissenschaften. Im 2. Weltkrieg wurde Kirchschläger schwer verwundet. 1947 bis 1954 war er Richter in Langenlois und Wien, ab 1954 Rechtsexperte im Außenministerium.

Kirchschläger war wesentlich an den Vorarbeiten und dem Zustandekommen von Staatsvertrag und Neutralitätsgesetz beteiligt.

Von 1967 bis 1970 war er Botschafter in Prag. In seine Amtszeit fiel der "Prager Frühling", während dessen er sich über die Weisungen seines Vorgesetzten, des Außenministers Kurt Waldheim, hinwegsetzte und an alle Ausreisewilligen Visa erteilte.

1970 wurde er von Bruno Kreisky als Parteiloser zum Außenminister der SPÖ-Alleinregierung bestellt.

Bundespräsidentschaft

Wahl 1974

1974 mehrten sich nach dem Tod von Bundespräsident Franz Jonas bei der SPÖ zunächst die Stimmen, der populäre Bundeskanzler Bruno Kreisky solle selbst für dieses Amt kandidieren. Kreisky lehnte jedoch ab, weil ihm die Kompetenzen des Bundespräsidenten nicht ausgedehnt genug erschienen. Da die SPÖ bei früheren Bundespräsidentenwahlen immer mit dem Argument des Machtausgleichs mit der ÖVP argumentiert hatte (unter dem Stichwort "roter Präsident - schwarzer Kanzler"), kam diesmal bei der nunmehr ja selbst den Kanzler stellenden SPÖ schon aus wahltaktischen Gründen nur ein Nicht-SPÖ-Parteimitglied in Frage. Hier bot sich der parteilose, praktizierende Katholik Kirchschläger als idealer Kandidat an.

Dass Kirchschläger in der Wahl gegen den von der ÖVP unterstützten Innsbruck Bürgermeister Alois Lugger mit 51,7 % obsiegte, hatte seinen Grund allerdings nicht nur in der allseits anerkannten Persönlichkeit des Außenministers, sondern auch in der Uneinigkeit der ÖVP: Lugger selbst war in der ÖVP erst nach einem parteiinternen Putsch in der letzter Minute gegen den von der Parteiführung bereits als Kandidat aufgestellten ehemaligen Generalsekretär Hermann Withalm installiert worden.

Amtsausübung

Kirchschläger war ein - auch in seiner persönlichen Bescheidenheit - unumstrittenes Staatsoberhaupt mit großer Autorität, was seither keinem seiner Nachfolger mehr gelang. Er fand auch bei heiklen Problemen die richtigen Worte. Berühmt wurde sein Ausspruch über das ...Trockenlegen der Sümpfe und sauren Wiesen... anlässlich des AKH-Skandals, ein Vergleich, der vor der Popularisierung eines Umweltbewusstseins noch weithin als passend empfunden wurde.

Wahl 1980

Aufgrund seiner enormen Popularität gestaltete sich seine Wiederwahl 1980 zum Triumph: Kirchschläger wurde als nunmehr gemeinsamer Kandidat von SPÖ und ÖVP mit dem Spitzenergebnis von 79,9% der Stimmen gegen den von der FPÖ unterstützten Diplomaten Wilfried Gredler sowie den Rechtsextremisten Norbert Burger wiedergewählt.

Literatur

  • Rudolf Kirchschläger: Der Friede beginnt im eigenen Haus. Gedanken über Österreich. Molden, 1980. ISBN 3217010701
  • Alois Mock, Herbert Schambeck (Hrsg.): Verantwortung in unserer Zeit. Festschrift für Rudolf Kirchschläger. Österreichische Staatsdruckerei, 1990.
  • Josef Pühringer (Hrsg.): Immer den Menschen zugewandt. Verlag Österreich, 2000. ISBN 3704614955

Siehe auch

Vorlage:Navigationsleiste Bundesminister für auswärtige Angelegenheiten