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Jasper Hanebuth

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Jaspar Hanebuth (* 1607 in Großbuchholz bei Hannover; † 4. Februar 1653).

Immer noch recht populär ist zweifellos Hannovers berüchtigter Raub- und Massenmörder Jaspar/Caspar Hanebuth und seine Bande.

Er war aus Gr. Buchholz bei der „Pinckenburg“ bürtig und bereits von seinen Anlagen her ein roher, wilder Mensch; seine Wutanfälle waren gefürchtet. So ist gerade er ein beredtes Beispiel dafür, wie ein Mensch durch die Verhältnisse des Dreißigjährigen Krieges, in welchem sich ja selbst das Heer als eine Art „Hochschule des Verbrechens“ gestaltete, völlig demoralisiert und zum Verbrecher werden konnte. Er, der 19 Mordtaten beging, seine Opfer oft aus der Ferne niederschoss, ohne zu wissen, ob er Geld bei ihnen finden werde, und sie dann den Wölfen, Hunden und Vögeln zur Speise liegen ließ, wurde also Hannovers größter und feigster Mörder und Schandbube, welchen der 30-jährige Krieg gebar.

Hanebuth verübte die meisten seiner bösen Taten zusammen mit einigen bekannten Mordgesellen, darunter Caspar Reusche und Hänschen von Rode (ein Abkömmling einer alten hannoverschen Patrizierfamilie), also in einer Zeit, als das Gefühl für Sitte abgestumpft und das Leben wenig wert war, ja Rohheiten, Räubereien, Schandtaten und Totschläge in einem Klima alltäglicher Gewalt nur so um sich gegriffen hatten. Die Erlebnisse während seiner Militärzeit verstärkten noch seine oben angesprochene Mentalität. In dieser Zeit erschoss er ja sogar seine „Räuberbraut“.

Wenn er und seine Spießgesellen nicht mit ihrem „Langrohr“ durch die Wälder streiften, um Leute „umzurücken“, dann hielten sie sich mit einiger Vorliebe bei Broyhan, Spiel und Pferdehandel, wenn wir es einmal so nennen wollen, in den Schenken der Stadt auf und sannen in den Wirtshäusern (nicht im Spessart, sondern in der Stadt Hannover) auf Raub- und Mordanschläge und waren durchaus gefürchtete Gäste. Dabei war es noch das Geringste, wenn sie den Bürgern den Broyhan aussoffen, ohne nach der Zeche zu fragen.

Hanebuths und seiner Mordgesellen Schandtaten hatten so lange unentdeckt bleiben können, weil er genügend Schrecken verbreitete, sodass ihn die Nachbarn aus Angst nicht verrieten. Zudem hatte man sich an den Anblick herumliegender Leichen und Leichenteile gewöhnt; selbst vor den Toren Hannovers lagen getötete „Bauersleute“ in den Pfützen, „die niemand (hat) begraben können“.

Am 4. Februar 1653 wurde unter freiem Himmel das hochnotpeinliche Halsgericht gehegt. 19 Morde und 10 Diebstähle wurden im Rahmen des üblichen Rituals öffentlich verlesen und über dem Delinquenten der Stab gebrochen. Daraufhin begleiteten 108 abkommandierte Bürger aus den Korporalschaften, ausgestattet mit Unter- und Obergewehr, den armen Sünder in langem Zug durch die Stadt zum Steintor hinaus, zu dem düsteren Ort des Richtplatzes, wo das Auge neben dem steinernen Galgen ein neu aufgerichtetes Rad erblickte ...

Hanebuth lebt im Bewusstsein der Hannoveraner fort. Den Hanebuthsblock in der Eilenriede (unweit des Zoos), einst einer Wildnis, die Angst und Beklemmung verbreitete, kannte einmal jedes Kind. Auch hat man ihm zu Ehren in seinem Geburtsort, dem hannoverschen Stadtteil Groß-Buchholz, eine Straße nach ihm benannt.

Quelle: Lehrmann, Joachim: Räuberbanden zwischen Harz und Weser - Hannover, Braunschweig, Hildesheim - Ein historischer Rückblick, 2004, ISBN 3-9803642-4-0