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Tell Brak

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Tell Brak ist ein antiker, ursprünglich sumerischer Siedlungshügel in Nord-Mesopotamien. Er ist eine bedeutende Ausgrabungsstätte der Kulturen des 3. u. 2. Jahrtausends v. Chr., vor allem der Akkad-Zeit, auch der hurritischen Epoche sowie des Mitanni-Reiches. Unter dem Hügel Brak wird das antike Nagar vermutet.

Lage

Tell Brak liegt in Nordostsyrien an einem Nebenfluss des Habur. Koordinaten: 36°40'00 N, 41°03'30 E

Forschung und Geschichte

Neuzeitlicher Entdecker des Tells ist der Archäologe Max Mallowan, der Ehemann Agatha Christies. Er fand den Hügel im November 1934 auf einem Survey in Nordsyrien. Ein damals sensationeller Fund waren die tausende kleiner Augenidole in den Fundamenten des "Augentempels".

Neues Licht auf die Erforschung des Tell Brak erbrachten die ab 1975 in Ebla gefundenen über tausend Tontafeln, die vor allem die mittelsyrische Geschichte in der zweiten Hälfte des 3. Jahrtausends v. Chr. erhellen. Dort ist von der Stadt Nagar die Rede, die heute mit Tell Brak identifiziert wird. In Nagar herrschte demnach eine befreundete Dynastie, die sogar mit Ebla in dynastischer Ehe verbunden war. In Tell Brak fand man bisher keine Keilschrifttafeln, aber etwa 40 km westlich von Nagar entfernt am Tell Beydar konnten 1993 wiederum Schriftfunde aus der fraglichen Zeit gemacht werden, Keilschrifttafeln und Siegel, die inzwischen auf über 200 Exemplare gestiegen sind. Tell Beydar, das antike Nabada scheint um 2300 v. Chr. vollständig unter der Vorherrschaft von Tell Brak gestanden zu haben. Dort wurde ein frühbronzezeitlicher Palast mit mehreren Heiligtümern auf der Akropolis freigelegt. Die über 1400 Siegelabrollungen und Tonplomben weisen auf einen regen Handel mit dem regionalen Zentrum Tell Brak hin. Während aber Beydar/Nabada in der Akkade-Zeit in die Bedeutungslosigkeit herabsank, behielt Tell Brak/Nagar seine regionale Bedeutung auch unter Sargon von Akkad und seinen Nachfolgern bei. So errichtete Naram-Sin von Akkad, wie Ziegelinschriften belegen, einen befestigten Palast, der auch große Magazine enthielt. Die Garnison in Tell Brak kontrollierte vermutlich den Handel mit dem Hochland. In einigen Räumen wurden Getreidereste, in anderen Gold, Silber und Edelsteine gefunden.

Durch Vergleiche mit den anderen ostsyrischen Fundstätten Tell Beydar, Tell Chuera und Tell Bi'a konnte eine einheitliche für den Habur und oberen Euphrat typische Kultur konstatiert werden. Nach einem einheitlichen Schema befand sich auf der Akropolis inmitten der Städte ein Palast und mehrere integrierte bzw. angeschlossene Tempel. In Tell Beydar befanden sich unterhalb des Palastes mehrere Katakomben mit Ahnengräbern, in denen die herrschende Dynastie von Nadar vermutet wird. Das sonst im frühbronzezeitlichen Syrien weit verbreitete Schema des Antentempels war hier dagegen unbekannt.

Literatur

  • Walther Sallaberger: Frühe Stadtgeschichte(n). in: Einsichten. München 2003,2. ISSN 0941-3642
  • J. Bretschneider: Palast, Tempel, Grab - Religiöse und politische Architektur auf der frühbronzezeitlichen Akropolis von Tell Beydar. in: Subartu. Bd 12. Brepols, Turnhout 2004. ISBN 2-503-51542-8
  • A. Berlejung, J. Bretschneider: Tod in Mesopotamien- in: Spektrum der Wissenschaft. Heidelberg 2003,9, 68-74, Abb. S.73. ISSN 0170-2971
  • Nilabshinu und der altorientalische Name des Tell Brak. in: Studi Micenei ed Egeo-Anatolici. Roma 24.1984, 27-34. ISSN 1126-6651
  • Jürgen Langenbach: Schlacht um Hamoukar. in: Die Presse. Wien 10.06.2006.
  • S. Anastasio: The Archaeology of Upper Mesopotamia. Subartu. Bd 1. Brepols, Turnhout 1995. ISBN 2-503-50416-7 (Bibliographie)