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Annemarie Schimmel

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Annemarie Schimmel (* 7. April 1922 in Erfurt, † 26. Januar 2003 in Bonn) war die bekannteste deutsche Islamwissenschaftlerin.

Arabisch begann sie bereits als Schülerin mit 15 Jahren zu lernen.

Als Lehrbeauftragte oder Professorin lehrte sie u.a. an der neugegründeten Theologischen Fakultät in Ankara, am Seminar für Orientalische Sprachen bei der Universität Bonn, an der Harvard-Universität in Cambridge, Massachusetts, USA (1967-1979, 1979-1982, 1983-1992), an der Universität Teheran (1979), am Ismailitischen Institut London (1982-1983), an der Universität Edinburgh (1992-1993) und am Orientalischen Seminar der Universität Bonn. Als ihre "zweite Heimat" bezeichnete sie jedoch Pakistan. (In Lahore wurde das ehemalige Goethe-Institut nach ihr benannt.)

1995 bekam sie den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen. Die Verleihung war in der Öffentlichkeit umstritten, da Schimmel in einem Fernsehinterview Verständnis für den Tötungsaufruf gegen den indischen Schriftsteller Salman Rushdie geäußert hatte. Dieser war vom iranischen Ayatollah Ruhollah Khomeini in einem Rechtsgutachten (Fatwa) verhängt worden; in dem Rechtsgutachten wurden Gotteslästerung und Schmähung des Propheten Mohammed in dem Buch "Die Satanischen Verse" festgestellt. Schimmel äußerte sich auch wiederholt negativ über die pakistanische Ministerpräsidentin Benazir Bhutto (die bei ihr in Harvard studiert hatte) sowie über die bengalische Menschenrechtlerin Taslima Nasrin, die sich beide für mehr Frauenrechte im Islam eingesetzt hatten.

Zeit ihres Lebens setzte sich Annemarie Schimmel für ein besseres Verständnis des Islam im Westen und für ein friedliches Miteinander von Muslimen und Nicht-Muslimen ein. In diesem Zusammenhang stellte sie u.a. die Bedeutung des Orientalisten und Dichters Friedrich Rückert wiederholt heraus. Sie selber stand der Sufi-Mystik nahe; ihr persönlicher Lieblingsdichter war Muhammad Iqbal. Ihren von einigen Muslimen behaupteten heimlichen Übertritt zum Islam unter dem Namen "Jamila" (die Schöne) hat sie jedoch stets dementiert.

Preise und Auszeichnungen

  • Friedrich-Rückert-Preis der Stadt Schweinfurt 1965
  • Bundesverdienstkreuz 1. Klasse mit Stern u. Schulterband 1982
  • Ehrenhalbmond der Islamischen Republik Pakistan 1983
  • Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 1995
  • Ägyptischer Verdienstorden für Kunst und Wissenschaft 1. Klasse 1996
  • Reuchlin-Preis der Stadt Pforzheim 2001
  • Dostlik-Orden der Republik Usbekistan 2002
  • Muhammad-Nafi-Tschelebi-Medienpreis 2003

Werke

Aus den über 100 Veröffentlichungen eine kleine Auswahl, die weniger dem Kriterium wissenschaftlicher Relevanz folgt, sondern vor allem dem interessierten Laien dienen soll.

  • Kalif und Kadi im spätmittelalterlichen Ägypten, Leipzig 1943
  • Studien zum Begriff der mystischen Liebe im Islam. Dissertation, Marburg 1954
  • Pakistan - ein Schloß mit 1000 Toren, o.O. 1965
  • Mystische Dimensionen des Islam. Die Geschichte des Sufismus. 1975 ISBN 3-458-33415-7
  • Al-Halladsch. "O Leute, rettet mich vor Gott". ISBN 3-451-04454-4
  • Rumi: Ich bin der Wind und du bist Feuer. Leben und Werk des Mystikers. Köln 1978
  • Islam in the Indian Subcontinent, Leiden 1980
  • Und Muhammad ist sein Prophet. Die Verehrung des Propheten in der islamischen Frömmigkeit. Düsseldorf, 1981
  • Die orientalische Katze. Köln 1983
  • Berge, Wüsten, Heiligtümer. Meine Reisen in Pakistan und Indien. München, 1994
  • Die Träume des Kalifen. Träume und ihre Deutung in der islamischen Kultur. München, 1998
  • Gesang und Exstase. Sufi-Texte des indischen Islam. München, 1999. ISBN 3-466-20448-8
  • Kleine Paradiese. Blumen und Gärten im Islam. Freiburg, 2001 ISBN 3-451-05192-3
  • Morgenland und Abendland. Mein west-östliches Leben, München 2002. ISBN 3-406-49564-8 (Autobiographie).

Literatur

  • Wolfdietrich Fischer: Nachruf auf Annemarie Schimmel, in: Jahrbuch der Rückert-Gesellschaft, Band 15 (2003, 2004 erschienen), S.215ff.